Wrabetz kündigt Redakteuren Ströbitzers Bestellung an - Belastet Karl Amons Wahl zum Radiodirektor
Mittwochnachmittag machte ORF-General Alexander Wrabetz Ernst: Er informierte nach STANDARD-Infos die Redakteurssprecher, dass er Stefan Ströbitzer zum Radio-Chefredakteur ernennen will. Ein Affront für die ÖVP. Und ein Härtetest für die Wahl von TV-Chefredakteur Karl Amon (60) zum Radiodirektor in einer Woche. Ströbitzer (44) ist derzeit Amons Vize und zuständig für die ZiB 1.
Donnerstag trifft Wrabetz Redakteurssprecher Fritz Wendl. Dann dürfte er Ströbitzer offiziell bestellen (Update: Strobitzer-Bestellung offiziell). Formal muss der zuständige Direktor dem General einen Kandidaten vorschlagen. Das kann Wrabetz nun gleich selbst tun: Mittwochabend teilte Wrabetz intern mit, dass er selbst den Job interimistisch übernimmt.
Wrabetz "muss aufpassen, dass kein Bürgerkrieg" ausbricht, sagte ein Stiftungsrat dem STANDARD vor der Info an die Redakteure. Eine absolute Mehrheit der Inforedakteure aus dem Radio plädierte für Innenpolitikchef Hannes Aigelsreiter als Radiochefredakteur.
Mit Ströbitzers Bestellung "schwinden Amons Chancen im Stiftungsrat", sagt ein schwarzer ORF-Aufsichtsrat. Der Mann sah Minuten zuvor noch eine Mehrheit für ihn als Radiodirektor.
Beide wollen beide Chefredakteure bestimmen
Was will die ÖVP? Sie könnte mit Aigelsreiter als Radiochefredakteur und Ströbitzer als TV-Chefredakteur leben. "Die ÖVP will offenbar beide Chefredakteure bestimmen", beschwert sich ein roter Stiftungsrat.
Das kann sich schon rein physikalisch nicht ausgehen, wenn schon die SPÖ beide Chefredakteure bestimmen will: Ströbitzer im Radio und dem Vernehmen nach am liebsten Fritz Dittlbacher im Fernsehen. Als potenzielle Kandidaten für die "ZiB"s kursieren auch Hans Bürger (derzeit Innenpolitikchef im TV) und Wolfgang Wagner ("ZiB 2").
ÖVP schlug Amon 2006 vor
Selbst der schwarze Betriebsrat Heinz Fiedler soll Amon "wählbar" genannt haben - wenn Wrabetz nicht Ströbitzer im Radio durchsetzt.
Die ÖVP wollte übrigens Amon sogar schon einmal als Radiodirektor: 2006, als sich Jörg Haider Willy Mitsche wünschte, plädierten die Schwarzen für den roten Amon. Begründung:"Der kann das." Wrabetz fand damals die Stimmen der Freiheitlichen sicherer.
An Amons Qualifikation zweifeln die wenigsten Stiftungsräte. Auch Bürgerliche nicht, die Wrabetz zürnen, weil er eine andere als die der VP Versprochene zur TV-Magazinchefin machte.
Nicht allein Bürgerliche stoßen sich an Form und Timing: Amon würde nur bis Ende 2011 bestellt, 2011 wird die ORF-Führung neu gewählt. Direktor Willy Mitsche, zurück aus langem Krankenstand, wollte noch bleiben, wurde aber auf einen Stabsstellenjob mit Landesdirektorengehalt gehievt.
Wrabetz und die SPÖ gehen offenbar trotz Ströbitzer von einer Mehrheit für Amon aus. Nicht zum ersten Mal wird es knapp 2008 reichte Wrabetz eine Stimme Überhang für höhere Gebühren.
18 von 35 Räten braucht es, jede Enthaltung senkt das Quorum, bei Gleichstand entscheidet die rote Vorsitzende. 15 rote Räte gelten als fix für Amon. Blau und Orange lehnen Amons Wahl bisher ab. Zwölf schwarze Räte ebenso - vorbehaltlich anderer Personaldeals.
Der Unabhängige Franz Küberl gilt als Enthaltungskandidat. Er soll aber vor einer Wahl mit nur knapper Mehrheit gewarnt haben.
Die Grünen haben gegen Mitsches rasche Ablöse protestiert. Ihr Stiftungsrat will sich noch nicht festlegen, dürfte sich aber mehr an Form als Person stoßen.
Bleiben zwei unabhängige Betriebsräte. Die düpierte Amon, als er durchsetzte, dass seine Sekretärin als einzige im ORFdem zwingenden Pensionsantritt entkam. Ob Amon gewählt wird, "kann ich nicht beurteilen", sagt Betriebsratschef Gerhard Moser. Dass Wrabetz wie während Mitsches Krankheit die Radiodirektion einfach zusätzlich auf Dauer führt, fände er aber "schädlich und inakzeptabel." (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 2.9.2010)