derStandard.at-Interview

"Der holländische Fußball ist nicht gerade der Nabel der Welt"

03. September 2010 08:41
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    Foto: niko ostermann

    "Von den Spielern bin ich sehr beeindruckt. Sie sind interessiert und äußerst konzentriert bei ihrer Arbeit." (Foto: Niko Ostermann)

Alfred Tatar ist Nachfolger von Frenkie Schinkels und der neue starke Mann in Wien-Döbling. Bei der Vienna will er Ebenen repa­rieren

Wien - Er gilt als einer der Denker im österreichischen Fußball, nach kurzer Pause ist Alfred Tatar wieder im österreichischen Profifußball aktiv, beim First Vienna FC 1894 löste er den erfolglosen Frenkie Schinkels ab. Andreas Hagenauer fragte nach.

Laut Präsident Dvoracek haben Sie ihm ein beeindruckendes Konzept vorgelegt, das schlussendlich den Ausschlag für Ihre Anstellung gegeben hat. Wie sieht dieses Konzept aus?

Das Konzept basiert darauf, dass jeder Mensch, und besonders Fußballer bio-psycho-soziale Einheiten sind. Auf diesen drei Ebenen muss man bei Erfolglosigkeit einhaken und hier möchte ich die Hebel ansetzen. Wobei sich der Erfolg dadurch natürlich nicht zwangsmäßig einstellt.

Wie kann man sich die Ebenen vorstellen?

Die soziale Ebene bezieht sich auf das Verhalten innerhalb der Gruppe und die psychische Ebene auf die individuellen, psychischen Gegebenheiten des einzelnen Spielers. Sportler sind bei Misserfolg deprimiert, oder haben kein Selbstvertrauen. Daran kann man arbeiten. Und das Biologische betrifft den Körper der Spieler.

Wie sind diese  Ansätze von den Spielern aufgenommen worden?

Von den Spielern bin ich sehr beeindruckt. Sie sind interessiert und äußerst konzentriert bei ihrer Arbeit. Aber entscheidend wird es erst dann, wenn sie alles umsetzen müssen. Wir sind schon gespannt.

Haben Sie die bisherige Saison verfolgt?

Ja, durch meine Tätigkeit als Sky-Experte habe ich viele Spiele gesehen und bin mit der Liga vertraut.

Was sind die Ziele der Zusammenarbeit Tatar-Vienna?

Wir bewegen uns im professionellen Fußball, also kann das kurzfristige Ziel nur heißen: Erfolg haben und Punkte sammeln. Ein hintergründiges Ziel kann sein, dass die einzelnen Spieler und die Mannschaft ihr Niveau erweitern und auch halten können.

In welchem Tabellenplatz äußert sich dieses Niveau dann?

Tabellensituationen sind diesbezüglich nicht entscheidend.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrer Zeit aus Russland mit?

Aus Russland habe ich einen derartig großen Rucksack an Erfahrungen mitgenommen, dass ich noch immer dabei bin ihn fertig auszupacken. Allem voran steht der Eindruck, wie gut es unseren Spielern hier eigentlich geht. Die Dimensionen sind einfach nicht vergleichbar. Die Wege zu den Trainings sind wesentlich weiter und die mehrstündigen Flüge zu Auswärtsspielen bedeuten für die Profis eine enorme Belastung. Da haben wir es hier leichter. Ein weiterer Unterschied ist der Zugang zum Sport, der in Russland durchwegs professioneller erscheint. Teilweise geht es bei den Spielern ums Überleben, und wenn sie einmal vom Kuchen gekostet haben, präsentiert sich ihre Einstellung umso professioneller.

Viel hört man hierzulande nicht über die russische Liga…

Der russische Fußball wird unterschätzt. Zwei fixe Champions-League-Plätze zeugen von einer gewissen Qualität. Da hat sich in den letzten Jahren viel getan und es gibt gerade bei den Großklubs wie Lok Moskau auch einige Multi-Millionäre. Schon allein die Zusammenarbeit mit diesen Spielern würde ich als einzigartige Erfahrung bezeichnen.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit bei der Vienna?

Ich nehme ein Konglomerat aus allen meinen Erfahrungen aus Russland mit und versuche es für die Vienna zu adaptieren. Natürlich ist die Erwartungshaltung eine andere, aber ich versuche eben auch hier ein leistungs- und erfolgsorientiertes Denken zu etablieren.

Mit Rashid Rachimov waren die Rollen in den letzten Jahren klar abgesteckt: Er war der Cheftrainer, Sie der Co-Trainer.  Was bedeutet es für Sie, wieder in die erste Reihe vorzurücken?

