Grazer Theaterperformance

In der Privatstube der Nazi-Oma

02. September 2010 17:34

Schrettles Zweite Liga für Kunst und Kultur analysiert private Sprachen und Orte

Graz - Das Personal in "Das Privatleben ist ein hungriger Jäger", der jüngsten Theaterperformance der Grazer Gruppe "Zweite Liga für Kunst und Kultur", verspricht schon auf den ersten Blick, dass es hier ordentlich krachen könnte. Eine Erbin, die als Tänzerin in London war und nun in die Steiermark auf das Familien-Weingut zurückkehrt, deren Nazi-Oma und ein afrikanischer Drogendealer, der von einer weißen Frau im Lumpendirndl gespielt wird, versprechen Konfliktstoff. Dann gibt es noch einen Hund, den ebenfalls eine Frau gibt und der das Testament der Nazi-Oma irgendwo vergraben hat. Nicht zu vergessen ist der laut Regieanweisung (aus dem Off verlesen) von Anfang an unsympathisch wirkende Weingut-Manager, der einmal ein Punk gewesen sein soll.

Doch sie werden an diesem Abend in ihrer rustikalen Bauernstube, in der alles aus Pappe ist, nicht ungebremst aufeinanderprallen - wobei die Nazi-Oma ohnehin sofort verstirbt -, sondern ihre Dialoge aus privatester Umgangssprache akribisch zerlegen und - begleitet von hysterisch bis manieristischen Posen und Tänzen - vortragen.

Ihr skurriler Anblick erinnert dabei nicht nur wegen der Kostüme an die Commedia dell'Arte, sondern reizt auch ehrlich zum Lachen. Doch die Performance der Schauspieler Vera Hagemann, Klaus Meßner, Barbara Kramer und Christina Lederhaas, die ihre Arbeiten im Kollektiv mit Schrettle schaffen, zielt nicht auf Unterhaltung im engen Sinn des Wortes ab. Der Kern von tatsächlichen privaten Unterhaltungen auf Terrassen, in Wohnzimmern oder Cafés wird herausgeschält, Dinge aus dem Kontext gerissen. Es ist kein Zufall, dass die vier teilweise mit tatsächlichen Vornamen und Biografien auf der Bühne stehen.

Performance-Nomaden

Wo ist die Grenze zwischen Freundschaften und unverbindlichen Sozialkontakten, zwischen öffentlichem, privatem und schließlich privatisiertem Raum? Das sind Fragen, die das spannende Kollektiv seit seiner Gründung 2006 immer wieder anreißt. Als Performance-Nomaden bespielten sie das Forum Stadtpark, das ehemalige Nonstop-Kino am Grazer Hauptbahnhof oder die Straße. Die aktuelle Produktion, die auf der Performance-Reihe "Das Leben der Privaten" aus dem Vorjahr basiert, läuft noch bis zum 19. September im Grazer Volkstheater in der Wiener Straße.

Auch in der Arbeit versucht man Kontinuität zu vermeiden: So lesen Dealer, Manager, Erbin und Hund ihre Texte, die jeden Abend aus einem Pool von über 135 Seiten neu zusammengestellt werden, von den Stühlen, Kästen, Koffern und Türen aus Karton ab und brechen nach 40 Minuten kurzzeitig komplett mit dem künstlichen Duktus. Dann wird das emotionale Mobilar des Abends besprochen. "Wo kommt eigentlich diese Ohnmacht her? ", fragt eine Schauspielerin die andere, und die erzählt vom Begräbnis einer Freundin. "Und die Sehnsucht?"- "Die habe ich aus der alten Wohnung mitgebracht." (cms / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2010)

 

simonsayz
08.09.2010 13:31
Objektivität

da wird wieder ein sommerloch gefüllt!
frau schmidt, eigenbau kollegin von schrettle schreibt gerne über die super sachen ihrer freunde...
meine mama findet auch, dass ich gut klavier spiele

Bernhard Lassy
 
03.09.2010 14:35
Theater in den "Wohnungen"

Das scheint gerade modern zu sein. In kürze gibt es Einblicke ins "Wohnzimmer" http://tinyurl.com/28bgmfc

Uraufführung ist heute in St. Pölten, es gibt eine Reihe von weiteren Terminen.

roterbruder1
03.09.2010 12:58
in der privatstube der nazi-oma

was machen´s denn im wohnzimmer der rosenkranz?

O NOES!
03.09.2010 09:34

Theatertherapie in der geschlossenen Psychiatrie?

echtzeit2
07.09.2010 21:15

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