Aus für Videothek Alphaville

Internet Kills the Videostar

01. September 2010 17:57
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    Foto: standard/regine hendrich

    Licht aus für Wiens größte Videothek für fremdsprachige Filme: Alphaville sperrt zu.

Der Filmverleih bereitet sich auf sein Ende vor, Traditionsbetriebe sperren zu - Manch Videothek versucht noch, sich mit Tierfutter und Solarien zu retten

Andere kämpfen in Wien vergeblich gegen die Steuer aufs Vergnügen.

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Wien - Er werde aus seiner Videothek erhobenen Hauptes gehen. Er sperre sie lieber jetzt nach seinen eigenen Regeln zu, als in zwei bis drei Jahren vom Markt in die Knie gezwungen zu werden, sagt Norman Shetler. Er sehe sich nicht als gescheitert, es sei ja auch über lange Zeit ein gutes Geschäft gewesen. Über kurz oder lang würde er aber damit straucheln, daran führe einfach kein Weg vorbei.

Shetler ist Chef des Wiener Gartenbaukinos und gründete mit Georg Schneider die größte Wiener Videothek für fremdsprachige Filme. Ihr Alphaville sammelte mehr als 13.000 Videos und rund 24.000 Kunden. Nach 13 Jahren lösen sie ihre Bestände auf: Anfang November schließt der Traditionsbetrieb. Wie viele andere Verleiher auch.

Die Welt habe sich eben wahnsinnig geändert, und keiner könne gegen die Zeichen der Zeit arbeiten, sinniert Shetler, und er empfinde dabei keine Verbitterung. Es gehe nicht darum, illegale Down-loads aus dem Internet zu verdammen. Videos seien auch legal permanent verfügbar, das ganze Kulturleben sei ein anderes. "Ich bin besonderen Filmen früher oft jahrelang hinterhergelaufen, heute habe ich sie innerhalb eines Tages im Postkastl. Die nachwachsende Generation braucht die Videothek ums Eck nicht mehr."

Für sie sei Shetlers und Schneiders Rückzug aus der Branche ein Schock. Denn wenn es wer schaffen hätte können, am Markt zu bestehen, dann die beiden, sagt Sylvia Leinwather. Sie führt in Wien-Döbling seit 20 Jahren einen Videoverleih. Davon leben könne sie mittlerweile nicht mehr, vor allem heuer sei das Geschäft schlagartig eingebrochen. Die Cineastin kam daher auf den Hund: Neben dem Filmverleih verkauft sie nun Biofutter und nobles Tierzubehör.

Der Kreativität für den Versuch, Videotheken über Wasser zu halten, sind wenige Grenzen gesetzt. Die Palette reicht von Kooperationen mit Pizzadiensten bis hin zu hauseigenen Solarien. Er persönlich belasse es aber lieber bei Cola, Chips und Gummibären, sagt Leopold Homola, der mit seinem "Videostar" über 10.000 Filme verfügt und die Verleiher in der Wiener Wirtschaftskammer vertritt. Er schätzt die Zahl der Anbieter in Wien auf 130. Rund 80 Prozent davon seien in Hand deutscher Ketten, die sich von kleinen unrentablen Filialen trennten. Auch die verbliebenen Einzelkämpfer würden jährlich weniger. Zumal sich das Geschäft nach der Fußball-EM halbiert und nie mehr erholt habe.

Online-Videotheken setzen den Videotheken ebenso zu wie das illegale Runterladen aus dem Web, das Filme noch vor den Premieren im Kino ins Wohnzimmer holt. Es werde alles zum Problem, und sei es nur der Verleih der Stadtbibliotheken, die im Übrigen steuerlich begünstigt seien. An die 1,20 Euro seien für einen Leihfilm in der Regel pro Tag zu bezahlen, rechnet Homola vor. In Deutschland koste es das Doppelte, der harte Wettbewerb habe die Preise ruiniert. Homola räumt ein, es sei nicht einfach, sie den Kunden plausibel zu machen. Im Handel koste ein Film ja oft nicht einmal zehn Euro. Für ihn komme er inklusive der Verleihrechte aber auf 25 bis 30 Euro.

Und da sei natürlich die Steuer, die für das Vergnügen in Höhe von zehn Prozent von den Videotheken in Wien an den Fiskus abzuliefern ist. In anderen Ländern berappen Verleiher eine Lustbarkeitsabgabe, Salzburg hat sie abgeschafft - wie sie auch für Kinos nicht mehr gilt.

Das Ganze sei eine Ungleichbehandlung und verzerre den Wettbewerb, klagt Homola, doch Wien beharre darauf. Es geht ums Kulturgut Film, sagt Leinwather und erzählt von neuen Gesprächen der Cineasten mit den Magistraten.

