Minenunfall in Chile

"Sich nicht als durchgedreht erleben"

Gudrun Springer, 01. September 2010 19:10
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    Eva Münker-Kramer, klinische Psychologin und Psychotherapeutin, leitet bis 3. 9. ein Treffen von Psychologen aus neun Ländern zum Austausch ihrer Erfahrungen zur Notfallpsychologie.

Notfallpsychologin Eva Münker-Kramer: "Man kann verhindern, dass sich die Verschütteten als Verrückte wahrnehmen"

Notfallpsychologin Eva Münker-Kramer sagt, die Verschütteten in Chile sollen darüber aufgeklärt werden, wie die Psyche auf ihre Situation reagieren kann. Gudrun Springer fragte nach.

Standard: Was versteht man unter Notfallpsychologie?

Münker-Kramer: Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen. Bei Notfallpsychologie im Speziellen geht es darum: Wie erleben und verhalten sich Menschen in Akutsituationen nach Katastrophen?

Standard: Was sollte bei den in der Mine Verschütteten in Chile notfallpsychologisch getan werden?

Münker-Kramer: Man muss sich überlegen, wie die Situation sich auf die Menschen auswirkt. Dass die Leute Ängste bekommen können, gruppendynamische Phänomene auftreten können, klaustrophobische Symptome, dass sie auszucken können, wie Soldaten im Schützengraben, dass sie aggressiv werden können oder sich stark zurückziehen. Ich habe gehört, dass die Verschütteten in Chile von außen Erklärungen bekommen, was mit ihnen alles passieren kann. Man nennt das Psychoedukation. Das ist ganz wichtig, damit Betroffene nicht anfangen, sich als verrückt oder durchgedreht zu erleben. Die Botschaft ist: Das ist eine normale Reaktion eines normalen Menschen aufgrund einer Ausnahmesituation.

Standard: Wären Sie in Chile verantwortlich für die psychologische Betreuung der Betroffenen, was würden Sie noch tun?

Münker-Kramer: Ich würde Kollegen bereitstellen, die für Fragen zur Verfügung stehen, und ich würde versuchen, regelmäßig Informationen zu holen, wie die Reaktionen der Menschen unten sind. Dann würde ich schauen, welche der Angehörigen so weit betroffen sind, dass sie Hilfe brauchen. Und ich würde versuchen, schon jetzt die Fühler auszustrecken, wer später zur Verfügung stünde für traumaspezifische Psychotherapie, wenn die Bergleute rauskommen. Denn in so einer extremen Situation wie dieser ist die Notfallpsychologie alleine nicht mehr ausreichend.

Standard: Wie soll die Kommunikation mit den Verschütteten konkret ablaufen?

Münker-Kramer: Wenn zum Beispiel jemand beobachtet, dass - salopp gesagt - einer seit Tagen in der Ecke sitzt, dann könnte man der Person sagen, wie sie damit umgehen soll: Sprechen Sie ihn laut an, reorientieren Sie ihn - zum Beispiel: Lassen Sie ihn von 1000 rückwärts zählen. So ähnlich wie ein Rettungsassistent, der an einer Leitstelle sitzt, etwa sagt: Messen Sie den Puls.

Standard: Seit wann gibt es in Österreich Notfallpsychologen?

Münker-Kramer: Nach Lassing (Grubenunglück, 1998, Anm.) haben wir begonnen. Dann kam Galtür (Lawinenunglücke, 1999), dann Kaprun (Seilbahnbrand, 2000). Seit zehn Jahren gibt es wirklich gute Konzepte und eine Ausbildung.

Standard: Woher holte man das Know-how?

Münker-Kramer: Wir haben uns orientiert an dem, was es in Amerika schon gab, haben Kollegen aus den USA und Deutschland eingeladen. Dann haben wir das vom Psychologenverband her aufgebaut. Inzwischen gibt es entsprechende Curricula fast in jedem Bundesland. Heute gibt es rund 120 vom Psychologenverband zertifizierte Notfallpsychologen.

