Uni-Reportage

"Besser als der Numerus clausus"

1. September 2010, 18:39
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    foto: der standard/newald

    So sieht die Massen-Uni schon vor Antritt des Studiums aus: Im Austria Center Vienna versuchten am Mittwoch 1303 Kandidaten einen der 600 Plätze für das Psychologie-Studium zu ergattern.

Ansturm auf Psychologie-Aufnahmsprüfungen

Wien - Um 9 Uhr huschten nur noch vereinzelte Umhängetaschenträger, die zwischen den Passanten in dunklen Anzügen unschwer als angehende Studenten auszumachen sind, von der U-Bahn Richtung Austria Center Vienna. Dort fand am Mittwoch, fast zeitgleich mit Salzburg, Innsbruck und Graz, erstmals die Aufnahmeprüfungen für das Psychologiestudium statt.

Der Großteil der 1303 Kandidaten, die sich um 600 freie Plätze bemühten, harrte schon in Warteposition. Die ersten kamen zwei Stunden vor Beginn, auch um die aufwändigen Sicherheitskontrollen zu passieren: Taschen und Jacken mussten abgegeben werden, nur Prüfungsanmeldung, Ausweis und Verpflegung durften - in einheitlichen, transparenten Plastiktaschen - in den großen Prüfungssaal mitgenommen werden. Beim Durchschreiten der Metalldetektoren mit anschließendem Check (auch Mobiltelefone waren im Saal nicht erlaubt) durch externe Sicherheitskräfte kamen bei dem einen oder der anderen durchaus Flughafengefühle auf.

Viele der Bewerber kamen aus Deutschland, in Wien etwa ein Viertel, in Salzburg, wo von 1000 Angemeldeten für 200 Plätze nicht einmal die Hälfte erschienen ist, waren es fast 70 Prozent. "In Bayern hat man mir eine Wartezeit von 22 Semestern prophezeit", erklärte Theresa aus München. Da ist es durchaus verständlich, dass man auf die Universität im Nachbarland auszuweichen versucht. Eigentlich schienen alle Verständnis für das Auswahlverfahren zu haben. Fabio, ebenfalls aus Deutschland, hatte es vergangenes Jahr schon versucht und war an der Eingangsphase gescheitert. Er findet die Zugangsbeschränkung "extrem fair", auf jeden Fall besser als ein Numerus clausus: "Es werden die ausgewählt, die wirklich Interesse an dem Studium haben."

Nicht überall zeigten sich alle so einverstanden mit dem neuen Auswahlverfahren. In Salzburg protestierten einige Studenten mit einem "Psycho-Hürdenlauf", den die Kandidaten erst bewältigen mussten. Auf Schildern stellten ihnen Studentenvertreter die Frage: "Bist du hart genug?"

Für den Aufnahmetest, der unter den Fakultäten akkordiert war, gab es zweieinhalb Stunden Zeit. Drei Teile waren zu bewältigen: Grundlagen aus dem Fachbuch "Psychologie", formal-analytisches Denkvermögen und das Verständnis von englischsprachiger Fachliteratur. In Innsbruck versuchten 486 Personen ihr Glück für 284 Studienplätze, in Graz 359 Bewerber für 230 freie Plätze.

So sieht die Massen-Uni schon vor Antritt des Studiums aus: Im Austria Center Vienna versuchten am Mittwoch 1303 Kandidaten einen der 600 Plätze für das Psychologiestudium zu ergattern. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 45
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feuerlöscher fürs fegefeuer
30
19.1.2011, 08:42

Es gibt Leute die wahnsinnig gut darin sind, Lernstoff zu strebern und wenn es dann später um die Praxis geht, besitzen manche von ihnen nicht genügend Kompetenzen das erlernte Wissen umzusetzen.

Vermutlich gibt es deshalb so viele schlechte Psychologen und Mediziner.

Gerade wenn es um Psychologie geht, sollte der Aufnahmetest viel umfangreicher sein - wo es nicht nur darum geht, herauszufinden, ob man brav gestrebert hat, sondern ein Test bei dem man die Reife der Persönlichkeit und die Prädistination für dieses Studium herausfiltern kann.

