Streitfall Ströbitzer zum Radio-Chefredakteur bestellt - Sparen in TV-Information für Amons Direktorenjob
Wien - "Hier kommt die Zukunft": So optimistisch laden Alexander Wrabetz, ORF-Generaldirektor, Richard Grasl, ORF-Finanzdirektor und bürgerliche Generalshoffnung, sowie Werbechef Franz Prenner zur Präsentation des ORF-Programms 2010/11 auf den Küniglberg. Die letzte Präsentation vor der Generaldirektoren- und Direktorenwahl 2011.
Eine Generalprobe geht schon kommenden Donnerstag über die Bühne: Der ORF-Stiftungsrat soll TV-Chefredakteur Karl Amon zum Radiodirektor machen. Ein Lebenswunsch des 60-jährigen Journalisten - und ein Wunsch von Werner Faymann. Der wünschte sich Amon vor eineinhalb Jahren auch schon zum ORF-General, da winkte Amon ab.
Diesen Donnerstag bestellte ORF-Chef Alexander Wrabetz Amons Wunschkandidaten und bisherigen Vize Stefan Ströbitzer (44) zum ORF-Radiochefredakteur. (DER STANDARD berichtete). Gegen heftige Proteste der ÖVP. Das erleichtert Amons Wahl kommende Woche nicht gerade. Rot und Schwarz bemühen sich um unabhängige und oppositionelle Stiftungsräte für beziehungsweise gegen Amon. Eine gute Nervenprobe, sollte sich Amon doch für eine Kandidatur zum ORF-General erwärmen.
Den Rücken könnte ihm dann sein langjähriger Vertrauter Elmar Oberhauser stärken. Der Infodirektor hat vielfach angekündigt, er gehe mit seinem 65. Geburtstag Anfang 2012 in Pension. Dass er gerne weiter für den ORF in Wien tätig wäre, setzen Oberhauser-Kenner voraus.
Chefredakteur gesucht
Oberhauser, der bis Redaktionsschluss nicht zurückrief, spielt auch gleich die nächste politische Schlüsselrolle: Er muss Alexander Wrabetz Amons und Ströbitzers Nachfolger als TV-Chefredakteur und Vize vorschlagen. Den SP-Chefredakteurswunsch Fritz Dittlbacher soll Oberhauser ablehnen und von einem externen Kandidaten sprechen. Schon wird da gar über News-Chef Peter Pelinka spekuliert, dessen Umgebung das freilich als "absurd" abtut.
Ein Kandidat von außerhalb des ORF erschwert zudem, was Wrabetz und SPÖ versprechen: Die Rochade Mitsche/Amon wäre im Wesentlichen kostenneutral. Die vereinbarten Konditionen für Mitsches Rückzug (Dienstwagen etwa, DER STANDARD berichtete, ein Landesdirektorengehalt steht in seinem Vertrag, wenn er nicht mehr Direktor ist) erschweren das ohnehin.
"Österreich" berichtet unter Berufung auf "Stiftungsratskreise", die Rochaden kosteten 1,7 Milionen Euro. Eine etwas kühne Berechnung: Sie bezieht etwa Mitsches rund halbmillionenschwere Abfertigung als Direktor beziehungsweise langjähriger ORF-Mitarbeiter ein - die Abfertigung wäre jedenfalls fällig geworden, der Küniglberg zieht sie nun ein paar Jahre vor.
Sparen in TV-Information
Um Amon seinen Lebenswunsch Radiodirektor und der SPÖ Amon als Radiodirektor eineinviertel Jahre vor Ablauf der Funktionsperiode einigermaßen kostenneutral zu erfüllen, will der ORF in der ORF-Information nicht alle Jobs nachbesetzen. Bisher hatte Amon als TV-Chefredakteur zwei Stellvertreter - Waltraud Langer für die Info in ORF 1, Ströbitzer für ORF 2. Langer leitet nun die Magazine, Ströbitzer die Radioinformation. Wrabetz könnte etwa an Stellvertretern für den nächsten TV-Chefredakteur sparen.
So argumentierte Freitag auch der ORF: Er rechne sogar mit Kostenersparnis durch die Rochade - mehr dazu hier. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2010, online ergänzt)