"profil" wird 40 - Sonderheft als Beilage

03. September 2010 14:01
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    "FPÖ zwischen Macht und Pleite" - ein "Profil"-Dauerbrenner seit Ausgabe eins. Die brachte Oscar Bronner, der 1988 den Standard gründete, am 7. September 1970 auf den Markt. Das Magazin wurde rasch bekannt (und oft beschlagnahmt) für aufgedeckte Skandale wie Bauring, AKH und Noricum.

Herausgeber Rainer: "Das darf schon ein Monat am Nachtkästchen liegen" - Keine Eile mit iPad-App - "profil"-Gründer Bronner über den "Ritt über den Bodensee"

Wien - Das Nachrichtenmagazin "profil" wird 40 und begeht diesen Anlass mit einem eigenen Sonderheft, "das schon fast die Ausmaße eines Buches" haben wird, wie Herausgeber Christian Rainer ankündigte. Trotz aller Umbrüche in der Medienwelt und internationaler Magazinkrise blickt er optimistisch in die Zukunft: "Einen 50. Geburtstag wird es geben", versichert Rainer.

Obwohl das Magazin seit seiner Zeit als Herausgeber zahlreiche Wandlungen durchlebt hat, sei er "im Großen und Ganzen weiterhin sehr stolz" auf
das Heft, so der Gründer des Heftes, STANDARD-Herausgeber Oscar Bronner. "Im wesentlichen erfüllt es die Funktion, die ihm zugedacht war: Unabhängig von allen Rücksichtnahmen mit dem Leser auf Augenhöhe kommunizieren, Missstände aufdecken, und den Lesern möglichst gut geschrieben die Fakten präsentieren." Gegründet habe er es aus der Einsicht, dass ein solcher Journalismus in Österreich fehle, schilderte Bronner.

"Ritt über den Bodensee"

Nach ersten Enthüllungen waren Heftbeschlagnahmungen eine regelmäßige Begleiterscheinung der frühen Jahre. Bronner spricht rückblickend von einem "Ritt über den Bodensee": "Damals haben wir wöchentlich ums Überleben gekämpft. In der Anfangszeit haben nicht sehr viele Menschen an die Überlebensfähigkeit eines solches Heftes geglaubt.  Außerdem haben wir uns einige sehr mächtige Feinde gemacht, die auch noch ihr übriges dazu taten, um das Überleben schwer zu machen."

"Magazinkrieg" in den 90ern

In der nächsten Dekade hatte sich "profil" zum wirtschaftliches Zugpferd gewandelt, das die 80er Jahre journalistisch dominierte. Anfang der 1991 Jahre streikte die Mannschaft zwei Wochen lang gegen die Doppelrolle von Peter Rabl als Herausgeber und Manager der Muttergesellschaft ZVB. Die journalistische Durchschlagskraft hatte nachgelassen und mit "News" forderte Wolfgang Fellner das "profil"ab 1992 zum Duell um die wöchentliche Meinungshoheit. Der folgende "Magazinkrieg" der 90er-Jahre, in dem schließlich 1998 "Format" als direktes Konkurrenzprodukt die Materialschlacht erweiterte, endete mit einer Fusion: "profil" ging 2001 an die Verlagsgruppe News, was in der Branche spöttisch unter "Formil" subsumiert wurde. Diese neue Medienkonzentration ließ auch Bronner wieder auf den Plan treten: "Ich bin sehr dagegen aufgetreten, dass die Formil-Fusion stattfand", so der Verleger, der selbst ein Angebot für "profil" legen wollte. Kartellrechtlich hält er die Fusion immer noch für höchst fragwürdig: "Es war schlicht gesetzwidrig, was da stattgefunden hat", lautet Bronners Befund auch im Jahr 2010. Insofern sei die Stellung des Heftes auch heute "nicht einfach".

"Das einzige Nachrichtenmagazin"

Mittlerweile habe sich "profil" seinen Platz als einziges Nachrichtenmagazin des Lande zurückerobert. "Das 'News' nennt sich nur Nachrichtenmagazin und 'Format' hat sich letztendlich zu einer Art Wirtschaftsmagazin gewandelt", so Bronner. "Insofern ist das 'profil' wieder das einzige Nachrichtenmagazin." 

Das Heft sei sich laut Rainer in den vergangenen vierzig Jahren "in nachgerade gespenstischer Weise treugeblieben". Getragen sei "profil" nach wie vor von zwei Säulen, was sich beim Blick in die Archive gezeigt habe: "Das Magazin war schon immer sehr stark vom Leitartikel und anderen Meinungsartikeln sowie vom Investigativen geprägt."

