Echte Wiener

"Meine Familie ist eine echte Wiener Melange"

Karin Bauer, 01. September 2010 19:34
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    Foto: standard/christian fischer

    Fabrice d'Hondt verdient nicht nur sein Geld auf dem Tennisplatz, dort hat er auch seine Frau kennengelernt. "Sprich Französisch, dein Deutsch ist so schlecht", hat sie beim ersten Date zu ihm gesagt

Eine internationale Stadt, in der man leben kann wie in einem Dorf: So sieht der in Gabun geborene Fabrice d'Hondt Wien

Wien war der letzte Ort, wo ich hingehen wollte. Ich hatte eine Karikatur des Landes im Kopf - entstanden aus kitschigen Heimatfilmen, aus Sisi-Klischees. Jamaika, das Meer, das wär es eher für mich gewesen. Aber dieser Sportagent, den ich in St. Anton beim Skifahren getroffen habe, wollte mich unbedingt nach Wien holen.

Tennis trainieren geht überall auf der Welt

Geboren in Libreville in Gabun, bin ich in Südamerika und in Französisch-Guyana aufgewachsen. Mein Vater ist Franzose, war im diplomatischen Dienst, meine Mama ist aus Gabun. Ich habe zuletzt, vor meinem Leben in Wien, in London als Werbetexter und Fotograf gearbeitet, auch als Tennistrainer, als PTR-Professional. Ich habe mir gedacht: Tennis trainieren geht überall auf der Welt, das kann ich durch die Kulturen mitnehmen. Das hat bis jetzt auch gestimmt.

Wasser im Überfluss

Dann war ich da, in Wien - 1998. Ich konnte kein Wort Deutsch. Aber: Wien war ganz anders, als ich dachte. Das war wunderbar. Ich habe viele Städte gesehen, auch schmutzige Städte, Städte voller Armut und Not. Ich habe sehr schnell eine Art physische Liebe zu Wien entwickelt. Das liegt an dem vielen Wasser hier - man kann es aus der Leitung trinken, drin schwimmen -, es gibt nur ganz wenige Orte abseits von Meeren, die so viel Wasser bieten. Im Sommer an der Alten Donau zu schwimmen ist herrlich. In London haben wir sogar Wasser aus dem Supermarkt gekauft, um Tee zu machen. Wien ist eine internationale Stadt, in der man leben kann wie in einem Dorf - auch in puncto Sicherheit, das ist unglaublich toll.

Englisch, Französisch, Spanisch, aber nicht Deutsch

Fremdfühlen? Dieses Gefühl ist mir nicht vertraut, aber in Wien war es so: Alle haben mir beim Start geholfen zu überleben - vom Sportagenten Günther Sukup bis zum Bankmitarbeiter, der mir bei den Verhandlungen mit den Stadtwerken für den Strom zur Seite gestanden ist. Ich konnte damals Englisch, Französisch, Spanisch, aber eben noch nicht Deutsch und konnte für das Stromanschalten kein Gegenüber finden, das mich verstanden hätte.

Mit Humor geht es

Richtig gelernt habe ich diese Sprache dann nach den Tennistrainings, bei einem Glaserl. Klar, einige Kellner haben schon so getan, als würden sie mich nicht verstehen - mit Humor geht es aber. Ich habe schon früher gelernt, dass man sich den Habitus in einem Land anschauen muss und dann erst selber die ersten Schritte machen kann. Und ich muss sagen: Egal, was man gelegentlich liest über Wienerisches, gewisse Manieren findet man durchgängig. Das ist wirklich eine Hilfe.

Internationales Publikum

Wegen meiner Hautfarbe wurde ich natürlich angeschaut. Aber so merkt man sich mich besser, das ist mein Markenzeichen. Im Sportclub Hakoah und im Vienna Cricket Club, wo ich Tennistrainings anbiete, ist das Publikum aber überhaupt internationaler, ich habe viele Russen, viel UN-Staff. Und viele Kindergruppen, auch die ganzen Ferien hindurch. So lebe ich hier in Wien in einer großen Vielfalt, auch weil ich ja Kapitän des Behinderten-Nationalteams der Tennis-Damen bin, wo ich Rollstuhlfahrer trainiere.

Dankbar bin ich vielen hier - der Stadt vor allem auch, weil sie mir meine Frau gegeben hat. Wir haben einander auf dem Tennisplatz getroffen. Bei unserem ersten Date hat sie gesagt: Sprich Französisch, dein Deutsch ist so schlecht. Mittlerweile haben wir einen dreijährigen Sohn - meine Familie ist eine echte Wiener Melange.(Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe 2.9.2010)

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Wüstenläufer
02.09.2010 17:58
bleibt die Frage,

ob er das überhaupt durfte - laut "Mitzi Von Schotter" müsste er ja "Deitsch" lernen, bevor er überhaupt die Grenze nach dem Alpenländle überschreiten dürfte!
Und jetzt hat der arge Kerl sogar Kinder gezeugt mit einer Österreicherin - wie hat er das Handbuch dazu wohl gelesen - französisch kanns ja nicht gewesen sein, sonst gäbs ja keine Kinderlein...

KindDesKellers
02.09.2010 08:52
jetzt

bringts amal so einen der mit dem Baseballschläger um die Häuser zieht und Österreicher verprügelt.

und dann schimpft er auf Österreich, weil die san so schirch.

und dann verkauft er Drogen, aber nur an Österreicher usw.. :)

! Bringt ihn endlich.

Jürgen Rembremerding
 
02.09.2010 14:44
"so schirch"

Die Schreibweise wäre wohl "schiach".

Dialektausdruck für mhd. "schiech".

