Zwei Särge aus Kabul und retour

1. September 2010, 17:30
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    foto: frank herrmann

    Dreimal am Tag bringen Militärflugzeuge die Leichen der Gefallenen aus Afghanistan nach Dover im US-Staat Delaware.

Auf der Dover Air Force Base betreibt die US-Regierung die größte Leichenhalle der Welt - Alle in Übersee gefallenen Soldaten landen zunächst hier

Es gibt keine Kapelle, keine Hymne. Ein Stromgenerator lärmt, im Hintergrund heult ein Triebwerk. Langsam marschiert ein Trupp Soldaten, die Hände in weißen Handschuhen, über die Rollbahn auf einen Jumbo-Jet zu. Dort steht ein weißer Sarg bereit, eingehüllt in ein Sternenbanner.

Ein Kaplan spricht ein Gebet, die Soldaten senken die Köpfe. Dann tragen sie den Sarg ans Ende einer Hebebühne, die ihn zu Boden befördert. Unten wartet ein Wagen, wieder greifen behandschuhte Hände zu, schließlich rollt das "Transfermobil" davon in die Leichenhalle. Routine auf der Dover Air Force Base.

Es ist ein ganz normaler Tag Ende August, kurz bevor Präsident Barack Obama am Dienstag Abend in Washington das Ende der Kampfoperationen im Irak verkündet (siehe "Zitiert" rechts). Dreimal am Tag landen Frachtmaschinen mit toten Soldaten aus Afghanistan auf der Luftwaffenbasis am Atlantik, morgens, nachmittags und abends. Die erste hat zwei Leichen an Bord. Als Ort des Todes ist "Operation Enduring Freedom" in den begleitenden Dreizeilern des Pentagon eingetragen.

Leichen-Kühlschränke

Genau genommen sind es keine Särge, in denen die Leichen liegen. Es sind eisgekühlte Metallkisten, die man später zurückschickt nach Kabul oder Kandahar, um sie erneut zu verwenden. In Dover warten die Pathologen. Vor der Obduktion untersuchen sie die leblosen Körper auf eventuell noch nicht detonierten Sprengstoff, in einem Raum, dessen extradicke Wände eine mittelschwere Explosion aushalten können. Anhand von Fingerabdrücken, DNA-Proben oder Röntgenaufnahmen des Gebisses wird die Identität bestätigt. Manchmal sind die Toten so entstellt, dass sie erst zusammengeflickt werden müssen, bevor man sie zum Begräbnis im Heimatort in einen Sarg legen kann. "Mitunter dauert es Wochen", sagt Rusty Ridley, ein Unterleutnant.

Steve Ruark kennt das traurige Procedere, mehr als 120 Arbeitstage hat der Fotograf der Agentur Associated Press (AP) schon in Dover verbracht. Er hat gelernt, in den offiziellen Mitteilungen zwischen den Zeilen zu lesen. "Wenn sie offen lassen, wie einer ums Leben kam, kann es auch Selbstmord gewesen sein." Im April 2009, als Ruark anfing, die flaggengeschmückten Metallkisten zu fotografieren, war es noch ein mühsam erstrittener Sieg über die Geheimniskrämer. 18 Jahre hatten Presseagenturen und Fernsehsender dafür gekämpft.

Bushs Bilderverbot

Es sollte endlich fallen, das Verbot, das der alte George Bush im Golfkrieg angeordnet hatte. Bush wollte vermeiden, was 1989 nach der US-Invasion in Panama auf parallel eingespielten Kamerabildern zu sehen war: hier die Ankunft der Särge in Dover, dort der bei einer Pressekonferenz scherzende Präsident. Unter Bill Clinton und George W. Bush blieb es bei dem Bann. Erst Barack Obama ließ die Medien herein.

