Nach 2:4 im fünften Satz drehte Paris-Halbfinalist das Match noch - Meusburger nach Führung gegen Kirilenko out - Auch Paszek ist draußen
New York - Kein Spiel für schwache Nerven hat Jürgen Melzer am
Donnerstag in der zweiten Runde der US Open gezeigt. Für den 29-jährigen
Niederösterreicher, Nummer 13 des Turniers, gab es aber letztlich trotz
eines 2:4-Rückstands im fünften Satz gegen den starken litauischen
Qualifikanten Ricardas Berankis doch noch ein Happy-end. Melzer rang den
hochtalentierten 20-Jährigen nach 3:35 Stunden mit
6:4,6:7(4),6:3,1:6,7:5 nieder. Melzer verwertete dabei erst den fünften
Matchball.
"Das war das erwartet schwierige Match, der kann wirklich gut spielen", meinte
ein sichtlicher erleichterter Melzer bei der Pressekonferenz. "Er hat die Bälle
sehr früh genommen, viel Druck gemacht und wirklich den einen oder anderen
Zauberball gespielt hat", lobte der Deutsch Wagramer den erst 20-jährigen
Litauer, der im Ranking sicher bald weit besser klassiert sein wird, als auf
Platz 124.
"Wenn man 2:4 im fünften Satz hinten ist, dann ist man sehr knapp dran, das
Match zu verlieren. Umso zufriedener bin ich, dass ich das gedreht habe und
wirklich nicht aufgegeben habe." Zwischendurch sei er sehr unzufrieden mit
seiner Aufschlagleistung gewesen, an seinem Service hadert Melzer nun schon
länger. "Gegen Einen, der so gut von hinten spielt und sehr gut retourniert, ist
es ohne ersten Aufschlag schwer. Man muss sich jeden Punkt erspielen, das ist
auf Dauer ein bisserl mühsam."
Melzer trifft nun am Samstag auf den als Nummer 22 gesetzten Juan
Carlos Ferrero. Im Kampf um
sein erstes Achtelfinale bei den US Open und sein drittes in diesem Jahr
bei einem Major nach dem French-Open-Halbfinale und dem
Wimbledon-Achtelfinale, spielt er dabei auch um eine weitere
Möglichkeit, sich nach Wimbledon zum zweiten Mal mit dem erfolgreichsten
Spieler aller Zeiten, Roger Federer, zu messen.
"Das wird ein enorm schwieriges Match, sehr viel
wird von der Grundlinie bestimmt werden. Man darf ihn nicht aus seiner
Rückhand-Ecke seine Vorhand spielen lassen. Wenn ich das verhindern kann, habe
ich auch ganz gute Chancen", prophezeite der Niederösterreicher, der sich gegen Ferrero aber nicht mehr als Favorit sieht.
Die 26-jährige Vorarlbergerin Yvonne Meusburger führte gegen die
als Nummer 23 gesetzte Russin Maria Kirilenko schon mit 6:4,4:2 und
hatte zwei Breakbälle zum 5:2. Am Ende musste sie sich mit 6:4,5:7,0:6
geschlagen geben. Auch bei ihrem 15. Major-Turnier blieb Meusburger
somit der Einzug in die dritte Runde versagt.
"In erster Linie
ist jetzt die Enttäuschung da, weil ich habe es am Schläger gehabt.
Letztlich habe ich meine Chancen gehabt, aber leider nicht nützen
können." Dies sei nun die Stärke der besseren Spieler, wenn sie nicht
den besten Tag haben, das Match noch mal drehen können.
Auch Tamira Paszek ist in der zweiten
Runde ausgeschieden. Die 19-jährige
Vorarlbergerin, die vier Siege in Qualifikation und Runde eins en
suite gefeiert hatte, musste sich der Taiwanesin Chan Yung-Jan
(WTA-Nr. 77) letztlich glatt nach 100 Minuten mit 3:6,3:6 geschlagen
geben.
Paszek musste im Duell gegen die taktisch schlau spielende Chan
von Beginn weg immer Rückständen nachlaufen. Zunächst lag sie 0:2
hinten, nach dem 2:2 gelang ihrer Gegnerin ein Break zum 5:3 und nach
48 Minuten der erste Satzgewinn. Im zweiten Durchgang verschaffte
sich die zwei Jahre ältere Asiatin mit zwei Breaks eine rasche
3:0-Führung, doch die Dornbirnerin erkämpfte sich wieder den
Ausgleich zum 3:3. Mit hohen "Mondbällen" entwaffnete Chan die 1,65 m
kleine Österreicherin, die dadurch ihre harten Grundschläge nicht so
wie geplant durchziehen konnte. Chan, selbst nur fünf Zentimeter
größer als Paszek, zog ihrer Gegnerin mit dieser konsequenten Taktik
letztlich den Nerv.
"Ja, ich war einfach müde. Die ganzen Spiele von der Quali und
vor
allem das letzte Spiel in der Hitze haben schon gezehrt. Ich war
nicht in der Form wie in der ersten Runde", meinte Paszek. Sie habe
kaum die Kraft gehabt, zum Ball zu gehen. "Ich bin eher
zusammengekippt bei jedem Schlag. Es war auch nicht sehr förderlich
wie sie gespielt hat. Ich habe mich ausschupfen lassen."
Paszek plant nun ihren nächsten Einsatz beim WTA-Turnier in
Quebec
(ab 13.9.), wo sie Qualifikation spielen will. Danach sind entweder
ITF-Turniere in Nordamerika oder eventuell doch ein Asien-Trip
geplant, je nach Abschneiden in Kanada. Fix eingeplant ist auch das
Generali Ladies im Oktober in Linz. "Linz ist eines meiner
Lieblingsturniere, da möchte ich auf jeden Fall dabei sein, wenn es
geht."
Larri Passos spielt auch wieder eine Rolle in Paszeks Karriere,
Paszek definiert es als Berater-Rolle. "Er meldet sich auch nach
jedem Spiel, er kennt mich am besten. Ich werde wahrscheinlich auch
die "preseason" bei ihm machen. (APA)