Offiziell: Ströbitzer zum neuen Radio-Chefredakteur bestellt

2. September 2010, 11:42
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    foto: standard/newald

    Stefan Ströbitzer ist neuer Radio-Chefredakteur, die Bestellung Karl Amons (li.) dürfte zur Zitterpartie werden.

Streit zwischen VP und SP vor Eskalation - Amons Bestellung dürfte zur Zitterpartie werden - Rennen um Stimmen von Opposition und Unabhängigen

Wien - ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat am Donnerstag wie erwartet Stefan Ströbitzer zum neuen Radio-Chefredakteur bestellt. Der bisherige Infochef von ORF 2 wechselt damit ins Funkhaus, und im ORF drohen nun die Streitigkeiten um Postenbesetzungen zwischen SPÖ und ÖVP zu eskalieren.

Ob Ströbitzers künftiger Chef als Radiodirektor wieder Karl Amon heißen wird, ist vor allem in bürgerlichen Kreisen strittiger denn je. Amon ist TV-Chefredakteur und soll auf Wunsch der SPÖ nächste Woche zum Radiodirektor bestellt werden. Ströbitzer war als TV-Infochef einer von Amons Stellvertretern.

Eine Bestellung Ströbitzers zum Radio-Chefredakteur galt als Casus Belli für die ÖVP. Im Vorfeld hatten bürgerliche Vertreter deutlich gemacht, dass eine Zustimmung zur Ernennung Amons zum Radiodirektor damit äußerst unwahrscheinlich werde. Wrabetz "muss aufpassen, dass kein Bürgerkrieg" ausbricht, sagte ein Stiftungsrat dem STANDARD vor der Info an die Redakteure (mehr dazu hier). Die Stiftungsratssitzung am 9. September dürfte nun für ORF-Chef Wrabetz und Amon zur Zitterpartie werden.

Da es nach dem Rücktritt des bisherigen Radiodirektors Willy Mitsches und der noch vakanten Nachbesetzung zuletzt keinen verantwortlichen "Radiodirektor" im ORF gab, veranlasste Generaldirektor Wrabetz Mittwochabend übrigens noch eine Personalie in eigener Sache: Er ernannte sich selbst zum Radiodirektor, was er per Mail kundtat.

Rennen um Stimmen eröffnet

Nachdem die ÖVP die Ernennung Ströbitzers offenbar als Affront auffasst, ist eine breite Zustimmung für Amon aus dem Kreis der bürgerlichen Stiftungsräte unwahrscheinlich geworden. Fix rechnen können ORF-Chef Alexander Wrabetz und Amon indes mit den 15 SPÖ-nahen Vertretern des 35-köpfigen Gremiums. Um die Stimmen von Opposition und unabhängigen Stiftungsräten hat deshalb bereits das Werben eingesetzt.

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger will bei der entscheidenden Stiftungsratssitzung geklärt wissen, wie hoch die Mehrkosten durch die angestrebte Lösung ausfallen. Der bisherige Hörfunkdirektor Willy Mitsche war ja zurückgetreten und tritt für das Gehalt eines Landesdirektors einen neuen Job in einer neu geschaffenen Stabsstelle in der Generaldirektion an. Außerdem stelle sich die Frage, "warum man unbedingt jetzt auf sechs Direktoren pocht", wenn in der kommenden Geschäftsführung, die in etwa einem Jahr gewählt wird, nur mehr vier Direktoren sitzen werden, wie es das ORF-Gesetz seit heuer vorschreibt. "Erst wenn ich diese Antworten kenne, werde ich entscheiden", sagte Steger.

Die orange Stiftungsrätin Huberta Gheneff hielte Amon "losgelöst" von den in Folge anstehenden Bestellungen - etwa in der TV-Chefredaktion oder in der eben erfolgten Nachbesetzung der Radiochefredaktion - für einen guten Radiodirektor und betonte, dass sie ihn als Mensch und Journalisten sehr schätze. Sie wolle aber vermeiden, dass die freien und noch freiwerdenden Posten "ausschließlich mit SPÖ-Wunschkandidaten" besetzt werden. "Es ist nicht aller Tage Abend", so Gheneff.

Der unabhängige Kirchenvertreter Franz Küberl wünscht sich "selbstverständlich" eine Nachbesetzung der Radiodirektion. Seine Entscheidung pro oder contra Amon sei noch nicht gefallen, sagte Küberl, der auf "eine Reihe von Folgefragen" verwies. Will heißen: Welche Job-Entscheidungen werden rund um die TV-Chefredaktion gefällt. Amon selbst wäre jedenfalls "sehr geeignet", findet Küberl.

Für Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser, der im Stiftungsrat keinem "Freundeskreis" zugezählt wird, ist nur eines fix: Die Radiodirektion müsse nachbesetzt werden. Auch er will sich nicht für oder gegen Amon festlegen, wiewohl dieser derzeit als einziger Kandidat gilt. Atmosphärisch schwer machen soll den Betriebsräten ihre Zustimmung der Umstand, dass eine Mitarbeiterin Amons auf dessen Wunsch trotz der inzwischen ORF-weiten Pensionsregeln weiter über das vorgesehene Pensionsalter beschäftigt werden durfte, heißt es im ORF.

Knappe Zustimmung für Amon

Alles in allem rechnen ORF-Beobachter aber damit, dass es auch bei einem Widerstand der ÖVP zu einer knappen Zustimmung für Amon kommen werde. Der eine oder andere Oppositions- oder unabhängige Stiftungsrat könnte sich zumindest der Stimme enthalten, so die Vermutung. Bei fünf Enthaltungen würden die 15 SPÖ-Stiftungsräte bereits für eine Wahl Amons reichen.

Nach der Entscheidung um den Radiodirektor wartet dann auf ORF-General Wrabetz in der Fernseh-Information die nächste Posten-Baustelle. In der Führungsriege der TV-Information dürfte in Folge der jüngsten Personalbesetzungen nur kurz vor zwei nahenden Landtagswahlen in der Steiermark und in Wien ein gewaltiges Loch entstehen. Wird Amon nächste Woche zum Radiodirektor gewählt, ist der Posten des TV-Chefredakteurs vakant. ORF 1-Infochefin Waltraud Langer wurde jüngst - übrigens ebenfalls zum Ärger der ÖVP - zur Chefredakteurin der TV-Magazin gekürt, und mit dem neuen Radio-Chefredakteur Ströbitzer kommt der Fernseh-Information auch noch der ORF 2-Infochef und Sendungschef der Hauptnachrichtensendung "Zeit im Bild" abhanden. (APA/red) 

sixela
02
Nichts neues, nur eine Verstärkung

Der ORF färbt von hellrot auf dunkelrot um.

Aber wer ORF schaut ist eh selbst schuld.

politisch verfolgt
02
Streitigkeiten um Postenbesetzungen zwischen SPÖ und ÖVP

sperrt diesen selbstbedienungsladen endlich zu.

mao zeitung
01
nur böse Menschen sprechen da von "Rotfunk"

?und
03
genau, richtigerweise schei..funk - korrupter

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