Faszinosum Bettwanzen

Der Siegeszug der Blutsauger

03. September 2010 18:18
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    Foto: apa

    Bettwanze bei der Mahlzeit. Immerhin dürften die Parasiten keine Infektionen übertragen.

Bewohner von US-Städten leiden unter der größten Bettwanzen-Invasion seit 50 Jahren - der Trend könnte auch nach Europa kommen, sagt ein Experte

Wien - Wenn alles, was in den Vereinigten Staaten - und zumal in New York - gerade angesagt ist, mit etwas Verzögerung auch bei uns Mode wird, dann können wir uns demnächst auf juckende Zeiten gefasst machen. Die US-Amerikaner leiden heuer nämlich unter der schlimmsten Bettwanzenplage seit über 50 Jahren. Ein Ende der Invasion ist nicht absehbar.

Erste Auswirkungen des lästigen Trends zeigen tatsächlich schon in Europa, weiß Wolfgang Rabitsch vom Umweltbundesamt: "Zuletzt wurde in der Schweiz und in England von einer Zunahme der Fälle berichtet." Ein erster Vorbote war eine kleine Invasion in Mittelitalien ab 2003 (vgl. "Parasitology International" 56 (2007), S. 81). Für Österreich sind keine Zahlen verfügbar, so der Wanzenexperte, "da niemand darüber Buch führt". Von Schädlingsbekämpfungsfirmen wisse er, dass auch hier die Fälle mehr werden.

Rein wissenschaftlich geben die Bettwanzen eine ganze Menge her - und der Forschung immer noch einige Fragen auf. Zum Beispiel die, warum sich die knapp einen halben Zentimeter langen Parasiten in den letzten Jahren invasionsartig ausbreiten. Für Rabitsch, der vor einigen Jahren im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sämtliche 900 heimischen Wanzenarten erfasste, kommen mehrere Faktoren zusammen: die Resistenz der Tiere gegen immer mehr Gifte, deren sparsamerer Einsatz sowie die Zunahme der Reiseaktivitäten.

Erste Begegnung in der Höhle

Wie die Tiere auf den Mensch gekommen sind, sei ebenfalls noch nicht restlos geklärt, so der Insektenkundler. Man gehe davon aus, dass sich die Menschen bzw. unsere Vorfahren die Blutsauger einfingen, als sie vor ziemlich langer Zeit in Höhlen zu übernachten begannen. Bis dahin hatten sich die Wanzen nur an Fledermäusen und Vögeln gütlich getan.

Damit verbunden ist ein weiteres Rätsel, das Insektenforscher umtreibt - und für uns die erfreulichste Tatsache im Angesicht der Plage: Bettwanzenstiche können zwar ziemlich böse jucken (wie der Autor dieser Zeilen seit einer USA-Reise im Frühjahr weiß), sind aber ansonsten harmlos: Die Blutsauger können erstaunlicherweise kaum eine Infektionskrankheit übertragen, wie es scheint, allenfalls Hepatitis. Getestet wurde schon eine ganze Menge: von HIV bis Malaria.

Warum die Bisse der Parasiten quasi nebenwirkungsfrei sind, ist unklar. Dass man gebissen wurde, merkt man übrigens meist erst Stunden danach, weil erstens der Saugrüssel der Bettwanzen sehr dünn ist und zweitens ihr Betäubungsmittel gut wirkt.

Gründlich erforscht ist seit geraumer Zeit die Vermehrung der Viecher, die eher bizarr zu nennen ist - oder im Fachjargon "traumatische Insemination" : Das Männchen steckt sein Begattungsorgan nicht etwa in die Geschlechtsöffnung des Weibchens, sondern bohrt es direkt durch die Haut. Die Spermien gelangen über die Lymphe in die Nähe der Eierstöcke (vgl. "Philosophical Transactions B" (2006), Bd. 361, S. 269).

Wie sich die Tiere finden, wurde erst vor wenigen Tagen bei der Europäischen Entomologenkonferenz in Budapest besprochen, erzählt Rabitsch: Forscher isolierten erstmals jene Pheromone, die Wanzen dazu bringen, sich zu versammeln. Ein Nachbau dieser Pheromone könnte helfen, entsprechende Fallen zu bauen, um die Tiere anzulocken.

Töten durch Überhitzung

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Wer sich heute schon die Parasiten in die eigenen vier Wände eingeschleppt hat, ist eher nicht zu beneiden. Die Tiere sind ziemlich zäh und können monatelang ohne Nahrung auskommen. In ihrer Verzweiflung griffen viele US-Amerikaner deshalb zu starken Pestiziden, wovor zuletzt sogar die Umweltbehörde EPA warnte.

