Stiglitz

Europa und USA droht japanisches Schicksal

02. September 2010 12:38

Nobelpreisträger Stiglitz prognostiziert niedriges Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosenraten und fordert bessere Konjunkturprogramme

Wien - Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz warnt vor einer Entwicklung "japanischen Stils" in Europa und den USA. Der Nobelpreisträger und Professor der Columbia University rechnet mit konstant niedrigen Wachstumsraten. Europa und die USA müssten mit hohen Arbeitslosenzahlen rechnen. Abhilfe verspricht sich Stiglitz von umfangreicheren und gezielteren Konjunkturprogrammen, wie er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN sagte.

Zu geringe öffentliche Investitionen führten in eine Sackgasse. Eine wirtschaftliche Entwicklung japanischen Stils könnte in Europa und den USA die Folge sein. Die daraus resultierenden niedrigen Wachstumsraten würden nicht ausreichen, um die Arbeitslosenzahlen zu verringern. Besonders Volkswirtschaften, deren erwerbstätige Bevölkerung langsam oder kaum wachse, seien davon betroffen, so Stiglitz. Für die USA prognostiziert er eine geringfügig höhere Wachstumsrate als in Japan. Die Zahl der Erwerbstätigen steige in den USA um rund ein Prozent jährlich, während jene in Japan sich auf praktisch stagnierendem Niveau befinde.

Kritik am Sparkurs

Laut Stiglitz hat diese Prognose aber in Europa und den USA zum Teil unterschiedliche Gründe. Der Columbia-Professor kritisiert den Sparkurs europäischer Regierungen. Der Ansatz, ökonomische Krisen durch radikales Sparen zu überwinden, würde in der Praxis selten funktionieren. Dies hätten die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und die Asienkrise 1997/1998 gezeigt. Daher fordert Stiglitz umfangreichere und gezieltere Konjunkturprogramme. Öffentliche Investitionen in Technologie, Infrastruktur und Bildung würden in vielen europäischen Staaten positive Effekte auf Wirtschaftswachstum und Staatsverschuldung haben.

In den USA hingegen hätte die Regierung von Präsident Barack Obama besser reagiert. Allerdings ortet Stiglitz auch hier zu niedrige öffentliche Investitionen. Er rät der Politik weniger Augenmerk auf die Ausgaben und mehr auf die Investitionsfelder zu legen. Bei dem gegenwärtigen Zinsniveau würden die Einnahmen die Ausgaben bei weitem übersteigen. Darüber hinaus belasten die Langzeitkosten der Kriege in Irak und Afghanistan die amerikanischen Staatsfinanzen. Allein seine Kostenprognose von 3 Billionen Dollar (2,34 Billionen Euro) für den Irak-Krieg bezeichnet Stiglitz als konservativ.

Während der Weltwirtschaftskrise ist die globale Nachfrage stark gesunken. Laut Stiglitz leidet die Weltwirtschaft vor allem am Bröckeln des Konsum-fixierten Wirtschaftsmodells der USA. Der private Verbrauch macht in den USA rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus. In der Krise könnten die Amerikaner aber weniger ausgeben und sparten mehr. Unlängst schürten die gestiegenen Konsumausgaben in den USA aber die Hoffnung, dass die amerikanischen Verbraucher zum Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt beitragen und so auch europäische Exporte ankurbeln.

Die US-Bürger haben im Juli um 0,4 Prozent mehr ausgegeben als im Vormonat und somit die privaten Ausgaben so stark gesteigert wie seit vier Monaten nicht. Dennoch bleibt der private Konsum aufgrund der skeptischen Stimmung der Verbraucher und der weiter angespannten Lage am Arbeitsmarkt auf niedrigem Niveau. Die US-Privatwirtschaft hat im August überraschend wieder Stellen abgebaut. Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge verringerte sich die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft um 10.000. Im ersten Halbjahr 2010 stieg die amerikanische Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent. (APA)

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mir wird schlecht
06.09.2010 17:09
DirtyHarry
04.09.2010 07:56

Japan hat enorme Staatsschulden, Gläubiger ist in erster Linie die "eigene" Bevölkerung, wenn jedoch die Sparquote weiter sinkt, bzw. dann die Sparguthaben aufgelöst werden, dann funktioniert das System nicht mehr. Dann wird die japanische Regierung den Weg der Geldentwertung gehen - wie es die Obama-Regierung auch schon macht.

Die Sparquote Japans ist stark rückläufig:
http://www.faz.net/s/Rub645F... ezial.html

DirtyHarry
04.09.2010 07:10
In Wirklichkeit kein Sparkurs

Europäische Regierungen fahren in Wirklichkeit gar keinen Sparkurs. Die SP-VP-Koalition z.B. spricht permanent vom Sparen, tatsächlich werden Steuern erhöht bzw. neue erfunden.

