derStandard.at-Reportage

Endstation Gnadenhof

Bianca Blei, 3. September 2010, 11:33
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    Evelyn Popp mit ihrem Hund Winnie.

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    Die Obfrau steckt ihr gesamtes Geld in den Gnadenhof.

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    Ex-Fiakerpferd Prinz findet sich trotz fehlender Augen gut in seiner Umgebung zurecht.

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    Lama Pedro war früher in einem Zirkus, wo er seine Spuckerei aber nicht mehr im Griff hatte.

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    Die beiden kleinen Kätzchen sind die jüngsten Bewohner des Riedenhofs.

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    Die Fahne über dem Eselstall zeigt den prominenten Vertreter aus Shrek.

Vollmondattentäter, spuckendes Ex-Zirkus-Lama, Pferd ohne Augen - am "Riedenhof" in Achau bei Wien ist zwar der Bär los, nur krankt es bei der Finanzierung

Evelyn Popp sitzt im spärlich eingerichteten Stüberl und nimmt einen Zug von der eben angezündeten Zigarette. „Ich rauche erst seit drei Wochen wieder - deshalb nur die leichten", erklärt die 45-jährige blonde Frau und sieht aus dem Fenster. Wegen Stress habe sie nach zwanzig Jahren wieder mit dem Rauchen begonnen. Jener Stress, den ihr vor allem ihr Gnadenhof  für Tiere, der „Riedenhof" in Achau bei Wien, macht. 

An die 200 Tiere haben bei Popp ein neues zu Hause gefunden und verbringen ihren Lebensabend auf dem Hof. Seit sieben Jahren rettet sie unter anderem Pferde, Gänse oder Hunde vor dem zumeist sicheren Tod. „Schon seit ich ein Kind bin, setze ich mich für den Tierschutz ein", sagt Popp und streichelt über den Kopf von Winnie, einem Hund, den sie als Welpe in einem Mistkübel gefunden hat und der mittlerweile seit neun Jahren nicht von ihrer Seite weicht.

Tierschutz statt Zahnmedizin

Popp hat Medizin studiert und wollte eigentlich Zahnärztin werden, sie hat aber ihren Turnus nie absolviert. Stattdessen begann sie, in einem Blutlabor zu arbeiten und an der Idee ihres eigenen Gnadenhofs zu feilen. „Jedes Jahr an meinem Geburtstag, habe ich ein Pferd aus tierquälerischer Haltung freigekauft", erzählt sie und setzt nach: „Mein erstes Reitpferd Uranus hatte, bevor ich ihn gerettet habe, am ganzen Körper Stichwunden."

Verschuldeter Hof

Als sich Popp schließlich entschloss, den Gnadenhof zu eröffnen, bat sie ihre Eltern um ihren Segen: „Die beiden haben mich bis zu ihrem Tod vor einem Jahr finanziell unterstützt und so ziemlich alles finanziert." Bei Ausgaben von über 16.000 Euro im Monat keine kleine Bürde. Abseits der elterlichen Zuschüsse, steckt Popp nahezu ihr gesamtes monatliches Gehalt von ihrem Laborjob in das Projekt - hinzu kommen noch etwa 5.000 Euro Spendengelder. „Das geht sich nicht aus. Zurzeit hat der Gnadenhof etwa 40.000 Euro Schulden", so Popp. Dass das Projekt damit vor dem Aus stehe oder gar Tiere ihr Leben lassen müssten, wie eine österreichische Tageszeitung berichtete, sei aber „nicht wahr".

Prominente Paten

Um Spendengelder zu lukrieren, setzt Popp auf ein Patenschaftssystem. So liegt eine Liste aller Tiere am Riedenhof auf und Privatpersonen können gegen einen monatlichen Beitrag Paten werden. „Die Leute können ihre Tiere dann besuchen, füttern und auch pflegen." Mit Hilfe der ehemaligen Miss Vienna 1973, Brigitte Martzak vom Verein „Animal Protection", konnte Popp auch prominente Paten für einen Esel und eine Ziege ergattern: Alf Poier und Fiona Swarovski.

Zukunftspläne

Außerdem organisiert das Riedenhofteam, das neben Evelyn Popp aus zwei angestellten Arbeitern und fünf freiwilligen Helfern besteht, verschiedene Veranstaltungen und Feste, um die Einnahmen aufzubessern. Und trotz finanzieller Schwierigkeiten plant die Obfrau des Vereins schon weitere Neuerungen: „Bald organisieren wir eine eigene Tierrettung und ich versuche eine Therapiereitlehrerin an den Hof zu bekommen. Dann kann hier nicht nur den Tieren, sondern auch behinderten Menschen geholfen werden."

