Trübe Stimmung

Märkte honorieren griechi­sche Einsparungen nicht

Günther Oswald, 1. September 2010, 17:36

Die Griechen sparen zwar fleißig. Die Finanzmärkte würdigen das aber nicht

Die Griechen sparen zwar fleißig. Die Finanzmärkte würdigen das aber nicht. Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen sind schon fast wieder auf Mai-Niveau, als noch halb Europa mit einer Staatspleite Griechenlands rechnete.

***

Wien - An positiven Meldungen zu den Sparbemühungen der Griechen mangelte es zuletzt eigentlich nicht. Das Budgetdefizit konnte im ersten Halbjahr 2010 um fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum reduziert werden. Der Rettungsfonds der Euro-Zone konstatierte den Griechen sogar, mehr gespart zu haben als zugesagt. "Das konnte man nicht unbedingt erwarten", erklärte dessen Chef Klaus Regling.

An den Finanzmärkten herrscht aber wieder alles andere als freudige Stimmung. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Griechenland sind in den letzten Wochen wieder deutlich gestiegen - fast auf das Mai-Niveau, als noch halb Europa Angst vor einer Griechenland-Staatspleite hatte.

Würde die griechische Regierung derzeit an den Kapitalmärkten Geld aufnehmen, müsste sie 11,5 Prozent Zinsen für zehnjährige Staatspapiere zahlen. Zum Vergleich: Die Deutschen, die als "sicherer Hafen" für Anleger gelten, müssen nur etwas mehr als zwei Prozent hinlegen, die Österreicher kommen mit 2,5 Prozent davon.

Allerdings: Dank des EU-Rettungsschirms sind die Griechen noch nicht auf die Finanzmärkte angewiesen. Am 7. September soll die nächste Tranche in der Größenordnung von 6,5 Milliarden Euro von den Mitgliedstaaten für Athen lockergemacht werden. Insgesamt stehen bis 2012 rund 110 Mrd. Euro von EU und Internationalem Währungsfonds zur Verfügung. Die Mittel sind an das Umsetzen von Reformen gebunden und mit rund fünf Prozent verzinst.

Wie passen aber die positiven Budgetdaten mit den Zweifeln der Märkte zusammen? Die "gestiegene Unsicherheit über die wirtschaftlichen Perspektiven, insbesondere in den USA, haben an den Finanzmärkten insgesamt zu einer erhöhten Risikoaversion geführt" , sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz.

Dadurch seien die Risikoprämien von Griechenland und anderen EWU-Peripherieländern gestiegen. "An den Märkten wird befürchtet, dass es diesen Ländern angesichts einer möglichen Konjunkturabschwächung schwerer fallen dürfte, mit ihren Konsolidierungsbemühungen wie geplant weiter voranzukommen" , meint Heise. Außerdem würden die Märkte "die Konsolidierungserfolge der griechischen Regierung nicht ausreichend honorieren" .

Citigroup-Volkswirt Jürgen Michels meint, bei Investoren bestünden "weiterhin Befürchtungen einer Staatsumschuldung" . Das würde bedeuten: Griechenland einigt sich mit seinen Gläubigern darauf, nur einen Teil der Schulden zurückzuzahlen. Der Hauptteil des Zinsanstiegs gehe aber auf das "sehr dünne Marktvolumen" und die "ausbleibende Unterstützung" durch Käufe der Europäischen Zentralbank zurück, glaubt Michels.

Entspannung in Spanien

Gelitten haben zuletzt aber nicht nur die Griechen. Auch Irland muss bereits wieder 5,6 Prozent Zinsen für zehnjährige Anleihen zahlen - so viel wie im Krisenmonat Mai. Allianz-Experte Heise führt das auf die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Irlands durch die Ratingagentur Standard & Poor's zurück.

Portugal, das auch immer wieder als Krisenkandidat gehandelt wurde, könnte langfristige Staatsanleihen derzeit um knapp über fünf Prozent am Markt platzieren.

In Spanien hat sich die Lage dafür deutlich entspannt. Mussten Mitte Juni noch fast fünf Prozent Zinsen gezahlt werden, sind es jetzt nur mehr 3,9 Prozent. Das sei mit den "sich verbessernden Wachstumsaussichten" für das Land erklärbar, sagt Heise.