Standard: Derzeit sind Kollegen aus Osteuropa in Wien, um von Österreich etwas zu lernen. Gibt es dort bisher nichts Vergleichbares?

Münker-Kramer: Das ist ganz unterschiedlich. Es sind zum Beispiel Kollegen da aus Litauen, Lettland, Malta, Bulgarien, der Slowakei, der Ukraine, wo es noch wenig dazu gibt. Wir wollen ihnen das, was wir vom Psychologenverband zusammentragen haben, vermitteln - sowohl vom Strukturellen als auch vom Inhaltlichen her. Der Europarat trägt das Projekt.(Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe 2.9.2010)


Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
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tja_echt_blöd
02.09.2010 11:21
mal ehrlich, diese Menschen haben mein Mitgefühl und ich hoffe/wünsche, dass sie alle einigermaße unbeschadet aus diesem Schlamassel rauskommen.

Dennoch frage ich mich, warum das in den Medien dermaßen getrommelt wird.
Was läuft anderswo schief, worüber wir nicht nachdenken sollen????
Hat sich das schon mal jemand gefragt?

peter schmidt
 
02.09.2010 15:21
Weil einfach alles dabei ist.

Symphatische Underdogs die sich tapfer halten und schwerste Belastungen großartig aushalten. Ergreifende familiäre und romantische Verwicklungen. Hauptdarsteller denen zumindest aus unserer weiten Entfernung keiner was böses nachsagen kann. Eine schwierige und dramatische Situation die aber gleichzeitig hoffnunsvoll ist. Dazu der Bergarbeiter als Sinnbild des schwer körperlich Arbeitenden. Kameradschaft Freundschaft Solidarität Familienbande. Dazu noch der latent fühlbare Aspekt das hier ein Großkapitalist den ARbeitern wohl mehr Risiko zugemutet hat als notwendig war. Das ist einfach eine jener Geschichte die etwas bedeuten und wo alles dabei ist. Das ruft nach einer Umsetzung durch Zola, Hugo oder Balcac.

Lengede halt nur "größer".

Stahl_____666
02.09.2010 12:46
.

Ausser einigen Kriegen, Bürgerkriegen, Hungersnöten, Umweltkatastrophen, Steinigungen und diversen anderen Menschenrechtsverletzungen, die ja eher abstrakt erlebt werden, ist im Grossen und Ganzen eigentlich alles in bester Ordnung.

Die Bergwerkskatastrophe ist ja eine herrlich konkrete Angelegenheit: jedes Land hat Bergwerke und damit verbunden auch Unfälle, man kennt die Zahl der Kumpel (33) und die Tiefe in der sie eingeschlossen sind (ca. 700 m).

Stahl_____666
02.09.2010 10:37
.

Die Frau Psychologin soll net so gescheit daherreden - das sind Männer und keine Autanschmierer. Die machen den Job seit Jahren, sind Hitze, Kälte, Hunger, Durst und Entbehrungen gewöhnt, die drehen nicht so leicht durch.
Diese ganzen psychologischen Weisheiten treffen vielleicht auf Lehrer oder Büroheinis nach Verkehrsunfällen oder Lawinen zu aber nicht auf Bergmänner.

fräulein potmesil
09.09.2010 15:25

von allem komplexlern in diesem forum, bist du der grösste, spielst wahrscheinlich gern mit waffen, das andere teil wird wohl zu klein geraten sein!

Mariedl
03.09.2010 13:05

richtige Männer haben Angst und geben es auch zu.
richtige Männer haben Gefühe und keine Angst vor ihnen.
richtige Männer machen sich und anderen nichts vor.

da Wagnerhiasl
13.10.2010 07:41
Danke für die Richtigstellung.

