Mann oder Frau?

Ich und ich wollen eins werden

05. September 2010 18:31
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    Foto: reuters/rafael winer/belladonna productions

    Transgender-Problematik als Filmstoff: In "Transamerica" spielt Felicity Huffman die Rolle eines Mannes, der sich als Frau fühlt und auch so leben will.

Bei Menschen mit geschlechtlicher Identitätsstörung passen Körper und Psyche nicht zusammen - Für eine Geschlechtsanpassung nehmen sie viel auf sich

Bernhard will Renée werden, Walter will als Andrea weiterexis- tieren, und Gerlinde fühlt sich überhaupt nicht weiblich und wünscht sich ein Leben als Christian. Menschen mit geschlechtlichen Identitätsstörungen leiden lange, bevor sie offen derartige Pläne äußern. Ihr Wunsch, eine andere geschlechtliche Identität als ihre angeborene zu leben, halten fast alle sehr lange Zeit geheim. Entscheiden sich lieber dafür, ihre Neigungen zu verstecken, aus Angst davor, für dieses Anderssein geächtet zu werden.

"Allein das Wort ,transsexuell' ist irreführend, denn diese psychische Störung hat nichts mit Sexualität im herkömmlichen Sinne zu tun. Transidentität ist der wesentlich treffendere Begriff", erklärt Psychotherapeutin Elisabeth Vlasich, die bereits mehr als 280 transidente Menschen begleitet hat, also Männer, die Frauen, und Frauen, die Männer wurden. Das große Problem: Kein Hormonstatus und kein Computertomograf kann die als Disorder of Sex Development (DSD) oder auch als Gender Dysphoria (GD) bezeichnete Störung nachweisen. Experten schätzen, dass einer von 1000 Menschen davon betroffen sein könnte, eine Statistik dafür gibt es aber selbstverständlich nicht. Vielmehr vermutet man, dass viele Betroffene ihre Neigung versteckt leben, sich womöglich nie outen, auch viele Fälle von Selbstmord könnten auf eine Transgender-Problematik zurückzuführen sein. "Ganz wichtig ist, dass diejenigen, die sich trans-ident fühlen, so früh wie möglich Experten kontaktieren und sich Hilfe holen", sagt Vlasich. Aus psychotherapeutischer Sicht gibt es eine Reihe von Indikatoren, um DSD eindeutig festzustellen, "vor allem bei Jugendlichen kann es sich ja immer auch um eine vorübergehende Phase handeln", betont sie. Deshalb sei psychotherapeutische Behandlung zur eindeutigen Klärung der psychischen Befindlichkeit und den damit verbundenen weiteren Schritten entscheidend für eine Verbesserung der Lebenssituation.

Handlungen setzen

Der österreichische Gesetzgeber erlaubt grundsätzlich jedem das Ausleben seiner geschlechtlichen Identität und demnach auch den Schritt, den Vlasich als Geschlechtsangleichung bezeichnet. Das allgemein gebräuchliche Wort Geschlechtsumwandlung empfindet sie stellvertretend für viele Betroffene als irreführend. Diejenigen, die sich für eine Geschlechts-angleichung entschließen, haben einen gesetzlichen Anspruch auf Behandlung. Sie besteht zum einen aus Hormontherapien, die den Körper in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Der ultimative Schritt ist dann eine chirurgische Angleichung, die aber ohne psychiatrische Befundung und mindestens 50 Stunden Psychotherapie gar nicht möglich ist. Zudem müssen Transgender-Patienten zumindest ein Jahr auch tatsächlich in der Rolle ihrer als wahrhaftig empfundenen Identität gelebt haben. "Die Operation ist nicht für alle ein Ziel, viele haben Angst vor den Folgen dieses radikalen und irreversiblen Eingriffes", berichtet Vlasich.

Rein technisch betrachtet ist die Operation, die aus einem Mann eine Frau macht, heute Routine, sagt Kurt Angel, Österreichs einziger Urologe, der sie an der Wiener Rudolfstiftung durchführt. Er betont: "Entscheidender für den Operationserfolg und damit die Zufriedenheit der Patienten ist weniger die chirurgische Technik als die gute psychologische Vorbereitung. Patientinnen, die meinen, eine Operation würde irgendeines ihrer Probleme lösen, müssen wissen, dass das dem nicht so ist", sagt er aus Erfahrung. Er hat bereits 160 Angleichungen durchgeführt. Zunächst werden die Schwellkörper und die Hoden komplett entfernt, die Eichel bleibt erhalten, aus ihr wird später eine Klitoris geformt. Nun wird eine Scheidenhöhle zwischen Mastdarm und Harnröhre sowie der Prostata geformt. Diese wird mit der umgestülpten Penisschafthaut ausgekleidet. Die gekürzte Harnröhre und die Neoklitoris werden an typischer Stelle eingenäht, wobei alle Nerven in dieser erogenen Zone erhalten bleiben, was eines Tages auch einen Orgasmus möglich macht.

