"Befreiungskampf gegen Vorschriften" von 17. bis 25. 9.
Wien - "In erster Linie bin ich Filmemacher", hatte Christoph Schlingensief anlässlich seiner "Hodenpark"-Installation in Salzburg im Sommer 2006 gesagt. Neben all jenen Aktionen und Theaterinszenierungen, mit denen der am 21. August verstorbene Künstler berühmt geworden ist, sind es seine filmischen Werke, die in Erinnerung bleiben sollen.
Das Stadtkino Wien zeigt also von 17. bis 25. September jeweils um 21.30 Uhr sieben frühe Filme "in memoriam Christoph Schlingensief" - von seinem ersten Langfilm bis zu seinem bekanntesten Werk, "Das deutsche Kettensägenmassaker".
Den Auftakt macht Schlingensiefs erster Langfilm, "Tunguska - Die Kisten sind da" (1983/84), der neben zwei Kurzfilmen als Teil der Trilogie zur Filmkritik entstanden war. Mit dem Streifen wollte Schlingensief den "Film als Neurose" behandeln, heißt es im Stadtkino-Programm, und "zum Befreiungskampf gegen die Vorschriften des filmischen Realismus" auffordern.
Als weiterer Film aus den frühen 80er Jahren ist "Menu Total" (1985/86) vertreten, in dem Schlingensief nicht nur für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete, sondern auch hinter der Kamera stand. Vor der Kamera: die Komiker und Schauspieler Helge Schneider und Alfred Edel, die in einigen von Schlingensiefs Werken mitwirkten.
Unkonventionelle "Heimatfilmen"
In "Egomania - Insel ohne Hoffnung" (1986) bahnt sich ein Liebesdrama zwischen Schlingensief und Tilda Swinton im "ewigen Eis" an, dem sich ein Baron in den Weg stellt. "Die Zeit" hatte den Film damals als "ein Oratorium voller Hass, Intrige und Mord" bezeichnet. "Exaltiert und durchgeknallt" sei wiederum "Mutters Maske" (1987/88), eine freie Adaption des Films "Opfergang" (1944) von Veit Harlan.
Eine Reihe von unkonventionellen "Heimatfilmen" schließt das Sonderprogramm des Stadtkinos ab, allen voran "100 Jahre Adolf Hitler" (1989), der zur Gänze und an einem einzigen Tag in einem Bunker gedreht wurde.
Das Highlight von Schlingensiefs Filmkarriere und bis heute sein bekanntestes Werk, "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990), verarbeitet die erste Stunde der Wiedervereinigung in Form eines nationalen Schlachtfestes.
"Die 120 Tage von Bottrop. Der letzte deutsche Film" erschien erst sieben Jahre später und thematisiert, anders als seine Filmvorgänger, nicht die Geschichte Deutschlands, sondern jene des Mediums Film - in exzessiver, verwirrender und teils boshafter Art und Weise.
Die Filmretrospektive zeigt Schlingensief so, wie junge Bewunderer ihn womöglich gar nicht kennen: Als Christopher Krieg oder Thekla von Mülheim, nur zwei seiner erfundenen Namen, mit denen er seine eigene Mitwirkung als Schauspieler oder für den Schnitt Verantwortlicher tarnte. In Zusammenarbeit mit Udo Kier, Helge Schneider und Alfred Edel - Künstler, die immer wieder in Schlingensiefs Filmen auftauchten. (APA)