STANDARD-Interview

"Nur unverantwortliche Menschen können das tun"

2. September 2010, 17:01
  • Artikelbild
    montage: l. friesenbichler

    Falsche Opfer-Bilder: Nach Anwaltsbrief entfernten die Webseiten falsche Fotos.

Österreichische Blätter veröffentlichten ein Bild von Lucia R. als Mordopfer und angebliche Prostituierte: "Ich konnte das nicht fassen"

Harald Fidler traf Lucia R. und ihre Anwältin Birgit Kraml.

STANDARD: Sie sind jene Lucia R., deren Bild österreichische Zeitungen als Mordopfer und angebliche Prostituierte veröffentlicht haben?

R.: Ja.

STANDARD: Was haben Sie sich gedacht, als Sie davon erfahren haben, dass österreichische Zeitungen Ihr Bild von Ihrer Facebookseite genommen und in diesem Zusammenhang veröffentlicht haben? 

R.: Das war ein großer Schock für mich und meine ganze Familie, ich konnte das nicht fassen.

STANDARD: Wie haben Sie von den Veröffentlichungen erfahren?

R.: Ich kam gerade aus dem Urlaub zurück und war noch am Flughafen, als mich ein Freund angerufen hat: Ein Journalist habe ihn kontaktiert, dass mein Foto in österreichischen Medien veröffentlicht wurde im Zusammenhang mit einem Mordfall, einem Mord an einer angeblichen Prostituierten.

STANDARD: Sie wollen gegen die Medien rechtliche Schritte unternehmen, die Ihr Bild in diesem Zusammenhang veröffentlicht haben?

R.: Ja.

STANDARD: Kann man schon sagen, in welcher Form?

Kraml: Das behalten wir uns noch vor. Wir werden auf jeden Fall gegen diese Medien vorgehen.

STANDARD: Aber von einer Entschädigungsforderung ist auszugehen?

Kraml: Entschädigung sieht das Mediengesetz in einem solchen Fall ja glasklar vor, sowie Gegendarstellung, Widerruf und Unterlassung.

STANDARD: Wie geht es einem, wenn Zeitungen einen als Mordopfer und als angebliche Prostituierte abbilden?

R.: Es verletzt wirklich sehr, wenn das eigene Bild in einem solchen Zusammenhang missbraucht wird. Sowas können nur wirklich unverantwortliche Menschen tun.

STANDARD: Sie oder Ihre Familie haben keine Versuche von den Medien wahrgenommen, Kontakt aufzunehmen, die das Bild veröffentlicht haben? Abgesehen von unseren Versuchen, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen.

R.: Nein, absolut nicht.

STANDARD: Inzwischen sollen auch in der Slowakei Artikel mit Ihrem Bild in diesem Zusammenhang erschienen sein.

R.: Das ist richtig. Hier wurde aber der Name abgekürzt, nur österreichische Zeitungen haben den Namen ausgeschrieben.

STANDARD: Werden Sie auch gegen die slowakischen Medien vorgehen?

R.: Ja.

STANDARD: Wurden Sie in Ihrem Umfeld schon auf die Veröffentlichungen in Österreich und nun auch in der Slowakei angesprochen?

R.: Ja, man hat mich schon darauf angesprochen.

STANDARD: Ändert diese Erfahrung Ihren Umgang mit Facebook und Social Media insgesamt? Das soll nicht bedeuten: Wer sein Foto in Facebook stellt, muss damit rechnen, dass es missbraucht wird. Aber: Werden Sie Ihre Fotos und Daten weiterhin in der Form online zugänglich lassen?

R.: Ich hätte nicht gedacht, dass einem sowas passieren kann. Aber nach dieser Geschichte werde ich in Facebook nicht mehr unter meinem richtigen Namen auftreten - und mir noch genauer überlegen, was ich ins Internet stelle.

LUCIA R. (22). Dass die Studentin in Bratislava heißt wie das Opfer eines Mordes, machte sie in Österreich zum Medienopfer. Birgit Kraml von der Sozietät Wolf Theiss vertritt sie. Briefe an die Medien sind verschickt.

Zum Thema:

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
suboptimal
 
03
So viel löschen können die Trolle gar nicht, dass ihre Unprofessionalität

und ihre Menschenverachtung nicht trotzdem sichtbar bleibt. Das Internet hebt alles auf:
Die falschen FOTOS in "Österreich" und "Kurier" sind noch ONLINE, mit Quellenangabe, ihr Kasperln .... :-)

Wien: Prostituierte wurde ermordet und angezündet
http://www.shortnews.de/id/846637... ngezuendet
www.oe24.at steht groß und fett unter dem falschen Bildi

Kategorie: Topstories | Quelle: kurier.at
Prostituierte Lucia war schon länger tot
http://newsaktuell.info/topstorie... 82010.html

*rülps*

Briefmarkenkleber
30
Ein Sturm im Wasserglas

suboptimal
 
02
nu .... immerhin haben die Trolle

die Schweinerei diesmal nicht vertuschen können. Wer liest denn schon Wochen später ein paar dröge Widerrufe und Gegendarstellungen?
:-P

Wilhelm Guschlbauer
30
Deutschen Satzbau lernen!

"Dass die Studentin in Bratislava heißt wie das Opfer eines Mordes, machte sie in Österreich zum Medienopfer."
heisst auf Deutsch (zumindestens):
"Dass die Studentin in Bratislava wie das Opfer eines Mordes heißt, machte sie in Österreich zum Medienopfer."
Bitte in die Volksschule zurück!

Major Nelson
 
01
Das ist so oder so kein guter Satz.

Lilith Boessse
 
03
bei diesen bdruckten klopapieren, die in den u-bahnen zu finden sind..

frag ich mich manchmal, was die journalisten da in den redaktionssitzungen machen und stell mir vor, wie die sich darüber abhauen, wer die blödste schlagzeile - für die blöden leser - findet.