Wesentlich aufwändiger und in mehreren OPs durchzuführen ist die Geschlechtsangleichung von Frau zu Mann, die in Österreich sehr selten und wenn in Graz vorgenommen wird. Viele fahren auch zu Spezialist Bernhard Liedl vom Beckenbodenzentrum München Bogenhausen, der bereits 200 Angleichungen von Frau zu Mann gemacht und damit große Erfahrung hat.

Penoid-Aufbau

"Der Aufbau eines Penoids ist chirurgisch die große Herausforderung", sagt er. Die Geschlechts-angleichung erfolgt in mehreren Schritten. Gebärmutter-, Eierstock- und Brustenfernung werden vom Gynäkologen durchgeführt, als Urologe macht Liedl aus den großen Schamlippen den Hodensack und baut die Klitoris in einen aus dem Unterarm entnommenen Lappen, der zu einem Penis geformt wird, ein. Die Harnröhre wird aus den kleinen Schamlippen verlängert und in das Penoid eingeschlagen. Eine der häufigsten Komplikationen, die einen erneuten Eingriff notwendig machen, seien Fisteln, sagt Liedl, aber für die meisten seiner Patienten wäre die Operation immer eine Minderung ihres Leiden gewesen. Im besten Fall können diese Männer dann dank Schwellkörperprothese sogar ihre Sexualität leben.

Dass gut vorbereitete Transgender-Patienten nach der OP in den meisten Fällen zufrieden sind, bestätigt auch Psychotherapeutin Vlasich. Nicht alle wagen die Operation, für viele ist eine Hormontherapie ausreichend, "allerdings empfehle ich immer eine ärztliche Begleitung, die viele nicht in Anspruch nehmen, weil sie Hormonpräparate im Internet kaufen und nach Gutdünken einnehmen".

Was transidente Menschen wieder in ihre Praxis treibt? Soziale Konflikte. Dass transidente Menschen labil wären, stimme nicht, sie sind genauso labil oder stabil wie alle anderen", betont sie. Ein verständnisvolles Umfeld sei für ein zufriedenes Leben entscheidender als alles andere, auch das gilt aber für alle Menschen. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 06.09.2010)

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Harry Y.
 
07.09.2010 16:25

Könnte eine genetische Panne sein; da sonst nicht nachweisbar. Jedenfalls scheint mir eine Diagnostik dubios, die jedes Anderssein sogleich als psychische Störung etikettiert und die Betroffenen damit diskriminiert. Auch die Homosexualität wurde lange als psychische Störung angesehen, in den orthodoxen Religionen (und bei den Ultrarechten) bis heute.

Hans Müller1
 
07.09.2010 17:06
genetisch ist es halt wegen der Evolutionstheorie schwierig zu erklären

Silvio Lackner
06.09.2010 16:37
Mit dem durch die Abschaffung der 13. Familienbeihilfe Ersparten

könnte man doch auf Krankenschein Umoperationen finanzieren. Damit würden wir in Europa sicher viele Sympathiepunkte gewinnen und gesellschaftspolitisch up to date sein.

Fioner
06.09.2010 16:22

Wie sag ich's nur dem Karlheinz ?

Planet Pluto
06.09.2010 15:47
Meine Leiden

Ich leide darunter das ich nicht nach Hawaii für 2 Jahre fahren kann.
Warum bezahlt mir das keiner!
Aber einen Penoid würde ich gratis bekommen!
Versteh ich nicht

4simo
 
06.09.2010 21:04
dass Sie das nicht verstehen ist aus Ihrer Reaktion ersichtlich

verstehen im Sinn von *mir ist klar, was in diesen Menschen vorgeht* kann ich auch nicht,
aber das ist nicht nötig. es reicht so viel zu verstehen, dass es einen leidesdruck erzeugt, der bei weitem nicht mit einer reise nach hawai zu vergleichen ist, und dass es diese fälle gibt. es sind nicht viele, aber wenn eine op hilft, sollt nichts schlimmeres passieren.

hagane
06.09.2010 11:38

es gibt ja diskussionen über die totale gleichstellung der geschlechter, dass es zwischen männlich/weiblich eigentlich keine unterschiede gibt und alles durchs soziale feld/kultur geprägt ist. vieles spricht für diese annahme.
beweisen menschen mit einer transidentität somit, dass dem nicht so ist?
menschen mit transidentität als "gestört" darzustellen fällt mir schwer und ist sicher zu einfach.
allerdings fällt mir auch der gedanke schwer, was so ein problem daran ist sein geschlecht zu akzeptieren, zumindest so weit dass man damit ein glückliches leben führen kann.
würde ich morgen als frau aufwachen wärs mir vollkommen wurscht. es muss grausam sein wenn man mit seinem geschlecht nicht leben kann.

