Eine Diskussionssendung, die schon im Titel populistisch impliziert, dass Strache gefährlich sei, will es halt nicht anders
Nina Horaczek hat es auf den Punkt gebracht: Die Masche der FPÖ ist es, sich durch provokante Äußerungen ("Wiener Blut") ins Rampenlicht zu spülen, dort heischende Kritik abzuwarten und sich dann in der Rolle des Angegriffenen und Missverstandenen zu suhlen. Und so ging es auch bei der ersten nachsommerlichen Ausgabe der Diskussionssendung "Am Punkt" zu. Thema: "Wie gefährlich ist H.-C. Strache?"
Was auch immer die eingeladenen Gäste diesbezüglich ins Treffen führten, der FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wusste aus den Vorhaltungen der ihm gegenüberstehenden Studiogäste (Ariel Muzicant, Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier und Journalistin Horaczek) stets eine den Anliegen seiner Partei nützliche Wendung herbeizuführen. Wenn Heinzlmaier die FPÖ-Wählerschaft als "bildungsfern" beschrieb, dann klappte das natürlich besonders gut. Und nach einer Stakkato-Diskussion, wie sie "Am Punkt" ist, also einer zigfach von Werbeeinschaltungen, Zuspielungen und dem Vorlesen von Facebook-Eintragungen unterbrochenen bzw. belebten Frageschleife bleiben wieder nur beleidigte Gesichter über - auf der Suche nach der verlorenen sachlichen Dabatte. Ein Schema, das sich bei sämtlichen Gesprächsrunden, in denen FPÖ oder BZÖ im Fokus stehen, zu wiederholen scheint.
Kein Wunder. Eine Diskussionssendung, die schon im Titel populistisch impliziert, dass H.-C. Strache gefährlich sei, will es halt nicht anders. Man könnte ja auch sachliche Fragen stellen. Was will H.-C. Strache gegen den Facharbeiterkräftemangel tun oder für Betriebsansiedelungen oder gegen die Jugendarbeitslosigkeit? Da gäbe es wohl nicht viel zu sagen. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2010)