Saison 2010/11

Schauspielhaus Wien wird politisch

02. September 2010 13:03

Bruno Kreiskys Bio in Serie

Wien - Schwerpunkt der Schauspielhaussaison 2010/11 ist die Frage nach aktuellem politischem Agieren bzw. nach der Vorrangstellung des Politischen am Theater. Die drei gebündelten Auftaktpremieren sind im Kontext aktueller wirtschaftspolitischer Debatten zu lesen: Philipp Löhles Die Überflüssigen (1. 10.), PeterLichts Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends (7. 10.) und Bruno Schulz: Der Messias (9. 10.) von Malgorzata Sikorska-Miszczuk.

Darauf lässt Direktor Andreas Beck am 4. November eine Uraufführung von Franzobel folgen, eine Revue über die wechselvolle Geschichte einer Alsergrunder Adresse, die mit der Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim verbunden ist (Die Pappenheimer). Dem ehemaligen Hausautor Ewald Palmetshofer ist mit zwei österreichischen Erstaufführungen (tier. man wird doch bitte unterschicht und Körpergewicht. 17%) und einem Gastspiel (Helden) Anfang März eine kleine Werkschau gewidmet. Ebenfalls erstmals in Österreich zu sehen ist das Kammerspiel Waisen des Briten Dennis Kelly, den Beck bereits 2004 am Burgtheater vorgestellt hatte. Regie führt Ramin Gray, der hierzulande durch die Inszenierungen von Simon-Stephens-Stücken bekannt geworden ist.

Die Theaterserie gilt diesmal einer einzigen Person: dem Staatsmann Bruno Kreisky, der am 22. Jänner 2011 hundert Jahre alt geworden wäre. Kreisky - wer sonst? folgt der Biografie des Politikers in zehn Stationen. Neuer Hausautor ist Thomas Arzt (Tschikhäuslbubi), 1983 in Oberösterreich geboren. Sein Stück Grillenparz wird am 14. April uraufgeführt. (afze / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2010)

man of constant sorrow
02.09.2010 14:45

Was genau ist: Politisches Theater?

romero69
03.09.2010 10:40

Urspruenglich waere darunter ja ein Kabarett zu verstehen. Das allerdings ist in OE (und auch D) zum blossen Klamauk, neudeutsch "Comedy", verkommen. Leider.

man of constant sorrow
03.09.2010 11:53

Das ist nicht wahr. Schauen Sie sich mal "Neues aus der Anstalt" an. Da lassen sie's krachen...

Jan Sommer
02.09.2010 16:00
Wenn man sich von den Parteikassensponsoren

subventionieren lässt..... !
js

IchbinIch5
02.09.2010 13:47

Politisches Theater machen wollen und sich von Novomatic sponsorn lassen - na das nenne ich Doppelmoral. Erst kommt das Fressen ...

S.Peschina
04.09.2010 11:03

na ja, leider werden ja so ziemlich alle Kunstproduzenten (wie auch erst kürzlich Thomas Oberender in einem Interview beweinte) gezwungen mit Sponsorengeldern zu arbeiten. Und die Unternehmen, die sich Kunstsponsoring leisten, sind alle meist keine Kandidaten für den Friedensnobelpreis.

Den Willen zu artikulieren kritisches und politisches Theater machen zu wollen, gibt einer Dramaturgie zumindest die "Eigenvorgabe" in diese Richtung Anstregungen zu setzen.

MILK
03.09.2010 09:26
das sehe ich ebenso. ging mir allerdings schon im letzten jahr so

da ging es dann nicht um das explizit politische, sondern eher um das gesellschaftskritische.
aber auch da hat das Novomatic - Schild im Fenster die Glaubwürdigkeit jedes einzelnen Satzes auf der Bühne erfolgreich zertrümmert.

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