Stiftungsrats-Spaltung

Schwarzer ORF-Rat sieht "rotes Wunschkonzert"

03. September 2010 14:42

ÖVP-"Freundeskreis"-Leiter: Drängen auf Amon-Bestellung "verantwortungslos"

Wien - Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im ORF-Stiftungsrat, hat am Freitag vor einer drohenden Spaltung des obersten ORF-Aufsichtsgremiums gewarnt, sollte TV-Chefredakteur Karl Amon in der nächsten Stiftungsratssitzung am Donnerstag zum Radiodirektor gewählt werden. "Den Stiftungsrat ohne Not in diese Personaldiskussion hineinzuhetzen, ist verantwortungslos gegenüber dem Unternehmen", so Medwenitsch am Freitag zur APA. "Die Gefahr einer Spaltung des Aufsichtsgremiums wird offenbar von manchen bewusst in Kauf genommen."

Von einem "roten Wunschkonzert" sprach Medwenitsch weiters. "Dass Mitsche aus dem Amt gedrängt wird und noch in dieser Stiftungsratssitzung eine Nachbesetzung erfolgen soll, halte ich für extern gesteuert." Amon sei schon vor eineinhalb Jahren der Personalwunsch des Bundeskanzleramts gewesen, als ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz per Gesetz abgelöst werden sollte.

"Im Sinne des Unternehmens würde ich für eine Deeskalation plädieren", so der VP-nahe Stiftungsrat, der dem Unternehmen eine "hitzige Personaldiskussion" ersparen will. Er sei dafür, den Radiodirektor für die Ende 2011 ohnehin auslaufende Geschäftsführungsperiode nicht nachzubesetzen. Das sei die kostengünstigste Variante, außerdem sei es nicht einzusehen, "jetzt, wo der Wille des Gesetzgebers am Tisch liegt, das Direktorium auf vier Köpfe zu verkleinern, die Geschäftsführung noch einmal auf sechs aufzufüllen".

Mehrkosten

Kritik an möglichen Mehrkosten im Zusammenhang mit dem Direktorenwechsel gab es in den vergangenen Tagen wiederholt. In der Tageszeitung "Österreich" wurden anonyme Stiftungsratsquellen zitiert, wonach die Personalrochade 1,7 Millionen Euro zusätzlich koste. Der ORF dementierte diese Zahl am Freitag und sprach von "schlecht informierten und politisch motivierten Quellen". Sollte der Posten des Radiodirektors mit Amon nachbesetzt werden, könnte sich bis Ende 2011 inklusive interner Nachbesetzung des TV-Chefredakteurs und nachfolgender Nichtnachbesetzung des Planpostens des Amon-Nachfolgers sogar eine Ersparnis von 16.000 Euro ausgehen.

Der Wechsel in der Radiodirektion ist bereits die zweite Änderung im ORF-Direktorium in dieser Funktionsperiode. Im Dezember vergangenen Jahres zog sich die Kaufmännische Direktorin Sissy Mayerhoffer zurück, um für den von der ÖVP unterstützten Richard Grasl Platz zu machen. Damals waren etwaige Mehrkosten - kolportiert wurden solche in der Höhe von etwa 500.000 Euro im Jahr - kein Aufregerthema im ORF-Stiftungsrat. Während damals alle involvierten Planposten nachbesetzt wurden, will der ORF diesmal aus Kostengründen die Stelle eines möglichen Amon-Nachfolgers nicht besetzen. ORF-Chef Wrabetz will den Posten des Radiodirektors jedenfalls rasch nachbesetzen, weil der neue Hörfunk-Chef sich möglichst bald um angekündigte Reformen wie die mittelfristige Abschaffung der Hauptabteilungsleiterstruktur im Radio kümmern soll. (APA)

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