VerWanztes Filmfestival - Von Dominik Kamalzadeh
Wen juckt's? Diese Frage löst an der US-Westküste derzeit unangenehme Assoziationen aus. Dort wütet nämlich gerade die Bettwanze, ein winziger, rotbrauner Geselle, der neben Hautschwellungen auch Angstzustände verursacht. Nachdem man ihm in New York den Krieg erklärt hatte - "Drop dead. Your days are over!", rief eine Stadträtin aus -, ist das Insekt offenbar flugs nach Kanada ausgewandert.
Im Scotiabank Theatre in Toronto, einem Kino, in dem ab 9. September die meisten Pressevorführungen des wichtigsten nordamerikanischen Filmfestivals abgehalten werden, wurde nun ein Besucher gebissen. Sofort wurden Kammerjäger und eigens trainierte Hunde losgeschickt, um den Saal über Nacht von seinen Parasiten zu befreien, berichtet der britische "Guardian".
Die Direktion des Festivals, die ähnliche Panikattacken von Besuchern befürchtet, wie sie aus zwei Kinos in New York vermeldet wurden, ist um Beschwichtigung bemüht: "Die Sicherheit unserer Gäste ist oberstes Anliegen - wir nehmen die Gefahr ernst!"
Ko-Direktor Cameron Bailey nahm die Vorstellung verwanzter Filmkritiker mit Humor und verkündete über Twitter sein Alternativprogramm: "Wer gruselige Kreaturen will, soll die Schiene 'Midnight Madness' probieren. Oder die Wall-Street-Bösewichte aus der Wirtschaftskrisen-Doku 'Inside Job'." (DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2010)