AMS-Kurse, bevor der Job verlorengegangen ist

4. September 2010, 17:00
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    foto: engelbogen / pixelio.de

    Die Halbwertszeit des Wissens sinkt schnell, daher müssen die "Wissensbatterien" ständig aufgeladen werden

Neues Projekt soll Betriebe zum Kurskauf animieren

Wenn sich das Arbeitsmarktservice (AMS) Gedanken macht, welche Kenntnisse sich die Arbeitslosen aneignen sollen, ist das nicht weiter ungewöhnlich. In einem neuen Projekt geht man jetzt aber noch einen Schritt weiter. Es wurden Kursmodule entwickelt, die sich nicht nur an Arbeitslose, sondern verstärkt auch an Menschen richten, die schon oder noch einen Job haben.

Der Hintergedanke dabei: Die Halbwertszeit des Wissens wird weiter sinken. In der Schule oder bei der Lehrausbildung erworbenes Wissen ist schon nach kurzer Zeit veraltet. In technologiebezogenen Bereichen ist die Hälfte des Wissens nach drei Jahren nicht mehr aktuell. Im EDV-Bereich ist die Halbwertszeit noch deutlich kürzer. Daher müsse man einen verstärkten Fokus auf die laufende Fortbildung setzen, meint Wolfgang Tritremmel, AMS-Verwaltungsrat und Arbeitsmarktexperte der Industriellenvereinigung.

Steuerlich absetzen

In fünf Wirtschaftsclustern - nämlich "Maschinen, Kfz, Metall", "Chemie, Kunststoff, neue Materialien", "Büro und Verwaltung", "Gesundheit, Wellness und Tourismus" sowie "Bau und Bauökologie" - wurde vom AMS gemeinsam mit Unternehmen und Experten untersucht, welche Kenntnisse und Fähigkeiten aktuell und künftig nachgefragt werden. Darauf aufbauend werden jetzt konkrete Kursinhalte erarbeitet, die die Firmen dazu verleiten sollen, mehr Mitarbeiter in Fortbildungsveranstaltungen zu schicken. Ab Herbst sollen die Kurse bei den Bildungsinstituten wie Wifi und Bfi zugekauft werden können.

Aber was müssen die Mitarbeiter von heute nun alles wissen? In der Metallverarbeitung soll beispielsweise Wissen in den Bereichen Hybridentwicklung, Elektrochemie oder Hochvoltbatterien vermittelt werden. In der Baubranche sind Kenntnisse im Bereich Wärmedämmung und Fotovoltaik gefragt. Im Gesundheitsbereich wiederum sollte man verstärkt über Allergien oder Essstörungen Bescheid wissen.

Wenn das Kursangebot passt, werden es auch mehr Firmen in Anspruch nehmen, glaubt Tritremmel. Schließlich könnten Fortbildungskosten auch zu 120 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Es sei aber durchaus zu überlegen, diese Grenze noch weiter anzuheben, etwa auf 140 Prozent wie in Holland, sagt der IV-Vertreter.

Tritremmel will sich mit den neuen Kursen aber nicht nur auf die Arbeitslosen und die Betriebe konzentrieren. Auch direkt beim Schulsystem müsse man ansetzen. Absolventen von HTLs hätten beispielsweise zu wenig Wissen über Materialkunde und Metallkunde. Daher müsse man auch andenken, dass die Schulen externe Kursleiter zukaufen. Erste Gespräche mit der zuständigen Sektion im Bildungsministerium soll es in Bälde geben. "Ich erwarte mir, dass wir da in den nächsten Wochen Nägel mit Knöpfen machen", erläutert Tritremmel. "Wir müssen auch über das Schulsystem die New Skills in die Bevölkerung bringen." (go, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)

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Kapitalismus Luege
02
Der Arbeitslose ist totes Humankapital, ohne Rendite

(Josef Ackermann, DB)

- oh, man kann die Arbeitslosen aber indirekt bewirtschaften:

sie muessen Kurse bei parteisubventionierenden Kursanbietern machen. So fliesst Steuergeld in die Parteikassen und Saecke der "Freunde" (in Italien auch Mafia genannt).