Tierquäler unterwegs

Doch nicht nur die Finanzen haben Popp wieder zur Raucherin gemacht, sondern auch ein Tierquäler, der seit mittlerweile einem Jahr herumgeistert. „Als der Typ vor einem Jahr aufgetaucht ist, hat er eine Stute bei lebendigem Leib skalpiert", ist die 45-Jährige noch immer geschockt. „Und vor vier Wochen hat er ein Pferd im Genitalbereich verletzt und kurz darauf wurden zwei Ziegen umgebracht." Zwar habe die Polizei den Hof eine Zeit lang überwachen lassen, doch sei der Unbekannte nie gefasst worden.

Die Obfrau hat ihre eigene Theorie: „Ich glaube, dass es jemand sein muss, der sich mit Tieren auskennt, da er sie vor den Verletzungen betäubt." Daher seien die Pferde auch bei jeder Attacke vollkommen ruhig geblieben. Außerdem hätte sie mittlerweile ein Muster entdeckt: „Er kommt immer in Vollmondnächten, wenn es stürmt, weil ihn da niemand hört - und er geht dann immer auf dunkle Tiere los." Popp hat aber nicht nur Angst um ihre Schützlinge: „Meistens bleibt es bei diesen Leuten ja nicht beim Tiere quälen, sondern irgendwann sind dann auch Menschen dran."

Kleine Neuzugänge

Beim Rundgang über den Hof öffnet Popp als Erstes eine heruntergekommene Zimmertüre und zeigt ihre beiden Neuzugänge: „Die beiden kleinen Kätzchen sind vor einer Woche in einem Mistkübel bei Schwechat gefunden worden." Am Außengelände ist die Tierfreundin in den legeren Jeans mitten in ihrem Element. Sie weiß den Namen jedes ihrer zig Tiere und kennt auch die jeweilige Leidensgeschichte genau: „Die Hennen, die hier frei herumrennen, sind alle aus Legebatteriehaltung." Und ein paar Schritte weiter: „Der Hund hinter dem Zaun wurde von seinem Vorbesitzer mehrmals gegen die Wand geworfen, deshalb verhält er sich gegenüber Menschen aggressiv." 

Vorbei an der Pferdekoppel, den Hängebauchschweinen und den Eseln bleibt sie schließlich vor einem Stall stehen und ruft: „Prinz, komm her!" Gemeint ist ein altes, weißes Fiakerpferd, das völlig erblindet ist und dem durch eine Krankheit beide Augen geplatzt sind. „Trotzdem findet er sich besser in seiner Umgebung zurecht, als die meisten anderen Tiere", so Popp.

Pedro, das Lama

Über einen schmalen Wiesenweg geht es an den Ponys vorbei, über einen kleinen Bach, hin zu einem Gatter. Dahinter leben vierzig Schafe und Ziegen und ein ganz besonderer Neuzugang: Pedro, das Lama. Er ist erst seit ein paar Wochen hier und war früher in einem Zirkus. Dort war er so gestresst, dass er begann auf Menschen zu spucken - daher wurde er abgegeben. 

Auf dem Riedenhof befinden sich außerdem zahlreiche Gänse, Enten, Hasen, Meerschweinchen und auch zwei Kängurus. „Die waren in Transportboxen in einem Lastwagen auf dem Weg nach Tschechien, als sie gefunden wurden. Keine Ahnung, was die Leute mit denen machen wollten", erzählt die Tierschützerin. 

Noch ein Exot

Und bald wird der Gnadenhof noch einen weiteren exotischen Bewohner bekommen: „Eine Boa constrictor. Das ist dann meine erste Schlange, aber wir müssen erst das Terrarium fertig bauen", sagt Popp und fügt hinzu: „Für meine Tiere muss eben alles schön sein." Sie selbst wohnt aus finanziellen Gründen am Hof, ihre Wohnung besteht aus einem Bett und einem Kasten. „Für den Umbau hatte ich bisher noch keine Zeit." (bbl, derStandard.at, 2.9.2010)

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Riedenhof

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
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Lorelei Sonnenschein
14
Respekt und danke!!!!!!

