Heimische Komponistinnen und Komponisten üben heftige Kritik an der Förderstruktur
Die meisten seien stark in Lehrberufe eingebunden und hätten sich von Erfolgsdefinition via ökonomische Dimension verabschiedet.
Wie ist es um die Lebens- und Arbeitssituation von Komponistinnen und Komponisten bestellt? Womit bestreiten sie ihren Lebensunterhalt?
Den meisten davon - so Bruno Strobl, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik - bietet das Unterrichten ein fixes Standbein: "Die Komponisten sind im Gegensatz zu anderen Kunstrichtungen relativ stark in Lehrberufe eingebunden."
Diese Zweigleisigkeit in der Berufsausübung wird nicht nur negativ gesehen, erlaubt sie doch ein schöpferisches Arbeiten ohne Rücksichtnahme auf die Wünsche potenzieller Auftraggeber. "Ich war darüber froh, dass ich komponieren kann, was ich will", meint Strobl, der selbst auch unterrichtet. Die schöpferische Tätigkeit dient nur selten als Haupteinnahmequelle: "Komponisten und Komponistinnen, die auch als Performer arbeiten, haben wahrscheinlich den größten Ertrag durch Konzerte. Es gibt ein paar Leute, die vom Komponieren leben - es ist aber auch im oberen Segment nicht einfach." Und dabei geht es gar nicht darum, reich zu werden: Auch das bloße Überleben kann zum Problem werden.
Wenig Förderungen
In der Szene wird meist über mangelnde finanzielle Sicherheit geklagt, wobei in erster Linie ein fehlendes Bekenntnis der Politik zur zeitgenössischen Musik beanstandet wird. Dies schlage sich etwa in der Vergabe von Subventionen nieder: Wie aus einer aktuellen Studie der Wiener Musikuniversität hervorgeht, gehen nur 2,9 Prozent der Bundesförderungen im Musikbereich an lebende Komponisten.
Geht man vom ökonomischen Aspekt aus, scheint eine erfolgreiche Komponistenlaufbahn praktisch fast nicht realisierbar. Dies gilt auch für jene Vertreter der Zunft, die durchwegs als Aushängeschilder der Szene gehandelt werden. Ein krasses Beispiel dafür, wie weit ideeller und finanzieller Erfolg hier auseinanderklaffen können, bietet die Trägerin des diesjährigen Großen Österreichischen Staatspreises, Olga Neuwirth. Wie der Fall der 41-Jährigen zeigt, die als eine von wenigen ausschließlich vom Komponieren lebt, schützt auch ein Staatspreis nicht vor einem Leben am Rande der Prekarisierung: "Es bleibt eine tägliche Unsicherheit", so die Komponistin, "das muss man mal leben können." Ihre beiden aktuellen Kompositionsaufträge, so Neuwirth, kommen übrigens aus Deutschland.
Kaum verwunderlich, dass Komponisten angesichts dieser Umstände von einem ökonomischen Erfolgsbegriff Abstand nehmen: "Erfolg ist für mich nur, wenn ich auf eine neue, gerade fertiggestellte Partitur blicken kann", so Neuwirth. "Das ist ein innerlicher Erfolg. Anderen gibt's nicht." (Lena Drazic/ DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)