David gegen Goliath

Die winzigen Wächter der Savanne

Kurt de Swaaf , 02. September 2010 19:46
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    Foto: Rob Pringle
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    Foto: Todd Palmer
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    Foto: Jake Goheen

    Flötenakazien (oben) leben in Symbiose mit einer bestimmten Ameisenart (Mitte): Die kämpferischen Insekten schützen die Bäume erfolgreich vor Elefanten.

In den Savannen Kenias setzen sich aggressive Ameisen gegen Elefanten durch und beugen so der Vernichtung von Bäumen vor

Wyoming/Wien - Savannenlandschaft in Kenia, kurz vor Beginn der Regenzeit: Die Sonne hat die Gegend ausgedörrt, nur an den Bäumen ist noch etwas grün. Einige Akazien weilen längst nicht mehr unter den Lebenden. Ihre Kronen sind vollkommen verwüstet, die Äste liegen zerstreut am Boden, zerfledderte Rinde hängt von den bleichen Stämmen herab - ein Elefant hatte Hunger.

Die Dickhäuter sind die einzigen Säugetiere, die einen ausgewachsenen Savannenbaum töten können, erklärt der Biologe Jacob Goheen gegenüber dem Standard. Giraffen richten zwar auch Schäden an, aber nur Elefanten verfügen über ausreichend Körperkraft für eine komplette Zerstörung. Die dramatischen Folgen: Vernichtung ganzer Baumbestände, und aus Savanne wird Steppe.

In der Region Kenias finden sich allerdings auch Gebiete, in denen die Dickhäuter die Bäume in Ruhe lassen. Der Boden besteht dort aus grauem Ton, alte Vulkanasche, ganz anders als die sonst übliche, rötliche ostafrikanische Erde. "Wo die Tonböden anfangen, findet man einen Baumbewuchs, der fast nur aus Flötenakazien besteht", so Jacob Goheen. Und diese Akazienart, die im Wind flötenartige Töne von sich gibt, bleibt von der Elefanten-Gewalt verschont.

Goheen, der als Wissenschafter an der University of Wyoming in den USA tätig ist, hat das Phänomen zusammen mit seinem Kollegen Todd Palmer von der University of Florida genauer untersucht. Die Forscher wussten bereits, dass Flötenakazien in Symbiose mit bestimmten Ameisenarten lebt. Die Dornen dieser Akazien sind besonders dick und innen hohl. Sie bieten den Insekten Unterschlupf. Die Ameisen wiederum schützen ihre Wohnbäume gegen Schädlinge - auch gegen sehr große.

Um die Bedeutung der winzigen Leibwächter zu testen, führten Goheen und Palmer eine Reihe von Freilandversuchen durch. So vertrieben sie unter anderem von einer Gruppe von Flötenakazien durch Einräuchern die Ameisenvölker und verhinderten mittels Klebfallen deren Rückkehr. Nun waren die Akazien ungeschützt, und das machte sich bemerkbar: Die Elefanten langten zu, schon bald fehlten die ersten Äste. Die Biologen haben zudem beobachtet, wie die bissigen Verteidiger vorgehen. Sie marschieren sogar in die Rüssel der Dickhäuter ein.

Ameisen gegen Abholzung

Dort, wo Flötenakazien gedeihen, herrscht dichterer Baumwuchs vor. Die Ameisen sind offenbar in der Lage, durch ihre Verteidigung von Akazien die Landschaft zu gestalten und Savanne-Gebiete vor dem Abholzen durch Elefanten zu schützen. Ihre ökologische Rolle dürfte somit deutlich größer sein, als man bisher glaubte, wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Current Biology (online) schreiben. Noch ungeklärt ist warum Flötenakazien fast ausschließlich auf Tonerde wachsen. Wahrscheinlich eignen sich ihre Wurzeln nicht für die roten Sandböden.

Wie wirksam die Insektenverteidigung, ist weiß Jacob Goheen aus eigener Erfahrung. "Sobald man die Äste einer dieser Bäume streift, schwärmen hunderte, tausende Ameisen aus den hohlen Dornen aus." Und sie greifen an, egal, ob hungriger Elefant oder neugieriger Forscher. "Es tut richtig weh, wenn man sie auf der Haut hat. Ich kann mir vorstellen, wie es sein muss, Dutzende davon in der Nase zu haben." (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Printausgabe, 03.09.2010)

solandre
 
06.09.2010 14:23

'hatte mal das glück eine ameisenstrasse in venezuela zu beobachten. zwei 5cm breite "richtungsfahrbahnen" von einander getrennt und jeweils begrenzt durch ein spalier von körper an körper stehenden "verkehrslotsen", welche die verkehrsteilnehmer in die richtige richtung dirigieren. 20 meter konnte ich ihr folgen, bis mich das dickicht des dschungels am weiterkommen behinderte.

das verhalten der ameisen ist für mich eines der faszinierensten naturphänomene.

spielt mit
03.09.2010 16:12
Schon lange...

...nicht mehr so fasziniert gewesen :).
Tolle Sache - bewundere jeden Tag am Arbeitsweg 100erte Meter lange Ameisenkolonnen.
Auf einem Baumstamm hängen dutzende schwarze Trauben um Läuse (?), die sie tagein, tagaus melken.

h 90
03.09.2010 12:46

In der naechsten Evolutionsstufe, sagma 5 Millionen Jahre, blaest der Eli vorher mal Insektenspray mit dem Ruessel und freut sich ueber die extra Proteine.

Wappen hea
07.09.2010 22:01
vielleicht

Da sich die Evolution von klein zu groß zu klein und effizient bewegt (Amphibien, Dinos, Echsen und Vögel oder Primat, Mensch, ?) ist wohl eher absehbar, daß Elephanten in ihrer heutigen Form zu groß sind und ihre Nachfahren irgendwann wieder viel kleiner werden. Möglicherweise ist es dann garnimmer nötig die Ameisen mit Wunderwaffenrüssel zu bekämpfen, weil der Überlebensdruck der Akazien auch geringer geworden ist, oder gar Richtung Ameisen gekippt ist.

"Jede Entwicklung verläuft vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen" B. Pascal

h 90
08.09.2010 03:30

Die Evolution bewegt sich ueberhaupt nicht zielgerichtet und mit warmbluetler sicher nicht in Richtung effizient.

der müde Joe...
03.09.2010 09:14
"Nenn mich noch einmal eine feige Sa*!"

alcharismi
 
03.09.2010 12:10

Geh, so ein bissal Ameisensäure soll ja ganz xund sein!

PostingnameemangnitsoP
03.09.2010 23:34

schon, aber in der nase, äh, im rüssel??? au

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