Projekt "Bolero"

Bawag verteilt Golden Handshakes - und stellt an

Renate Graber, 01. September 2010 17:45

Beamte wie Ältere werden mit großzügigen Abfertigungen gelockt, parallel werden neue Mitarbeiter eingestellt

Die Bawag beginnt ihren Jobabbau. Ältere und Beamte werden mit doppelter Abfertigung plus drei Jahresgehältern zum Weggehen gelockt. Dabei hat die Bank allein heuer 150 neue Mitarbeiter aufgenommen.

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Wien - In der Bawag PSK wird es nun Ernst mit dem Mitarbeiterabbau, der unter dem Projektnamen "Bolero" läuft. Wie berichtet, wird die Bank, die heuer und im Vorjahr rund 270 Leute aufgenommen hat, bis Ende 2013 rund 500 Mitarbeiter abbauen. Die Bawag, die dem US-Hedgefonds Cerberus gehört, beschäftigt derzeit 4000 Mitarbeiter, musste Staatshilfe in Anspruch nehmen und ist fast ausschließlich in Österreich tätig.

Nun beginnt der per neuer Betriebsvereinbarung und Sozialplan abgefederte Personalabbau, der mittels Golden Handshakes abgewickelt wird - und für den 50 Mio. Euro rückgestellt wurden.

Golden Handshakes für alle

Ende August hat die Personalabteilung unter dem "Betreff: Angebot gemäß Bolero-Betriebsvereinbarung" die ersten Briefe versandt, zunächst an Banker, die man in ihrem bisherigen Job nicht mehr braucht und jetzt schon im sogenannten Personalpool "reintegriert" werden, wie das die Sprecherin der Bank, Sabine Hacker, ausdrückt(derzeit sind das rund hundert Leute).

Angeboten werden die Golden Handshakes Angestellten, aber auch Beamten sowie Vertragsbediensteten des Bundes, Letztere sind dienstrechtlich dem Postsparkassenamt zugeordnet. Die Nachdenkfrist, die zur "Annahme des Angebots" eingeräumt wird: sechs Wochen. Lehnt der Mitarbeiter die einvernehmliche Trennung ab, fällt er (sollte er später gekündigt werden) um die in der bis Juni 2014 gültigen Betriebsvereinbarung fixierten Goodies um.

Die sind, je nach Sozialplan-Modell, unterschiedlich süß. Da gibt es die "Vorpensionsmodelle" für Mitarbeiter, die vor 2003 in der Bank begonnen und noch höchstens siebenJahre bis zur Pension haben. Sie werden dienstfrei gestellt und erhalten weiter einen erklecklichen Teil ihrer Gage. Konkret bekommen sie 50 Prozent (bzw. 60Prozent, wenn sie das Angebot binnen zwei Wochen annehmen) fürs Nichtarbeiten, oder sie können in die gesetzliche Altersteilzeit gehen (Frauen ab 53, Männer ab 58).

Für alle anderen, die man loswerden möchte und die seit mindestens fünf Jahren in der Bank beschäftigt sind, gibt es vier verschiedene, altersabhängige "Abfertigungsmodelle" . Die Palette reicht von doppelter Abfertigung plus zusätzlich drei Jahresgehälter (für über 50-jährige Angestellte und Angestellte mit Anspruch auf eine Bankpension sowie für Beamte) bis hin zu 1,5-facher Abfertigung plus 2000Euro pro Kind und 5000 Euro für Alleinverdiener (für Vertragsbedienstete und Angestellte bis 42Jahre).

Versüßt wird der Abschied auch Mitarbeitern, die nach dem 1. Jänner 2003 in die einstige Gewerkschaftsbank gekommen sind. Sie können, je nach Dienstalter, bis zu vierMonatsentgelte (plus Geld füs Kind bzw. fürs Alleinverdienen) kassieren. Wer all den Goodies nichts abgewinnen kann, wandert in den Personalpool, für Assessment Centers, Umschulungen und Trainings. Wie viele Leute heuer noch Bolero-Briefe bekommen werden und wie viele danach, ist noch unklar. Derzeit werden gerade die Listen erstellt für "Mitarbeiter, die im Zuge des Projekts Bolero nominiert werden" .

Der Zentralbetriebsrat will zu dem heiklen Thema derzeit nichts sagen, vor allem nicht zu Gerüchten, dass ab Frühling 2011 mit Kündigungen zu rechnen ist, sollten die Handshakes nicht wie erhofft angenommen werden. Nur so viel ist vom Betriebsrat zu erfahren: Man lege höchsten Wert auf "Effizienzkontrolle" , werde also genau prüfen, ob auch die versprochenen IT-Investitionen umgesetzt werden, "sodass nicht nur Mitarbeiter abgebaut werden und der Arbeitsaufwand gleich bleibt" . Und:Es gelte zu verhindern, dass nicht ältere, teure Mitarbeiter gegen jüngere, billigere getauscht werden. Eine naheliegende Gefahr, die die Bank-Sprecherin nicht ausmachen will: "Die Betriebsvereinbarung gilt für alle gleich. Es findet kein Mitarbeiter-Austausch Jung gegen Alt statt."