(was sind das überhaupt für journalisten? akademiker oder studienabbrecher, die in einem richtigen verlag keinen job bekommen würden?

mir.70
20
Na ja.

Es ist stark zu bezweifeln, dass ein "studierter" Journalist ein besserer ist.

Beim Studium lernt man viel, aber sicher nicht das eigentliche Journalistenhandwerk.

berniebond
02

besser als "man lernt nichts und auch nicht das eigentliche Journalistenhandwerk"

Heavyweather
34

Ich würde das witzig finden wenn mein Bild so in die Zeitungen kommt...
Würde dann aber sicher auch klagen und (natürilch völlig zu Recht) abcashen.

mir.70
30
Witzig?

Stellen Sie sich mal vor, Sie werden mit einem pädophilen Mörder verwechselt - und halb Österreich nimmt zwar die Negativschlagzeilen wahr, aber nicht die Entgegnungen, etc.

Wirklich witzig wäre das ... auch im Berufsleben, gell?!

PS: Denken vorm posten schadet nicht! Meist nutzt es zwar nicht, aber schaden kann's auf keinen Fall!

Heavyweather
00

wenn der Mörder tot ist...

da würden die Leute aber blöd schaun wenn ich dann vor ihnen stehe...

pädophile Mörder mit ermordeten Prostituierten zu vergleichen ist schon sehr schwachsinnig.

mir.70
10
Geh bitte!

Du redest also NUR davon, wie witzig es ist, als Prostituierte(r) in die Zeitung zu kommen. Noch dazu als toter?!

Ah verstehe, für Männer ist es ja auch voll cool, als Callboy gesehen zu werden?! Blöd, dass es für Frauen vielleicht nicht gaaaanz so ist ...

Egal, du bist auf jeden Fall ein ganz heller Kopf, der Witz dort erkennt, wo er sich versteckt.
Gratuliere und ein schönes Wochenende!

Sepp Mösenlechner
13
ich würde es auch witzig finden, ihr gesicht in den zeitungen zu sehen.

die dummheit bekäme so endlich ein gesicht!

leaping frog
11
echt witzig ?!?!?!

natürlich als mann wäre prostitution nicht angebracht.

das mordopfer Heavyweather war pädophil.

das wäre echt witzig!

Heavyweather
00

Wow...pädophilie ist als das gleiche bei Männern wie Prostitution bei Frauen?

Vielleicht doch noch einmal nachdenken gell.

Daniel Stein1
06
"Qualitätszeitung" KURIER

Auf der KURIER-Homepage kann man nach wie vor den Namen in voller Länge lesen!

Dieser Fall zeigt sehr deutlich, wer die echten "Qualitätszeitungen" in diesem Land sind: Kurier, Krone, Heute und Österreich.

suboptimal
 
05
ja, das macht diese Bagage öfter,

und es hat auch schon öfter Proteste dagegen gegeben. Ich besitze schon ein kleines Archiv bizarrer mails von denen, jedes noch dümmlicher als das vorherige.

Fest steht nur, dass sie von dem Trampel an der Spitze grünes Licht dafür haben. In diesen wirren Hirnen scheint die Vorstellung zu haften, dass JEDES Opfer durch seine Ermordung so berühmt wird, dass es dadurch alle Rechte auf Privatheit und Persönlichkeitsschutz verliert. Im Grunde behandeln sie Verbrechensopfer genauso wie der Täter, wie Dreck.

*unglaublich*
.

Erwin Wolfram
00

die nazimedien koennen sogar aus der straftat gewinn ziehen.

Briefmarkenkleber
301
Danke Standard, dass ihr diese Frau mit der Nase draufgestupst und (ihr persönliches Leid) dadurch erst ins Rollen gebracht habt

Den Bezahlblatterln, die´s verbockt haben, wünsche ich eine angemessene Strafe, aber: Die haben zumindest versucht zu informieren!

system1
00
versucht ist gut....

dieses hilflose gerudere wird als versuch gewertet? bruhahaha. erbärmlich sowas, einfach nur peinlichst!

uinsel
06

genau. und nestbeschmutzer sind nicht die, die den dreck machen, sondern jene, die drauf aufmerksam machen. weil, erst wenn man merkt, dass man im gatsch sitzt, muss man leiden.

Def. Izit
02
Kleben´S weiter, aber das Leid haben andere verursacht!

Selbst wenn ich manchmal in einem Posting was schreibe, das ich von einem "Whistleblower" habe, prüfe ich vorher genau ob´s stimmt.

z.B. tötl. Unfall in ÖBB-Werkstätte vor über 1 Woche stand heute im "GratisKleinformat" mit der "ÖBB-Vertuschung".

marcopolo1971
 
00

nein, ham sie nich, tun sie nich, wollen sie nich. das entzöge ihnen die geschäftsgrundlage...

Hinterberg Air
122
Information muss korrekt sein.

Wenn ich nicht sicher bin, darf ich nicht informieren. Das macht ein seriöses Medium aus. Der Versuch zu informieren allein ist völlig wertlos.

Zudem ist das Foto eines Opfers eine völlig irrelevante Info.

Ein unseriöses Medium veröffentlicht Fotos von Opfern. Ein noch unseriöseres Medium veröffentlicht gestohlene Fotos. Und die unseriösesten Medien veröffentlichen gestohlene falsche Fotos.

In letzte Kategorie gehören Österreich, Krone, Kurier und Heute. Ich nehme an sie arbeiten für eines dieser Blätter, ansonsten wäre sie nicht so aus dem Häuschen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.