Später im Berufsleben interessiert es niemanden, wie der Notenschnitt dieser Leute war, sondern ob sie die nötigen sozialen Kompetenzen besitzen.

per verser
10
20.1.2011, 22:37

man sollte überhaupt erst dann psychologie oder medizin studieren dürfen, wenn man einige jahre berufserfahrung und ein mindestalter vorweisen kann - sonst gibts keine garantie, daß die angehenden helfer sich überhaupt im leben zurechtfinden und verständnis für ihre arbeit und vor allem die patienten entwicklen können. soweit ich weiß, darf man erst ab dem 24. lebensjahr eine psychotherapieausbildung machen, das ist so gesehen fortschrittlich und macht sinn. aber offenbar gehts auch jetzt nicht um qualität, da man lieber strebertum forciert und damit ungesund aussiebt.

kl41
02
24.1.2011, 16:18

BEIDE Postings zeigen, wie wichtig Beratungsgespräche im Rahmen der Studienwahl sind: Sie verwechseln beide Psychologie mit Sozialarbeit. An den Sozialakademien gibts eh andere Aufnahmekriterien, und das ist gut so.

D-A-R
 
01
Danke!

Danke, das gleiche wollte ich auch gerade Schreiben. Psychologen sind nicht alle angehende Helfer, es scheint hier den meisten gar nicht klar zu sein, was Psychologie überhaupt ist.

der grammatik
00
Ob derartige Beschränkungen irgendwas bewirken...

werden wir erst sehen, wenn in allen Studienrichtungen die Anmeldungen vorbei sind.
Erst dann kann man sehen, ob man die "Ich-studier-halt-einfach-so"-Studenten quasi "abgewehrt" hat.

Ist das nicht der Fall, sollte man sich überlegen, ob derartige Prüfungen wirklich der richtige Weg sind, wenn hier wirklich Menschen daran gehindert werden, "ihr" Fach zu studieren.

4simo
02
ich fänds besser

wenn die plätze nicht quotiert wären, sprich: uU einen strengeren test, der einiges an wissen und lernfähigkeit und nötige skills abdeckt, aber dann alle, die diesen test bestehen aufnehmen.

Sa Sa2
02
Prüfung

war selbst dort und die Prüfung war mehr als fair - außerdem kam ein drittel von den angemeldeten bereits nicht.
mehr als fair!
wenn die Unis solch eine Prüfung überall statt dem NC einführen würde, wäre schon ein Schritt in die Zukunft in der Hochschulpolitik gemacht...
für Medizin wäre ein solcher Aufnahmetest auch gut - nicht so wie der jetzige....

susi strolcher
11
dann sollte man aber die matura abschaffen

und die positiv abgeschlossene letzte schulstufe als berechtigung zum antreten zu den aufnahmsprüfungen für ein studium einführen. weil so werden menschen mit prüfungsangst doppelt benachteiligt.

Edward the Great
02

Über den Sinn der Matura kann man diskutieren, aber: Mit Prüfungsangst muss man einfach fertigwerden, wenn man etwas sinnvolles studieren will, wo man nicht alles geschenkt bekommt.

Schneck4ever
00

der Jammer an der Sache ist - Psychologie interessiert fast alle Jugendlichen ab ca. 15-16 bis etwa zum 25sten bis 30sten Lebensjahr.
Das ist jener Zeitraum wo man aufgrund gesammelter Erfahrungen dann tatsächlich so halbwegs sagen kann was einen wirklich interessiert. Ein paar wenige bleiben dann bei der Psychologie.

freeye
00
hab das nie verstehn können

wie einen psycho intressiern kann. vermutlich geht das vielen informatikern so..

Edward the Great
00

Ich bin Informatiker und interessiere mich wenig für Psychologie, kann aber verstehen, wie man sich dafür interessieren kann. Ein Glück, dass nicht alle genau die gleichen Interessen haben, oder?

4simo
00
als ob uns österreichern..

irgend welche erfundene standards interessant sein

osi modell und protokolle.. ihhhhh

da kann ich ja gleich jus studieren

Mr. Karnickel
14
Find ich gut,

wenn ich mit meinem Taxifahrer tiefsinnige Gespräche führen kann.

MrTee
24
Mehr Psychologen braucht das Land!

um Arbeistlosengeld zu verschwenden...