Die Rollenverteilung bei uns war eher an das englische Modell angelehnt. Er war der Teammanager und ich der Trainer also Übungsleiter. Auf jeden Fall war die Zusammenarbeit für uns beide sehr fruchtbar. Wir haben uns gegenseitig ergänzt und waren gleichgestellt. Der Schritt in die erste Reihe bedeutet jetzt für mich, dass ich diese Erfahrung direkt anwenden kann. Von Rachimov habe ich mir vor allem den direkten Umgang mit den Spielern abgeschaut. Dafür hat eine Gabe. Der Umgang mit den Spielern ist für mich als Chefcoach das Entscheidende. Auf handwerklicher Basis, also der Gestaltung des Trainings oder den einzelnen Übungen gibt nur mehr wenig Neues. Die Führung von Spielern und wie man aus ihnen die beste Leistung herausholt oder sie dazu bringt Eigenverantwortung zu übernehmen, war damals seine Aufgabe und ist jetzt meine.

Sie haben einmal den holländischen Fußball mit dem Prädikat "Schön anzusehen, aber erfolglos" versehen. Das erinnert schwer an die letzten Spiele der Vienna in dieser Saison. Ein Zufall?  

Der holländische Fußball hat die Zuseher immer begeistert, aber keine zählbaren Erfolge eingefahren. Mittlerweile schafft er es nicht einmal mehr zu begeistern, wie man bei der WM gesehen hat. Ich würde also den holländischen Fußball nicht gerade als Nabel der Welt bezeichnen, obwohl einige Holländer das gerne so sehen. Das hat jetzt nichts mit meinem Vorgänger zu tun, sondern ist meine Meinung zum holländischen Fußball.

Und wie sieht Ihre Philosophie aus?

Mir geht es vor allem darum den Gegner sowohl offensiv, als auch defensiv auszureizen. Wir müssen defensiv so spielen, dass die andere Mannschaft nach 90 Minuten keuchend vom Platz kriecht. Und offensiv genau dasselbe: Wir müssen der anderen Mannschaft unser Spiel so aufzwingen, dass sie um ihr Überleben ringt. (3. September, derstandard.at)

Zur Person

Seit dem 30. August 2010 ist Alfred Tatar (*1963) Trainer des First Vienna FC 1894. Weitere Stationen als Trainer waren: Lokomotiv Moskau (als Co-Trainer von Raschid Rachimow), Amkar Perm, Admira Wacker und SV Ried. Als Spieler war er bei St. Pölten, der Vienna und beim Wiener Sport-Club aktiv.

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Thomas Jandl
16.10.2010 04:14

Wenn er sich nur auf Holland bezieht, dann laesst er ja einige sehr gute Klubs in anderen niederlaendischen Provinzen aus, wie etwa Twente Enschede.

Robert Paladin
16.09.2010 18:27
Grundsätzlich nicht schlecht was er sagt,

ER muß es aber auch beweisen und umsetzen. Zudem was er zum holländischen Fußball sagt ist eine Frechheit, immerhin waren sie 3x in einem WM Finale und da als Österreicher mit unseren Erfolgen keinen Respekt zu haben ist ein Disqualifizierung sondersgleichen. Und die Trainer die aus Holland kommen gehören zu den Besten der Welt (natürlich nicht Schinkels oder Stevens).

eager beaver
06.09.2010 17:34

diese österr. medien, über jahrzehnte werden plattitüden weitergetragen. jeder artikel über tatar beginnt mit "der denker im österr. fußball" oder "der fußballphilosoph" etc. hat da schon einmal jemand hingehört, was tatar so erzählt? der mann hat noch nichts erwähnenswertes erreicht in seinem job aber man könnte meinen, er hätte die internationalen top trainer des fußballs unterrichtet. ich meine, den satz muss man sich einmal auf der zunge zergehen lassen: "Das Konzept basiert darauf, dass jeder Mensch, und besonders Fußballer bio-psycho-soziale Einheiten sind. Auf diesen drei Ebenen muss man bei Erfolglosigkeit einhaken und hier möchte ich die Hebel ansetzen."

miles a head
06.09.2010 21:40
eigentlich ein 'no na' statement

zerlegen wir das konstrukt mal und übersetzen es in in alltagssprache, schon haben wir

bio - kondition, stellungsspiel usw.
psycho - motivation, selbstvertrauen usw.
sozio - manschaftsgefüge, manschaftsdynamik usw.

na, was sonst macht fussbal aus (neben taktik usw.)? daran ist gar nichts neu. möglicherweise ist es aber neu in österreich, dass ein trainer das auch anspricht. deshalb vor ehrfurcht in den staub zu sinken, ist etwas zu viel des guten.

schön wär's, wenn hinter den geschraubten wortkonstruktionen auch system und vermögen steckten. schauen wir mal, was am ende der saison so raus kommt.

good news 08
06.09.2010 15:46
Hättest Du geschwiegen, wärst Du Philosoph geblieben

Hat Herr Tatar schon einmal von van Gaal, Hiddink, Jansen, Stevens, van Marwijk gehört? Deutscher Meister, Finalist Championsleague, Gewinner Europaleague, Furore bei der Fußball-WM... Ist das zu wenig?