leo lander
72
die Leit verweichlichen und sind komplett abgehoben

fressen Lungenbraten und Karee, der Rest kommt ins Tierfutter und den Abfall, glauben weil sie ihr Katzerl brav füttern und für Knadenhöfe sind, sind sie tierlieb. Was Lebenskampf bedeutet habe sie längst vergessen, weil die sozialen Sicherungssystem alles erledigen.
Da lieb ich mir unser liebes sterilisiertes Katzerl, das hat im Sommer jeden Tag 2-3 Mäusen den Gar aus gemacht, damit lieb gespielt und wenns ihm fad wurde, den Kopf abgebissen, sie kann noch ihre Triebe ausleben, der Mensch muss lieb sein, damit akzeptiert. Ich bin auch dafür das Tiere ordentlich behandelt werden, die dir wir schlachten fressen wir mit Haut und Haar, die die zu nichts mehr taugen, bekommen den Gnadenschuß, wünsch ich mir für mich auch.

mein xter postingname
00
17.9.2010, 16:44
also ich kann

sie ganz gut verstehen

der westliche mensch kann die endlichkeit nicht verkraften und aus angst muss er sich und vor allem schwächere, das gibt ihm ja stärke, davor schützen u merkt gar nicht, wie er an seiner doppelmoral erstickt ...

dreyfusard
00
14.9.2010, 12:38

einfach nur dumm.

Alice hinter den Spiegeln
01
11.9.2010, 17:13
und sie sind

ein armer, armer mensch!

yotix
 
262

Solange es in Europa noch hungernde Kinder gibt, Krüppel die sich Operationen nicht leisten können, und weltweit menschliches Leid in allen seinen Formen, solange finde ich solche Schlachtvieh-Pensionsanstalten eigentlich nur widerlich, pervers, dekadent - da tun Leute Viecherln was Gutes, weil sie zu Mitleid und Mildtätigkeit mit Menschen nicht mehr in der Lage sind. *spuck*

Raubkopierer
01
13.9.2010, 10:46

ach, und sie sind so mildtätig? diese frau finanziert das mit ihrem geld, leute spenden dafür ihr geld. inwiefern haben sie reinzureden wie fremde menschen ihr eigenes geld verwenden?

internetsüchtlerin
00
10.9.2010, 07:55

und spenden sie für die menschen statt die viecherl?

Mim103
00
Kleine Nachhilfe über den Zusammenhang von Tier- und Menschenschutz

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/a... restaurant

Mim103
02

Menschen, denen es schlecht geht, wird es immer geben. Das als selbstgefällige Entschuldigung heranzunehmen, um für Tiere nichts tun zu müssen, ist jedermanns Recht. Auf andere Leute, die nicht su denken, deswegen zu spucken, ist aber von einer Niedertracht allererster Sahne.
Zwischen Spezizismus und Rassismus gibt es im überigen wenig Unterschied: Immer ist man besser, edler und wertvoller als der Andere.

Maria Lacina
02
das..

..das gegeneinander Aufrechnen von Tier- und Menschenleid kleinkariert und spiessig ist, weisst aber schon, gell?

toberfrau2
01

Daß Menschen (ver)hungern hängt nicht davon ab ob wir unsere Viecherln gut behandeln und versorgen, sondern davon wie Menschen von "Menschen" behandelt werden!
Verzicht auf Tierfutter und dgl. macht die Hungernden nicht satt!!

Laran Wish
09
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Wann, denken Sie, wird das menschliche Leid, das Sie hier anprangern, ein Ende haben? Damit dann die Tiere drankommen können?

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 0%, dass dieser Zeitpunkt jemals kommen wird.

Wie rechtfertigen Sie denn, dass Verkehrsdelikte geahndet werden, solange es Morde gibt? Nach Ihrer Argumentation müssten wohl erst alle Morde aufgeklärt /verhindert werden, bevor man sich Einbrüchen oder sonstigen weniger schweren Verbrechen zuwenden sollte.

Und da jeder weiß, dass das nicht funktioniert, werden sich weiterhin Menschen für das engagieren, was ihnen am Herzen liegt - bedürftige Menschen, Tiere, Umwelt .. Gottseidank! Und gottseidank gibt es keine Rangordnung für Bedürftigkeit.

kein Engel sein
00

Gnadenhöfe für sogenannte Schlachttiere - was für ein schreckliches Wort - muss es nur geben, weil diese noch immer für die Lebensmittelindustrie gezüchtet werden. Würden die Menschen endlich aufhören Fleisch und tierische Produkte zu essen und zu verwenden, könnten 10 x mehr Menschen ernährt werden - das würde auch das Problem der hungernden Kinder lösen. Die Erderwärmung und ihre Folgen (wie Tornados, Überschwemmungen etc.) würden gestoppt. Tierschutz ist also indirekt Menschenschutz.

dajonny
010

Ich hoffe sie spenden auch viel für die hungernden Kinder...

