Lebenshilfe: "Derzeitiges Schulsystem grenzt aus"

2. September 2010, 13:07

Abschaffung der Sonderschule gefordert - Fahrplan zur inklusiven Schule vorgelegt

Wien - "Das derzeitige Schulsystem grenzt aus" und es "verletzt die Menschenrechte". Mit scharfen Worten verurteilte der Präsident der Lebenshilfe Österreich, Germain Weber, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien die Situation von Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Nach wie vor würde jeder zweite behinderte Schüler in der Sonderschule unterrichtet. "Seit zehn Jahren stagniert die Integration", sagte der Generalsekretär der Lebenshilfe, Bernhard Schmid, und forderte einen Stufenplan zur Einführung einer "inklusiven Schule" für alle Kinder mit und ohne Behinderungen.

2008 hat Österreich die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert und sich damit verpflichtet, Kinder "nicht aufgrund von Behinderung" vom gemeinsamen Schulbesuch auszuschließen. Dennoch würden von den rund 28.000 Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf nur rund die Hälfte in Integrationsklassen unterrichtet, jeder zweite besuche eine Sonderschule. Die Steiermark (82,4 Prozent der behinderten Kinder integriert) und das Burgenland (74 Prozent) weisen die höchste Integrationsquote auf, Schlusslicht ist Niederösterreich, wo nur 32 Prozent der Behinderten integriert werden.

Mangelnder gemeinsamer Unterricht in Integrationsklassen

Aber auch in bestehenden Integrationsklassen würden Eltern oft über mangelhafte Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts klagen. Grund dafür sei ein Mangel an Personal- und Sachressourcen, so Schmid. Weiters kritisiert die Lebenshilfe, dass Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf nach der 8. Schulstufe das Recht auf Integration verwehrt werde. Noch vor Ende der Schulpflicht würden sie "wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen", betonte Weber.

Um den Verpflichtungen aus der UN-Konvention nachzukommen, fordert die Lebenshilfe einen Stufenplan zur Einführung einer "inklusiven Schule" bis 2016. Dazu sollten ab 2011 Sonderpädagogische Zentren in Schulen für alle Kinder umgewandelt und Schulassistenten ausgebildet werden, die die Lehrkräfte unterstützen. Ab 2012 sollten die derzeit getrennten Ausbildungszweige für Sonder- und Regelschulpädagogen zusammengelegt und die ersten Sonderschulen für alle Schüler geöffnet werden. Von 2013 bis 2015 sollten dann alle Sonderschulen sukzessive in "neue Schulen für alle" umgewandelt werden, die Binnendifferenzierung, also der Unterricht in einem Gegenstand im gemeinsamen Klassenverbund, aber nach unterschiedlichen Lehrplänen, soll Standard werden.

"Inklusive Schule" für alle bis 2016

Nach Vorstellung der Lebenshilfe sollten ab 2016 alle Kinder mit und ohne Behinderung bis zum 18. Lebensjahr in eine "Inklusive Schule" gehen. In der Folge sollten immer mehr Menschen mit Behinderung auch Zugang zu Hochschul- und Berufsbildung haben.

Für Weber ist "die Zeit der Umsetzung" einer inklusiven Schule gekommen. Wenn Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sage, dass alle Studien zur Schulreform am Tisch lägen, gelte das auch für diesen Bereich, gefordert sei politischer Wille. Allerdings suche die Lebenshilfe seit 1,5 Jahren vergeblich um einen Termin bei der Ministerin an. Für Weber gibt es "kein stichhaltiges Argument", die Forderungen nicht umzusetzen, der Stufenplan würde kein zusätzlichen Mittel erfordern. (APA)

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A. Sieberer
00

Was soll dieser Mythos vom bösen System.
Jedes Kind mit SPF kann entweder integriert werden oder eine Sonderschule besuchen. Die Entscheidung, in welche Schule das Kind geht, liegt laut Gesetz ausschließlich bei den Eltern.

Eine verantwortungsbewußte Entscheidung wird einbeziehen, welche Resourcen Kind und Schule haben. Dafür gibt es im Idealfall eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule.