Kopfgeld für neue Mitarbeiter

Faktum ist allerdings, dass die Bawag - Bolero hin, Bolero her - weiterhin Mitarbeiter aufnimmt. 2009 waren es 120, heuer (bis Mitte August) 150, im Jahr 2008 sollen es rund 300 gewesen sein. Damals wurden die Bawag-Mitarbeiter unter dem Motto "MitabeiterInnen werben MitarbeiterInnen" gegen eine Art Kopfgeld angespornt, ihrem Arbeitgeber "Freunde und Bekannte, die (...) eine abwechslungsreiche Tätigkeit in der Kundenbetreuung suchen" , zuzuführen. Pro abgeschlossenem Dienstvertrag gab es 1000 Euro brutto Prämie, und noch einmal so viel, wenn der Neue in ein unbefristetes Dienstverhältnis einstieg. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9.2010)

 

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The Unpockable
08.03.2011 12:53

doppelte abfertigung PLUS 3 jahresgehälter,...die bringen unseren staat um,..die maden fressen den speck bis alle draufgehen.

Beobachter76
02.09.2010 15:10
Die Wahrheit?

Angeblich BAWAG macht jetzt wieder Gewinn. Aber jetzt wissen wir, dass BAWAG macht Gewinn auf Kosten der MitarbeiterInnen.

Ich bitte an alle medial spezialistInnen ein Unternehmen nach Gewinn, Anzahl der beschafte zusätzliche sozial gerechte Arbeitsplätze und Umweltaktivität zu beurteilen. So lange diese alle Daten nicht haben, können wir gar nicht berichten.

Also BAWAG ist ein riesen Flop. Dafür zahltet Republik Österreich Milliarden Euroa aus Steuergeld.

Kritiker1A
02.09.2010 15:30
Es sind immer die Mitarbeiter die letztlich den Gewinn einer Firma erwirtschaften. Somit wird jeder Gewinn auf Kosten der Mitarbeiter gemacht.

Alle Fehlentscheidungen des Managment müssen die Mitarbeiter ausbaden, entweder dadurch das Sie mehr arbeiten müssen, oder dadurch das Sie Ihren Job verlieren.

Und die Verschwendungsucht und Unfähigkeit Der politiker geht auch auf Kosten der Arbeitnehmer.
Auch das "Verschenken" dieser Milliarden an die Banken geht zu Lasten der Arbeitnehmer.

Hans Müller1
 
02.09.2010 16:28
Sind Manager keine Mitarbeiter?

Borat Sagdijev
02.09.2010 12:53
.. die generation gratis..

.. bekommt ihren verdienst ihrer frühen geburt golden abgegolten, die generation praktikum darf dann mit befristeten verträgen den scherbenhaufen weiterführen.

ein modell für das ganze land...

vielen dank SPÖVP !!!

Peter_23
02.09.2010 12:41
Die Neuen bekommen wesentlich schlechtere Konditionen

Unter anderem sind die in einem schlechteren Kollektivvertrag als die Alt-Angestellten.

Das selbe Spielchen wie bei den Leiharbeitern vs. fix Angestellten im Produktionsbereichen, z.B. bei Autoproduzenten. -> Die fix Angestellte werden abgebaut bis rausgeworfen und durch billigere Taglöhner über eigenes geründete Leiharbeitsfirmen ersetzt.

Und das Ganze wird dann noch medial bejubelt von wegen die Arbeitslosenraten sinken ja so toll.

das ist fix
02.09.2010 12:33

Man hätte diese Bank 2006 in Konkurs gehen lassen sollen.

Die ehemalige Gewerkschaftsbank nimmt einerseits Staatshilfe in Anspruch und baut anderseits Arbeitskräfte ab - kein weiterer Kommentar notwendig.

Traumpass - Spieler
02.09.2010 12:53

ja, keinen weiteren kommentar bitte.

linker Schlechtmensch
02.09.2010 12:20
Da

wissen zumindest Bawagkunden, wofür die Kontoführungsgebühren da sind.

Kritiker1A
02.09.2010 12:52
Das ist unter anderem der Staat ! Also bezahlen genaugenommen wir die Bankgebühren !

Karli Valentino
02.09.2010 15:38
sei mir nicht böse ....

