Kolumne

Die Schule als Ganzes ist in Sachen digitale Medien ahnungslos

02. September 2010 10:31
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    Foto: apa

    Das OLPC-Projekt stattet Kinder mit günstigen Rechnern aus.

In den Schultaschen der Erstklassler fehlen Computer

Menschen, denen der Wandel viel zu rasch geht und denen Wikis, Facebook, Twitter und andere Erscheinungen des digitalen Lebens ein Gräuel sind, können Trost in einer Konstante schöpfen: der Schule, an der diese Entwicklung weitgehend vorbeigeht.

Frust

Für alle anderen ist es frustrierend, Jahr um Jahr zu konstatieren, dass vernetzte Klassenzimmer nur rund ein Prozent aller Schulklassen darstellen (600 von 54.656 im Schuljahr 2008/09). Ich weiß, es gibt an jeder Schule PCs und Internetanschluss. Und Verbeugung vor denjenigen Lehrerinnen und Lehrern, die sich in Eigenregie viel dazu einfallen lassen.

Aber die Schule als Ganzes ist in Sachen digitale Medien ahnungslos, anders kann man das nicht mehr beschreiben. Es ist, als ob irgendjemand nach der Einführung von Schultafeln, Papier, Bleistift und Schulbüchern auf die Pausentaste der medialen Entwicklung gedrückt hätte.

Geräte

Vernetzte Computer (inzwischen auch: Netbooks, iPads, Smartphones) sind seit Jahren, teils Jahrzehnten, zum persönlichen Arbeitswerkzeug in fast allen Lebenslagen geworden, aber in den Schultaschen der Erstklassler fehlen sie (außer in privater Form). Jetzt gesellen sich weitere Geräte dazu, für Schulen wie gemacht: E-Reader und iPad, bald eine Schar ähnlicher Tablets.

Für Schulen und Eltern ist das sicherlich auch eine finanzielle Frage, obwohl es bei Gerätepreisen von einigen hundert Euro (für eine Lebensdauer von etwa drei Jahren) inzwischen lächerlich ist zu sagen, dies sei nicht lösbar.

Anstelle einer 13. Kinderbeihilfe wäre auch eine bessere Ausstattung der Schulen mit solchen Geräten möglich gewesen. Und da in vielen Kinderzimmern die digitale Lebenswelt ohnehin Realität ist, wäre auch eine private oder gemischte Finanzierung denkbar (z. B. nach dem früheren Prinzip von Zuschüssen zu Skiwochen, oder Schülerladen für Bücher). Man müsste dazu nur das Alles-oder-nichts-Dogma begraben, wonach entweder alle alles vom Staat bezahlt bekommen, oder keiner irgendwas kriegt.

Sprechtag

Damit waren wir erst bei der Ausstattung und nicht bei dem viel wichtigeren Aspekt, welche neue Möglichkeiten digitale Medien eröffnen. Zum Beispiel die Schulgemeinschaft durch soziale Netzwerke stärken (wie Facebook, aber nur auf die jeweilige Schule bezogen, oder einen Verbund von Schulen). Durch direkten E-Mail-Kontakt zwischen Lehrkräften und Eltern statt des überkommenen Sprechtag-Rituals. Schulstoff in Form von Wikis selbst und in Gemeinschaft zu erarbeiten. Inhalte mittels Videos oder interaktiven Apps erarbeiten können.

Für all das und noch viel mehr gibt es Beispiele, aber es bleibt Stückwerk. Da und dort mag es sogar - schluck! - zu Rationalisierungseffekten kommen. Das ist nicht der Hauptgrund für den konsequenten Einsatz digitaler Medien. Aber wenn es Schulen einen dringend nötigen Spielraum gibt: warum nicht. (helmut.spudich@derStandard.a, DER STANDARD Printausgabe, 2. Septmber 2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 45
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Mike Webman
22.09.2010 19:49
Museale Pauker(innen)...

...nehmen den Kindern sogar noch im Gymnasium ihre Smartphones ab, statt sie für den Unterricht zu nutzen.
Wenn ein Volksschulkind stolz sein Netbook mitnimmt steht die Frau Lehrerin völlig daneben. Es reicht nur zur Bedienung des Schulkopierers, womit sie die uralten Arbeitsblätter ihrer Vorgängerin kopiert!

