"Bacchus"

Neuer Eiserner Vorhang in der Wiener Staatsoper

02. September 2010 18:58

Abstraktes Werk des US-Künstlers Cy Twombly vorgestellt

Wien - Farbintensiv präsentiert sich die künstlerische Gestaltung des "Eisernen Vorhangs" der Wiener Staatsoper für die Spielzeit 2010/11. Der in Italien lebende US-Künstler Cy Twombly zeichnet für das Werk mit dem Titel "Bacchus", das 2005 entstanden ist, verantwortlich. Auf dem Gemälde zu sehen sind leuchtend rote, scheinbar zufällig platzierte Farbschleifen, die sich zur Mitte hin verdichten. Die Kunstaktion läuft seit mittlerweile 13 Jahren, was Staatsoperndirektor Dominique Meyer bei der Präsentation am Donnerstag mit den Worten kommentierte: "Ich bin glücklich, diese lange Tradition fortsetzen zu dürfen."

Meyer hat schon Erfahrung mit dem Künstler, gestaltete dieser doch auch den Vorhang der Pariser Oper zu jener Zeit, als er dort im Direktorensessel saß. Als man ihn auf das Vorhaben in der Staatsoper angesprochen hat, habe er sich erfreut gezeigt, wie Kathrin Messner vom "museum in progress" erzählte, und gesagt: "Bringen Sie mir doch etwas wie Cy Twombly." Aber auch das Original, ein 1955 entstandenes "Orpheus und Eurydike"-Motiv von Rudolf Eisenmenger (1902-1994) soll dem Direktor zufolge in jeder Saison einige Zeit zu sehen sein: "Das ist gut für die Balance." Eisenmenger gilt aufgrund seiner Leitungstätigkeit im Wiener Künstlerhaus zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft als umstritten.

Seit der Saison 1998/99 wird der 16 Tonnen schwere Eiserne Vorhang von jeweils anderen Künstlern bespielt, wobei die großflächigen Werke mit Hilfe einer Magnetkonstruktion vor das denkmalgeschützte Original gespannt werden. Ausgewählt wurde Twombly von einer internationale Jury, bestehend aus Daniel Birnbaum, Rektor der Städelschule Frankfurt, Akiko Miyake vom Center for Contemporary Art Kitakyushu in Japan und Hans Ulrich Obrist, Co-Direktor der Serpentine Gallery London.

Geboren wurde Cy Twombly 1928 in Lexington, Virginia, und lebt seit 1959 in Italien. 2009 zeigte das MUMOK in Wien die gefeierte Ausstellung "Sensations of the Moment" und besitzt dank der Ludwig Stiftung als einziges österreichisches Bundesmuseum ein Werk des Künstlers. Seine teils monumentalen Werke erinnern oft an schnelle Kritzeleien oder Graffiti und spalten immer wieder das Publikum. Auf dem Kunstmarkt erzielen Arbeiten Twomblys Millionen-Preise.

Bisher wurde der Eiserne Vorhang von Kara Walker, Christine und Irene Hohenbüchler, Matthew Barney, Richard Hamilton, Giulio Paolini, Thomas Bayerle, Tacita Dean, Maria Lassnig, Rirkrit Tiravanija, Jeff Koons, Rosemarie Trockel und Franz West gestaltet. (APA)

 

Kommentar posten
19 Postings
tixorolle
14.09.2010 08:07
jetzt muss ich doch mal in die oper

der schaut ganz grandios aus. da werde ich mal in die oper gehen (vielleicht Stehplatz)

Wittgenstein
07.09.2010 11:41
zu diesem Vorhangbild

würde die Ruine der zerstörten Staatsopers perfekt passen.
Hat die Staatsoperndirektion vielleicht schon einmal daran gedacht, sie - für ein mehr zeitgemäßes künstlerisches Ambiente - wieder in diesen Zustand zu versetzen?

Giovanni Lick
04.09.2010 08:33
Malende Oran Utans

Keine Sympathie für Nazitum und Rechtsextremismus, aber: Böhm und Karajan dirigierten trotz ihrer NS-Affinitäten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein unverhängt, d.h. für alle sichtbar, und es herrschte Jubel, Trubel, Heiterkeit. Herr Eisenmengers 'Eiserner', dessen Stil man durchaus kritisch sehen darf, wird verhängt mit Arbeiten, die nicht einmal den malenden Orang Utans im Krefelder Zoo Ehre machen würden. (http://www.rp-online.de/niederrhe... 2074.html)

LexBarker
03.09.2010 14:06
Ein Meisterwerk

Läßt der Titel "Bacchus" auf den Zustand des Schöpfers oder des Auftraggebers schließen?

grizabella
 
03.09.2010 13:54
Eisenmengers Vorhang

mag man konventionell nennen, aber das ist der Zuschauerraum der Staatsoper, für den er 1955 geschaffen wurde, auch. Die beiden passen also ideal zusammen und bilden ein "Ensemble". Was das Geschmiere von Herrn Twombly mit "Orpheus" zu tun haben soll, ist mir außerdem schleierhaft.
Eisenmenger zum Vorwurf zu machen, dass er während der NS-Zeit Direktor des Künstlerhauses war
( als der er sich rein gar nichts zu Schulden kommen ließ ) ist einfach läppisch. Karl Böhm war in dieser Zeit Direktor der Staatsoper ( 1943-45 ) und wurde es dann noch einmal ( 1954-56 ). Keinerlei "Ächtung", aber Ehrungen sonder Zahl.