"Eisern sparen" 2010

 

Wirtschaftlich geht es dem Magazin angesichts der allgemeinen Erholung auf den Anzeigenmärkten wieder gut, sagte Rainer. Im letzten Jahr habe man "eine ordentliche hoch einstellige Rendite erwirtschaftet". Heuer werde sie wieder zweistellig. "Wahr ist allerdings, dass die Rendite nicht nur auf bessere Anzeigenerlöse zurückzuführen ist, sondern darauf, dass wir eisern sparen." Bei den Vertriebserlösen schließe man an das "historische" Jahr 2008 an, so Rainer. Eine Preiserhöhung der Einzelhefte von 2,80 auf 3,20 Euro im Vorjahr wurde von der Leserschaft ohne weiteres hingenommen. "Drei E-Mails waren die Folge", sagte Rainer vor einem Jahr. Auch in Folge blieb ihm ein Leserprotest erspart, bekundet er heute: "Das zeigt uns, dass die Preiselastizität für Produkt wie 'profil' nach oben recht hoch ist."

Das Geschäftsmodell Nachrichtenmagazin sieht der Herausgeber nicht bedroht, wiewohl sich Tageszeitungen in ihren Darstellungsformen immer mehr an das Format anlehnen und auch investigative Geschichten auf den Markt bringen. "Ich sehe das nicht wirklich so", hält Rainer dem entgegen. "Den großen investigativen Journalismus können sich hierzulande nur Magazine leisten." Auch in Deutschland sei das meistzitierte Medium nach wie vor "Der Spiegel", und dass eine Tageszeitung wie die "Washington Post" den Watergate Skandal aufdecken konnte, hält er für ein amerikanisches Spezifikum.

Konkurrenz der "sekundenaktuellen Medien"

Vielmehr sieht Rainer die Tageszeitungen durch die "sekundenaktuellen Medien" im Internet bedroht. Zwar seien die Geschichten in Zeitungen "eher reportagig" angelegt, den Verdrängungswettbewerb sieht er aber "ganz klar gegenüber den Tageszeitungen".

"iPad nahe am Printjournalismus"

Den internationalen Run auf das iPad - das "Time Magazine" hatte bereits bei der Präsentation des Tablet PC im Frühjahr eine eigene Ausgabe auf dem Gerät platziert -, betrachtet Rainer noch entspannt. "Wir arbeiten an einer iPad-Application", bestätigte er. Wann diese erscheinen wird, ließ er aber offen. "Erfreulich wäre, wenn sie in den nächsten sechs Monaten kommt." Das Gerät an sich hält er für sehr magazingeeignet. "Es hat viele Qualitäten, in Hinsicht auf Optik, Grafik und Vernetzung innerhalb des Magazins." Außerdem sei die Umsetzung am iPad "immer noch relativ nahe an dem, was wir im Printjournalismus machen", so Rainer. "Generell würde ich sagen, dass wir alert sein müssen, was sich online tut, dass aber kein Printmedium dieser Welt abgestraft wurde, weil es zu langsam war, ins Onlinegeschäft zu gehen." Viele Verlage hätten dort sehr viel Geld liegen lassen. Den eigenen Online-Auftritt beschreitet das "profil" seit etwa zwei Jahren sehr reduziert in Form von Meinungsblogs, wobei die Website auch des öfteren dazu genutzt werde, eigene Exklusivgeschichten vor Erscheinen des Magazins bekanntzumachen.

Jubiläumsheft fürs Nachtkästchen

Zum "Vierziger" gibt es kommenden Montag zusätzlich zur normalen Ausgabe ein Jubiläumsheft. Robert Buchacher, mit bald 40 Dienstjahren längst dienender "profil"-Redakteur kommt darin ebenso zu Wort wie Michael Frank von der "Süddeutschen Zeitung" oder Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer "Weltwoche". Das Heft werde "ein buntes Ding, das man eher lesen sollte wie ein Buch, nicht wie ein Magazin", so Rainer. "Das darf schon ein Monat am Nachtkästchen liegen." (APA)

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21 Postings
Briefmarkenkleber
13.09.2010 17:52
Vom alten Glanz ist NICHTS geblieben. Einmal Profil-Format-Profil-Mistkübel und zurück.

marie berg
05.09.2010 19:57
köppel -

warum bitte das denn?

Erwin Wolfram
05.09.2010 13:54

vielleicht solltens den propanden ihrer skandale eine ausgefuelltes klagsformular zusenden, sonst werden die profils wohl in der 3. liga verschwinden, obwohl es das einzige blattl in oesterreich ist, dass den namen journal und die bezeichnung aufdeckerisch und demokratisch verdient. ich mein schon seit jahrzehnten dient in oesterreich jeder skandal dazu zu beweisen wie demokratisch oesterreich ist, ganz so wie in einer diktatur. da braucht man auch keine besonderen redakteure mehr, denn aus dem fenster schauen oder einen anruf taetigen ist fuer einen skandal in so einem land genauso gut wie eine recherche. daher auch die historische entwicklung vom skandal zum fanal doch: wir wollen zum skandal zurueck!