... aber du bist nicht der staat. du bist ein konsument, und du kannst dir deine bankverbindung aussuchen. worauf wartest du noch?

tja_echt_blöd
02.09.2010 10:59
ich kann hier nur jedem empfehlen, folgendes anzusehen:

hat zwar nicht mit Banken-golden handshakes zu tun, erklärt aber glasklar, wie es läuft in der neocon-Welt.
Man nehme sich die 2 Std. Zeit und verstehe:

http://videos.arte.tv/de/videos... 0828.html#

http://videos.arte.tv/de/videos... 90834.html

sollte der link nicht funktionieren, arte Doku über die Geschichte des Öls, 2-teilig, gestern gesendet worden.

der Farbenblinde
02.09.2010 10:44
die neu eingestellten bekommen alle Werkverträge!

Kritiker1A
02.09.2010 11:33
Beamte leben und lebten ohnedies Jahrzehnte besser als "normale" Arbeitnehmer.

Ich sehe das nur als Schritt, dass alle Arbeitnehmer gleicher werden.

Das die Firmen im EU-Raum, insbesondere Deutschland und Österreich, seit Jahren bemüht sind die Gehaltskosten zu drücken, ist ja weitgehend bekannt. Entweder Sie wandern ins Ausland ab, wo Arbeitskräfte billiger sind, und vor allem die Umwaltauflagen nicht so hart sind, oder Sie versuchen ausländische Arbeitskräfte zu impotieren.
Beim Import behaupten Sie ja seit Jahren keine geeigneten Inländer zu finden, wobei unter geeignet nicht die fachliche Qualifikation, sondern das Gehalt gemeint ist.

Karli Valentino
02.09.2010 11:19
wie du einen werkvertrag in einer bank umsetzen willst ...

... das musst du mir zeigen. welches werk willst du definieren?

Kritiker1A
02.09.2010 11:49
Natürlich haben neue "Bankangestellte" fast ausschließlich einen Werkvertrag, das sind zumeist Tochterfirmen der Bank die die Leute aufnehmen.

Nur die Big Manager sind zumeist noch direkte Bankmitarbeiter.

Karli Valentino
02.09.2010 12:10
du weisst aber schon was ein werkvertrag ist, oder?

die mitarbeiter der ausgegliederten tochtergesellschaften sind ganz normale angestellte, allerdings nicht nach dem bankenkollektivvertrag, sondern nach dem handelskollektivvertrag oder einem anderen günstigen kollektivvertrag entlohnt. das ist der vorteil für die arbeitgeber.

Kritiker1A
02.09.2010 12:54
Sagte ich ja!

der Farbenblinde
02.09.2010 11:26
es geht schon lang nicht mehr um Definitionen.

Wenn du wüsstest, wo und von welch offiziellen STellen überall schon "ilegale" Werkverträge vergeben werden, du würdest aus dem STaunen nicht mehr rauskommen...

Kritiker1A
02.09.2010 12:57
Sogar der Staat hat zahlreiche Dinge in GmbH's ausgelagert, allerdings war dort der Grund oftmals der weil man die Beamten ja nicht so einfach loswerden kann, und daher die umfärbere=Machtverschiebung (z.b. bei Schwarz/blau) nicht so einfach geht

Jetzt haben wir bei vielen Bereichen Beamte mit einem hohem Gehalt, die man oftmals beim Gender-Mainstreaming beschäftigt, und GmbH's wo die "Arbeit" gemacht wird, die früher in Behörden und Ministerien gemacht wurde.

Karli Valentino
02.09.2010 11:29
könnte es aber vielleicht sein ...

... dass die Werkvertrag mit selbständiger Erwerbstätigkeit verwechselst?

Herbert Novak2
02.09.2010 10:41
Ein paar Wörtchen zu BAWAG PSK

An sich ist das Angebot nicht schlecht. Bedenkt man noch daß die BAWAG PSK sehr miss bezahlt (Anmerkung: bezahlt am unterstens bei den Banken, ca. 50% unter dem Niveau dessen BA-CA). Dazu die Bank ist noch sehr hierarchisch z.T. noch sehr militärisch geführt. Ein Golden Handshake kann sehr wohl als Schmerzgeld verstanden werden:-))

Hans Müller1
 
02.09.2010 11:22
Nirgendwo kann man mit so wenig Grips so viel Geld

verdienen wie im Bankwesen - Es gibt einige Jobs wo was gefordert wird, aber auch eine vielzahl wo das Gehalt in keiner Leistung zum geleisteten steht.

Vor allem die alten quasi-pragmatisierten Bankmitarbeiter brauchen einem nicht leid tun, einfach zur richtigen Zeit eingestiegen, null Know How, 15 Gehälter und 37,5h ARbeitstag.

In der BA-CA gibt's Sekretärinen die 6000 EUR verdienen, als bitte nicht als Vergleich für "faire Bezahlung" heranziehen

Traumpass - Spieler
02.09.2010 12:56

37,5 std arbeitstag ist aber nicht unbedingt eine gute kondition...
;)

Hans Müller1
 
02.09.2010 14:17
Analytisch begabt und guter Umgang mit Zahlen - Sie könnten in der Bankenwelt fette Kohle machen :)

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