Der WebStandard konnte Samsungs viel versprechenden Tablet-PC antesten
Mit dem Start des iPads ist der Markt für Tablet-PCs wieder kräftig in Schwung gekommen. Auf der diesjährigen IFA wird eine Reihe an Neuvorstellungen und ersten Testprodukten gerechnet. Der Fokus der Hersteller liegt dabei auf dem freien Betriebssystem Android. Wie berichtet, hat Samsung mit dem Galaxy Tab zumindest von den Spezifikationen einen viel versprechenden Mitbewerber in diesem Segment vorgestellt. Der WebStandard hatte etwa für eine halbe Stunde die Gelegenheit, das fertige Gerät anzutesten.
Ausstattung top
Hardware-seitig lässt das Galaxy-Tab kaum Wünsche offen. Das 7 Zoll-Display ist zwar kleiner, als jenes vom iPad oder anderen Konkurrenten, doch mit einer Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten lassen sich Texte und Webseiten angenehm lesen. Dank des 1 GHz-Prozessors laufen aktuelle Apps und Spiele flüssig und im belasteten WiFi-Netzwerk des IFA-Showrooms liefen auch Online-Applikationen wie Facebook und der Webbrowser schnell. Die 3G-Verbindungsqualität und (Video-)Telefonie konnten nicht getestet werden. Dank der Sakkotaschen verträglichen Größe eignet sich der Tablet aber wenigstens vom den Maßen her auch als Telefon.
Die Kamera auf der Rückseite lässt sich über den Touchsreen bedienen und schießt Fotos in besserer Handycam-Qualität mit 3,2 Megapixeln. Fotos, Musik und Videos finden auf dem 16 oder 32 GB fassenden internen Speicher Platz, per microSD-Karte kann das Volumen noch um bis zu 32 GB aufgestockt werden. Die eingebauten Lautsprecher könnten etwas feiner klingen und ein USB-Anschluss wäre willkommen gewesen (ein Adapter hilft aus), aber sonst ist von technischer Seite her wenig zu bemängeln. Die versprochene Akkulaufzeit von 7 Stunden bei Video konnte aus Zeitmangel nicht überprüft werden.
Android 2.2 mit mehr Platz
Bei der Software setzt Samsung ganz auf das üppige Angebot an Android-Applikationen. Die knapp 100.000 Apps im Download-Store bieten alles von Games bis zur Bürosoftware. Oben drauf gibt es noch so genannte "Hubs" für Musik, Filme und eBooks. Letzterer erinnert dabei stark an Apples iBook-Store.
Da die meisten angebotenen Programme im Android Market für kleinere Endgeräte entwickelt werden, muss das Galaxy Tab das Gros der Anwendungen hochskalieren, um sie bildschirmfüllend darstellen zu können. Das Ergebnis ist bei 7 Zoll allerdings weit weniger verschwommen, als beim iPad.
Ein schnell ersichtlicher Vorteil der Mittelgröße ist die gute Handhabung. Mit 380 Gramm ist der Tablet-PC leicht genug, um als Lesegerät für eine Hand durchzugehen. Die zu Testzwecken vorgeladenen Bücher und Magazine waren trotz Spiegeldisplay gut lesbar, wenngleich bei kleineren Schriften (etwa bei Zeitungen) gegebenenfalls hereingezoomt werden muss.
Das 7-Zoll-Format kommt auch beim Schreiben gelegen. Aufrecht gehalten, können kurze Texte zügig mit zwei Daumen getippt werden. Nicht zuletzt kommt einem hier die Swipe-Unterstützung entgegen. Im Breitformat ist die virtuelle Tastatur etwas zu klein für ein Zehnfingersystem, funktioniert aber klar besser als bei kleineren Android-Smartphones.
Die Bedienung: Nicht immer, aber meistens ruckelfrei
Ob es nun an Android 2.2 oder dem Galaxy Tab liegt, sei dahingestellt. Auffallend gegenüber dem iPad ist jedoch, dass es bei der Touchsteuerung und den dazugehörigen Gesten ab und an für einen Augenblick zum Ruckeln anfängt. Auch wenn dies kein gravierendes Manko darstellt, so fühlt sich die Navigation von Apples Platzhirschen doch noch eine Spur besser an. Dies mag auch darauf zurückzuführen sein, dass der US-Hersteller mit kleinen optischen Tricks, wie dem "Nachfedern" am Ende des Scrollrands, die Bedienung intuitiver macht. Bei den getesteten Anwendungen wie dem Spiel "Nova" oder dem eBook-Reader kam es aber zu keinerlei Verzögerungen.
Zur Bedienung von Android 2.2 gibt es im Vergleich zu Smartphones mit dem Betriebssystem keine wesentlichen Unterschiede. Im Vergleich zum iPad oder zum iPhone könnte die Benutzeroberfläche noch ein Wenig aufgeräumter sein. So macht die Aufteilung der Apps auf die fünf Homescreens und einen zusätzlichen App-Ordner nicht wirklich Sinn. Angenehm hingegen ist die klar festgelegte Navigation über die Touch-Tasten am unteren Rand des Displays. So muss beim Internetsurfen beispielsweise nicht nach oben gescrollt werden, um eine Seite zurückzuspringen - dafür dient der Back-Button.
Einschätzung: Guter Begleiter, aber kein Gerät für die Zukunft?
Als erster Wurf wirkt das Galaxy Tab mit Android 2.2 schon recht alltagstauglich. Die Größe von 7 Zoll stellt einen guten Kompromiss aus Platzverträglichkeit und Benutzerfreundlichkeit dar. Zwar wird man nicht herumkommen bei Zeitungen und Internetseiten aktiv Bildausschnitte zu vergrößern, doch eignet es sich so dafür wesentlich besser als tragbarer Begleiter und eBook-Reader als ein Gerät der 10-Zoll-Kategorie.
Etwas Sorge bereitet Samsungs Fahrplan für die Zukunft. Zwar verspricht der Hersteller seinen ersten Tablet noch bis Android 3.0 auf dem aktuellen Stand zu halten, Versionen danach werden aber nicht unterstützt. Den Rat, vorerst einmal abzuwarten, gibt es schließlich auch aus zwei weiteren Gründen: Zum einen will Samsung bereits Anfang 2011 neue Tablet-PCs auf den Markt bringen und zudem ist der Startpreis für das Ende September erscheinende Gerät mit 699 Euro ohne Mobilfunkvertrag nicht gerade niedrig angesetzt. (Zsolt Wilhelm aus Berlin, derStandard.at, 5.9.2010)
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