Investor Berggruen: Alle Vermieter haben zugestimmt, "Unterschriften aber noch nicht komplett" - Kreise: Mezzanin-Kapitalgeber billigen Konzept - Amtsgerichts-Entscheid für Freitag erwartet
Düsseldorf/Berlin/London - Das monatelange Drama um
die Rettung der deutschen Warenhauskette Karstadt steuert auf ein
gutes Ende für die rund 25.000 Beschäftigten zu. Der Investor Nicolas
Berggruen verkündete am Donnerstagabend in einer Karstadt-Filiale am
Berliner Kurfürstendamm eine grundsätzliche Einigung mit dem
Vermieter-Konsortium Highstreet, dem der Großteil der 120
Karstadt-Warenhäuser gehören. "Alle, die ja sagen mussten, haben ja
gesagt", sagte der Milliardär. "Aber die Unterschriften müssen
zusammenkommen. Erst dann sind wir fertig." Auch Insolvenzverwalter
Klaus Hubert Görg zeigte sich zurückhaltend optimistisch: "Es ist zum
größten Teil wohl erledigt, aber noch nicht vollständig", sagte er in
Berlin. Denn alle Highstreet-Geldgeber müssen die Einigung
schriftlich absegnen.
Highstreet erklärte in einer Pressemitteilung, die
Highstreet-Investoren hätten "unter der Voraussetzung der letzten
noch ausstehenden Zustimmung (der) Mezzanin-Gläubiger die Transaktion
genehmigt". "Inhaltlich ist alles klar, es geht nur noch um das
Einsammeln der Unterschriften", hieß es in Finanzkreisen. Der
Milliardär Berggruen brauchte grünes Licht von den Vermietern, damit
sein Kaufvertrag für Karstadt wirksam wird.
Das Vermieter-Konsortium Highstreet, dem allein 86 Häuser
gehören,
und seine Geldgeber spannten Berggruen bis zum letzten Tag auf die
Folter. Die Investoren hatten in London beraten. Erst kurz vor
Toresschluss hatte sich Highstreet Verhandlungskreisen zufolge dabei
mit einer letzten Gruppe von Geldgebern über eine Umschuldung
verständigt, um die tagelang erbittert gerungen worden war. Der
Terminplan ist freilich eng gesteckt. Das Amtsgericht Essen will
schon am Freitagmorgen entscheiden, ob der Karstadt-Insolvenzplan in
Kraft treten und Deutschlands größte Warenhauskette Ende September
nach 16 Monaten aus der Insolvenz entlassen werden kann.
Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die sich abzeichnende Einigung.
"Wir nehmen zur Kenntnis, dass alle Signale, die wir bekommen,
positiv sind", sagte eine Sprecherin. Dies sei auch eine gute
Botschaft für die Beschäftigten.
Zuschlag im Juni
Berggruen hatte im Juni von Insolvenzverwalter Görg den
Zuschlag
für Karstadt bekommen, feilschte aber seither mit Highstreet um
Zugeständnisse bei den Mieten. Die 25.000 Mitarbeiter will Berggruen
- anders als seine Mitbewerber - schonen. Eine Einigung musste
dreimal verschoben werden.
Die Hauptgesellschafter von Highstreet - Fonds von Goldman
Sachs
(Whitehall) und der Deutschen Bank (RREEF) - müssen wegen der
geforderten Mietsenkungen wie ihre eigenen Geldgeber bei den Renditen
kommender Jahre Abstriche machen. Vor allem die US-Investmentbank
Goldman hatte lange Zeit auf eine gemeinsame Lösung mit den zum
Verkauf stehenden Kaufhof-Warenhäusern von Metro gesetzt. Zuletzt
sagte Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen Berggruen allerdings die
Unterstützung seines Instituts zu, das unter politischen Druck
geraten war.
Eine wichtige Gruppe von Gläubigern des Vermieter-Konsortiums
Highstreet hatte den neuen Mietverträgen mit Berggruen nach nur einer
Stunde zugestimmt und damit ein wichtiges Signal für eine Einigung
mit den anderen Geldgebern gegeben. Ein Highstreet-Sprecher sagte,
die Abstimmung unter den Gläubigern der zuletzt 780 Millionen Euro
schweren Anleihe sei einstimmig ausgefallen. Unter anderem mit ihrem
Geld und einem 850 Millionen Euro schweren Kredit der Valovis Bank
hatte das Konsortium die milliardenschwere Übernahme der
Warenhaus-Immobilien des Handelskonzerns Arcandor
finanziert.
Als schwieriger erwies sich die Einigung mit den sogenannten
Mezzanin-Kreditgebern, zumeist Banken und Hedge-Fonds. Sie hätten mit
ihrer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital bei einer erneuten
Insolvenz am meisten zu verlieren. Hier spielte unter anderem Goldman
Sachs praktisch als eigener Geldgeber mit. Vor allem die Royal Bank
of Scotland sperrte sich Teilnehmern zufolge gegen Sonderrechte für
Goldman.
Ohne eine Einigung hätte Karstadt das endgültige Aus gedroht.
Insolvenzverwalter Görg hatte bereits vorsorglich eine Sitzung des
Gläubigerausschusses einberufen, um kurzfristig das Ende des
Traditionskonzerns zu besiegeln. "Wir haben die Pläne für die
Liquidation in der Schublade, aber wir wollen die Schublade gern zu
lassen", sagte sein Sprecher. Die Sport-Kaufhäuser und die
Luxus-Einkaufstempel in Berlin (KaDeWe), Hamburg (Alsterhaus) und
München (Oberpolliger) hätten dann bis zum Jahresende verkauft sein
sollen, der Rest bis Februar geschlossen. Eine Offerte des -
ebenfalls an Highstreet beteiligten - italienischen
Warenhausunternehmers Maurizio Borletti hatte Görg als unseriös und
verspätet zurückgewiesen. (APA/Reuters)