Erhebung in Österreich, Kroatien, Slowenien
Alpbach - Einige Überraschungen selbst für Meinungsforscher
und Telekombranche hat eine Vergleichsstudie unter Internet-Nutzern
nach Umfragen in Österreich, Slowenien und Kroatien gebracht. Fast 30
Prozent in Österreich und Slowenien und 40 Prozent in Kroatien
pflegen unterwegs übers Handy ihre Kontakte über Facebook & Co.
Jüngere loggen sich in der Regel mehrmals täglich ein und beziehen
aus dem Netz auch die meisten Informationen. Die meisten der 1.500
Befragten in den drei Ländern finden demnach auch, dass "Wikpiedia
nicht lügt".
Arglosigkeit
Leider nicht überrascht wurden Auftraggeber Telekom Austria und
Meinungsforscher Gfk von der Arglosigkeit, mit der vor allem junge
Leute private Daten wie Adressen, Telefonnummern und persönliche
Bilder oder irgendwann einmal kompromittierende Texte ins Netz
stellen. Diese lassen sich derzeit praktisch nicht entfernen.
Irgendwann wird dies ein Thema auch für Regulierungsbehörden, sagte
Telekom-Generaldirektor Hannes Ametsreiter am Dienstagabend bei einer
Pressekonferenz mit Gfk-Austria-Chef Rudolf Bretschneider in Alpbach.
Social Networks dringen in alle Bereiche ein
Digitale Medien und Social Networks dringen in alle Bereiche vor.
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia erreicht Spitzenwerte unter den
Informationsquellen im Netz. Jeder Zweite beurteilt Wikipedia als
glaubwürdige Quelle. In Österreich nannten 63 Prozent der Befragten
Wikipedia als sehr glaubwürdig bzw. glaubwürdig - vergleichsweise
abgeschlagen dazu Printmedien (53 Prozent) und andere Online-Medien
(Zeitungen, Zeitschriften) mit 50 Prozent. Nur das Fernsehen - von 65
Prozent als glaubwürdig gewertet - liegt bei der Online-Community
gleichauf bzw. noch leicht über Wikipedia.
Bretschneider: "Das Image von 2.0-Anwendungen als glaubwürdige
Infoquelle ist bei den Usern sehr hoch. Man kann sagen, Wikipedia ist
das neue Fernsehen, die neue Tageszeitung."
Wie früher bei Umfragen unter Handy-Nutzern, die sich nackt und
unruhig finden, wenn das Mobiltelefon nicht zur Hand ist, hat der
Ländervergleich auch eine Art Suchtverhalten bei der Internetnutzung
ergeben: Jeder zweite Österreicher fühlt sich von der Außenwelt
abgeschnitten ohne Internetzugang. In Slowenien fühlen sich zwei von
drei Usern nicht wohl ohne Netzzugang und in Kroatien, wo die Branche
und die User im Schnitt noch jünger sind, gar 80 Prozent.
85 Prozent mit Facebook-Account
85 Prozent der jungen Internet-Nutzer in Österreich besitzen einen
Facebook-Account. In Slowenien sind es 90 Prozent und in Kroatien
praktisch alle jungen Leute, die im Netz aktiv sind.
Eine "kognitive Dissonanz" besteht in den Köpfen der User zu den
Gefahren für die Privatsphäre, die im Netz lauern. "So was passiert
immer den anderen", ist die vorherrschende Meinung. In Österreich
sehen 30 Prozent der User in irgendeiner Form eine Missbrauchsgefahr
für die eigenen Daten, doppelt so stark (60 Prozent) sehen sie aber
"andere User" gefährdet.
Kroatische User am freizügigsten
Besonders freizügig mit ihren persönlichen Daten sind die User in
Kroatien, wo 67 Prozent den vollen Namen, 69 Prozent private eigene
Fotos und 63 Prozent ihre Mail-Adressen auf Plattformen wie Facebook
ins weltweite Netz stellen. In Slowenien ist hingegen nur die
Minderheit dazu bereit. In Österreich hat die Telekom ihre
Aufklärungsarbeiten an Schulen, mit Fibeln und
Informationsveranstaltungen verstärkt.
Für die Umfrage hat GfK im August in den drei Ländern mit jeweils
500 Online-Interviews geführt. (APA)