Mehr Mut zur Abrissbirne

Anita Zielina, 2. September 2010, 13:19
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/aigner

    Der Praterstern als "Symbol dafür, wie man es nicht machen sollte."

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/aigner

    Wie grün sind die Schwarzen? "Ich bin sowieso der Meinung, die wahren Grünen sind die Weinbauern, die Gärtner, die Bauern".

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/aigner

    Er sei immer offen für eine "gewisse Grenze der Belegung mit migrantischen Bewohnern" in Wohnbauten gewesen.

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/aigner

    Praterstern neu: Im Winter zugig und im Sommer heiß, monieren Kritiker.

VP-Wien-Stadtrat Walter über sanierungsbedürftige Bauten, Videoüberwachung im Gemeindebau und sein Verständnis für "Guerilla-Gardening"

Wenn es regnet und stürmt, ist der Praterstern ein eher ungemütlicher Ort. Die halboffene Glas-Stahl-Konstruktion vor dem Bahnhof ist im Winter zugig und im Sommer heiß, monieren Kritiker. Die Pergolen am Vorplatz sind nur kleine grüne Tupfer im weiten Beton. Am Bahnhof selbst gibt es wenig auszusetzen, gibt Norbert Walter, ÖVP-Wien-Stadtrat zu. "Aber das ganze Drumherum ist ein Symbol dafür, wie man es nicht machen sollte". Darum habe er sich den Praterstern ausgesucht, um mit derStandard.at über Stadtplanung zu sprechen.

"Die wahren Grünen sind die Weinbauern"

Grünräume, so Walter, seien essentiell in der Stadt - ob direkt bei Wohnhäusern oder in Parks. Und sagt damit etwas, was auch die Grünen immer weider fordern. Sind in der Stadtplanungspolitik die Schwarzen etwa auch schon Grüne? Walter winkt ab, in einer Stadt brauche es auch urbane Räume. "Ich bin sowieso der Meinung, die wahren Grünen sind die Weinbauern, die Gärtner, die Bauern in Wien. Grün funktioniert nur dann, wenn man es auch bewirtschaftet." Was hät der VP-Stadtrat eigentlich vom "Guerilla-Gardening", also vom eigenmächtigen Bepflanzen öffentlicher Plätze? "Ich sag es mal so: Allemal besser, als wenn eine öffentliche Fläche hässlich ist. Aber das Eigentumsrecht muss gewahrt bleiben."

Wohnbautechnische Problemgegenden in Wien seien etwa der 15., Teile des 16. Bezirks, die Gürtelperipherie oder das Stuwerviertel im 2. "Da müsste man viel mehr darauf achten." Und auch ab und an mutiger sein, was den Abriss renovierunsgbedürftiger Häuser betreffe. "Wenn sich eine Sanierung nicht rechnet, dann ist es besser neu zu bauen."

"Gewisse Grenze der Belegung mit migrantischen Bewohnern"

Wohnen bedeutet auch immer Zusammenwohnen mit anderen, und in der Folge mögliche Konfliktherde. Da brauche es einerseits Respekt, andererseits Toleranz, so Walter. Aber: Gerade in der Frage der Belegung von Wohnbauten kann Walter sich vorstellen, "mehr im Sinne der Durchmischung zu tun. Ich weiß - etwa als Gemeinde Wien - ja wo die Mieter herkommen. Wenn ich etwa Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien habe und andere daneben einquartiere, wo ich bereits vorher weiß, dass es Konflikte geben wird, dann ist das keine gute Wohnpolitik."

Aber was, wenn sich ÖsterreicherInnen dann weigern, in solche "durchmischten" Bauten zu ziehen? Er sei, sagt Walter, ohne das Wort Quote verwenden zu wollen, immer offen für eine "gewisse Grenze der Belegung mit migrantischen Bewohnern" gewesen. Die sollte dann bei etwa 30 Prozent liegen, analog den Vorschlägen im Schulklassenbereich.

Radwege als "gefährliche Fallen"

Was den Stadtverkehr angeht, gebe es noch reichlich Baustellen, so Walter. Er selber ist Verkehrsteilnehmer aus verschiedenen Perspektiven: Öffi, Rad, Vespa, Fußgänger. Was die Radwege angeht, sieht Walter noch Aufholbedarf. "Ich finde die Idee gut, Radwege zu schaffen, aber bitte sinnvoll - viele sind gefährliche Fallen, etwa hinaus nach Hernals." Es sei besser, die Radwege nicht entlang von Durchzugsstraßen zu machen, sondern auf weniger befahrenen Wegen. Und auch die U-Bahn-Netze seien nicht optimal entwickelt worden. "In den Außenbezirken sind viele immer noch auf Autos angewiesen, weil die U-Bahn einfach nicht genau bis dorthin fährt, wo die Leute sie brauchen". 

