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vergrößern 600x430Bald hundert Jahre zählt der Wiener Naschmarkt - höchste Zeit für eine Sanierung
vergrößern 600x450Im Hintergrund wartet der Container - offiziell haben die Bauarbeiten am 30. August begonnen
vergrößern 600x470"Ein Jahr - okay. Aber fünf Jahre? Da baut man eine ganze Stadt!", ärgert sich Ahmet Özyürek
vergrößern 600x400Wo derzeit Lieferanten ausladen, wird bald der Boden aufgestemmt
vergrößern 600x470Mohammad Lashin wartet mit Bangen
vergrößern 600x430Freie Tischwahl in Gabriel Abramovs "Grill- und Bierhaus"
vergrößern 900x730Die Stadt Wien erbittet Verständnis
„Kostprobeeeee!", singt der Bariton hinter der Budel, spießt eine mit Schafskäse gefüllte Pfefferonischote auf einen Zahnstocher und streckt sie einem Passanten entgegen. „Zu viele Kostproben, ich kann nicht mehr", stöhnt der, und bugsiert seine Frau in Richtung Marktausgang. Das Geschäft mit den Lebensmitteln lief schon einmal besser am Wiener Naschmarkt. Das liegt auch daran, dass sich die Sortimente einander angeglichen haben, meinen viele: Wer beim einen Stand Wasabinüsse und Baklava erstanden hat, ist am identen Angebot der zehn weiteren Konkurrenten nicht mehr interessiert. Und wer bei Obst und Gemüse auf den Preis achtet, ist auf anderen Märkten Wiens ohnehin besser bedient als hier.
Zittern um Stammkundschaft
Dennoch: Es gibt sie, die treuen StammkundInnen. Und genau um sie zittern nun manche. Letzten Montag haben die Bauarbeiten am Naschmarkt offiziell begonnen. Zwar merkt man noch nicht viel davon, der Bagger schläft noch hinter dem Bauzaun. Doch die Naschmarkt-UnternehmerInnen werden langsam unruhig: „Was denken Sie, wo meine Großkunden parken sollen?", fragt Ahmet Özyürek, ein Obst- und Gemüsestandler, einen imaginären Magistratsbeamten. Dort, wo die KundInnen jetzt fürs Aufladen halten dürfen, werden demnächst die Presslufthammer donnern.
"In fünf Jahren bauen Sie eine Stadt!"
Dann geht das Gerangel an der Wienzeile los: Doch dort ist die Anzahl an verfügbaren Parkplätzen wegen anderer Baustellen zurzeit ebenfalls eingeschränkt. Der Standler macht sich Sorgen, dass die KundInnen auf andere Lieferanten ausweichen. Und er bangt um das Frühgeschäft: „Wenn wir woanders parken müssen, dann brauchen wir fürs Ausladen zwanzig Mal so lang wie jetzt. Wir können dann erst später mit dem Verkaufen anfangen. Aber Miete, Versicherung und Löhne zahlen muss ich ja trotzdem", beschwert sich der Mann, der nicht begreifen will, warum die Bauarbeiten so lange dauern sollen. „Wenn es ein Jahr dauert - okay. Aber fünf Jahre? In dieser Zeit bauen Sie eine Stadt für 2000 Leute!"
Doch die Sanierung des bald hundert Jahre alten Marktgeländes dauere deshalb so lange , weil man eben möglichst schonend ins Marktgeschehen eingreifen wollte, rechtfertigt sich die Stadt Wien: Um die einzelnen Stände nur kurz mit Lärm und Staub zu belästigen, werde in sehr kleinen Bau-Abschnitten gearbeitet, maximal zehn Stände sollen gleichzeitig betroffen sein. Zudem werden auch im Inneren der Marktstände Stromleitungen und Abflussrohre saniert. All das verzögere die Sanierungsarbeiten.
Autofreie Parkplatznot
Mohammad Lashin, ein stets freundlich lächelnder Olivenverkäufer ein paar Meter weiter, bangt weniger um seine Stammkunden, als um den ganzen Markt. Er hält es für möglich, dass hier insgesamt weniger los sein wird - und zwar über die Dauer der Bauarbeiten hinaus. Der Grund: Im Zuge der Sanierung soll der Markt autofrei werden, die Schleifmühlgasse wird für den Straßenverkehr gesperrt. „Wenn dann einer bei der Kettenbrückengasse keinen Parkplatz findet, muss er bis nach vorne zum Karlsplatz, und auf der linken Wienzeile wieder zurück", gibt Herr Lashin zu bedenken. „Das wird schwierig werden."
Gulasch und Falafel
Gabriel Abramov greift zu weniger sanften Worten. „Wir sind am Arsch", lautet seine Einschätzung der Lage. Der gebürtige Russe hat schon vor 30 Jahren seine Zelte auf dem Naschmarkt aufgeschlagen. Erst Lebensmittelhändler, sattelte er vor 21 Jahren auf die Gastronomie um. Sein „Grill- und Bierhaus" gleich beim Kettenbrücken-Eingang bietet laut eigenen Angaben „alles, vom Schnitzel über ungarisches Gulasch, türkischen Kebab, arabischen Hummus und israelische Falafel bis zu italienischen Ravioli." Nur die Spezialitäten seiner Frau, Borschtsch und Piroggen, finden sich nicht auf der Speisekarte, „die gibt es nur, wenn sie die Leute bestellen."
An diesem Vormittag wäre Herr Abramov allerdings schon höchst erfreut, würde jemand einen simplen Schinken-Käse-Toast ordern: „Es ist elf Uhr, und wir haben erst zwei Kaffee verkauft", jammert er. Früher habe er um diese Uhrzeit schon 100 Euro eingenommen - heute zählt er sechs Euro ab. 200 Sitzplätze gibt es in Lokal und Gastgarten, nur drei davon sind belegt.