Jukebox
05.09.2010 06:26

Die Coverstorys sind für ein Nachrichtenmagazin jenseitig. Diesen größtenteils pseudowissenschaftlichen Quatsch kann sich Rainer in seine fetten Haare schmieren. Österreich geht den Bach runter. Investigativer Journalismus ist heute mehr gefragt denn je.

Das neue profil: eine top Story über den vor Jahren verblichenen Wiesenthal. Das ist DER Heuler!

Gute Nacht, profil!

Ein Ex-Leser

SterzinOz
05.09.2010 02:40
Was da 40 wird, ist nur noch die leere Hülle.

Mit der Vertreibung von Leuten wie Czernin und Sigrid Löffler hat sich profil selbst versenkt.
Feiert eure 40 schön, profillos (hat die DDR ja auch gemacht)!

Herr Gscheidl
04.09.2010 12:57

Meine Achtung hat profil 1996 verloren (als man Czernin feuerte). Seit dem Ableben Tramontanas wurde es leider gänzlich uninteressant.

durazell
05.09.2010 12:51
Ja, damals hab ich mein Abo auch storniert.

basilikum wurzel
04.09.2010 12:06
wird's wie der jahresrückblick?

ein einziger werbekatalog bei dem zwischendurch ein paar artikelchen gestreut werden?

blauwal
 
03.09.2010 22:06
früher mal

früher mal war man neugierig auf das nächste profil. heute ist es doch abslout wurscht ob man eine ausgabe liest oder nicht. man hat den eindruck das den journalisten wichtiger ist, bei den gutmenschen gut anzukommen als eine objektive berichterstattung zu gewährleisten. wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern u. dann ist das profil auch geschichte.

Jana Tyrlich
03.09.2010 21:04
... hoch einstellige Rendite erwirtschaftet". Heuer werde sie wieder zweistellig

also 8 oder 9 Euro Reingewinn, heuer ca. 10 bis 12

Aurin
04.09.2010 09:56

Rendite wird meist in Prozent angegeben

Bimbulli
03.09.2010 20:51
Rainer, der Erbsenzähler!

Aus Sparsamkeit hat man die Karikatur aus dem Heftl genommen; auf meine Kritik hat mir Rainer tatsächlich per Mail geantwortet. Für ein Maqazin, dass den Anspruch "Qualität" erhebt - blamabel!

Jukebox
05.09.2010 12:07

Wenns nur beim Einsparen vom Haderer geblieben wäre.

Aber um den ist es natürlich ganz besonders schade.

vheissu
03.09.2010 19:55
investigativer Journalismus

...gibt's die Haider-Konten in Liechtenstein, oder nicht?

Max Bialystock
03.09.2010 17:42
Die glorreichen Zeiten sind schon lange vorbei

Sowohl die Eigentumsverhältnisse aus auch der jetztige Herausgeber sind in keinster Weise Gründe zum Feiern.

trollvottel
03.09.2010 15:52

profil wird 40 ... ist aber im Ausland nicht mehr zu bekommen. "Vertrieb eingestellt", nicht mal an Flughäfen oder Bahnhöfen kriegt man's. Immerhin darf man gnadenhalber ein Auslandsabo abschließen, für das diese Wahnsinnigen eh nur 2 Euro Porto pro Ausgabe berechnen ...

Für ein Nachrichtenmagazin, das IMO deutlich besser als der Spiegel und teils vernünftiger als der Economist ist, ist das der reinste Irrsinn, haben die nur Groschenzähler im Vertrieb?

Davon abgesehen: Zum 40er könnte das profil etwas positives machen und die Rafl feuern. Dieses miese Society-Geplapper interessiert doch eh nur News-Leser und Neue-Post-Fans.

angehender Medientechniker
 
17.09.2010 20:59

Ich würd' ja den Rainer auch auf die Straße setzen mit seinem pseudo-intellektuellem Getue.

saifalislam
04.09.2010 15:16
Den Economist...

... mit dem Profil zu vergleichen ist ein Frechheit.

Der Spiegel ist das groesste Langweilerblatt überhaupt - weder reisserisch noch intelligent. Nur die Franzosen haben noch langweiligere Printmedien.

Die FT (englisch, speziell die Wochenendausgabe), der IHT und der Economist sind durchaus lesenswert.

Major Nelson
 
03.09.2010 19:35
Ja, nur Groschenzähler. Richtig erkannt.

Und: Raftl ist nicht die einzige, deren Abgang der Qualität des Magazins nicht schaden könnte, sondern im Gegenteil.

roterbruder1
03.09.2010 14:36

was gibt´s als beilage? das raiffeisenjournal?

Lady__Gaga
03.09.2010 18:33

Eine exklusiv Dokument von Saddam persönlich, übersetzt von einem syrischen Übersetzungsbüro.

Handsigniert.

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