Harry Y.
 
07.09.2010 15:32
Verstehe nicht,

wieso das für Sie so schwer zu verstehen ist. Vielleicht sollten Sie Mehrzahl einen 'Imaginationskurs besuchen'; sprich Ihre brachliegende Fantasie bzw. Ihr nicht vorhandenes Vorstellungsvermögen trainieren. (Ein Vorschlag wäre eventuell Psychotherapie.)

Wenn es am Vorstellungsvermögen hapert, hapert's nämlich an der emotionalen und der sozialen, wahrscheinlich auch an der künstlerischen, Intelligenz.

hagane
08.09.2010 21:36

Lern du erst mal lesen und weniger reininterpretieren was nicht da steht.

Harry Y.
 
07.09.2010 16:03
Nature makes mistakes. Es kann doch nicht so schwer sein,

sich einen Mann oder eine Frau vorzustellen, der/die einfach im falschen Körper geboren ist! Einen Mann zb, der die Dominanz nicht besitzt, die fran von seinem Geschlecht erwartet; der sich nicht damit abfinden kann, beim Geschlechtsverkehr penetrieren zu müssen; der passiver ist, ängstlicher; dem diese Extrovertiertheit fehlt, die vielen Männern zu eigen ist; der für Accessoires und Dekolletés eine Schwäche hat; oder?

Woher diese sichtbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern kommen, ob sie oberflächlich sind oder signifikant, ist wieder eine andere Frage (siehe @4simo unter meiner). Wichtig ist in dem Fall, wie man sich im Körper fühlt; und von Gestörtheit sollte nicht einmal die Rede sein.

MMn treffen sich jedenfalls die Skalas

gastrosoph
07.09.2010 16:36
Akzeptiert - von mir

Was das 'Weibliche' und 'Männliche' an Körpern angeht, so weißt man inzwischen aus Forschungen zur Trans- und Intersexualität, das es dabei sehr viele Zwischenstufen gibt. Wir sind hochdifferenzierte Wesen mit Mischanteilen von sogenannten männlichen und weiblichen Anteilen.

Harry Y.
 
07.09.2010 16:31

des (sogenannten) Weiblichen und Männlichen in der Mitte und laufen gemeinsam eine Strecke parallel: ich meine das Mentale, die Psyche, das Seelisch-Geistige. Es gibt also Frauen und Männer, die "sehr weiblich" sind (oder sich in dieser Rolle wohler fühlen) oder "sehr männlich"; dagegen wieder viele mit androgynem Wesen.

4simo
 
06.09.2010 21:09
das geschlecht ist zwar nicht immer eindeutig

und daher gibt es diese eindeutigen polaritäten zwar bei der mehrzahl der menschen, aber nicht bei allen,
aber es ist sicher biologisch determiniert. was wiederum gesellschaftlich determiniert ist, sind die mit dem geschlecht zugewiesenen rollen und wir stark diese wirken.

sprich: traditionell: frau = mutter und adheim
mann=vater und erwerbstätig
egalitär
frau und mann teilen sich sowohl erwerbstätigkeit als auch kinderbetreuung
je flexibler, desto individuell tunbarer
und das ist grundsätzlich variabel, oder personenzentriert, manche menschen sind *mütterlicher* unabhängig des geschlechts!

living reef
06.09.2010 13:19
für nicht transidente personen

fällt es möglicherweise schwer sich vorzustellen, was es für betroffene bedeutet nach einer geschlechtsanpassenden op endlich mit vollem herzen zu sich selbst JA sagen zu können. es ist für nicht wenige betroffene dann ein richtiges aufleben. dr. angel ist natürlich recht zu geben, dass sich durch so eine operation viele aufgestaute probleme nicht von selber lösen, aber es fällt ungleich leichter, dies in aller offenheit anzugehen weil viele blockaden gefallen sind.

Silvio Lackner
06.09.2010 15:51
Das ist nix als eine neue Modeerscheinung.

Inhaltsleere wird endlich ausgefüllt durch eine neue Lebensaufgabe: sein Geschlecht wechseln.