Eine andere Möglichkeit, die Blutsauger loszuwerden, ist ein Erhitzen der Wohnung auf über 43 Grad Celsius. "Diese Maßnahme hat den Vorteil, dass auch Eier und Larven zerstört werden" , sagt Rabitsch. "Der Nachteil ist, dass sie eher schwer umzusetzen ist." (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5. 9. 2010)

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Popel
06.09.2010 14:07
Diese Viecher sind sicher aus einem Finanzamt entkommen!

Die rasante Verbreitung liegt im Geheimnis der Schwerkraft, keine Reaktionszeit zu kennen.

Es wird sofort gesaugt;-)

Das Wort
09.09.2010 17:13
Aus dem Fiinanzsektor stammen die Raubwanzen;-

Resentimenta
 
04.09.2010 11:49
43 Grad???

Jetzt weiß ich, warum wir keine hatten/haben. Wir hatten heuer in NYC den heißesten Sommer seit je, und WIR haben keine AC im Schlafzimmer! 43 Grad? Kein Problem!!!!
;-)

Franz Mukal
03.09.2010 23:45
43°?

mehr CO2 und dieses Problem ist Geschichte.

napnap1
05.09.2010 13:43

sie arbeiten daran

spielt mit
03.09.2010 16:55
Wo sind die Starship Troopers...

... wenn man sie mal braucht :)

http://www.youtube.com/watch?v=6... ature=fvsr

-blos so-
03.09.2010 16:33
ich hab die Viecherl dieses Jahr erstmalig auf dem Campingplatz in Italien gesehen

grausliches Getier...

und wenn man es sich dann dadurch ein schleppt, dann hat man den Scherm auf..

Furunkel
03.09.2010 16:21
Wahrscheinlich fällt den Amis nun auf, daß die Punkterl auf den Taben sich bewegen, wenn man in die Hände klatscht?

Popel
06.09.2010 14:10
Heißt bei uns "Tapeten" - das mit den laufenden Punkterln ist tatsache;-)

Schnapphahn
03.09.2010 16:06
Auf der Mauer, auf der Lauer liegt die kleine Wanze...

Nachtwerker
 
06.09.2010 22:13
Schauts euch die Wanze an ...

wie die Wanzn tanzen kann :o)

Herr Plumm
03.09.2010 15:54

evtl. nukes?

pike bishop
03.09.2010 14:33

in den USA denkt man anscheinend immer in kriegerischen Begriffen. Die Wanzen führen aber keinen Krieg...

peak oil
03.09.2010 14:08
was sagen die datenschützer dazu?

long live google-bedview ;)

Wirtschaftshierbleiber
03.09.2010 13:31

Ich habe heuer eine längere Radtour gemacht. Nach ein hundert Kilometer Etappe auf üblen Strassen und mit Magenkrämpfen hab ich ein Guesthouse gefunden.

Total fertig hab ich mich ins Bett gelegt und ein Buch aufgeschlagen und dann ... krabel, krabel Bed Bugs!!!

Der Große von Gegenüber
03.09.2010 07:49

Und dazu passend der "Mean old bed bug blues" aus den 30er-Jahren ...

undisputed truth
03.09.2010 09:36

Bessie Smith 1927

Der Große von Gegenüber
03.09.2010 11:10

Richtig. 27. Sep. 1927 New york.

Und mit Billy Banks und seinem Orchster vom 26. Juli 1932.

Knochenmann
03.09.2010 07:28

Krieg, Arbeitslosigkeit und Parasiten gehören halt zusammen. Das wusste schon meine Oma.

Alf von Melmak
03.09.2010 01:48
USA erleben größe Bettwanzen- Invasion seit Jahrzehnten

Man könnte auch sagen:

"Die USA werden immer stärker verwanzt"

Conus textile
03.09.2010 00:05
Ist jetzt zwar sehr irrational...

...aber wenn ich mich zwischen einem komplett befallenen Bett heute Nacht und möglichem Krebs in 10-20 Jahren entscheiden müsste, wüsste ich was ich tun würde...

Gerhard Müller
03.09.2010 13:52
Bei Wanzen im Bett

reduziert sich die Perspektive auf das Hier und Jetzt.

Und zwar unmittelbar. Man hat in diesen Momenten keine Vorstellung, was auch nur eine Stunde sein könnte.

Ich empfand nichts als grauslicher als Wanzen. Noch dazu, dass deren Bisse ja nicht nur einmal weh tun, sondern gleich tagelang immer wiederkehrend.

Mr. Spock
03.09.2010 12:21

Einfach zelten gehen.

Conus textile
03.09.2010 12:24

stimmt. ;-)

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