Videoüberwachung im Gemeindebau

Walter ist Anhänger einer „Videoüberwachung, wo es Sinn macht" - was das bedeutet? "Im Gemeindebau etwa hat man gute Erfahrungen gemacht." Heikle Plätze, etwa der Schottenring oder andere "Kriminalitätshotspots", wären genauso sinnvoll, ist er überzeugt. "Ich will aber nicht wie in London an jeder Straßenecke eine Kamera haben, das geht zu weit". Und was, wenn die Gemeindebaubewohner etwa auf ihrem Weg in die Waschküche nicht gefilmt werden wollen? Walters Vorschlag: "Es muss in einem Gemeindebau ein Mehrheitsvotum, eine Art Befragung geben, damit man das machen kann."

Ein sicherheitspolitischer Vorschlag, den die ÖVP Wien vor einigen Monaten ventilierte, sorgte für heftige Diskussionen. Militärpolizisten sollten zur Kriminalitätsbekämpfung in Wien eingesetzt werden, forderte Chefin Christine Marek.

"Ich weiß nicht, wieso das so hängen geblieben ist, es war natürlich nie geplant dass in Wien Militär patroulliert", seufzt Walter. Es gebe Personen in der Militärpolizei, die gerne in den Polizeidienst wechseln würden, denen man das - nach einer Nachschulung - ermöglichen hätte wollen. Kein Assistenzeinsatz in Wien also. "Und um auch das nochmal klarzustellen: Natürlich wärem Sie in Polizeiuniform unterwegs gewesen, nicht in Militäruniform". (Anita Zielina, derStandard.at, 2.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 122
1 2 3
bei uns in bagdad
00
28.9.2010, 12:30
leider

fällt dem hrn stadtrat recht, recht wenig brauchbares ein. schade

rabl +
00
Die ÖVP bietet wirklcih ein tolles Programm: Bürgerüberwachung, Durchkommerzialisierung, Militärpolizei, Effizienzmarathon, Mechanisierung, Frühcomputerisierung unserer Kinder und Burnout.

Ich kann mir echt nicht erklären, warum niemand mehr auf dieses Programm abfahrt und diese Partei immer mehr absackt.

christian waldner
00
mir gehts auch so

im winter ist mir zu kalt und im sommer zu heiss. aber nicht nur am praterstern

hotzenplotz1001
00
Eine gewisse Schrebergärtner-Mentalität schlägt bei Stadtrat Norbert Walter schon durch.

Mag er Gartenzwerge? Die Kunststoffindustrie sorgt mit preisgünstigen Varianten für ihre Verbreitung. Vielleicht auch für den Walter'schen Garten?

hotzenplotz1001
00
Das heilige Eigentumsrecht! Aber das Eigentumsrecht muss gewahrt bleiben, sagt Stadtrat Norbert Walter.

Wie steht es aber mit dem Nutzungsrecht von öffentlichem Grund durch Menschen aus ebendieser Öffentlichkeit? Was an Grund der Stadt Wien, dem Bund oder der Republik Österreich gehört, sollte deswegen zu einem Teil auch öffentlich nutzbar sein. Wir alle sind Öffentlichkeit.

Briefmarkenkleber
00
SPÖ auf mutlos. Auch ein Programm...

Spinndoktor
00
Mutig der Herr,

wer die Abrissbirne zwischen den Schultern trägt sollte nicht mit markigen Sprüchen genau dazu aufwarten.

andresa1
06
na wenn dann

qualititativ hochwertige Architektur statt abgewrackter Gründerzeit kommt ist ja dagegen nix einzuwenden, wenn aber im Viertel um den Karmelitermarkt substantielle Altbauten Marke Biedermeier abreisst - und zwar eins nach dem anderen - entgegen Bürgerinitativen und Denkmalamt find ich das nicht im Sinne der Stadt. Da wird einfach nur beinhart gerechnet wieviele Wohnfläche pro qm und wie kann ich qualitativ so minderwertig weil billig bauen wie möglich. Wohnabauten werden ohne Konzept und mit minderwertiger postmodern anmutender Dekoration gebaut und so entsteht ein so grausliches Stadtbild wie es 100 verrottete Gründerzeithäuser nicht vermögen.