Woran das liegt? Die Baustelle sei schuld, versichert Abramov. „Die Gäste haben Angst." Bagger und Baucontainer schreckten sie ab. „Ich will gar nicht erst daran denken, was los ist, wenn sie den Boden aufstemmen." Im Gastraum würden sie von den Bauarbeiten zwar wenig spüren. „Aber seit den neuen Nichtrauchergesetzen wollen die Gäste ja immer wieder ins Freie", sagt Abramov, der sein Lokal rauchfrei hält. Den Wirt plagen Zukunftsängste: Er weiß, was passiert, wenn man Stammgäste für kurze Zeit vergrault. „Jeder Urlaub kostet mich drei bis vier Stammgäste", sagt Abramov. „Sie gehen eine Woche lang woanders hin, dort gefällt es ihnen auch, also kommen sie gar nicht mehr."
Dem Marktamt gibt er keine Schuld: „Man kann nix sagen, die haben das ordentlich organisiert", lobt er die Verantwortlichen. Dennoch fehlt ihm der Glaube an den Sinn des Ganzen: „Okay, wir kriegen starken Strom und einen sauberen Kanal. Aber das bringt uns keine neuen Kunden."
"Meine Frau fragt: Was machst du hier?"
So fatal Herr Abramov die Bauarbeiten sieht - ans Zusperren denkt der Gastronom nicht eine Sekunde lang. Nicht klingende Kassen, sondern süße Gefühle halten ihn bei der Stange: „Ich liebe diesen Markt", schwärmt Abramov. Jeden Morgen sei er um sechs Uhr hier anzutreffen - dabei sperrt das Wirtshaus erst um acht Uhr auf. „Meine Frau fragt mich auch: ‚Was machst du so früh am Markt?‘ Aber das ist halt Gewohnheit."
"Der Wirt raunzt"
Weiter in Richtung Innenstadt, beim "Weinkeller am Naschmarkt", sitzen wie jeden Vormittag auch heute wieder die Stammgäste am massiven Holztisch. Dass hier in Kürze der Bagger vorfahren wird, lässt sie unbekümmert: "Wie das sein wird, sehen wir dann, wenn es soweit ist", analysiert eine Weinkennerin. Und ihr Sodawasser trinkender Kollege hält die Sanierung für eine gute Sache und die Kritik daran für erwartungsgemäß: "Kennt ihr einen Wirten, der sich nicht 24 Stunden am Tag beschwert?", fragt er in die Runde. "Der Wirt raunzt - das ist ein weltweites Gesetz."
(Maria Sterkl, derStandard.at, 2.9.2010)
Sieht ganz danach aus, als ob die Lokaleröffnung des Jahres schon stattgefunden hat: Das Neni am Naschmarkt ist da!
Schleifmühlbrücke wird gesperrt - Generalsanierung des Marktes kostet knapp 15 Millionen Euro
Es gibt sie noch die klassischen Standln, allerdings beschränkt sich kaum noch jemand auf Obst und Gemüse - Daneben drängen Lokale auf den Markt
Zehn Holzhäuschen für Mieter temporär unzugänglicher Stände - Sollen bis 2015 stehen bleiben
... Ihr Standardschreiberlinge mit den "KundInnen" auf? Es müsste dann auch "LieferantInnen" und "KonkurrentInnen" und "GrosskundInnen" und "LebensmittelhänderInnen" und "WirtInnen" heissen. Irgendwann auch "GästInnen" (DER Gast ist ja nicht Gendernorm).
mM
Mittelständler hatten die Wirtschaftskrise zu überstehen. Folglich wird der arme Herr Abramov auch überleben.
30 Jahre Nachmarkt:
- Überhöhte Preise.
- Unmengen Touristen
- BoBos halten sich am caffe latte fest
- Mercedes-SLK-Feinstaub bei Hummer & Champus
- Indische Fetzen
Danke sehr.
habe letztes jahr 3 monate beim naschmarkt gearbeitet - in einem büro direkt beim theater an der wien. den naschmarkt überquert gibt es einen billa. marktverkäufer den ich schon kannte (ging immer in der mittagspause am naschmarkt spazieren) steht beim billa an der kassa mit einr rodel voller erdbeersteigerln, bezahlte und brachte die ware zu seinem naschmarktstand. ich vermute er hat sie nicht teurer verkauft als der billa. ^^ und zu bioerdbeeren sind sie sicher auch nicht mutiert.
das tut auch das schweizerhaus. bestellen sie einmal eine stelze mit dem berühmten fähnchen mit gewichtsangabe. sollten sie eine waage dabeihaben- eine überraschung ist garantiert. bringt dem kellner einiges geld pro tag, denn er bezahlt nur den tatsächlichen betrag und macht ein schönes körberlgeld.
Einen hervoragenden türkischen Bäcker bei dem man die Sachen halt (aufgrund hohen Umsatzes ) noch dampfend kriegt.
Dann das Kent. Und kebab um 2 euro (immerhin doch viel billiger als am naschmarkt).
Ansonsten kauft ja nun wohl nicht ernsthaft einer der Poster hier die fetzenleggins und schuhe um 2 Euro sowie die sonstigen standerln die alle die gleichen einfachen Produkte für die türkische Hausfrau bieten. Auch die Henderlstuben und Tranklerstuben für Österreicher sind nicht gerade prickelnd. Das Gemüse und Obst ist in ganz wien gliech das wird um 4-5 uhr früh von den fleissigen Türken in inzersdorf abgeholt.
beim käse z.b. ist der brunnenmarkt weit hinten. da ist der naschmarkt anders (allerdings mit apothekerpreisen).
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