DirtyHarry
04.09.2010 07:08

"erwerbstätige Bevölkerung langsam oder kaum wachse"

Villeicht sollte man Herrn Stiglitz nahe bringen, dass die Bevölkerung nicht ewig wachsen kann.
Europa ist sehr dicht besiedelt.
Ein System welches auf permanente Zufuhr von außen angewiesen ist, ist langfristig nicht tragbar.

santa fe
 
03.09.2010 15:20

mr. stiglitz muss sich gewaltig irren. österreich verkündet laufend den sieg über die arbeitslosigkeit, und hier wird nicht geschummelt wie in den bösen U.S.A.

die U.S. grünen sind längst für das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN (BASIC INCOME)

wie auch die kanandischen und britischen und die meisten westlichen grünen. die österreichischen grünen sehen da nicht den geringsten programmatischen handlungsbedarf, denn die österreichische arbeitslosenstatistik ist durch und durch seriös.

DirtyHarry
04.09.2010 07:41
275.000 Arbeitslose

Bei 275.000 Arbeitslosen den "Sieg über die Arbeitslosigkeit" zu verkünden - das halte ich für unsinnig.

santa fe
 
04.09.2010 13:50

das habe ich mit meiner ironie gemeint

J R
03.09.2010 17:09

sie hätten gerne money for nothing, egal ob arbeitend oder arbeitsverweigernd. Ich dagegen hätte gerne die andere Variante, wer nicht arbeiten "will" kann von mir aus verhungern.

das täntchen wieder einmal
03.09.2010 23:14
sie hätten gerne money for nothing, egal ob arbeitend oder arbeitsverweigernd.

wie reiche erben. diese stellen die mehrheit unter den vermögenden. man nennt sie bizarrerweise "leistungsträger". ja, witzig.

santa fe
 
03.09.2010 19:24

dass die, die nicht arbeiten, nicht essen sollen, ist ein postulat des apostels paulus (saulus von tharsos), der jesus nie persönlich begegnet ist. jesus selbst hat in seiner bergpredigt die selbstverwirklichung vor das erwerbsleben gestellt und ist selbst -zumindest ab seinem 30 jahr- keiner geregelten arbeit nachgegangen.

alle weisen des orients und okzidents raten übrigens auch zum respekt vor leben und vor der persönlichen freiheit, auch wenn sie bloss humanisten und oft gar nicht religiös waren und sind.

amused8
03.09.2010 09:43

Für wirklich Interessierte zur volkswirtschaftlichen Weiterbildung:

"There is no financial crisis so deep that cannot be dealt with by public spending"

http://e1.newcastle.edu.au/coffee/pu... /08-10.pdf

hamster151
03.09.2010 09:32

Weil Schulden uns in die Krise geführt haben müssen wir uns noch mehr verschulden um aus der Krise rauszukommen, alles klar!

http://www.zerohedge.com/article/g... -are-wrong

das ist fix
05.09.2010 11:32

feuer mit benzin löschen - ist doch eine bewährte technik - oder?

also dann ...
03.09.2010 17:19
naja ... ein etwas einfältiger artikel, der nicht mal die BIP-treiber...

richtig analysiert - es ist ganz einfach :
- wenn (inden USA wie in der EU !) 70 % des BIP
vom privatkonsum = binnennachfrage bestimmt wird
...15-25 % sind auf die investitionen (privat+staatl.)
... und der rest auf den aussenbeitrag (exporte - importe) zurückzuführen,
ja dann, ist es wohl das EINZIG richtige, darauf zu achten, dass die HH konsumieren.
NACHHALTIG...
tun sie dies jedoch n i c h t über schulden (das wachstum 2002-07 war ja NUR schulden-getrieben !)
sondern eben über h ö h e r e EINKOMMEN = LÖHNE !
dies ist auch leicht anhand der ungleichgewichte im aussenhandle zu erkennen, wo die lohnstückkosten
- von D, A um 8-10 % (seit 2000) s a n k e n
- und jene von GR, IT, ES um 120-125 % stiegen !

it`s easy as that...

X Y
03.09.2010 12:15
Nein,

die Schulden haben nicht zur Krise geführt. Es war die Aufhebung aller behördlich aufgelegten Schranken für die Finanzindustrie durch die konservative Politik der letzten Jahrzehnte.
Die Zinsen sind so niedrig, dass Schuldenaufnehmen durch denn Staat im Moment fast kostenlos ist. Da die Konsumer weniger kaufen, sollte der Staat durch große Projekte und Investitionen einspringen. Dadurch steigt dann der Bedarf und sinkt die Arbeitslosenrate.
Es ist sonnenklar, dass dieses Programm besser wirkt als das eiserne Sparen, das wird aber aus ideologischen Gründen ausgeklammert.

Mork vom Ork
03.09.2010 15:42

soso, fast gratis ^^ ... wenn man sich die Spreads anschaut sieht die Welt schon anders aus ...