Im Staatskapitalismus muessen
die Bauern so tun als ob sie sich am Markt bewegten,
die Arbeitslosen so tun als ob sie Arbeit suchten oder Zwangsmassnahmen besuchen,
die Arbeiter so tun als ob sie fuer gerechten Lohn arbeiteten,

und die Politiker muessen uns stets "Wohlstand fuer alle" verkaufen

- ich kenne ein System, das genau so gescheitert ist

mindless destruction
02
Weil hier desöfteren das Thema aufkam, ...

... dass einige Leute hier in, für sie ungeeignete, Kurse gesteckt wurden:

Vor wenigen Jahren arbeitete ich noch als IT-Techniker und wurde, als ich den Job verlor, in einen ECDL-Kurs, geleitet von "ibis acam", gesteckt... Für ganze 5 Wochen... Sogar der "ECDL-Trainer" meinte, dass da beim AMS gehörig was schief läuft... Naja, wir bekamen nette Aufgaben im Word/Excel-Bereich, mit welchen ich nach wenigen Minuten schon ferig war und andere halt, wegen fehlendem Wissen, mehrere Stunden saßen... Ich nutzte halt die gewonnene Zeit sinnvoll und widmete mich der Programmierung und natürlich der Arbeitssuche... Für mich war es lediglich ein finanzieller Rückschlag, da natürlich die Fahrtkosten nicht zur Gänze übernommen wurden... -.-

Der strenge Meister Johann
04
Da sind doch AMS-Gelder unterschlagen worden!?

Was ist eigentlich aus dieser Sache geworden???????

FREEDOMNOW
01
Alles OK.

Unsere unabhängige Justiz ermittelte bereits fast, jedoch dann gingen auf Vorschlag eines externen Beraters leider ein paar Akten auf dem Postweg verloren. Zu ärgerlich aber auch.

maxxxxx
00

Die beamteten AMS-Geld-Räuber sind angeblich im Ausland untergetaucht.

Die hat man wohl nicht verfolgt. So wie all die anderen, die es sich auf unsere Kosten gut gehen lassen.

Ingrid Goeschl1
02
Wenn ein Unternehmen eine/n besser qualifizierten Arbeitnehmer/in braucht als jene/n, der/die den Job gerade macht, und diese/n daher durch jemand anderen, qualifizierteren ersetzt,

geht ja kein Arbeitsplatz verloren, es werden bloß die Menschen ausgetauscht.

Ich verstehe daher nicht, inwieweit sich diese Weiterbildungen auf den Arbeitsmarkt auswirken sollen.

Sinnvoller wäre es, qualitativ überprüfte, gute (!) Ausbildungen mehr - und zwar für alle Menschen, die diese freiwillig (!) belegen, egal ob arbeitslos oder beschäftigt, - zu fördern, und zwar nicht nur, wenn sie von "parteigeförderten" Instituten angeboten werden.

Die Förderungen für einige "Kurse", die das Wifi dem AMS derzeit verkauft, sind schlicht eine Unverschämtheit, offenbar verwechselt das AMS die Arbeitslosenversicherungstöpfe, in die wir alle einzahlen, mit einem Selbstbedienungsladen!

Silvio Lackner
00
der Qualifiziertere

ist aber heutzutage meistens schon überqualifiziert. Er zeigt mit dem Finger in die Höhe und sagt: "ich habe Anspruch auf den JOb, weil ich besser quaifiziert bin ALS ER/SIE."

Es wird nicht Kreativität vermittelt, sondern das Rausdrängen. So kommt halt statt des HAK-Maturanten der Bachelor oder der Master. Es wird das erforderliche zertifizierte Level immer weiter hinaufgeschraubt und alle unterwerfen sich der Mühle, weil sie unterschlüpfen wollen: die Generation Praktikum wächst. Und eine Industrie lebt inzwischen von den Lebensberatungen und Kursen. Intuition, Phantasie, Empathie spielen keine Rolle mehr. Deswegen steht auch alles still.

gastrosoph
00
Kompliment!

Sehr gut analysiert. Habe schon vor zwei Jahren den Begriff 'Überqualifiziert' als Unwort des Jahres vorgeschlagen.

Tina Wild
01
Es geht zwar kein Arbeitsplatz verloren

aber einen Arbeitslosen, wenn ein älterer Angestellter wegen eines jüngeren, dessen Ausbildung mehr dem aktuellen Stand entspricht, gehen muss.