D-A-R
 
00
Kennen Sie arbeitslose Psychologen?

Kennen Sie arbeitslose Psychologen oder Psychologinnen? Ich kenne keine einzige/einzigen, der nicht innerhalb eines Jahres eine Festanstellung hat. Woher kommt diese sich durch die Gesellschaft ziehende Unwissenheit, dass Psychologen keinen Arbeitsplatz bekommen würde? Im Gegenteil, Bei AbsolventInnen wie z.B. der BWL finden bei weitem nicht so viele eine Festanstellung.

der grammatik
52

Erstens, weiß niemand, was die Zukunft bringt und welches Wissen in ein paar Jahren benötigt wird - und wie viele davon.
Zweitens, ist ein gebildeter Mensch weit mehr Wert als nur die Tätigkeit, der er/sie nach dem Studium nachgehen kann und
drittens, ist Bildung (und das Studium) keine Ressource wie Geld, die verteilt werden soll, sondern ein Recht für jede/n - in diesem Land, auf der ganzen Welt meiner Meinung nach.

Kein Student nimmt eine Schuld auf, wenn er studiert - ganz im Gegenteil, verstärkt er die Gesellschaft als gebildetes Individuum.

xes
11

Ich bin schon gespannt wie ein weiterer Haufen Psychologen die Gesellschaft verstärken wird. Und ich kann Ihnen versichern, die Zukunft wird vielleicht vieles bringen, aber sicher keinen erhöhten Bedarf an Psychologen ;)

sovereignty
01

3. Die Wirtschaft könnte immer mehr erkennen wir nützlich psychologisches Wissen ist - sowohl im Bereich Marketing als auch im Personalwesen. Ist jetzt schon ein Feld in das einige Psychologen gehen und wird es vermutlich noch verstärkt werden.

4. Wir wollen die Forschung nicht vergessen - leider werden viele Forschungsbereiche in Ö vernachlässigt, obwohl die Psychologie hier viel leisten könnte - klinisch, wirtschaftlich, aber auch grundlagenorientiert und interdisziplinär (zB. Neurowissenschaften/Hirnforschung).

xes
00

Verstärktes Marketing? Neuerungen im Marketingbereich auf psychologischer Ebene? Sie wollen mich wohl verarschen. Noch manipulierbarer kann man Menschen nicht mehr machen.

sovereignty
02
Der Bedarf könnte sehr wohl steigen

1. Wenn klinisch-psychologische Behandlung und Beratung krankenkassentechnisch (teil-)abgegolten werden könnte (oder aber ein Psychologischer Psychotherapeut wie in D) eingeführt werden würde würde der Bedarf an Psychologen schon mal schnell steigen

2. Wenn das gesamte Gesundheitssystem mehr Gesundheits- als Krankheitssystem werden würde, sprich mehr Wert auf Gesundheitsförderung und Prävention gelegt werden würde und das auch gerade im Psychischen und Verhaltensbereich (Stichwort: Gesundheitsverhalten) würde der Bedarf an Psychologen ziemlich steigen

4simo
00
ob Ihre versicherung

den tatsächlchen bedarf der anderen (und uU auch Ihren eigenen) abzudecken wird können?

ich bin mir sicher, Sie glauben was Sie sagen, aber wie so oft im leben gilt auch hier
glauben ist nix wissen

xes
00

Stimmt, ist ja Sache der anderen, wofür sie ihr Geld rauswerfen, und wenn es für Psychologen sein wird, dann ist es halt so. Ich bezweifle es aber stark.

4simo
00
also bei all den dingen

für die geld rausgworfen werden
ist die beschäftigung mit eigenheiten und verhalteten, die ienem drann hindern das leben zu genießen
sicher nicht der hauptposten dieser gesellschaft.
zumal rausgeschmissen in dem fall bedeutet bei einem therapeuten geladnet zu sein, der einem nicht hilft, weil man mit diesem nicht zusammenarbeiten kann (zB) oder er/sie ein vollkoffer ist, kann ja passieren.

insofern glaube ich dass sie stark zweifeln, aber sonst auch nichts

Nennt mich Loretta
01
Bloß kostest das Recht Bildung reales Geld, dass - wie wir alle ja wissen - nicht auf Bäumen wächst.

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