Mork vom Ork
03.09.2010 15:36

Die Ursachen für die Krise (in den USA) waren trotzdem:
- die POLITISCHE Zielsetzung jedem (!) Konsumenten Eigentum zu verschaffen
- Hypothekarfinanzierungen die nicht auf tilgung ausgelegt waren, sondern allein auf Zinszahlung
- verwendung dieser Hypothekarfinanzierungen für Konsumfinanzierung auf Basis der Immobilienbewertungen
- Hohe NAchfrage nach Immobilien (siehe oben) => höhere Preise => höhere Beleihungen
- Steigende Zinsen => höhere Raten die nicht mehr bedeient werden können
- Zusammenbruch des Immobilienmarktes=> und in der Folge des ganzen Kartenhauses, dann des Konsums, und in der Folge der gesamten Wirtschaft.

In Europa hats v.a. die staatlichen Banken erwischt, die haben die gebündelten Kredite gekauft.

clearlake
05.09.2010 09:55
sie decken das problem dahinter ja auf...

konsum ohne dieses immobilienroulette funktioniert nicht mehr.....und da steckt der kern des problem. Die Amerikaner müssen wieder beginnen zu arbeiten, nicht häuser oder "finanzprodukte" hin-und-herschieben und das als "arbeit" bezeichnen......Und dafür müssen sie halt schlimmstenfalls ihre eigenen produkte konsumieren und auf importe verzichten.....ohne diese durststrecke wirds nicht gehen....

hamster151
06.09.2010 19:16
Das riecht aber schwer nach Protektionismus und Handelskriegen.

Das hat in den 30ern das Problem eskalieren lassen.

hamster151
03.09.2010 13:17

Noch sind die Zinsen niedrig. Bei den hohen Schulden die dieses Jahr gemacht worden sind und der Möglichkeit einer Anleihenblase (steigende Zinsen wenn sie platzt) bedeutet das eine größere Belastung der Wirtschaft durch höhere Steuerlast.

Was genau fördert der Staat mit den Schulden? Worin wird investiert? Wenn es nur darum geht Geld unters Volk zu bringen kann man es gleich auf das Konto der Bürger überweisen, man muß nicht Löcher auf und wieder zugraben.

Die USA is nicht Japan, Japan hatte eine hohe Sparquote, ist ein Exportland und der Großteil der Anleihenbesitzer sind die Japaner selber, im Gegensatz zur USA, die ein hohes Handelsdefizit und hohe private Verschuldung aufweist. Kann man nicht so einfach vergleichen.

clearlake
05.09.2010 09:58
stimmt, kann man überhaupt nicht vergleichen

sind 2 völlig unterschiedliche problemfelder mit konträren lösungen. Man sieht welche Leuchten heute als Wirtschaftswissenschaftler ihre lehren verzapfen, ob von links (wie Stiglitz) oder von rechts (wie Sinn und Konsorten...)

franz der freie
03.09.2010 13:10
und was ist, wenn das schuldenmachen nicht mehr kostenlos ist ??

bei 10% zinsen werden wir alle die schulden verwünschen, und die die sie gemacht haben. ist so wie bei den eurofightern: 20 millionen ersparnis bei jedem ( nach darabos mathematik ) wenn wir 500 stk kaufen sind wir saniert. schuldenmachen und konsum auf kredit bleibt eben das was es ist: hilfsschulmathematik.

iohui
03.09.2010 08:00
... Besonders Volkswirtschaften, deren erwerbstätige Bevölkerung langsam oder kaum wachse, seien davon betroffen, so Stiglitz. ...

jössas
das sagt ein wirtschaftswissenschaftler.
eigentlich ist das kaum zu glauben.

wie gern würd ich dem mann helfen das brett vorm kopf loszuwerden...

José Atento
02.09.2010 23:39
"Europäischer Sozialstaat wird spektakulär scheitern"

http://diepresse.com/home/wirt... t/index.do

also dann ...
03.09.2010 17:31
geh bitte ... diePresse zitieren ... ist - ohne kommentar - wirklich un-nötig !

zum 1. schulden sind per se... NIE schlecht, weil ihnen ja (bilanz ???) INVESTITIONEN
... die ja zu 15-25 % das wachstum ausmachen...
gegenüberstehen
zum 2. wird (wie oft denn noch ?)
NACHHALTIGES WACHSTUM nur (!) durch
höhere l ö h n e = erhöhung des privatkonsums
(der ja 70 % in den USA - wie der EU ausmmacht !)
erzielt.
3.
die - neoklass., angebotsorientierte - "vwl. schule" ist ja seit 1 dakade empirisch w i d e r l e g t, da
- weder die niedrigen zinsen (2001-2005, ab 2007...)
- noch die überschwemmung der banken mit liquidität (EZB, FED BoE usw.) ein nachhaltiges wachstum generierten !
auch klar...,
weil die unternehmer nur dann investieren, wenn sie zuk. nachfragesteigerungen erwarten.
d.h. wiederum HÖHERE LÖHNE !

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