Para Dox
02.09.2010 14:49
Sagt einer, dem die Ei.. entfernt wurden ;)

aquila_at
02.09.2010 13:30
Schwachsinn

Zitat aus einem anderen Standard-Artikel:

"Wie der chilenische Gesundheitsminister Jaime Manalich der spanischen Zeitung "El Pais" berichtete, hatten mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken."

Ihre "Richtigen Männer" hatten zum Teil also schon während der normalen Arbeit Angst! Tja, so ist das eben: Einige werden es besser wegstecken und andere - auch "richtige Männer" - werden Probleme mit der Ausnahmesituation kriegen. Und die brauchen jede Hilfe, die sie kriegen können.

Soweit die Argumente, im Übrigen schließe ich mich der Aussage von hotzenplotz1001 unten an.

Kopflos
02.09.2010 13:21

Sicher, die sind alle Chuck Norris, diese Bergarbeiter, richtige harte Männer so wie Sie... Nerven wie Drahtseile, Muskeln aus Stahl, und sie rauchen MG-Patronen statt Zigaretten.

torch
 
02.09.2010 16:36

Sie werden es vermutlich nicht glauben, aber unter Tag gelten andere Parameter, da muss man sich auf seine Arbeitspartner 100% verlassen können.

Wenn z.B. ein Schacht von unten nach oben aufgefahren wird, dann muss da z.B. jemand wieder hinauf loses Material ablauten, Bohrlöcher für die nächste Sprengung bohren, laden etc.

Denken Sie mal an die Straßentunnels, die vertikale Lüftungsschächte über viele hundert Meter besitzen. Die Leute arbeiten unter ständige Lebensgefahr, die die da zuerst wieder hinauf müssen. Da ist eine andere Gesellschaft am Werken, das sind keine Sesselpupser, die gehen mit diesen Risiken schon anders um und so auch mit extrem belastenden Situationen.
Die werden das als Gemeinschaft schon über die Runden bringen

xv22
02.09.2010 13:05

Und Männer haben kein Hirn, daher kann da auch nix durchdrehen oder wie?

MfG, ein Hodenbewehrter

hotzenplotz1001
02.09.2010 11:24
Stahl_____666, Sie klingen wie ein zu wenig beachteter Angeber und leicht traumatisiert. Brauchen Sie Hilfe?

Sie käme spät. Aber besser spät als nie.

Stahl_____666
02.09.2010 11:53
.

Gibts ausser Polemik auch noch Argumente oder is jetzt grad Vorlesung?

Para Dox
02.09.2010 15:12

Du wirst doch nicht ernsthaft behaupten wollen, dass es in deinem Posting von 10:37 so etwas wie Argumente gibt. Weißt eh: Wie man in Wald hineinruft ....

torch
 
03.09.2010 11:32
Du wirst doch nicht ernsthaft behaupten wollen, dass es in deinem Posting von 10:37 so etwas wie Argumente gibt.

Doch, gibt es

"Die machen den Job seit Jahren, sind Hitze, Kälte, Hunger, Durst und Entbehrungen gewöhnt, die drehen nicht so leicht durch."

Wer Untertag arbeitet ist sich der Risken bewusst

Auf A umgelegt, oberste Instanz ist der jeweilige Berghauptmann (hatte noch die Ehre Berghauptmann DI Mag. Dr. Stadlober kennen zu lernen, war durch seine Vorbildwirkung die Instanz für Untertag arbeitenden Leute schlechthin, ein Mann, ein Wort, kannte fast alle Bergleute persönlich).

Der Bergbau ist kein Gebiet für sesselpupsende DünnbrettbohrerInnen und deren Geschwurbel.

"Diese ganzen psychologischen Weisheiten treffen vielleicht auf Lehrer oder Büroheinis nach Verkehrsunfällen oder Lawinen zu aber nicht auf Bergmänner"

100% pro

Para Dox
03.09.2010 12:20
Ihr hängt's alten, leicht fas*histoiden, heute etwas lächerlich wirkenden Männlichkeitsmythen nach,

wie sie in alten Westernschinken gezeigt werden.

