Wiesenthal war auch Mossad-Agent

Ben Segenreich aus Tel Aviv , 02. September 2010 19:05
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    Foto: APA/JAEGER

    Simon Wiesenthal starb 2005 in Wien.

Historiker Segev präsentiert neues Buch

Bei der Verfolgung flüchtiger Naziverbrecher war der legendäre Simon Wiesenthal nicht immer nur ein Einzelgänger, sondern zehn Jahre lang ein bezahlter Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad. Das ist die brisanteste Enthüllung einer neuen Biografie des renommierten israelischen Historikers Tom Segev. Die deutsche Übersetzung wird unter dem Titel Simon Wiesenthal. Die Biographie in zwei Wochen in Österreich präsentiert. Die Zeitung Haaretz veröffentlichte am Donnerstag Vorinformationen.

Wiesenthal sei kurz nach der Gründung Israels durch eine Abteilung des Außenministeriums, aus der später der Mossad hervorging, rekrutiert worden. 1960 habe der Mossad die Errichtung des Wiener Büros von Wiesenthal finanziert, monatliches Gehalt: 300 Dollar. Wiesenthal benützte für seine Reisen einen israelischen Pass, obwohl er kein israelischer Staatsbürger war.

Schon im Dezember 1948 habe es unter Wiesenthals Mitwirkung einen Versuch gegeben, in Österreich den Naziverbrecher Adolf Eichmann zu schnappen. Drei Mossad-Agenten und die österreichischen Sicherheitsbehörden seien beteiligt gewesen. Initiator sei der gebürtige Wiener Ascher Ben-Nathan gewesen, später Israels erster Botschafter in Deutschland. Man habe Eichmann in Altaussee aufgelauert, wo seine Frau und seine Kinder damals lebten. Doch Eichmann wurde möglicherweise gewarnt und kam zum Jahreswechsel nicht auf Besuch. Er wurde zwölf Jahre später von Mossad-Leuten aus Argentinien entführt und nach einem Prozess in Israel hingerichtet.

Segev hatte Zugang zu Briefen, Geheimdienstakten und vielen bisher unbekannten Originalquellen. Für Österreich besonders interessant wird die Durchleuchtung von Wiesenthals Rolle in der österreichischen Innenpolitik sein. Der bittere Konflikt mit Bruno Kreisky soll so weit geführt haben, dass Wiesenthal auf Geheiß des damaligen Bundeskanzlers scharf bespitzelt wurde. Dem umstrittenen Präsidenten Kurt Waldheim soll Wiesenthal aktiv geholfen haben. 2005 starb der im altösterreichischen Galizien geborene Wiesenthal 96-jährig in Wien. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 01.09.2010)

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egsi
06.09.2010 23:18
"Enthüllung"

des immer offensichtlichen gewesenen...

Späthippie in völliger Verblödung
06.09.2010 20:02
Ist "Agent" nicht eine irreführende Bezeichnung für die Art der Unterstützung durch den Mossad?

Wiesenthal scheint etwa nicht weisungsgebunden gewesen zu sein.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
06.09.2010 19:55
Herrn SimonWiesenthal als "Mossad-Agenten" zu enttarnen

ist vielleicht ein guter Gag, um den Verkauf der Biographie zu befördern, aber als Vorwurf reichlich skuril, unsinnig um nicht zu sagen geradezu sinnwidrig. Herr Wiesenthal hat außerordentliche Verdienste zur Sünung gemeinster Verbrechen erworbrn. Wenn eine Organisation ihm dafür ihre Unterstützung in ohnehin an Schmutzigkeit grenzender Bescheidenheit angedeihen ließ, kann doch das nicht bedeuten er wäre Mitglied (Agent ) derselben gewesen. Simon Wiesenthal war eine moralische Instanz in Österreich. Er fehlt sehr:

egsi
07.09.2010 09:15
naja - jemand der auf der gehaltsliste...

... eines fremden nachrichtendienstes steht, wird in manchen ländern geköpft, in anderen eingesperrt oder ausgewiesen. nur in österreich wird er hofiert.

Tschuri Cazzino
 
06.09.2010 22:40
Ausserhalb Ihres Universums ist man als selbstständiger oder

unselbständiger und bezahlter Lohnempfänger einer Organisation auch Mitglied derselben.
Die Beteiligung an Entführungen und das Zuarbeiten für einen ausländischen Geheimdienst sind zweifelsfrei kriminelle Akte auch dann, wenn sie sich gegen Massenmörder richten, was im Falle Wiesenthals gar nicht immer der Fall war, da er auch nachweislich Unschuldige verfolgte.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

strangerinastrangeland
 
08.09.2010 23:15

Für ausländische Dienste ist in Österreich nur dann strafbar, wenn dies zum Nachteil von Österreich geschieht oder wenn der ausländische Dienst dem Militär zuzurechnen ist.
Weiters ist bezweifeln, dass Wiesenthal an Entführungen beteiligt war, einen israelischen Dienst mit Informationen über den Aufenthaltsort eines Verbrechers zu versorgen, ist keine Beteiligung, nicht einmal Begünstigung, weil nicht rechtswidrig.