Almi66
010
Das AMS, der Pate der Kursmafia

Damit "alles seine Ordnung" hat werden zehntausende Kursplätze jedes Jahr ausgeschrieben. Zum Zuge kommen aber meist lediglich die Großen in der Fortbildungsbranche. Abgesehen von der Zweifelhaftigkeit planwirtschaftlicher Bildungssysteme (wo wir ja angeblich alle so flexibel sein müssen), stellt sich da schon die Frage, ob ein Oligopol (also wenige Anbieter) nicht auch die Korruption fördert.
(es gilt die superweiße Unschulds-Weste unseres AMS)

Topaxi
018

"Wenn sich das Arbeitsmarktservice (AMS) Gedanken macht, welche Kenntnisse sich die Arbeitslosen aneignen sollen, ist das nicht weiter ungewöhnlich"

Doch. Äußerst ungewöhnlich ist bzw. wäre dies. Ich gehe soweit zu sagen, dass dies ein Quantensprung wäre. Denn die Kursmaßnahmen, zu denen man ab einer gewissen Dauer der Arbeitslosigkeit verpflichtet wird, lassen den eindeutigen Schluss zu, dass sich über diese genau niemand Gedanken gemacht hat.

maxxxxx
01

Richtig, das wäre außerordertlich ungewöhnlich ungewöhnlich! Eine Novität!
Aber das ist nach ausschließlich negativen gegenteiligen Erfahrungen mit diesem Un-Schulungsunwesen nicht mehr im Vorstellungsbereich.
Das AMS erscheint im derzeitigen Zustand nicht reformierbar weil dafür Ehrlichkeit, Selbstkritikfähigkeit, mehr Geld und ein Reformwille notwendig wäre, was bisher aber nicht vorhanden war. Und es bräuchte auch dringend eine Öffentlichkeit und einen Journalismus, der sich nicht weiter an der Vertuschung der AMS-Missstände beteiligt, wie in diesem Werbe-Artikel vorgeführt.

Eines weiß ich jetzt schon: Beim nächsten Zwangsverblödungkurs durch unfähige und arrogante Trainer ohne Ausbildung erleide ich einen Nervenzusammenbruch!

A ndreas Bogeschdorfer
08
Bingo!

Profil berichtete vor einiger Zeit von einm arbeitslosen Akademike, der in seine Diplomarbeit in Englisch verfasst hatte und vom AMS zu einem Englischkurs für Anfänger verpflichtet wurde.

Ich selbst hatte im Kursprogramm "Verkauf, Marketing und Präsentation" und bekam beim AMS anschließen u hören: "Ja wenn Sie da keine Ausbildung haben, werden Sie im Verkauf keinen Job kriegen."

Individuelle Anliegen werden ignoriert und torpediert, Hauptsache die statistischen Ziele werden erfüllt.

(:_:-:_:)
09
also mal auf deutsch:

das AMS wird subventioniert durch unsere steuergelder das WIFI und BFI dafür bezahlen firmen dabei zu helfen ausbildungskosten zu sparen.

meine fragen dazu:
1.) ist das das kerngeschäft des ams
2.) hat das ams ausreichend kompetenzen in diesem bereich? die kritik an den anbietern und der qualität von ams kursen ist ja massiv
3.) warum übernimmt das ams dann nicht gleich das ganze schul- und bildungssystem
4.) warum wird nur das schwarze WIFI und rote BFI so quersubventioniert
5.) wann wird die praxis der auftragsvergabe durch das AMS an diverse kursanbieter von der justiz unter die lupe genommen?

Das Zitat aus dem Artikel sagt eh alles:
"... Firmen dazu >verleiten< sollen, mehr Mitarbeiter in Fortbildungsveranstaltungen zu schicken"

Stiller Mitleser
 
18
Wie der Name schon sagt ..... Arbeitsmarktservice

Das AMS ist primär darum bemüht für den Arbeitsmarkt ausreichend Arbeitssuchende zur Verfügung zu stellen. Die Aufgabe des AMS besteht nicht darin, Arbeitssuchende zu unterstützen!

