Nichtautorisierte Müllsammler schaffen große Müllmengen ins Ausland. Heimische Verwerter klagen über finanzielle Verluste und knappere Ressourcen
Wien - Die Armut treibt viele aus dem ehemaligen Ostblock nach Österreich, um hier Sperrmüll, Holz und alte Elektrogeräte zu sammeln. Brauchbare Gegenstände werden dort repariert und verkauft, Unbrauchbares wird einfach verbrannt. Dass es sich dabei um eine illegale Tätigkeit handelt, wissen nur wenige der sogenannten "informellen Abfallsammler".
Das von der EU geförderte Projekt TransWaste (www.transwaste. eu) liefert nun erste Daten über die nichtautorisierten Sammler, die gestern, Donnerstag, vor Journalisten präsentiert wurden.
In Österreich sind etwa 30 Prozent aller Gemeinden von den inoffiziellen Abfallsammlern betroffen. Sie drehen sowohl vor Altstoffsammelzentren ihre Runden als auch direkt in Wohngegenden. Die meisten von ihnen kommen aus Ungarn, vereinzelt aber auch aus der Slowakei, aus Slowenien, der Tschechischen Republik, aber auch aus Österreich selbst.
Etwa 80.000 Tonnen Müll werden so jährlich illegal entsorgt, was geschätzt 15 Prozent jener Menge entspricht, die offiziell von der österreichischen Abfallwirtschaft beseitigt wird. 65.000 Tonnen Abfall werden allein nach Ungarn verfrachtet.
Knappere Ressourcen
Neben der Konkurrenz für die offizielle Abfallwirtschaft bereite das illegale Sammeln ein weiteres Problem: Denn manche Ressourcen würden damit knapp, sagen die Projektverantwortlichen.
Wertvolle Rohstoffe, die man in Mitteleuropa durch Recycling aus entsorgten Elektrogeräten gewinnen könnte, würden im ehemaligen Ostblock verschwinden. Um die Entwicklung zu bremsen, sollen die Sammler künftig ganz legal mit einer Genehmigung ihre Tätigkeit durchführen können, lautet einer der Vorschläge von TransWaste-Projektleiterin Gudrun Obersteiner. Dies erweist sich jedoch als schwierig, da viele von ihnen eine unzureichende bis keine Bildung aufweisen.
Vertragliche Rahmenbedingungen seien daher für sie nur schwer verständlich. Sinnvoller wäre die Errichtung sozialökonomischer Betriebe, in denen die Abfallsammler legal angestellt werden würden. Verstärkte Grenzkontrollen seien wenig sinnvoll, glauben die TransWaste-Mitarbeiter. Denn die Behörden würden nur schwer den Unterschied zwischen legalem und illegalem Müll ausmachen. (brun, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.9.2010)