Neues Projekt soll Betriebe zum Kurskauf animieren
Wenn sich das Arbeitsmarktservice (AMS) Gedanken macht, welche Kenntnisse sich die Arbeitslosen aneignen sollen, ist das nicht weiter ungewöhnlich. In einem neuen Projekt geht man jetzt aber noch einen Schritt weiter. Es wurden Kursmodule entwickelt, die sich nicht nur an Arbeitslose, sondern verstärkt auch an Menschen richten, die schon oder noch einen Job haben.
Der Hintergedanke dabei: Die Halbwertszeit des Wissens wird weiter sinken. In der Schule oder bei der Lehrausbildung erworbenes Wissen ist schon nach kurzer Zeit veraltet. In technologiebezogenen Bereichen ist die Hälfte des Wissens nach drei Jahren nicht mehr aktuell. Im EDV-Bereich ist die Halbwertszeit noch deutlich kürzer. Daher müsse man einen verstärkten Fokus auf die laufende Fortbildung setzen, meint Wolfgang Tritremmel, AMS-Verwaltungsrat und Arbeitsmarktexperte der Industriellenvereinigung.
Steuerlich absetzen
In fünf Wirtschaftsclustern - nämlich "Maschinen, Kfz, Metall", "Chemie, Kunststoff, neue Materialien", "Büro und Verwaltung", "Gesundheit, Wellness und Tourismus" sowie "Bau und Bauökologie" - wurde vom AMS gemeinsam mit Unternehmen und Experten untersucht, welche Kenntnisse und Fähigkeiten aktuell und künftig nachgefragt werden. Darauf aufbauend werden jetzt konkrete Kursinhalte erarbeitet, die die Firmen dazu verleiten sollen, mehr Mitarbeiter in Fortbildungsveranstaltungen zu schicken. Ab Herbst sollen die Kurse bei den Bildungsinstituten wie Wifi und Bfi zugekauft werden können.
Aber was müssen die Mitarbeiter von heute nun alles wissen? In der Metallverarbeitung soll beispielsweise Wissen in den Bereichen Hybridentwicklung, Elektrochemie oder Hochvoltbatterien vermittelt werden. In der Baubranche sind Kenntnisse im Bereich Wärmedämmung und Fotovoltaik gefragt. Im Gesundheitsbereich wiederum sollte man verstärkt über Allergien oder Essstörungen Bescheid wissen.
Wenn das Kursangebot passt, werden es auch mehr Firmen in Anspruch nehmen, glaubt Tritremmel. Schließlich könnten Fortbildungskosten auch zu 120 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Es sei aber durchaus zu überlegen, diese Grenze noch weiter anzuheben, etwa auf 140 Prozent wie in Holland, sagt der IV-Vertreter.
Tritremmel will sich mit den neuen Kursen aber nicht nur auf die Arbeitslosen und die Betriebe konzentrieren. Auch direkt beim Schulsystem müsse man ansetzen. Absolventen von HTLs hätten beispielsweise zu wenig Wissen über Materialkunde und Metallkunde. Daher müsse man auch andenken, dass die Schulen externe Kursleiter zukaufen. Erste Gespräche mit der zuständigen Sektion im Bildungsministerium soll es in Bälde geben. "Ich erwarte mir, dass wir da in den nächsten Wochen Nägel mit Knöpfen machen", erläutert Tritremmel. "Wir müssen auch über das Schulsystem die New Skills in die Bevölkerung bringen." (go, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)