In der Realität schaut die Sache komplett anders aus.

- Fakt ist, dass Menschen, die bei einer Sache sehr viel Mut zeigen, bei einer anderen Sache völlig ängstlich reagieren. Es gibt z.B. garantiert Bergleute, die Angst vor Spinnen haben.
- Fakt ist, dass keiner von den Eingeschlossenen bisher in einer solchen Situation war oder an eine solche Situation gewöhnt ist.
- Fakt ist, dass auch Astronauten, die früher Kampfjetpiloten waren an Langzeitaufenthalte im All gewöhnt werden müssen.

- Zu vermuten ist: Dass ihr eher zu den DünnbrettbohrerInnen gehört, während ich mich als Bergsteiger und Kletterer intensiv und persönlich mit dem Thema auseinander gesetzt habe.

torch
 
04.09.2010 12:19

ad Para Dox)

Verfügen Sie z.B. über eine Befugnis für z.B. Stollenvortrieb oder andere weitere Qualifikationen?

Waren Sie jemals in einem Bergwerk, einer Baustelle unter Tag außer bestenfalls zu Besuchszwecken?

Unter Tag gilt, ganz so wie beim Klettern, Sie sind auf Ihren Partner angewiesen, wenn wir mal das Freiklettern außen vor lassen wollen.

insert name
02.09.2010 14:47

Nunja, jeder der in eine Situation kommt die außerhalb des Begreiflichen liegt und eine Belastung darstellt, hat eigene Mechanismen um dies zu bewältigen. Dies geht eine gewisse Zeit gut, nur tagtäglich in einer aussichtslosen Situation zu sein, oder damit konfrontiert zu werden, löst bei jedem (wie hart er auch sein mag) einen Zustand aus mit dem nicht alleine umgegangen werden kann.

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
02.09.2010 13:17

kann man dem harten kerl nicht einfach ein loch graben für ein paar monate? da hätten dann alle was davon...

torch
 
02.09.2010 10:15
"Man kann verhindern, dass sich die Verschütteten als Verrückte wahrnehmen"

.
Auf die Idee muss man die Leute aber erst bringen.

Typisch PsychologInnen, die Leute da unten haben andere Sorgen.

Die Situation unter Tage ist sicher nicht einfach, die Leute bilden ein Kollektiv und durch den Außenkontakt haben sie auch gute Chancen keinen Lagerkoller zu erleiden. Eine gewisse Tätigkeit sowie die Möglichkeit sich in den Stollen zu bewegen und eine gute Ernährungssituation werden für eine Aufrechterhaltung der Fitness sorgen. Eine Frage ist natürlich, ob noch eine Bewetterung vorhanden ist (ob die Grube überhaupt wettergefährdet ist und um welche es sich handelt bzw. handeln könnte), bzw. wie es um anfallendes Wasser bestellt ist, ob da noch eine allfällige Wasserhaltung besteht und ob die überhaupt notwendig ist.

:
02.09.2010 08:05

kann man fuer jeden verschuetteten eine telefonverbindungen herstellen?. wenn man stundenlang mit draussen telefonieren kann, wirds wohl ertraeglicher.

Simplicius Simplicissimus
02.09.2010 06:42
PsychologInnen ...

... die selbst keine Extremsituationen erlebt haben, sind höchstens eine mittelmäßig gute Heiratspartie.

torch
 
03.09.2010 01:01
sind höchstens eine mittelmäßig gute Heiratspartie

>>>

das ist aber gar keine gute Idee, denken Sie an das Gelabere im Fall von Problemen und was da allfällig noch alles kommen kann, man heiratet auch immer Ausbildung, Beruf etc. mit. Es geht auch ohne den Lappen und alles ist leichter ;-)

Eisl
02.09.2010 12:15

naja, ein chirurg muss ja auch nicht selbst eine blinddarm OP gehabt haben um (hoffentllich) zu wissen wie man den blinddarm entfernt....

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