Genau so wie die aktuell boomende Nachfrage nach Transen in den Puffs: endlich wieder ein kleiner Kick für die Überfütterten.

4simo
 
06.09.2010 21:05
nicht wirklich

dazu ist es m it zuviel leid verbunden

sy
06.09.2010 19:24

Meine Güte des glaubens echt oder?

Diversion
06.09.2010 16:42
oh mann...sind sie blöd!

yomellamo
06.09.2010 13:12

interessant.. .ich haette nie gedacht, dass es einzig und alleine eine soziale konvention ist, dass die frauen die kinder bekommen.

billyrubin77
06.09.2010 11:01
Die Kosten

einer solchen Operation sind immens und ich finde es eine soziale Ungerechtigkeit wenn die Krankenkasse dafür aufkommen muss. Das einzige Kriterium besteht in einem psychatrischen Gutachten, das Erfahrungsgemäß nicht allzu schwer zu bekommen ist ( außer gen anomalien oder fehlanlagen bei welchen auch eine nicht psychiatrisch med indikation besteht)
Ist es tatsächlich notwendig einem 60 jährigen eine (um das x-fache teurere) geschlechtsumwandlung zu bezahlen, wenn auf der anderen seite patienten mit massiven schmerzen 2 jahre auf eine Knieprothese warten müssen? wie soll das weitergehen, als nächstes werden schönheitsoperationen bezahlt, weil der patient der meinung ist, dass sein körper eigentlich von natur aus größere Brüßte haben sollte

billyrubin77
06.09.2010 16:58

ich habe nicht gesagt ihnen eine op vorzuenthalten, sondern nur das man angesichts der finanziellen probleme serwohl eine gewichtung der verschiedenen med indikation vornehmen sollte. der leidensdruck eines menschen ist tatsächlich schwer objektivierbar z.b.schmerzskala, besonders im psychiatrischen bereich. Bei unbegrenzten mitteln müsste man keine diskussion über den "wert" einer med intervention führen, aber leider explodieren die kosten im gesundheitswesen momentan.
und ja es gibt zb. altersgrenzen für herztransplantationen- nur ein beispiel
ich weiß das klingt zynisch, und gefällt mir selber nicht, aber da ich mit dem patientenkolleltiv beruflich zu tun hatte und weiß was so etwas kostet habe ich meine anfängliche naivität verloren.

living reef
06.09.2010 13:12
es ist zu einfach

das eine leid mit einem anderen leid gegenzurechnen und zu werten. knieprobleme führen meist zu großen schmerzen, allerdings habe ich - im gegensatz zu transidentität - noch nie gehört dass sich jemand deshalb umgebracht hätte! wenn es um die kostenfrage geht, so ist auch nicht gesichert, dass nach einem künstlichen kniegelenk die schmerzen komplett weg sind. lohnt sich eine herzoperation an einer 60jährigen person, wenn diese person 2 jahre später stirbt und ohnedies nur mehr pension bezogen hat...all diese gedanken führen zu nichts!

Jan-Frederic Czatorisky
06.09.2010 11:10

Ohne selbst betroffen zu sein, wuerde ich es nie wagen, Menschen die an ihrem "falschen Koerper" leiden operative Hilfe zu versagen, wenn sie es wuenschen und es ihr psychischer Zustand notwendig macht.
Ausserdem, eine solch kathegorische Aussage zu treffen, ohne zu wissen, wie hoch die Anzahl moeglicher Kandidaten ist, finde ich schon sehr eigenartig.

gastrosoph
06.09.2010 08:24
mindestens 50 Stunden Psychotherapie...

Mittels Gesprächs-Therapie lassen sich nur Irritationen behandeln, aber keine organischen Ursachen. Das jeweilige Geschlecht ist im Gehirn festgelegt und wird durch bestimmte Hormone reguliert. Transidentitäts-Probleme entstehen aus dem Konflikt Veranlagung und gesellschaftliche Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz. Nach dem Geschöpf des Hermaphroditen, benannte die Wissenschaft Transsexuelle einst Zwitterwesen. Funktionelle Hemisphärenasymmetrie ist ein Grundprinzip menschlicher Gehirnorganisation. Etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen weichen jedoch von der Regel ab, ohne dass sich Hirnverletzungen als Ursache oder neurologisch-pathologische Auffälligkeiten als Folge feststellen lassen.

Kendall Von Tharn
06.09.2010 11:03

hermaphroditen verfügen über beide primären geschlechtsmerkmale.

der begriff transsexuell wurde von hirschfeld geprägt und er interpretierte ihn ursprünglich als starke ausprägung von transvestitismus.

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