Sonstwer
13.09.2010 00:32
bevor die Schüler ab der ersten Computer bekommen

sollten zuerst mal alle Lehrer eine Schulung in Computern oder den Umgang mit neuen Medien bekommen.

Es gibt Länder in denen Schüler an digitalen Tafeln zeichnen und Lehrer durch Lernprogramme einen echt coolen und innovativen Unterricht für Schüler gestalten können, aber so weit ist Österreichs Schulpolitik noch lange nicht.

Wenn man nur den Schülern Laptops gibt führt das zu 2 Dingen,

1.) Die Schüler werden während des Unterrichts spielen,
2.)Die Lehrer werden frustriert, da die Schüler nach kürzester Zeit die Computer besser beherrschen als die Lehrer

Vivianne
12.09.2010 12:59

"In den Schultaschen der Erstklassler fehlen Computer"
Das kann doch unmöglich ernst gemeint sein??

Diese lieben Erstklassler sollen zuerst einmal lesen, schreiben und rechnen lernen! Und das möglichst ohne Computer! Dass man PCs sinnvoll im Unterricht einsetzen kann, wie zum Herzeigen von Bildern/Videos oder etwa für Lernspiele etc., will ich nicht leugnen - aber geschrieben soll weiterhin mit Stift und Papier werden. Sonst ist es bei uns bald auch so weit wie in den USA, dass die Kinder die Handschrift verlernen und dass Schulen dafür Auffrischungskurse für 10-14jährige anbieten müssen.

Das mit den Notebook-Klassen ist auch so eine Sache. Aus Erfahrung weiß ich, dass nicht einmal die meisten 16jährigen damit vernünftig umgehen können.

Edward NORTON
08.09.2010 12:08
Ein Experte betreffend neuer Medien, ist für mich eine Person welche die Schattenseiten im Zusammenhang nicht nur erkennt sondern auch erwähnt!

Da Sie die Fastfood-Kommunikationsformen des WWW nicht als Zeitgeist-Übel erkennen wollen, lassen Sie Eltern doch zumindest den gediegenen Flirt mit dem Klassenvorstand am Elternsprechtag. Das hat schon Schülerkarrieren gerettet. Aber so ein "liGrü" in elektronischer Post, bzw. ein nach etwas virtueller Vertrautheit gehauchtes "IhDl", kann sicher auch einiges.
Ich frag mich nur, wohin mit dem anzuschaffenden Werkzeugen, wenn Lehrkörper und Eltern mit dem souveränen Umgang dieser "must haves" gleichermaßen überfordert scheinen, anstatt hier für notwendige, gesunde Dosierung sorgen zu können. Hier sind Parental-Generationen absolut kein Vorbild.

Solange diese Probleme nicht gelöst sind, existiert kein Mangel an elektronischen Lehrmitteln.

freddy001
04.09.2010 17:23
"bei Gerätepreisen von einigen hundert Euro... inzwischen lächerlich..."

Wissen sie, was es finanziell bedeutet, Kinder zu haben???
2/3 der Familien müssen jeden Cent umdrehen.
Heute ist Armut in Österreich vor allem eine Armut von Familien mit Kindern, Armutsforscher sehen in Kindern inzwischen das Armutsrisiko Nummer eins.

Mohl
 
05.09.2010 11:05
Bitte richtig lesen und vollständig zitieren

Die Aussage war (es ist) "lächerlich ist zu sagen, dies sei nicht lösbar."

Damit sind ganz sicher Beihilfen, Elternvereinsunterstützungen und ähnliches gedacht. Niemand mit einem durchschnittlichen (österreichischen) Einkommen wird allen ernstes behaupten, dass "Gerätepreise von einigen hundert Euro" lächerlich sind. Das war wohl eher auf die Finanzierung der Anschaffung bezogen...

Wennso Weitergeht...
04.09.2010 11:29
BOGUS

Ich weiß wie es bereits jetzt in den EDV-Räumen der Schulen zugeht, trotz gefinkelter Content-Based-Filter wird in den EDV-Stunden fleißig Flash-Game-gespielt und gechattet. Der einzige Generationenfortschritt ist, dass die Kinder mit Alt+Tab bei Herannahen des Lehrers viel flotter sind als die "alte" Generation.