Die Spanier haben allerdings noch immer mit enormer Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Im Juli waren 20,3 Prozent der Spanier ohne Job. Damit hat das Land den letzten Platz innerhalb der EU-27 eingenommen. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9.2010)

Kommentar posten
13 Postings
alfaromeo
03

das budgetdefizit wurde zwar um 40 % reduziert - aber die schulden wachsen immer noch, der haufen wird immer größer. gleichzeitig wird das binnenwachstum abgedreht. um zu wissen, worauf das hinausläuft, braucht´s kein wirtschaftsstudium.

Dr. Geiger
02

der autoabsatz in hellas ist zb um 64% gegenüber dem vorjahr zurückgegangen und die steuereinnahmen im allgmeinen sinken rapide, weil die leute nicht mehr konsumieren können. warum haben die kapitalmärkte wohl kein vertrauen? *grübel* das ist wirlich einen solch analytischen artikel wert, lieber standard.

Millionen Legionen
00

die haben einfach kein Geld mehr. Bei einem sowieso schon geringen Einkommen nochmal massiv Gehälter kürzen und Preise raufsetzen führt einfach zu einem Konsumeinbruch. Dadurch sperren natürlich noch die ganzen kleinen Läden zu.

Bergdolm
13
Märkte honorieren griechi­sche Einsparungen nicht - warum auch?

Kaputtsparen ruiniert die Wirtschaft. Das ist ein Teufelskreislauf!

Die einzige Chance ist (Um-)Verteilung - im großen Stil.
An einer anderen Verteilung von Vermögen, Arbeit und Einkommen wird man nicht herumkommen, wenn man der Negativspirale entkommen möchte.

Dass das demokratisch nicht möglich ist, ist mir und vielen anderen bewusst. Deshalb wird das System zuerst kollabieren, damit es dann wieder aufwärts gehen kann. Nicht nur in Griechenland ...

franz der freie
 
00
die umverteiler sind alle pleite gegangen.

der grösste umverteiler, der sozialstaat geht gerade pleite, augen auf. die reichen werden sie nicht retten. an ihr geld ist nicht heranzukommen. also : selbst anstrengen.

Mike Myers
01
hat ja dolle funktioniert

in Ost-Berlin.

wer wenn nicht er
02
No, wie hätten'S denn gern die Einkommen verteilt, hm?

Im Zentrum jedweder Kritik der letzten Jahre stehen ja nicht mehr die Vermögenden, sondern Top-Manager usw.

Es handelt sich also um ANGESTELLTE, aber auch um Künstler (siehe zB Hollywood, Pop usw.), Sportler (Herminator & Co), die Millionengagen kassieren.

Nur: Wird irgend jemand davon abgehalten, einen dieser Jobs anzustreben? Selbst als Geschäftsführer eines gut gehenden Unternehmens mit 100 Mitarbeitern können sie doch schon fetten Gagen rechnen!!

Oder noch besser: Werden Sie Rechtsanwalt oder Steuerberater, und erarbeiten Sie sich den Ruf des Branchenbesten, Sie werden Millionär!!

Ja, ist alles seeeeehhr anstrengend. Aber sich hinstellen und sagen, die sollen weniger verdienen, ist a bisserl dünn.

Erzpiefke
 
10

Auf diesen Zusammenbruch könnt ihr DDR-Fans noch lange warten.

das täntchen wieder einmal
02
überhaupt nicht überraschend

blick in die griech. "realwirtschaft" genügt. kaputtgespart ist auch gestorben. große erkenntnis.

iohui
01
was heisst das?

krieg ich jetzt 11,5 % wenn ich griechische anleihen kaufe oder nicht?

RZugDZug (ungebremst)
01

Wenn Sie Neuemitierte kaufen ja, aber die begeben zur Zeit keine Anleihen, somit erübrigt sich das. Sie können am Sekundärmarkt (Börse)welche mit geringerem Kupon dafür mit Abschlägen kaufen, so kommen Sie dann auf die 11%.
Ich persönlich würde es nicht tun, aber ich bin ja kein Anlageberater.

iohui
00

danke.
wieso nicht?
die schulden der griechen liegen auf deutschen und französischen banken. sicherer gehts nicht. (naja, schweiz wär natürlich auch eine gute garantie :)

roundabout
02
Spekulation

ist nicht immer rational.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.