Thomas Jandl
16.10.2010 04:15

Aber nicht alle Hollaender. Zumindest einer ist aus Helgoland.

uncle sam3
06.09.2010 15:18
"den erfolglosen Frenkie Schinkels"

na fein.

alle erfolge vorher zählen nichts - so gehts hier eben.

der wird es schwer bereuen, dass er gleich die Ö staatsbürgerschaft angenommen hat.

miles a head
06.09.2010 15:13
bitt'schön

1) die wortspenden des herrn t. sind mir allemal lieber als das gerülpse der herren c. und z.

2) im österreichischen fussball als intellektueller zu gelten (verschriehen zu sein) ist keine kunst

3) ich sehe als sportlicher alleinverantwortlicher noch keine nachweisbaren erfolge von t.

4) schau ma mal

Daviddavidovich
 
04.09.2010 17:52

Die Österreichische Antwort auf Ewald Lienen,als Spieler ein Rebell als Trainer Oberlehrer,mit einen
starken Hang andere Trainerkollegen blöd anzumachen das ist nicht Okay wo sind ihre Erfolge Herr Tatar oder habe ich etwas nicht mitgeriegt.

parzenbua
04.09.2010 15:50
Der holländische Fußball ist nicht gerade der Nabel der Welt

das stimmt allerdings, im vergleich zum österreichischen... :)

Thomas Jandl
16.10.2010 04:16

Warum eine Provinz mit einem ganzen Land vergleichen? Holland vs. Wien, oder Niederlande vs. Oesterreich.

forever52
04.09.2010 13:37
Warum ist der Tatar...

...nicht Nationalteam-trainer ?

da UE
04.09.2010 14:07

schlicht und einfach zu klug ;)

LeMik
04.09.2010 13:01

na, jetzt kann man der vienna ja wieder vorbehaltslos die daumen drücken.. ist mir zuletzt wegen dem schwatzhaften fp-holländer doch ein bisl schwer gefallen..

crazzta zasta
04.09.2010 01:22

Tatar-Rachimov ist sicher ein gutes gespann. ein grübelnder taktik-fuchs und ein grader typ, der die sprache der spieler spricht. oder anders gesagt: ein theoretiker, den die spieler irgendwann auslachen, weil sie ihn nicht kapieren, und ein motivator, der auf taktik pfeift (wobei ich zugegeben keine ahnung hab, ob das bei Rachimov zutrifft, möchte ihm nicht unrecht tun).

allein ist das schon kniffliger und deshalb hängt es stark von den mentalen eigenschaften der jeweiligen mannschaft, ob ein Tatar erfolg haben kann. oder natürlich auch von ihm, inwieweit er es schafft, einen draht zu finden.

Rudi Lölein
03.09.2010 21:59

Die Vienna hat mit Tatar einen Glücksgriff getan, ein kluger und guter Trainer - aber ich glaub irgendwann ist er einmal gehaut worden - von einem Holländer.

eager beaver
11.09.2010 10:42

woher weiß man eigentlich, dass er ein guter trainer ist?

Takeshi Kovacs
03.09.2010 21:03
dass ein österreichischer

fussballtrainer den internationalen fussball kommentiert ist pikant....

Neues Österreich
04.09.2010 11:51
Wer dürfte Deiner Meinung nach den internationalen Fußball kommentieren?

auch golf ist letztlich überschätzt
03.09.2010 21:16

nachdem er international tätig war...

tom büchse
03.09.2010 21:49

.... und als einziger in einer wirklich bedeutenden liga.

ICH heiße Jörg - ICH habe Euch nicht belogen
04.09.2010 13:19
Happel, Merkel.........

Die allerdings (leider) schon tot sind.

tom büchse
04.09.2010 13:53

ja, ich hab mich auch auf die noch lebenden bezogen.
pacult hate nur mäßigen erfolg in d
krankl und hicke gar keinen
jara wurde auch schnell wieder vertrieben

Videobeweis im Fußball. JETZT!
05.09.2010 10:17

Nja, Erfolg kann man Hicke nicht absprechen! Den hatte er überall wo er Trainer war.

Francetto
08.09.2010 10:44

Fortuna Düsseldorf von einem Mittelfeld-Bundesligaklub in die Regionalliga führen, von dem sie sich heute noch nicht erfangen haben, ist natürlich ein Toperfolg.

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