Aus diversen HTLs, wo Laptops weiter verbreitet sind als in den AHS bekommt man schwärmende Berichte von Massen-Counterstrike-Parties während der Unterrichtsstunden etc.

Tipp: In der Schule geht es nicht um das "Vernetzen der Schüler" sondern um das Vernetzen der Gehirnzellen. Facebook blüht auch ohne Förderung vonseiten der Schule, Mathematik nicht.

Wirtschaftshierbleiber
05.09.2010 10:00

Die Lehrer denen das passiert sind wahrscheinlich froh, dass der Frontalunterricht nicht gestört wird.

Es reicht doch wenn man als Lehrer ein bisschen in der Klasse herumgeht um das abzustellen.

K.ing Leissner
04.09.2010 21:53
eh klar,

die Technik ist wieder mal schuld, gell ;)

Monopoly mit Hut
03.09.2010 11:05
Infrastruktur, und dann?

Der Ruf nach modernen Schulgeräten ist nicht neu. Manchmal findet sich auch ein Sponsor, der die Kosten dafür übernimmt (und die Schule mit Werbeplakaten vollpflastert).

Aber irgendjemand muss diese Geräte danach auch betreuen. Netzwerkkabel oder WLAN muss eingerichtet UND GEPFLEGT werden. Zugriffsrechte müssen verwaltet, diverse Server (Mail, Web, Dateien, Drucker, Wiki) eingerichtet und betrieben werden. Software-Updates, Virenschutz, Backups, Archiv, die Liste geht noch weiter.

Wer soll das machen? Die Lehrer? Ich wusste nicht, dass zur Lehrerausbildung auch Netzwerktechnik und Informatik gehört.

Nur Geräte anzuschaffen ist zu wenig.

x x3
05.09.2010 14:55
Wer putzt in einer Schule die Fenster,

wartet die Heizung, kümmert sich um die defekte Kaffeemaschine im Konferenzraum, streicht von Zeit zu Zeit die Wände ...?
Die Lehrer?
Wo ist hier der Unterschied zwischen Schule und einem x-beliebigen anderen Betrieb?

macindd
03.09.2010 08:23
Wer sagt uns das? Ein Journalist!?

Spudich nimmt im Artikel doch ziemlich deutlich Stellung, doch ohne selbst einen irgendwie gearteten Hintergrund im Schulwesen zu haben. Da wäre es doch schlauer gewesen, sich wenigstens stellenweise auf Kompetentere zu beziehen.

Kritikpunkte:
- Was will er? PCs, Netbooks, iPads, Smartphones - Vier Geräte je Schüler sind nicht finanzierbar.
- Finanzierung: Sicher würde HP gern billige Schülernotebooks verkaufen. Aber: Schule als Werbefläche? Und es gibt nunmal auch Geringverdiener, die sich privat kein Netbook leisten können, deren Kinder sind ohnehin im Nachteil, noch mehr, wenn sie dem Unterricht mangels eigenem Computer nicht folgen können.
- Ein Facebook-Zwang für Schüler wäre das falsche Datenschutz-Signal.

Kaeau
 
04.09.2010 00:26

da haben sie den artikel falsch verstanden. die aussage ist schon sehr richtig, und es geht hier doch nicht um stückzahldefinitionen. die fakten, dasz es kaum vernetzte klassen gibt, jedoch in der welt da draussen vernetzung und computertechnologien immer wichtger werden. zu einem guten start ins leben, also die ausbildung, wäre die integration von computern in den schulstoff sehr vorbereitend und fördernd.
werbung gabs bei mir schon im gynasium (13 jahre her in form von plakatwänden), und von facebook zwang spricht niemand. eine schulinterne community page würde sicherlich viele positive, von mitgestaltung, informationsaustausch, konfliktlösung, etc., und nur sehr wenig negative aspekte in die lehrstätten bringen.
grusz
ka
www.ninc.at

Owizara
03.09.2010 05:21
Oiso I find des supa :(

und für jeden ein FACEBOOK zum 6. Geburtstag

Franz Josef Lolinger
02.09.2010 23:09
Ausserdem...

finde ich, dass eher eine Playstation in die Schultasche gehört.