E. Pagliacci
08.09.2010 08:36

Wenn es ihn noch gäbe, würde ich Simon Wiesenthal für den Maria-Theresien-Orden vorschlagen. Im Geist hat er von mir den Friedensnobelpreis erhalten.

Prof. Alois
 
05.09.2010 20:48
Oje

Was ein Standard-Redakteur alles als brisant erkennt.

Das weitaus brisantere ist schon, dass Kreisky nichts ausließ, den Wiensenthal zu diskreditieren. Bespitzelung durch Innenministerium und Justiz (beide SP) ganz selbstverständlich inklusive.

Der Kriesky ist der üblere Lueger. Weil er sich nach dem Holocaust nicht geniert hat.

OGHaha
03.09.2010 21:04
Na und? Alles andere als eine Zusammenarbeit wäre ja ein Witz gewesen.

Ist in etwa so eine Sensation, wie unser BP Fischer laut gut informierten Kreisen der Oberbefehlshaber der gefürchteten österr. Armee sein soll?

Seria
03.09.2010 16:57

sehr brisant ist diese Enthüllung ja nicht. Wiesenthal hatte ja kaum Unterstützung österr Behörden, daß das Mossad da ausgeholfen hat ist verständlich und war auch gut und richtig

Tschuri Cazzino
 
06.09.2010 22:44
Aus Sicht des Mossad mag das gut und richtig gewesen sein.

Aus Sicht der österreichischen Rechtslage ist die Zusammenarbeit mit einem ausländischen Geheimdienst und die Beteiligung an Entführungen kriminell.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
07.09.2010 12:00
Betreffend die Tätigkeit Wiesenthals ist dies unzutreffend!

Das Datensammeln von Verbrechern ist in Österreich nicht kriminell. Ihn auch nur in die Nähe einer solchen Anschuldigung zu rücken, unterstreicht nur meine Ansicht, dass er uns bitter fehlt und unersetzlich ist. Was uns allerdings fehlt in Österreich,ist ein Gesetz, dass rechtswidrig herausgefundene Erkenntnisse und Daten bei Gericht nicht verwendet werden dürfen. Aber das ist eine andere Geschichte. Wiesenthal war meiner Ansicht nach stets sehr loyal zu Österreich, das auf ihn sehr stolz sein darf!!

Mann40
03.09.2010 18:05

finde ich auch

cgau
03.09.2010 16:34
na so was !

jetzt bin ich aber wirklich baff!
also das wundert mich jetzt aber wirklich, dass wiesenthal mit dem mossad zusammengearbeitet hat, wo doch die ö. regierung sich über jahre den a... aufgerissen hat, um diese naziverbrecher zu fangen!

was soll diese nullmeldung?
natürlich hat er mit dem mossad zusammengearbeitet. wenn er sich auf die zusammenarbeit mit dem öst. staat verlassen hätte, hätte er wahrscheinlich nicht einmal einen einzigen naziverbrecher erwischt !

wiesenthal verdanken wir es, dass der beschämende umgang des "offiziellen" nachkriegs-österreichs (zumindest bis mitte der 80er jahre) mit den nazis wenigstens ein bisschen ausgeglichen wurde.

vielen dank dafür an wiesenthal!

E. Pagliacci
08.09.2010 08:30

That's the point!

Tschuri Cazzino
 
06.09.2010 22:46
Immerhin hat der österreichische Staat darauf verzichtet

Wiesenthal für den Rest seines Lebens hinter Schloß und Riegel gesetzt zu haben, wozu er der Rechtslage nach eigentlich verpflichtet gewesen wäre.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

strangerinastrangeland
 
08.09.2010 23:17

Aufgrund welcher Rechtslage, nennen Sie Gesetz und Paragraph!

E. Pagliacci
08.09.2010 08:28

Weswegen hätte man Wiesenthal einsperren sollen?

standardabweichung
03.09.2010 15:19

macht jedenfalls mehr her als zilks tätigkeit für den tschechischen oder torbergs für den amerikanischen geheimdienst

Kra Wuzikabuzi
03.09.2010 13:10
solange er nicht zb für die cia gearbeitet hat

wird er hier sicherlich nicht kritisiert werden.

Mad_Professor
03.09.2010 12:25
Ist zwar off-Topic, aber hier noch ein Link

http://nachrichten.lvz-online.de/leipzig/c... 47565.html

HeinzPrüller
03.09.2010 12:10

Halllloooo Zensur, bitte aufwachen! Mein (wirklich harmloses) Posting wird seit Stunden nicht veröffentlicht!!!!

Christian Oberndorfer
03.09.2010 13:00

dass ihr posting nicht veröffentlicht wird, zeigt doch, dass die zensoren putzmunter sind!

a grünes stricherl
 
03.09.2010 10:00
und?

Affe&Affe
03.09.2010 09:43
Ich hätte Wiesenthal viel mehr Erfolge bei seinen Tätigkeiten gewünscht!

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