Bald falle für die Branche aber ohnehin die letzte Klappe. Dann, wenn die Österreicher ihre Filme über iTunes beziehen und Amazon einsteige. (Verena Kainrath, DER STANDARD - Printausgabe, 2. September 2010)

 

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stuntman cameron
08.09.2010 13:30
Legenden

Alphaville war für mich ein Pionier in der Vereinigung von Trash und Kunst.Hier bekam man alles,Klassiker asiatische Rohperlen und Mainstream.Sicher waren sie nicht billig,dafür war alles da und manchmal wurden sogar Kundenwünsche bestellt.Die beiden Betrieber haben den Wink der Zeit erkannt und Ihnen bleibt nur zu danken für ihren Mut und Ihre Vision.

Cecewolf
02.09.2010 17:03
sehe ich nicht so

nur weil amazon und itunes einsteigen, heißt das noch lange nicht das jeder einen high-speed internetzugang mit flaterate zuhause hat. und selbst wenn hat man vielleicht nicht lust 1 stunde runterzuladen wenn man schnell aus der videothek was mitnehmen kann.

The bird is the word!
02.09.2010 14:04

Alphaville war wichtig und ein fixer Bestandteil der Filmkultur! Wenn man als Filmliebhaber zum ersten Mal den Laden betreten hat, is einem ob der Vielfältigkeit der angebotenen Genres sprichwörtlich "des ladl obegfalln".

Auf der anderen Seite, wenn Herr Shetler auf seiner Website schreibt, dass er früher einigen Filmen jahrelang nachgelaufen ist, um sie endlich zu sehen zu bekommen, muss ich sagen, dass es mir heute bei den zahlreichen Independent-Filmen die keinen Vertrieb haben/finden noch immer genauso geht.
In diesem Fall sind Videotheken wirklich obsolet geworden. Was einem dann noch bleibt, um schwer zugängliche Filme dennoch sehen zu können, sind Festivals oder Plattformen wie mubi.com (geschweige die vielen Tauschbörsen).

bitte nicht
02.09.2010 13:57
wie hoch war denn die jahresgebühr und wie hoch der preis pro tag pro dvd?

TRockenmilch
02.09.2010 13:17
my 2 cents....

vielleicht wars ja auch ein problem, dass man heute auch in normalen videotheken ot-fassungen (weil dvd) ausborgen kann.

James Cole
 
02.09.2010 15:36
das ist nur ein kleiner teil des problems...

die auswahl bei alphaville kannst mit keinem mainstream videoshop vergleichen, da konntes echt aus dev vollen schöpfen!

sehr schade jedenfalls! ich hoff da gibts einen bestands abverkauf...

TRockenmilch
02.09.2010 16:51

das ist schon wahr. ich kannte es ja.
nur frag ich mich ob die große auswahl wirklich die "cashcow" war, oder ob doch die ot fassungen von mainstreamtiteln den umsatz beschert haben.

und das fällt halt heute wirklich komplett weg.

Massafaka
02.09.2010 13:30
So ist es.

Das Alphaville hätte sich eher an Cinephile wenden müssen, die es sich nicht leisten wollen Criterions aus den USA und BFI, Masters of Cinema usw. aus den UK [Liste beliebig fortsetzen] teuer importieren wollen.

Die Spezialität O-Ton ist heute (gottseidank!) nix besonderes mehr, man könnte den Schwerpunkt auf seltenere Filme in sehr guten Fassungen legen. Dazu müsste man das Sortiment natürlich sehr ausdünnen... Aber wer holt sich schon einen aktuellen Blockbuster vom Alphaville, bei diesen Preisen.

HagenvonTronje
02.09.2010 11:52
tja

nicht nur das Internet; Fiskus mit dämlichen, veralteten Abgaben und Billig-Angebot hat sein maßgebliches Stück beigetragen.

Brot Pitt
 
02.09.2010 10:46
Internetvideotheken

Jetzt wird alles super: Nachdem die Videotheken aussterben, kann in minderer Qualität für mindestens genauso viel Geld (aber vermutlich teurer) Filme aus dem Netz gesaugt werden. Vermutlich muss man sich dann auch noch bei mehreren Internetverleihern registrieren damit man auch alle Filme kriegt, die man beim Alphaville und Co bisher bekommen hat...

do the evolution
02.09.2010 16:48
VHS hallo?

man tut sich heutzutage recht schwer online einen film zu finden, der schlechtere qualität hat

Massafaka
02.09.2010 13:13
Die Argumente kann ich nicht nachvollziehen

Wenn es dir schon um Qualität geht: Das Alphaville hatte viele Filme "nur" auf VHS.
Teuer war das Alphaville außerdem doch sehr, viele DVDs bekommt man im Ausland für 5-6 Euro, Blu-Rays für nen 10er.
Selbst XVid-Downloads haben oft eine super Quali, 720p-Rips erst recht.

