Software-Spezialisten warnen, dass die Errichtung der Transparenzdatenbank einen enormen Aufwand bedeutet: personell, fachlich - und auch finanziell
Wien - Angesichts des Streits in der Koalition, wer die Kosten für das Einspeisen der Datenflut in die Transparenzdatenbank übernehmen soll, bestätigt nun der private Wiener Software-Entwicklungsspezialist Adaptive, dass der Vorgang für die betroffenen Ämter und Behörden "einen mehrjährigen personellen wie fachlichen Aufwand" bedeuten wird.
"Wenn man flächendeckend so viele Informationen zusammenführt, ist das ein enorm komplexes Riesenprojekt", erklärt Manuel Cantele, Experte für Datenintegration von Adaptive, im Gespräch mit dem Standard. Er schätzt, dass allein in den einzelnen Stellen, die gespeicherte Daten für das Bundesrechenzentrum herausgeben sollen, ganze Mitarbeiter-Teams an der Umsetzung arbeiten müssen. Die Datenmengen sind erst entsprechend aufzubereiten, bevor sie tatsächlich in die Transparenzdatenbank überspielt werden können. Cantele rechnet damit, dass das Integrieren der Informationen sämtlicher Ämter drei bis fünf Jahre dauern könnte. Sein Fazit: "Dieses Projekt hat das Potenzial, ständig Kosten und Deadlines zu überschreiten - und letztendlich unter politischem Beschuss zu scheitern."
Wie berichtet, sind sich Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) noch gar nicht einig, wer für die Finanzierung sorgt. Das Finanzministerium beziffert die Kosten nur für die Errichtung der Transparenzdatenbank mit 1,6 Millionen Euro und budgetiert rund eine Million für den laufenden Betrieb. Da sind die Kosten aller anderen damit befassten Stellen nicht berücksichtigt. Pröll plädiert dafür, dass jene Ressorts, die auch Daten einspeisen, selbst Geld dafür lockermachen sollen - wofür Hundstorfer im Gegenzug zusätzliche Mittel fordert, da dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und dem Arbeitsmarktservice zusätzliche Kosten durch das Einspeisen entstehen.
AMS-Chef Johannes Kopf will sich an der Debatte nicht beteiligen, rechnet jedoch vor: Was die sechs Milliarden an Versicherungsleistungen des AMS betreffe, könnte man diese Daten sofort dem Bundesrechenzentrum zur Verfügung stellen. Schwieriger werde es hingegen mit den Informationen über die Fördergelder, die das AMS etwa für Schulungen bereitstelle. Kopf: "Diese Aufbereitung der Daten müssen wir von einem externen Dienstleister zukaufen." Pröll versicherte jedenfalls, die Kosten für das gesamte Projekt würden mit den Einsparungen "mehr als hereingespielt".
Finanzminister Josef Pröll droht in der von ihm geforderten Zahlenflut unterzugehen. Die aufwändige Transparenzdatenbank könnte rasch mehr Kosten verschlingen als geplant.(Julia Herrnböck, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2010)