Grüner Konvertit bis zuletzt in Vassilakous Team
Wien - Am Tag „danach" erweist sich der Wechsel des grünen Bundesrates Stefan Schennach als weit mehr denn „Loyalitätsbruch", wie die Wiener Parteichefin Maria Vassilakou formulierte: Schennachs Wechsel ist ein formidables Wahlkampf-Desaster. Denn bis zuletzt war Schennach Teil des grünen Wahlkampfteams um Vassilakou, sogar einer ihrer engsten Berater und intimer Kenner der grünen Wahlkampfstrategie - wofür er seit 1. Mai auch extra bezahlt wurde, mit insgesamt 1600 Euro.
Peter Pilz, selbst intimer Kenner der Wiener Verhältnisse, hält den plötzlichen Wechsel Schennachs zur SPÖ denn auch für einen „tiefen Vertrauensbruch, das ist höchst unsauber". In der Privatwirtschaft, so meint Pilz, „würde er für so etwas vor Gericht stehen". Ein grundsätzliches Problem für die Grünen will Pilz aus dieser Sache nicht machen: „Niemand ist dagegen gefeit, persönlich hintergangen zu werden." Er jedenfalls werde sich mehr als geplant in den Wahlkampf einbringen: „Die SPÖ bekommt von mir eine Extraportion Skylink um die Ohren."
„Wiener Spezialität"
Der grüne Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner ist bemüht, aus den Wiener Kalamitäten „keine Bundessache" zu machen. Die Autonomie der Bezirke sei eine „Wiener Spezialität" - in anderen Bundesländern laufe es dagegen im Moment „hervorragend". Wallner sieht auch noch einen Unterschied zu anderen Parteien, was die „Versorgung" von altgedienten Mandataren betrifft: „Bei uns gibt es das eben nicht, dass man jemanden, der kein Mandat mehr bekommt, in einen staatsnahen Betrieb verfrachtet." Zudem gebe es auch in anderen Parteien immer wieder „Umstiege", etwa den steirischen Ex-Landesrat Gerhard Hirschmann, der mit eigener Liste gegen die ÖVP kandidiert habe.
In dasselbe Horn stößt Werner Kogler, der die Wiener Querelen „nicht überbewerten" will. Einzig Johannes Voggenhuber, der mit seiner Kandidatur vor der EU-Wahl 2009 innerparteilich gescheitert war, zeigte „Verständnis" für Schennach.
Maria Vassilakou selbst sagte am Tag danach, ihr „Zorn" sei „groß". Sie werde gleich nach der Wahl einige Neuerungen in den Bezirken angehen. Etwa, dass alle Grüne, die sich für Spitzenpositionen bewerben, dies bis zur Halbzeit der Legislaturperiode bekanntzugeben. Sie werde überdies dafür sorgen, „dass auch neue Gesichter eine Chance bekommen".
Im Übrigen, sagte Vassilakou zum Standard in Richtung ihrer eigenen Partei, „haben wir jetzt noch vier Wochen Zeit, um die historische Chance zu nutzen, dass Wien rot-grün regiert und damit zur Umwelt-Musterstadt wird". Es gebe „bei weitem wichtigere Themen als persönliche Befindlichkeiten". (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2010)