Bewegungsapparat

Rheumatologenmangel gefährdet rechtzeitige Therapie

04. September 2010 09:40

Biologika könnten den Krankheitsverlauf bei vielen Patienten stoppen

Etwa 440 000 Menschen in Deutschland leiden an einer rheumatoiden Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Eine frühzeitige Therapie ist von entscheidender Bedeutung für den Krankheitsverlauf. Nur so lassen sich dauerhafte Schäden an den Gelenken verhindern. Doch ein Mangel an Rheumatologen gefährdet die optimale Versorgung der Betroffenen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich ihres bevorstehenden Jahreskongresses hin. Experten diskutieren das Thema auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des Kongresses am 9. September 2010 in Hamburg.

„In Deutschland sind 253 Ärzte zur Weiterbildung des rheumatologischen Nachwuchses befugt", berichtet Jürgen Wollenhaupt, Sprecher der Kommission Fort- und Weiterbildung der DGRh und Chefarzt der Abteilung Rheumatologie und klinische Immunologie an der Schön Klinik Hamburg-Eilbek. „Von diesen kann aber ein Drittel derzeit keine neuen Fachärzte ausbilden, weil Arztstellen in den Kliniken abgebaut oder offene Stellen nicht besetzt werden können", zitiert er eine aktuelle Umfrage der DGRh. Es würden aber nicht weniger, sondern mehr Rheumatologen benötigt. Schon heute praktizieren nur halb so viele Rheumatologen wie notwendig wären. Das sei umso bedauerlicher, als dass die Erkrankung heute früher erkannt und besser therapiert werden könne, so Wollenhaupt.

Wirkungsvolle Therapien

Die neuen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten haben Eingang in die aktuell überarbeiteten Leitlinien europäischer und amerikanischer Fachgremien gefunden. Auch die DGRh-Leitlinie zum „Management der frühen rheumatoiden Arthritis" wurde daraufhin aktualisiert. Sie wird im Herbst veröffentlicht und erste Ergebnisse auf dem DGRh-Kongress in Hamburg ausführlich vorgestellt und diskutiert. „Die Diagnose- und Klassifikationskriterien für die rheumatoide Arthritis und entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen, sogenannte Spondyloarthritiden, wurden erweitert. Die Möglichkeiten für Patienten, eine wirkungsvolle Therapie zu erhalten, sind gestiegen", berichtet Wollenhaupt. Deshalb bestehe ein erhöhter Bedarf an ausgebildeten Fachärzten. Ohne sie sei auch der internationale Stellenwert der deutschen Rheumaforschung gefährdet. „Bei der Erprobung und Standardisierung neuer Untersuchungstechniken zur Frühdiagnostik sind wir derzeit weltweit führend", stellt Wollenhaupt fest. Als Beispiele nennt der Experte Ultraschalluntersuchungen der Gelenke und die Magnetresonanztomographie (MRT).

Biologika stoppen Krankheitsverlauf

Die Therapiemöglichkeiten bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben sich vor allem durch den Einsatz neuer Medikamente deutlich verbessert. So können Biologika den Krankheitsverlauf bei vielen Patienten stoppen. Biologika sind molekularbiologisch hergestellte Medikamente, die gezielt entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers hemmen. „Sehr viele Patienten können heute ein normales, selbstbestimmtes Leben führen", sagt Wollenhaupt. Voraussetzung sei allerdings eine frühzeitige Diagnose und ein rechtzeitiger Therapiebeginn.

Die DGRh tagt vom 15. bis zum 18. September 2010 gemeinsam mit der Assoziation für Orthopädische Rheumatologie (ARO) und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) im CCH Hamburg. (red)

Kritikuss
05.09.2010 21:23
Ziemliches Problem in Österreich

200 Rheumatologen für über 80.000 Patienten - Druck auf die Ärzte möglichst wenig Biologika zu verschreiben (zu teuer) - keine Therapiepläne oder Programme zur integrierten Versorgung - ein Trauerspiel für das angeblich beste Gesundheitssystem der Welt.

Die völlig durchgeknalle Stimme der Vernunft
06.09.2010 09:35
Ja, trotzdem:

wenn man im Rheumaforum schaut sind die Nachrichten wie lange man auf Termine wartet, wie sich Ärzte sperren etc. etwas was ich aus Österreich nicht kenne: viele Krankenhäuser (nicht nur in Wien) haben eine Rheumatolgoshce Abteilung wo man im Akkutfall/bei Neufällen oft in die Akkutambulanz gehen kann und somit keine Wartezeit hat.
Auch auf den ersten "normalen" Arzt Termin hab ich keine 3 Wochen gewartet.

zinn glaeckl
04.09.2010 22:12
kein problem in österreich

der zamani macht das.

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