Heute ist es Alltag für Ruark, so makaber das klingt. Oft ist er der einzige Reporter, der auf der Rollbahn wartet. Als Obama die Tore öffnen ließ, kamen noch 35. "Inzwischen fehlt der Neuigkeitswert", sagt der Fotograf. AP schickt ihn trotzdem von Baltimore herüber nach Dover, sobald der Stützpunkt einen "dignified transfer" avisiert, eine "würdevolle Überführung". Von jeder einzelnen soll es ein Foto geben, auch wenn nur die Heimatzeitung des Gefallenen es druckt. Vorausgesetzt, die Hinterbliebenen sind einverstanden. Fast alle stimmen zu.

Mal schweigen die versammelten Familien beim Anblick der weißen Kisten, mal brechen sich Schmerz und Wut lautstark Bahn - die ganze Bandbreite an Emotionen hat Ruark schon erlebt. Gesehen hat er die Angehörigen nie. Der Kleinbus mit den dunklen Scheiben, der sie aufs Rollfeld fährt, kommt so zum Stehen, dass er die rechts aussteigenden Trauernden von den links platzierten Reportern trennt wie eine Wand. Das beklemmende Ritual hat sich eingespielt. Und allein das Tempo, mit dem die Infrastruktur hier wächst, spiegelt die Last der Kriege in Übersee.

Die neue Leichenhalle ist die größte der Welt. Sie wurde im Jahr 2003 eingeweiht, dem Jahr des US-Einmarschs im Irak. Seit Mai ist ein kleines Hotel in Bau, wo die Angehörigen für sich sein können, wenn sie hier übernachten wollen. Das Geld dafür kommt von der Fisher House Foundation. Obama hatte der Stiftung zuvor eine Viertelmillion Dollar aus der Prämie, die er für den Friedensnobelpreis bekam, gespendet. (Frank Herrmann aus Dover/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2010)

Kommentar posten
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1 2
Dorian Gray
05
Die Söhne und Töchter der Erdölindustrie werden dort wohl nie landen.

Aber die wissen auch das man nicht fürs Vaterland kämpft !

eleazar
00

man könnte auch gleich eine Rolltreppe von den amerikanischen Kriegschauplätzen zu den Friedhöfen einrichten

das wäre wirtschaftlicher

Da hilft nur Lagavulin!
00
Was bitte ist ein "Unterleutnant"?

eleazar
20

ein Unteroffizier

Lensois
62

manche schaffen es mühelos zu wirklich jedem Artikel den Nazi-Bogen zu ziehen - wo lernt man das? bei den jungen Grünen?

da Baul
00
?

agarthianer
144

trotzdem bin ich persönlich dankbar dass uns die
US-Airforce von den NAZI-Schergen befreit hat
http://www.google.com/#hl=en&so... af4a13aa89
und an diesem denkwürdigen Tag der Hitlerei .......
http://www.army.mil/d-day/ ein Ende bereitet hat !
bitte nicht die ungerechtfertigte US-mission im IraQ zu vergleichen mit de, Kampf gegen Japan :
http://www.elks.org/memorial/

Mostbluzza
07
air force ´44

da war der krieg lange verloren. ihren scherz beiseite:
russ.sommeroffensive 1944:
Den rund 6.000 sowjetischen Flugzeugen vermochte die deutsche Heeresgruppe nur 40 eigene entgegenzustellen. Im Juli 44 waren die roten in ostpreussen und warschau....

wenn sie schon auf us seiten in patriotismus schwelgen, sollten sie die hintergründe des wk1+2 erforschen (am besten orginaldok. aus dem us-kongress bzw. brit. aussenministerium, dem russ. uvm). dann werden sie erkennen, wann der verrat am us bürger und an vielen teilen europas begonnen hat ...

wero2
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selber schuld

hättens halt nicht die intelligenz europas vernichtet, oder vertrieben.

Plasmaball
00
Ah, und die ist jetzt immer noch weg?

Stahl_____666
49
.

