Auferstehung der Hausmeister

2. September 2010, 16:19
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Vizebürgermeister Ludwig stellte am Donnerstag die ersten "neuen" Wiener Hausbesorger vor, die VP bleibt bei ihrer Kritik

Die Wiener SPÖ erfindet den Hausbesorger Neu. In der Volksbefragung vom vergangenen Februar votierten bekanntlich vier von fünf (daran teilnehmende) Wienerinnen und Wiener für die Wiedereinführung des "Hausmeisters". Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (beide SPÖ) setzten sich in der Folge vehement dafür ein, dass es zu einem neuen Bundesgesetz für die Anstellung von Hausbesorgern kommt. Das frühere Hausbesorgergesetz war unter der schwarz-blauen Regierung mit der Wohnrechtsnovelle des Jahres 2000 abgeschafft worden.

Nun hätte es wieder eines geben können - allein, die ÖVP spielte nicht mit. Christine Marek, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium und Spitzenkandidatin der Wiener VP für die Landtagswahl am 10. Oktober, schloss Ende Juni definitiv aus, dass ihre Partei ein neues Bundesgesetz mittragen würde. In der Wiener SPÖ schaltete man in Folge auf "Plan B" um: Neueinführung nur in Wien. Schönheitsfehler: Möglich ist das nur im direkten Einflussbereich der Stadt, und zwar bei den Gemeindewohnungen.

"Wiener Weg"

"Wir gehen den 'Wiener Weg' und bieten im Bereich der Stadt Wien, wo es die Mehrheit der Mieterinnen und Mieter wünscht, mit den 'Wiener Hausbetreuerinnen und -betreuern' die Alternative zum Hausbesorger Neu an - mit fixen Ansprechpartnerinnen und -partnern, einer umfassenden Betreuung aus einer Hand und mit zeitgemäßem Berufsbild", erklärte Ludwig am Donnerstag. Der Wohnbaustadtrat und Vizebürgermeister gab auch bekannt, dass bereits mit September die ersten, vorerst acht, Wiener Hausbetreuer ihre Arbeit aufnehmen. "Sie sind bei der Wiener Wohnen Haus- und Außenbetreuung GmbH nach dem Kollektivvertrag für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger angestellt."

Insgesamt hätten sich bereits 400 Menschen für einen Posten beworben, so Ludwig. Wer aufgenommen wird, kann mit einem durchschnittlichen Brutto-Monatslohn von rund 1.500 Euro rechnen.
In der von ihnen betreuten Anlage auch wohnen werden bzw. müssen die neuen Hausbesorger übrigens nicht. "Es ist keine Dienstwohnung vorgesehen", so Ludwig. Mit einem Aufenthaltsraum müssen sie während ihrer verpflichtenden Anwesenheit im betreuten Gemeindebau das Auslangen finden.

Dreiwöchige Einschulung

Zuständig sind die neuen Hausbesorger unter anderem für die Reinigung der gesamten Innen- und Außenbereiche, zu klar festgelegten Dienstzeiten. Ausgenommen davon ist der Winterdienst, der aufgrund der geltenden Bestimmungen des Arbeitszeit- und Arbeitszeitruhegesetzes nicht möglich ist. Eine wöchentliche Arbeitszeit von 50 Stunden dürfen die neuen Hausbesorger nämlich nicht überschreiten. "Bei Schneefall ist vorgesehen, dass die Wiener Hausbetreuer die vorherrschenden Witterungsverhältnisse telefonisch an die Einsatzleitung melden und bei Gefahr in Verzug - etwa bei Blitzeisbildung - eine Streuung durchführen." Die noch nach dem alten Hausbesorgergesetz beschäftigten Hausmeister - immerhin noch rund 2.200 Personen - sind vom Arbeitszeitruhegesetz ausgenommen.

Die neu eingestellten Hausbesorger bekommen zunächst eine Einschulung im Ausmaß von 120 Arbeitsstunden (drei Wochen). Unter anderem ist dabei eine Aufzugsschulung verpflichtend vorgesehen, um die Betreuung der Lifte gemäß der geltenden Rechtsvorschriften gewährleisten zu können, sowie eine Schulung in Konfliktmanagement. Bei der Zuordnung der zu betreuenden Gebäudeteile werde schließlich darauf geachtet, dass neben der Reinigung, den Kontrollgängen und Kleinreparaturen auch Zeit für die Bewohner vorhanden ist. Dies sei "ein vielfach geäußerter Wunsch", dem durch diese Regelung Rechnung getragen werde, hielt Ludwig fest.

"Alt" und "Neu" nebeneinander möglich

Die Bewohner der Wiener Gemeindebauten werden selbst entscheiden müssen, ob sie künftig von einem Hausmeister betreut werden wollen. In großen Bauten können zum Teil auch "alte" und "neue" Hausbesorger sowie Mitarbeiter der stadteigenen Haus- und Außenbetreuung tätig sein. Sollten sich die Bewohner für einen "Hausbesorger Neu" entscheiden, bedeute dies einen nur "geringen" Mehraufwand bei den Mietkosten trotz größeren "Leistungsportfolios", stellte Ludwig in Aussicht.

Für die jetzige Lösung war übrigens keinerlei rechtliche Änderung nötig, weshalb die Stadt schon in der Vergangenheit die Möglichkeit gehabt hätte, den Hausmeister im Gemeindebau wieder auferstehen zu lassen. Die SPÖ habe aber bis zuletzt auf eine Bundesregelung gedrängt, rechtfertigte Ludwig das Zuwarten. Und stellte klar: "Ich werde weiterhin auf eine bundesweite Lösung drängen."

Wiener VP: "Ludwigs Hausbetreuer-Schmäh"

Das kann aber noch dauern. Der Landesgeschäftsführer der Wiener Volkspartei, Norbert Walter, nannte die Ankündigungen des Wohnbaustadtrats einen "Hausbetreuer-Schmäh". Das Hausbesorgergesetz sei im Jahr 2000 abgeschafft worden, "weil es teuer war und für eine Gruppe Arbeitnehmer Privilegien bot, für die die Mieter und Eigentümer zahlen mussten". Auch der "Hausbesorger neu" hätte wieder "eine Reihe Privilegien vorgesehen", weshalb man nicht zugestimmt habe, so Walter. (map, derStandard.at, 2.9.2010)

  • Zuständig sind die neuen Hausbesorger unter anderem für die Reinigung 
der gesamten Innen- und Außenbereiche, Schnee räumen müssen sie aber nicht.
    foto: derstandard.at/ped

    Zuständig sind die neuen Hausbesorger unter anderem für die Reinigung der gesamten Innen- und Außenbereiche, Schnee räumen müssen sie aber nicht.

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