Franz A.
01
Zweifel

Ich bezweifle, dass das AMS irgendeine Aufgabe sinnvoll wahrnimmt, ausser der, die Statistik halbwegs gut aussehen zu lassen. Deshalb werden moeglichst viele Leute in meist wenig sinnvolle Kurse gesteckt.

Was ich an Inkompetenz und Wurschtigkeit erleben musste ist zwar nicht ganz so arg, wie das, was ich von anderen hoerte, aber auch noch bei weitem zu viel. Ich war gottseidank in der Lage "Danke, verzichte" sagen zu koennen und habe meinen Weg ohne das AMS gemacht.

FREEDOMNOW
02
Dronen.

Richtig, das AMS stellt jederzeit primär Lohnsklaven.

gastrosoph
50
Genau umgekehrt!

Sonst bräuchte die AMS ja keine Kurse anbieten und zum Teil diese auch zu (mit)finanzieren! Wie das dann in Realität ausschaut, ist eine andere Frage und Beurteilung.

gastrosoph
04
In erster Linie sollten die Betriebe

ihren Mitarbeiter die Kurse finanzieren, denn letztendlich kommt die Weiterbildung den Betrieben zu Gute. AMS ist ein Eimer ohne Boden; sinnvolle Fortbildungskurse, Umschulugen finden kaum statt. Die Kurse, in die die Arbeitslosen geschickt werden, orientieren sich am Billigsektor wie Leihfirmen, und 'schönt' die Arbeitslosen-Statistik, denn für die Zeit der 5- bis 6-wöchigen Kurse wird der Kursteilnehmer als nicht-arbeitslos geführt. Und dann sitzen in einer Gruppe Leute, die jüngste 23, der älteste 62 und vier Nationalitäten, von denen die Hälfte der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Und die Institute, die die günstigste Offerte anbieten, erhalten den Zuschlag. Qualitätskriterien sind dabei nicht entscheidend.

john the miracle
08
super idee...

...nehmen wir den unternehmern die last ab für die qualifizierung ihrer arbeitskräfte sorgen zu müssen. dann wird es sicher immens schwieriger seine arbeitnehmer zu feuern wenn der betrieb mal nicht so gut läuft! geht genau in die richtige richtung diese denkweise...sicher sehr förderlich langandauernde beschäftigungsverhältnisse zu fördern! man könnte ja ungeheure summen verlieren die man in die qualifikation seiner arbeitnehmer investiert hat!

bin gespannt wann die mal auf die idee gekommen dass arbeitslose auch studieren dürfen sollten um sich tatsächliche qualifikationen zu verschaffen anstatt zeit zu verschwenden in diesen idiotischen ams kursen. sorry, aber da kann einem schon der gaul durchgehen...

A ndreas Bogeschdorfer
01
Studieren?

Ich wäre schon froh gewesen, wenn man mir die Ausbildung zum Energieberater beim Energiesparverband ermöglicht hätte.

Bis die Diskussion beim Thema Erwachsenenstudium angelangt ist vergehen vermutlich noch Jahrzehnte in dieser Bildungsbananenrepublik.

Michael B
04
Jetzt müssen die für die Krise angeschafften Überkapazitäten

irgendwie verwertet werden, denn es handelt sich dabei um Parteifreunde, die mit jahrelangen Pfründen fix gerechnet hatten.

Das fehlt als Conclusio am Ende des Artikels.

LZ
01

>Daher müsse man auch andenken, dass die Schulen externe Kursleiter zukaufen</ das ist doch ein Geschwurbel sondergleichen.....diese Industriellen sind unendlich bescheuert...irgendwie fehlt mir das Händeringende beim Zukaufen!

Terry McGinnis
013

AMS-Kurse sind zu 80-90% Zeit- und Geldverschwendung. Das ist ALLES was es zu diesem Thema zu sagen gibt....

Karl Heinz dein Geld ist meins........
 
03
Das Problem bei den meisten Unternehmen ist !

Das die Firmen Eigentümer oder Vorstände in BMW,Mercedes,oder Audi Investieren während dessen ihnen die Arbeitnehmer schnurz egal sind und nur ein übel zum zweck.

Österreich ist in der geförderten weiter Bildung von Arbeitnehmern Schlusslicht !

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