Die US-Airforce hat überhaupt nichts befreit, ebensowenig D-Day. Die US-Truppen brauchten an der leicht befestigten Westfront 6 Monate bis zur 600 km entfernten deutschen Grenze, in der gleichen Zeit schafften die Sowjettruppen gegen das Gros der Wehrmacht die doppelte Distanz.
Nazi-Deutschland wurde von den Sowjettruppen besiegt, die Westalliierten waren lediglich beim Aufteilen Europas beteiligt.

FinalDestinati0n
43

Schwachsinn.

Haette Deutschland nicht an 2 Fronten Krieg gefuehrt, haette die UDSSR eher keine Chance gehabt, schon gar nicht, haetten die USA nicht Kriegsmaterial in Milliardenhoehe nach Moskau verschifft.

Æthelstæne 1
 
00

Die Luftwaffe wurde im Prinzip von zwei Gegnern besiegt-im Westen von der Kombination Spitfire/Hurricane, also der RAF (bei der es neben englischen, australischen, neuseeländischen, südafrikanischen, rhodesischen, tschechischen, polnischen, französischen... auch amerikanische Piloten gegeben hat), und im Osten von der IL-2, die ein in ungeheuren Stückzahlen gebauter fliegender Panzer war. Zu der Zeit als die US-Bomberströme samt Begleitjägern aufgetaucht sind, hatte die Luftwaffe schon lange die Lufthoheit verloren.
Obwohl sowohl die Briten als auch die SU im Rahmen des lend-and-lease Abkommens viel amerikanisches Material verwendeten, hat es sich hier trotzdem nicht um die USAF gehandelt.

Im Pazifik hat es schon anders ausgesehen.

TBird
11

Und dafür können wir den Amis auch ziemlich dankbar sein, denn wenn sie sich nicht an der Aufteilung Europas beteiligt hätten, hätte das Stalin mit sich selbst ausgemacht und dann sähe Europa heute vermutlich ganz anders aus.

HansPeter10
01

Und in Frankreich haben die Befreier ziemlich viel ruiniert wo sie durchzogen.

Brot Pitt
 
00

Und die Nazi Besetzer haben Europa in Schutt und Asche verwandelt...

josef S
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lernen sie geschichte.

Lichtfreak
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Das war

eine ganz andere Generation und das Land hat sich verändert, vorallem die Aussenpolitik!

Ulrike Reiter
015
Die Bushs kann man nicht schockieren

Die freundliche Familie Bush wird das einen Dreck interessieren. Die kann man nicht schockieren, denn sie ist so von ihrer Erhabenheit und ihrer höheren Mission beseelt, dass man unter schlechteren sozialen Bedingungen, eine sofortige Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung sorgen würde.

Das ist das Foto eines im Irak-Krieg verletzen US-Soldaten:
http://fokussiert.com/wp-conten... d-1-tm.jpg
Ein ähnliches Bild befand sich im Fotoalbum meiner Eltern. Als ich das Bild gesehen habe, dachte ich sofort an Tante Iris und Onkel Jürgen, der im Zweiten Weltkrieg ähnlich zugerichtet wurde.

Heavyweather
00

Der Unterschied zum 2. WK ist dass die Amis sich freiwillig zu den diversen Kriegen melden...
Wenn jemand Krieg zu seinem Beruf macht hält sich mein Mitleid in Grenzen.
Die wirklich Leidtragenden sind die Zivilisten in den angegriffenen Ländern.

mtkenya
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Ty Ziegel

ist der Mann auf dem Foto, nach 50 Operationen !
ER würde immer wieder zurückgehen in den Irak, lt. seiner Aussage, obwohl er dort und alle anderen US Soldaten nichts verloren haben.
Das sind die Marines !

Da hilft nur Lagavulin!
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Ty Ziegel

Ty Ziegel
ist der Mann auf dem Foto, nach 50 Operationen !

Eine davon, wenn seine Aussage stimmt, war ein Gehirnamputation.

Doppelplusgut
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Irgendeinen Sinn (fürs Vaterland...) muss sich der arme Idiot ja einreden, für seine Verletzung...

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