Giuseppe Verdi1
03.09.2010 09:40
wann sieht man wieder den originalen eisernen

und nicht diese dümmlichen verhängungen, die dem publikum ins auge gedrückt werden?

eine neue besuchergeneration hätte doch das recht dazu. - die sponsorenfinder sollen mal ein jahr auf ihre zubringergelder verzichten. ( es gilt die unschuldvermutung)

ron kreitler
03.09.2010 12:32
das original war schoner

ich kann mich noch errinern wie traurig ich war als es entfernt wurde

Paul Muadib
03.09.2010 13:34
Der originale Eiserne...

...ist natürlich noch da und wird immer da sein, denn er ist denkmalgeschützt. Er wird lediglich wechselnd temporär mit zeitgenössischer Kunst verhängt.

holly wut
 
03.09.2010 05:50
Die Österreichische Staatsoper sollte österreichische Top-Künstler präsentieren!

Das hätte der Österreicher Otto Zitko genau so toll gemacht! Auch er hatte im MUMOK schon eine vielbeachtete Ausstellung. Und wegen dem C. Twombly (meine Hochachtung!) gehen auch nicht mehr Menschen in die Oper.

Keine Ahnung
03.09.2010 13:53
Nix für Ungut

Aber den Herrn Zitko in einem Satz mit dem Herrn Twombly zu nennen, das geht sich einfach nicht aus.
Gott sei Dank nehmens nicht nur Österreicher, es handelt sich ja nicht um eine Dorfoper, sondern eine, die sich international behaupten möchte. Insofern ist sowohl den oftmals österreichischen Künstlern als auch der Oper geholfen, nicht ins Provinzielle zu rutschen.

holly wut
 
04.09.2010 15:03

Ich denke, sie können sich vorstellen, was mich zu diesem Verlangen hinreißen ließ? Wo liegt da der Unterschied? Ich habe sowohl Twombly als auch Zitko im Mumok gesehen. Twombly sogar zweimal. Die beiden Unterscheiden sich in ihrer Sprache deutlich. Nicht aber am Eisernen! Der "Italiener" hat sich die G`schicht recht einfach gemacht. Nix für Ungut!

Paul Muadib
03.09.2010 13:37
Eiserne von österr. Künstler/inne/n:

Christine und Irene Hohenbüchler:
http://www.mip.at/de/werke/326.html

Maria Lassnig:
http://www.mip.at/de/werke/641.html

Franz West:
http://www.mip.at/de/werke/662.html

jumpingjack flash
03.09.2010 01:09

schaut aus wie ein rauschiger nitsch

Giuseppe Verdi1
03.09.2010 09:37
getroffen.....

war auch mein erster eindruck als ich das foto vor 2 tagen erstmals sah.

Keine Ahnung
02.09.2010 22:58
Hier ist die Rede von einem Gemälde

Haben die es tatsächlich geschafft, ein so riesiges Twombly-Gemälde als eisernen Vorhang zu gewinnen?

Oder geht es eher um einen aufgeblasenen Druck??

Wenn ja: shame on you, APA und STANDARD, für diese hundsmäßige Berichterstattung!

Twombly, der großartige Künstler, soll damit natürlich keinesfalls kritisiert werden, nur die dumme PR.

holly wut
 
05.09.2010 17:47

Nochmal "keine Ahnung"!
Das ist jetzt "hundsmäßige" Besserwisserei! Twombly hat auf A4 gepinselt und dann auf Vorhang gezoomt?
Besserwisser sind Reiter, die einem Pferd die Sporen geben, auf dem sie gar nicht sitzen!

Keine Ahnung
05.09.2010 18:34

Ich würde mal vorschlagen, dass Sie vor so einem Posting kurz Recherche betreiben, um allen Beteiligten Ärger zu sparen. Besten Dank im Voraus.

holly wut
 
06.09.2010 18:11

Na dann tun sie es doch, bevor sie mit Attributen wie "hundsmäßig" und "dumm", den Eindruck erwecken, allen Beteiligten Ärger machen zu wollen.
Korinthenkakerei!

Heavyweather
02.09.2010 22:12

"scheinbar zufällig"
LOL

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