Eigentlich ein ideales System, wenn es von allen in dieser Form auch umgestzt wird.

ride my pimp
02

und wann sagt man dann den "vollständig integrierten Kindern", dass sie doch nicht mehr mit den anderen mitmachen dürfen? Macht man das dann an der Uni, kurz vor dem Germanistikdoktorat, und gibt kund, dass perfekte Deutschkenntnisse notwendig sind oder im Beruf bei der Nasa, dass die Berechnungen zur Gravitation vielleicht doch nicht so ganz stimmen?

yomellamo
03
Wie es mit der integration ablaeuft kann man eh sehen...

.... vor ein paar jahren wars noch die "Einzelintegration". Aber nachdem das einen haufen geld kostet wurde dieser teil des integrationsunterrichtes halt einfach abgeschafft.

Auch sonderschulen kosten extra geld, .. denn die klassen sind kleiner.

Der feldzug gegen sonderschulen ist jetzt voll im gange.

Lustigerweise wird der feldzug gegen sonderschulen nur von leuten gefuehrt die ihre kinder dann in privatschulen geben.

Birgit 68
00
27.9.2010, 16:16
Das glaub' ich schon,

den unter den derzeitigen gesetzlichen Bedingungen ist es ja nicht möglich, sein Kind einfach aus der Sonderschule rauszunehmen, um es dann in irgendeine andere Schule zu geben.

yomellamo
05
integration auch im medizinstudium...

... JEDER sollte auch Chirurg werden koennen. Es kann nicht sein, dass Kinder, nur weil sie nicht addieren koennen vom behandeln von Patienten abgehalten werden.

Birgit 68
00
27.9.2010, 16:19
Was hat das mit der Frage "Sonderschule oder nicht"? zu tun?

Absolvieren denn alle Regelschüler (das sind Nicht-Sonderschüler) ein Universitätsstudium?

O NOES!
13

Was nicht gleich ist, wird gleich gemacht. Ideologie ohne Sinn darin.

Dimple
04
Das Problem sind nicht körperbehinderte Kinder

auch nicht geistig herausgeforderte Kinder sondern das wirkliche Problem sind Kinder mit Wahrnehmungsstörungen: Mit Sessel auf andere Kinder und LehrerInnen werfen, Schimpfen, Schlagen, Zwicken, keine Minute mitmachen,... - hier reicht ein Kind, um den anderen Kindern die Schule und das Lernen zu verleiden. Und das in einer Integrationsklasse mit 18 Kindern und 2 LehrerInnen und einer Stützkraft.

Das gibt zwei Effekte: Das eine Kind ist mit der Klassensituation in einer I-Klasse überfordert und die anderen Kinder und Eltern werden so die I-Klassen meiden wie die Pest (zu Recht). Seitdem dieses Kind in einem Sonderpädagog. Zentrum ist, funktioniert die Klasse (noch 2 I-Kinder) sehr gut und alle sind zufrieden, auch mit I-Klasse.

lg
Dimple

Kendall Von Tharn
22

das derzeitige schulsystem grenzt eines aus : BILDUNG

Thralia
00

Auch ohne die Einbindung von Integrationsschülern stoßen die Lehrer oft an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die individuellen Talente von Schülern zu fördern. Ich wäre ja für die Aufnahme von Integrationsschülern. Ich denke allerdings, dass es dazu zumindest 2 Lehrer pro Klasse bräuchte, damit wirklich alle Schüler ausreichend gefördert werden können.

Rene Stangeler
014
Behinderung ist nicht gleich Behinderung

Kinder mit körperlichen Behinderungen sitzen auch heute schon in "normalen" Klassen, schaffen es auch bis zur Hochschule. Warum auch nicht, eine körperliche Behinderung hat ja nichts mit Lernfähigkeit zu tun. Einen geistig behinderten Menschen wird man kaum zur Hochschulreife bringen können und es wird wohl besser sein dessen geistigen Fähigkeiten so weit wie möglich zu nutzen und somit vielleicht ein halbwegs selbstständiges Leben zu ermöglichen.Dies geschieht wohl besser in Sonderschulen, mit besonders geschultem Personal, angepasstem Tempo und dem Potential entsprechendem Lehrplan.

Diese Differenzierung fehlt mir im Artikel.
Wem hilft es wenn ein behindertes Kind noch beim Äpfel zählen ist und der Rest der Klasse beim Bruchrechnen?

ride my pimp
01

Danke für Ihr Posting, das Klarheit in die journalistischen, "großen Wörter" gebracht hat, die trotz vermeintlicher Spitzfindigkeiten völlig an der Sache vorbei gehen.

