"Ein Faktor neben anderen"

02. September 2010 19:53

Brian O'Neill über Bevölkerungswachstum und Klima

Wien - "Ja, die demografische Entwicklung wird in den IPCC-Berichten ernst genommen", sagt Brian O'Neill, der es wissen muss. Schließlich war beim letzten Bericht des UN-Klimarats eben dafür mitverantwortlich und wird es auch beim nächsten sein.

Der angesehene Experte, der am am IIASA in Laxenburg und am National Center for Atmospheric Research in Colorado forscht, war einer der drei Plenarvortragenden bei der Eröffnung des European Population Congress in Wien und präsentierte dabei Szenarien, wie sich die Bevölkerungsentwicklung auf Treibhausgasemissionen auswirkt. In aller Kürze: "Das ist ein Faktor neben anderen." Am stärksten komme es jedenfalls auf die Entwicklungen in China an.

Von der Dramatisierung der "Überbevölkerung" wie zu Zeiten der Club of Rome hält O'Neill jedenfalls wenig. Und auch nicht von Befürchtungen, dass der Klimawandel zu großen Migrationsströmen führen werde. "Aber womöglich irre ich mich." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 03.09.2010)

cui bono2
 
04.09.2010 16:34

Es stimmt schon dass bei Zunahme der Massenkaufkraft auch der Energie- und Nahrungsmittelbedarf steigt. Allerdings, und das wird oft übersehen, steigen dann auch die Hektarerträge in der Landwirtschaft drastisch an, weil die Kleinbauern genug Kapital für gutes Saatgut, Dünger, Landtechnik, Bewässerung usw. haben. In den Entwicklungsländern liegt die Maisernte bei unter 1 t/ha, in den Industrieländern bei 9-12 t/ha. Bei den meisten anderen Nahrungsmitteln sieht das ähnlich aus.

Hinzu kommt, dass in der Dritten Welt gigantische Agrarflächen aus Kapitalmangel, Bürgerkriegsvertreibungen, fehlender Maschinen usw. einfach brachliegen. Krasse Fälle sind u.a. Sudan, Äthiopien und Simbabwe.

cui bono2
 
04.09.2010 09:40

Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Massenkaufkraft nebst sozialer Absicherung und dem Bevölkerungswachstum in den einzelnen Ländern. Aber auch innerhalb eines armen Landes gibt es Unterschiede: Kinderreichtum ist fast ausschließlich auf Familien mit geringem Einkommen beschränkt, die reichen Leute haben Geburtenraten wie in den Industrieländern.

1000undeine8
04.09.2010 12:17

es gibt aber auch einen klaren zusammenhang zwischen massenkaufkraft und verbrauch nicht nachwachsender rohstoffe. die industrienationen verdanken ihren wohlstand der nutzung von erdöl, kohle und erdgas (als energiequelle aber auch in form von kunstdüngern, kunststoffen, chemikalien, pharmazeutika etc.). man braucht kein großer prophet zu sein, um sich auszumalen, dass die derzeitige art des wirtschaftens (selbst wenn man annimmt, dass es gar keinen klimawandel gibt) die nächsten 100 jahre kaum in dieser form überstehen wird.

nomad13
04.09.2010 13:50
Hierbei von Treibhausgasen zu sprechen um die wahrhaftigen Probleme kleinzureden zeugt von Schwachmatik pur

Rückgang der Waldflächen-Zunahme der Bodenerosion-Artensterben-Leer fischen von Meeren
Sinken des Grundwasserspiegels-Absterben von Korallen-Zusammenbrechen von Ökosystemen
...
Der Begriff ökologische Fussabdruck ist hier also eventuell zielführend. Die Fläche die ein Mensch aufgrund von Nahrungsmittel-Güterproduktion,Wohnen,Mobilität, Entsorgung... theoretisch einnimmt.Z.B. Schweizer nimmt 4,7ha ein aber steht nur 1,9ha zur Verfügung. Afrikaner nimmt 1,2ha ein.

Das Problem der ÜBERBEVÖLKERUNG bei erwartenden 10 Milliarden bis 2050 ist weiterhin aktuell.Die Schaffung von Arm und Reich bietet nur sehr bedingt technische-zukunftorientierte Lösungen.

Die durchschnittl. Biokapazität beträgt 1,8ha.

Daher hat Neill keine Ahnung

Grisu der kleine Drache
03.09.2010 13:19

China ist besonders wichtig, weil es wirtschaftlich derart rasch expandiert, was Rohstoffbedarf und Umweltverschmutzung in die Höhe treibt. Demographisch ist China kaum ein Thema, bereits in 20-30 Jahren dürfte die Bevölkerungszahl zu sinken beginnen.

Indien hingegen wird China überholen, die Geburtenraten sind zwar gesunken, aber noch nicht weit genug, eine Stabilisierung ist noch in weiter Ferne.

Und Afrika wächst noch immer rasant, 2050 könnten könnte es statt heute 1 Mrd. 2 Mrd. Einwohner haben.

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