David Mungo
01
Guerilla Gardening

"Aber das Eigentumsrecht muss gewahrt bleiben."

Könnte der Herr das bitte präzisieren? Guerilla Gardening ist per Definition das Aussäen von Pflanzen auf fremdem Eigentum. Das ist der Grundgedanke dieses Konzepts.

Lala4
02
der Herr ist ÖVPler...

...damit meint er vermutlich, dass Sie sich einen Garten kaufen können, um dort etwas anzupflanzen.

Die "konservative" Form des guerilla gardenings halt ;)

miriam7
03
Darum habe er sich den Praterstern ausgesucht,

um über Grünräume zu sprechen.
Ich find den Praterstern ja abgrundtief hässlich, aber über mangelnden Grünraum kann sich die Gegend wohl nicht beklagen.

Stuwerviertel im 2.
90% der Häuser sind in Privatbesitz. Und "Hausbesitzer" wählen ja angeblich ÖVP. Also sollte der gute Mann doch einmal mit seinen Wählern über Abrissbirnen sprechen.

"Es muss in einem Gemeindebau ein Mehrheitsvotum, eine Art Befragung geben, damit man das machen kann."
Na ja, die wird dann sicher gerade in Gemeindebauten, in denen es vermehrt Probleme gibt, mit "Ja zur Videoüberwachung" ausgehen.

Wo findet die ÖVP immer diese komischen Menschen?

Briefmarkenkleber
00
Wo findet die ÖVP immer diese komischen Menschen?

In der Spitzenetage der Stadtverwaltung - im konkreten Fall.

werinais
00
mit der Überschift voll einverstanden ...

die Schandflecke gehören weg aus der Stadt aber dallidalli, meist jahrelang unbewohnt, reine Spekulation der mächtigen Immo-Lobby. Da versagt die Politik total und auch die Anrainer sind sehr kurzsichtig, womöglich Teil der Spekulanten. Der Praterstern ist ok, wenigstens mal ein Dach bei Regen und Schnee über dem Kopf. Ärgerlich sind die unzähligen Verkehrstafeln, Schreitischtäter haben sich wieder mal ausgelassen!

tomato tirol
00
unglaublich

wer heutzutage aller stadtrat wird

Buck Rodgers
03
vor ungefähr neun Generationen

sind die Vorfahren väterlicherseits aus dem slowenischen Raum hier hergezogen. Ich hätte daher bitte gerne keine Personen mit kärtner Migrationshintergrund auf meiner Stiege. Kann das bitte gleich einer der ÖVP KampfposterInnen in die Gemeindebaudatenbank einspeisen.

Ich bin übrigens ein wechselwilliger Wähler.

phorus
01

er soll mit seiner abrissbirne den stephansdom abreißen. ist ein klarer sanierungsfall, bei dem ein neubau günstiger kommt!

Hengstenberg´s Orig. Span. Sherry Essig España
01

Ja eine FKK-Sauna für die Innere Stadt bitte! Die ÖVP is ja modern.

werinais
00
erster Bezirk

eine FKK-Zone, dann ists aus mit den eitlen aufpolierten Modepuppen und 50+ Gigolos und echte Menschen gehen wieder flanieren :-))

ma-cher
 
01
Grün funktioniert nur dann, wenn man es bewirtschaftet

Was für ein Glück, dass endlich der Mensch kam, um diesen kargen Felsen funktionieren zu lassen.

Mathias
 
02
Wenn ich etwa Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien habe und andere daneben einquartiere, wo ich bereits vorher weiß, dass es Konflikte geben wird, dann ist das keine gute Wohnpolitik."

Andere würden sagen, dass das ein eindeutiges Rassismusproblem ist!

foits owi liegts unt a scho
00
???

Was soll an dem Stück Radweg nach Hernals hinaus schlecht sein? Ok zwischen Rosensteingasse und Hernalser Hauptstraße könnte man die Straße sanieren, aber die ist ja kein Radweg.

Schwarzkappler
00

Die lustige Verschwenkung z.B. gleich nach dem Gürtel. Generell finde ich, daß diese Strasse ein wenig zu schmal ist.

Schwarzkappler
00

Die Jörgerstr. meinte ich.

black jack
00
WER? VON WELCHER PARTEI?

Gibt's die noch in Wien? Wahnsinn. Einen Tiroler brauchen die jetzt als Wahlhelfer? Wenn das mal gut geht.

Roll Over Beethoven
01

Was ist denn das für ein unnützer Humbug-Verzapfer?
Braucht den irgendjemand? I think not!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 122
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.