Gerade Preis und Quali hat mich beim Alphaville gestört, die Auswahl war dafür echt super.

stuntman cameron
08.09.2010 13:19

Sind Sie Sozialempfänger? Und bitte wo kriegen sie Blue Rays um 10 Euro? Naschmarkt vielleicht!
Wenn ich rechne ein Kinobesuch kostet bis zu 9 Euro und das nur für mich allein konnte ich bei Alpha fast 3 Stück entleihen und bekam einen vierten gratis.

Neuer Nick neues Glück
02.09.2010 10:53

Spitzenargumente!

Abgesehen davon, dass ein Xvid ab einer bestimmten Datenrate sehr gut aussieht und ja dank aktueller Downloadgeschwindigkeiten auch ganze DVD9 kein Problem mehr sind...

Schön, du wohnst vermutlich im Vierten. Ich habe auch lange quasi neben Alphaville gewohnt. Aber für den Rest der Wiener ist die Reise dahin, um einen einzigen Film zu holen und für den dann auch noch neben der Jahresgebühr horrende Mietpreise zu zahlen, nicht wirklich zumutbar.

Brot Pitt
 
02.09.2010 11:03

Vergleiche mal die Preise von Videotheken, Kinotickets und legale Downloads...Bei Youtube werden Filme glaube ich in absehbarer Zeit für 4Euro zum download bereitstehen. Mal abgesehen davon, das man in einem Videothek schmökern kann und sich vom VideothekarIn gute tipps kriegen kann.

Neuer Nick neues Glück
02.09.2010 11:28

Bleibt nach wie vor das Problem, dass eine einzelne Videothek wie Alphaville für die meisten Leute einfach nicht erreichbar ist.

Brot Pitt
 
02.09.2010 11:34

Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Sowohl mit den Öffis als auch mit Auto, Rad,...kann man doch recht flott durch die Stadt fahren. Auch für ein Kinobesuch nimmt man sich dafür die Zeit.
Aber wie auch immer. Videotheken werden leider aussterben. Und ich bin mir nicht so sicher, das etwas besseres nachkommt.

do the evolution
02.09.2010 16:48
na freilich, wenn ich abends auf der couch lieg und lust auf einen film hab

werd ich eine stunde durch die stadt gondeln, um dann 90 minuten unterhaltung zu haben

Neuer Nick neues Glück
02.09.2010 12:33

Ich setze mich doch nicht eine halbe Stunde hin und eine halbe Stunde retour in die Öffis / aufs Rad / in die Bim um einen Film auszuleihen?!?

Dragon12
02.09.2010 10:24
Illegal?

Alphaville hat viele ausländische ua. asiaitsche DVDs gekauft und dann verliehen. Das ist gar nicht rechtens da ja solche DVDs nicht zum Verleihen erlaubt sind.
Dazu muß man ja von dem der die Verleihrechte für Österreich hat, die VerleihDVDs erwerben.

Brot Pitt
 
02.09.2010 10:51
So what?

Zahllose Mitbürger und Mitbürgerinnen stehlen die Filme einfach aus dem Netz. Wenn Alpaville vielleicht ein paar Filme ohne Verleihrecht hat (was ich nicht glaube) dann ist das sch.iß egal.

Neuer Nick neues Glück
02.09.2010 12:34

Nein, nicht ganz - kommerziell betrieben sind illegale Aktivitäten immer eine Spur schlimmer.
Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die so wahnsinnig waren.

Hir0 Protagonist
02.09.2010 10:11
ja, sehr schade

und ja, internet verändert alles- schade um die beste videothek in österreich.

meinung zum problem mit illegalem download:
viele möglichkeiten legal im internet auf dem sektor geschäfte zu machen werden u.a. aufgrund behebiger rechtlicher regelwerke verschlafen.

beispiel:
die meisten fremdsprachigen filme bekommt man in europa garnicht als physisches medium zu kaufen, da einfach der massenmarkt fehlt.
sich den film z.B. aus dem produktionsland oder aus anderen ländern runterzuladen, obwohl man dafür bezahlen würde, wird technisch unterbunden aufgrund gesetzlicher bestimmungen.

weiters gibt es bis heute in österreich selbst keinen online-filmverleih, der in sinnvollem format gute filme zum runterladen anbietet.

MR L
02.09.2010 10:04
oh nein!

wo bleiben die online videotheken wo man sich aus einem grossen sortiment (nicht nur hollywood) und angemessener qualität filme streamen kann?
kann mir jemand eine empfehlen?

Neuer Nick neues Glück
02.09.2010 09:46

Alphaville war früher mal nett, aber mit einer Jahresgebühr plus den vermutlich höchsten Mietpreisen der Stadt tickt halt irgendwann die Uhr. Selbst schuld.

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