Franz Josef Lolinger
02.09.2010 23:09
Frage:

Wollt ihr denn Reihenweise Amokläufer und Kellerkinder erziehen?

EsseX
03.09.2010 09:11

damit willst du sagen, dass amokläufe durch computer, internet, facebook usw. entstehen??

Edward NORTON
08.09.2010 11:22
"damit willst du sagen, dass amokläufe durch computer, internet, facebook usw. entstehen??"

Er will sagen, dass er bei der Groß- und Kleinschreibung gefehlt und jetzt einen Sarkasmus Fernlehrgang besucht hat.:-)

The SMAX
 
06.09.2010 16:49
Killer

Herr Lolinger! Die immer wieder aufflammende Debatte über Killerspiele nimmt kein Ende! Nachdem ich in letzter Zeit Fallout 3, Mass Effect 2, Doom 3 und Max Payne 2 gespielt habe, hat sich meine Bereitschaft zu Amokläufen um 100% gesteigert. 0 x 2 = 0. Das bedeutet, dass bei einer anständigen Erziehung das Spielen von Killerspielen (furchtbares Wort eigentlich) den Charakter nicht derart zerstören kann. Aber das der Fernseher, PC und div. Konsolen ja den Eltern immer mehr die Erziehung abnehmen sieht wieder mal keiner. Im meiner Kindheit gab es auch Feindbilder im Fernsehen. Gargamel, den schrecklichen Sven usw. aber es gab keine gewaltitätigen Serien im Kinderprogramm so wie das heute ist. Denken sie mal darüber nach. lg smax

*.*
02.09.2010 20:36

erst mal lesen und schreiben lernen würd ich empfehlen.
1. klasse ist mm nach zu früh.

man fängt auch nicht mit dem autofahren an, erst kommt mal sitzen, dann krabbeln, dann gehen.

eclectic
02.09.2010 20:19
lasst doch kinder noch kinder sein

Die Kinder sollen doch froh sein, wenn sie spät mit dem Digitalen in Berührung, besser wäre, sie würden mehr Zeit zum Spielen haben und damit meine ich gemeinsam was malen, singen, tanzen, was basteln oder viel im Freien sein! das computertechnische lernen sie sowieso von selbst zu Hause und bekommen es von den Eltern mit! Ich sitz arbeitsbedingt 12 Stunden täglich vorm Schirm und von dem sollen meine Kinder so lange es geht verschont bleiben und vorallem in der Schule!!!

Wirtschaftshierbleiber
02.09.2010 18:47
Österreich im Jahr 2020

Die letzte Schule hat das Freifach Handschreiben abgeschafft.

Mohl
 
05.09.2010 11:15
Vermutlich

weils nicht mehr gebraucht wurde. Handschrift lernt man in der Schule so und so, dafür brauchts kein extra Freifach. Da wäre ein Freifach "Internetkompetenz", in denen die Grundlagen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem Internet erklärt wird, vor allem bezogen auf Themen wie "Datensicherheit", "Pornografie" und so weiter sinnvoller, weil das etwas wäre, dass man täglich anwenden kann. Wer setzt sich (schon heute!) noch Abends zuhause hin und übt sich in "Handschrift"?

The SMAX
 
06.09.2010 16:51
ähhh

Zynismusverweigerer?

Roland Schweiger
02.09.2010 18:20
das ist ein altes Problem und recht anachronistisch

Denn einerseits ist es fortschrittlich gewesen dass in Wien bereits 1982 wenigstens 1 Pflichtjahr "Informatik" eingeführt wurde (ich glaube es war Zilk der das zuwege gebracht hat) und andererseits aber ist bis heute jede Ausrede recht um Kinder vom Computer fernzuhalten, und wenn gar nix anderes mehr einfällt dann ist's eben die Kinderpornogrfie oder die "Sex Seiten". Vieles hat wohl auch mit mangelndem Wissen vol Lehrerseite aus zu tun. Das ist zweifelsohne schade und fördert das verstaubte Image der Schule(n) aber das war immer schon so, wir haben in den späten 70ern auch noch mit Füllfeder schreiben müssen, was auch absoluter Blödsinn war,weils jeder Filzschreiber besser getan hätte...

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