Cyco
02.09.2010 14:01

Ich habe in Wien bis jetzt kein einziges Mal jeamanden erlebt, der mit einem Baseballschläger jemanden verprügelt..
Aber vielleicht ist es in Ihrem Keller anders..

KindDesKellers
02.09.2010 08:58
hier ist einer

aus seeeehr armen Verhältnissen!

http://derstandard.at/128227378... ee-genannt

Nebenbei: Die ganz die ganz armen von irgendwo schaffens eh nicht her!
Die können sich die Reise nicht leisten und hängen dann irgendwo fest.

roter mob
02.09.2010 08:33
nette protraits von immigranten

im standard.

ich finde das wirklich eine gute idee.

allerdings finde ich es problematisch, dass man nur menschen interviewt, die aus gutem hause kommen (papa diplomat), die eh gerne deutsch lernen, weil es sie interessiert, die sich eh gerne auf eine stadt einlassen, etc.

ich fürchte, dass die leider nicht repräsentativ für viele andere sind, mit denen der strache und boulevardmedien dem österreicher täglich aufs neue angst machen.

dass auf diesen sympathischen mann die grauslichen sujets von FPÖ noch weniger zutreffen als auf andere liegt ja wohl auf der hand!

Poldi Fesch
02.09.2010 10:36
aus gutem hause kommen

so gut, dasz er nicht einmal einen Beruf erlernen musste. :))
Im Ernst, dasz der Typ keine Probleme hat, dort wo er ist, ist wenig ueberraschend. Franz. sprechender Tennislehrer aus Uebersee, mehr kann man nicht verlangen

chuck.u.farley
02.09.2010 13:11

nirgends steht das er keinen beruf erlernen musste! er hat als fotograf und werbetexter gearbeitet, steht im artikel.

Poldi Fesch
02.09.2010 14:56
sag ich ja,

Sohn vermoegender Eltern

Blanca Hohn
02.09.2010 14:15
und?

sind das berufe? :-p

Poldi Fesch
02.09.2010 14:57
ueberraschend

wo man Uebereinstimmungen findet :))

Blanca Hohn
03.09.2010 14:04

stimmt. ;-)

miriso phaad
02.09.2010 06:58

"Wegen meiner Hautfarbe wurde ich natürlich angeschaut."

"In Wien kann man leben wie in einem Dorf."

Wohl die zutreffendste Beschreibung über Wien die ich jemals gehört habe... ;-)

Perseus0
 
02.09.2010 07:52

Wer so etwas behauptet, ist sicher nicht in einem Dorf aufgewachsen. Ich persönlich meine ja, dass das Dorfleben mehr zu bieten hat als die Stadt. Insofern finde ich die Aussage nicht wirklich geistreich - gebe aber zu, dass das sicherlich Ansichtssache ist.

Poldi Fesch
02.09.2010 10:23
versuchs in der

Josefstadt, da sind beide Nachteile beisammen, jeder kennt jeden u. man findet trotzdem keinen Parkpl.

Thomas Kirchner1
02.09.2010 09:54
dorf -stadt

nennen sie mir bitte mal ein paar sachen die man im dorf mehr machen kann als in der stadt

Cyco
02.09.2010 14:16

Rasenmähen und Dach reparieren.
Das war´s dann schon...;)

niewieder nett
 
02.09.2010 09:54

ja gaaanz sicher ansichtssache. ich bin in einem dorf aufgewachsen (knapp 400 einwohner, alles klar?). mit 18 nach wien. ich geh vermutlich nicht wieder zurück.
ich lebe in einem grätzl wo man sich genauso grüßt wie am land und mit den verkäufern plaudert (naja logo ausländerbezirk, da sind die leut offener). hab meinen freundeskreis, chor, kartenspielrunde...nur dieses deppate reden. dieses kleingeistige ist weggefallen. kultur und sport sind leichter zu organisieren. was mir sehr fehlt ist das "draußen sein". aber in 20min hab ich wald, wiesen, wasser...wien bietet super naherholung.

also echt sehr ansichtssache :)

super cat
02.09.2010 01:21

Die Liebe zum Wasser - ob zum Trinken oder zum Schwimmen - hat er herrlich gut erklärt, empfinde ich genauso! Schöne Worte.

J R
01.09.2010 23:25

und wieder ein Standardwerbebeitrag zum Thema "was ihr tagtäglich seht und erlebt stimmt nicht, denn so wie dieser echte Wiener sind sie, die durchschnittlichen Migranten".

peppi duck
07.09.2010 10:29

Man sieht schon auch das, was man sehen will, gell?

Ihr Beitrag erinnert mich an jene, die Prügelpolizei und Polizeistaat schimpfen, wenn einmal ein Kieberer handgreiflich wird.
Oder die ALLE Autofahrer schimpfen, wenn einer den Schutzweg nicht beachtet.

Kann es nicht vielleicht sein, dass Sie die Ausreisser verstärkt wahrnehmen, hmm?

wero2
01.09.2010 23:25
lebe, mr Fabrice und guten erfolg

aber: trau - schau - wem - im pferde ss land österreich.

Dr.Nötigenfalls
01.09.2010 21:35
Wir haben uns ja alle soooooooooo lieb!

Sind wir nicht alle echte Wiener?
Ist es eigentlich notwendig wirklich körperlich in der Stadt anwesend gewesen so sein um ein echter Wiener zu werden, oder reicht eventuell auch ein Überflug oder ähnliches?

niewieder nett
 
02.09.2010 09:55

ok ich bin österreicherin und lebe seit 10 jahren in wien. bezeichne mich als wienerin. bin ichs nicht ihrer meinung nach. ah ja in wien geboren bin ich. meine eltern sind beides niederösterreicher. also wie isses jetzt.

Nullzeiger
02.09.2010 14:41
es is so

dass mir das alles wurscht is.

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