Ansonsten - lesen sie den Artikel nicht, geben sie nix für Tiere her, also - was solls?

Extremsuderer
09
Scheinheilig

Sie speisen vermutlich Brot und Wasser anstatt Schnitzel und Bier. Und geben das Ersparte den Bedürftigen.

Hugo Stolz
18
Die Tiere werden zweifellos froh über den Gnadenhof sein...

... aber auch für mich ist es Balsam für die Seele, dass es ihn gibt und hoffentlich noch lange geben wird.

Rosa Stahl
62

sehr ehrenwert, was die gute Frau da macht.

Trotzdem - hätt sie statt auf Elterns Geld einen Gnadenhof zu betreiben sich mehr der Zahnmedizin befleissigt, dann hätt sie jetzt mehr als genug Geld um solche Höfe zu betreiben.

A Voice
00
Da ham

Sie recht.

Josef Obermaier
104
Dekadenz ^2

Es gibt kaum noch Tierreportagen in den Medien, die Raubtiere beim fangen und fressen ihrer Beute zeigen. Denn auch die Tiere müssen brav "political correct" dargestellt sein. Es werden sogar ernsthaft universitäre Lehrstühle für "Tierethik" eingerichtet.

Der Herr Chef vom Gut Eiterbichl wird die Dame schon übernehmen. Denn dort wird dieser Tierpopanz wie ein lukratives Disneyland aufgezogen.

Sar razins "Studienobjekte" werden diesen Unfug dereinst radikal stoppen.

Raubkopierer
03
13.9.2010, 10:51

jede arte tierdoku zeigt viecher beim fressen anderer viecher, jedes universum, alle weihnachten sogar super rtl mit "die wüste lebt".

sie raunzen hier was von dekadenz weil man einen hund der keine menschen mehr mag weil er gequält wurde nicht einschläfert sondern füttert? weil man ein pferd ohne augen nicht erschießt sondern pflegt? weil kein mensch IHR geld afür verwendet sondern sein eigenes (also ist es nicht ihre sache) und klopfen sich derweil für die leistung vom haus und gartenkatzerl beim mausfressen auf die schulter? schande!

ente gut alles gut
06

Die Sache mit der "Tierethik" erfordert eine gewisse geistige Reife und Haltung, die natürlich (noch) nicht jeder Mensch besitzt. Dass Sie da nicht mitkommen verwundert also nicht weiter.

Pierre d´Aubusson
50

Ich glaube, es war einer der größten Fehler der DDR-Führung, das "Ministerium für Staatssicherheit" tatsächlich zu haben. Wie man sieht, es funktioniert die Überprüfung auf "political correctness" auch ohne ein solches.
Orwell hat es richtig analysiert, denn ob es den "Big Brother" tatsächlich gibt, bleibt eigentlich unklar. Die Leute unterbinden "unkorrekte Gedanken" auch ohne Big Brother. Wichtig ist nur, seinem Nachbarn zu schaden.
Es scheint, als kämen die Mitarbeiter des MfS in dieser zur DDR komplementären Welt trotzdem, hier wie dort, aus dem vorgeblich linken = politisch korrekten Lager.
Alles in allem: typische Merkmale einer "spätrömischen" Überfluß-Gesellschaft. Würden wir hungern, die Viecher wären längst in der Wurst.

Pierre d´Aubusson
93
Bei uns in der Bezirksstadt

waren einst auf der wichtigsten Straße 3 Fleichhauer. Der in der Mitte hatte den besten Pferdeleberkäse.
Wenn ich heute durch diese Straße gehe, dann bekomme ich in der ersten ehemaligen Fleischerei: nichts. Wann macht dort der nächste türkische Supermarkt auf?
Im zweiten ehemaligen Fleischereigeschäft gibts türkische Baumwollfetzen, im dritten gibts Kebab.

Und da hat gleich bei der Stadtbibliothek ein Würstelstandl aufgemacht. Der hat Pferdeleberkäse. Und jedesmal, wenn ich dort bin, ist es für mich ein Vergnügen, etwas für die armen Viecherln zu tun: A Kriagl, 20 Deka Gigara, an Siaßn und a Semme"

dreyfusard
00
14.9.2010, 12:37

schad bloß, dass sie wählen dürfen.

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