Erwin Wolfram
00

schlagzeile: lebenshilfe legitimiert als ngo nazimethoden.

O NOES!
10

Sie haben ordentlich einen an der Waffel.

Naphtali
00
Woraus

schließen Sie das? Ersuche um Aufklärung.

prusiner
011
na ja

dann könnte man ja auch in der HTL ein paar Integrationsschüler unterbringen ..

z.B. in Bremen (bekannt für die exzellenten Ergebnisse bei Bildungsvergleichen) wurde schon gefordert, dass auch die Gymnasien ihren Beitrag zur Integration leisten ..

Ein Beispiel aus dem Bekanntenkreis: ein Kind mit Downsyndrom wurden in VS und Anfang der HS als Integrationskind mitgenommen, so in der 3. HS hat das Kind dann mehr und mehr realisiert, dass es mit den anderen ganz einfach nicht mithalten kann und ist vom Verhalten her zum Problemfall in der Klasse geworden; dann Wechsel in die Sonderschule mit dort adäquatem Unterricht (elementare Dinge wie Umgang mit Geld ..) das Kind war ausgeglichen wie schon lange nicht mehr und war stolz auf das Gelernte.

jean val jean
40

stimme zu, die sonderschule gehört weg
sonderbehandlungen hat man unter dem gröfaz durchgeführt
das brauchen wir nicht

milizia fatale
31

auch aufnahmeprüfungen gehören weg.

freie schule für alle.

jean val jean
00

d'accord

Mike 23
19
Die Schule wird überfordert

Wir sollten endlich einmal davon reden, was die Schule überhaupt leisten kann.
Schon heute ist sie vollkommen überfordert damit, Kinder ohne spezielle Bedürfnisse zu erziehen und in den verschiedensten Fächern zu unterrichten. Verschiedene Soft-Skills, demokratische Werte, ein friedliches Miteinander und richtiges Lernen zu vermitteln sind nur wenige Zusatzforderungen, die heute an die Schule gestellt werden.
Zudem sollen Schulen noch beibringen, wie man richtig ißt und gesund lebt (http://derstandard.at/128297876... hr-Sport).

Ich frage mich, ob sich irgendwer Gedanken über die Realisierbarkeit gemacht hat.
Michael

Purplevienna
02

Ich kann Ihrer Argumentation beim besten Willen nicht folgen! Ich habe meine Pflichtschulzeit in den 60er und 70er Jahren absolviert (öffentliche VS, Bundesrelgymnasium, HTL), und mir wurden diese von Ihnen angesprochenen Lebensweisheiten bestens vermittelt. Also warum soll das alles plötzlich nicht mehr vermittel- und realisierbar sein!!????
Tatsache ist doch, daß heute die Elternhäuser mit ihrem konsumorientierten Wahn den Nachwuchs aufs gröbste vernachlässigen und die Pflichten bereits im Kindergartenalter abzuwälzen versuchen ......

Mike 23
08
Pflichten abwälzen

Ich finde es interessant, dass Sie im letzten Satz genau meine Argumentation bestätigen, obwohl Sie so vehement protestierten.
Ob es an den Eltern liegt, die ihre Kinder vernachlässigen, wage ich nicht zu kommentieren. Aber festzuhalten ist, dass die Schuld an vielen Defiziten (von Disziplin über den richtigen Umgang miteinander), den Schulen zugeschoben wird.

Dass damit Pflichten abgewälzt werden, ist offensichtlich. Und gerade daher frage ich, ob die Schule überhaupt in der Lage ist, diese neuen Pflichten zu erfüllen.
Michael

Markus -
23

Wie wärs mit einem Deal? Ihr bekommt eure Einheitsschule und ich zahl keine Steuern mehr dafür?

Fritz Meyer
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Wie wär's mit einem besseren Deal!

Du zahlst den Anteil vom (steuerfinanzierten) Gemeinwohl, von dem Du bisher profitiert hast, an den Staat zurück und verlässt das Land.

PetFri
00
Also ich persönlich würde das sofort machen.

Allerdings möchte ich dann auch alle direkten und indirekten Steuern, die ich je gezahlt habe, zurück.
Das Land habe ich übrigens schon verlassen.

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