Mangel

Österreich gehen die Lehrer aus

01. September 2010 17:53

Gewerkschaft sieht "Katastrophe" nah - Landesschulräte mit Rekrutierungsproblemen

Wien - Bundeslehrer? Landeslehrer? Egal, Hauptsache überhaupt Lehrer, könnte es schon bald heißen. Denn: Österreich gehen die Lehrer aus, warnen Lehrergewerkschafter und -politiker im Gespräch mit dem Standard. "Lehrermangel ist vorgezeichnet", sagt etwa der Landesschulratspräsident von Salzburg, Herbert Gimpl (SPÖ). Sein oberösterreichischer Kollege Fritz Enzenhofer (ÖVP) berichtet: "Ich suche jetzt schon Lehrer." Und Pflichtschullehrergewerkschaftsvorsitzender Walter Riegler prognostiziert: "In zwei bis drei Jahren werden wir ein echtes Problem haben."

Die Lunte brennt an zwei Enden des Problems - bei den alten und bei den jungen Lehrern. In den kommenden zehn Jahren wird die Hälfte aller Pädagogen in Pension gehen, rund 50.000 scheiden altersbedingt aus. Für Lehrergewerkschafter Riegler heißt das: "Die Katastrophe beginnt jetzt."

Denn gleichzeitig kommen zu wenige Lehrer nach: "Wenn wir die Zahl derer, die in die Lehrerausbildung gehen, nicht steigern, dann steuern wir auf ein Desaster zu." Österreich brauche das "1,7- bis Zweifache an tatsächlichen Studierendenzahlen der vergangenen zehn Jahre, um den Bedarf zu decken", rechnet Riegler vor (Grafik). Zumal derzeit nur 70 Prozent der fertigen Pädagogen auch tatsächlich in den Beruf einsteigen. Viele von ihnen würden ein weiterführendes Studium machen und die Schule beruflich von Anfang großräumig umfahren.

Fritz Enzenhofer beziffert die Dimension des Mangels an auszubildenden Lehrern in Oberösterreich mit 100 bis 150, die er im Schnitt pro Jahr mehr bräuchte.

Herbert Gimpl hat in Salzburg "schon jetzt Rekrutierungsprobleme in gewissen Fächern". Dazu gehören Deutsch, Englisch, Mathematik für AHS, aber auch Sport für Buben und kaufmännische Fächer wie Wirtschaftspädagogik fallen unter die "Mangelgegenstände".

Bessere Bezahlung

Nur mit gutem Zureden wird es noch nicht mehr neue Lehrer geben. "Das korreliert mit der Frage der Bezahlung", sagt Enzenhofer unter Verweis auf die Debatte um ein neues Lehrer-Dienst- und Besoldungsrecht. Anvisiert wird eine flachere Gehaltskurve mit höherem Einstiegsgehalt - "und dann kann man die Frage der Lehrverpflichtung auf dieser Basis definieren", sagt der ÖVP-Politiker.

So sieht es auch sein Salzburger SPÖ-Pendant Gimpl: "Die neu eintretende Lehrergeneration kann auch eine höhere Lehrverpflichtung haben, aber sie wird auch höhere Gehälter bekommen müssen." Er hält den vorgezeichneten Lehrermangel für eine Erblast der schwarz-blauen Regierung: "Damals gab es falsche politische Signale." So hat die damalige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) etwa 2001 in ihrem jährlichen "Brief an die Maturantinnen und Maturanten" ausdrücklich Studien im IT-Bereich empfohlen und vor Lehramtsstudien gewarnt, weil es lange Wartezeiten von fünf bis acht Jahren gebe.

Zehn Jahre später hat sich diese Wartezeit verlagert. Heute warten nicht mehr die, die Lehrer werden wollen, sondern die, die Lehrer haben wollen.

(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 191
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ride my pimp
17.09.2010 15:10
Eindrücke vom Praktikum

1. abweisender Lehrkörper (kein Wunder, wenn die Arbeitsplätze vom Ministerium bewusst verknappt werden, ist sich jeder selbst der Nächste)
2. inferiore Voraussetzungen bei den Schülerinnen und Schülern an der betreffenden HAK (!) - "das war total interessant, das mit der Gedichtinterpretation, haben wir noch nie gemacht" - und das drei Monate vor der Deutschmatura (!), die Hälfte der Klasse kann nicht einmal flüssig lesen, vom Erfassen des Sinns ganz zu schweigen -->
3. d. h., man kann sogar in fortgeschrittenen Schulstufen bei "Adam und Eva" anfangen und immer, immer, immer wieder "Basics" wiederkäuen.
4. wenn man dies macht, verkümmert man geistig und kann froh sein, wenn man den psychischen Stress aushält...

Penelope11
08.09.2010 21:45
Wirklich komisch...

...dass nicht mehr junge Leute sich dem faulen Pack, den Buhleuten des Boulevards (und nicht nur dessen), den ständig frei Feiernden, den bösen Kinderschrecken, den Unfähigen, den haltlos Überbezahlten.... anschließen wollen! Vor einer Woche Frage an einen Studenten: "Möchtest nicht doch auf Lehramt studieren?" Er: "Bin ich deppert? Der schlechte Ruf, das schlechte Gehalt bei dem Megastress, den vielen verhaltensauffälligen Kindern, die Ferien wiegen das nie auf. Na, da such ich mir lieber was anderes! Ich möchte ja was haben von meinem Leben."

skip it
07.09.2010 11:11
wenn dann der lehrerposten (wie dzt. von den LHs gewuenscht)...

...zb von eines erwin proell oder eines haeupl "gnaden" abhaengen sollte, dann geht euch ueberhaupt keiner mehr hin.

oder nur mehr die mastdarmakrobaten.

tolle aussichten fuer die jugend dieses landes.

lehrer
04.09.2010 20:34
gewerk-gschaftlern

sollte man nix glauben..vor einigen jahren haben sie mega lehrerüberschuss prognostiziert..und jetzt schreiben und reden sie den mangel herbei??
wird wohl dazu dienen , um möglichst hohe einstiegsgehälter für junglehrer einzuforden?! (neues dienstrecht!)

GoodieGoodie
03.09.2010 15:34

"Österreich gehen die Lehrer aus"
"Engpass bei Lehrern für Mathematik"
"Deutschlehrer-Mangel in Salzburg"
"Lehrermangel macht sich in Vorarlberg bemerkbar"

Die Überschriften der letzten Tage - und es gibt immer noch Leute, die den Lehrermangel nicht glauben wollen!

posaunist
07.10.2010 08:38
genug MA-Lehrer haben keine Job

Alfred Moosbrugger
17.09.2010 15:01

dennoch kann man von einem lehramtsstudium zur Zeit nur abraten:

Liebe Maturantinnen und Maturanten: Werft eure Zukunft nicht weg. Egal, welchem Staat man dient, es ist der falsche und besonders hierzulande hat dieser Satz Gültigkeit!

lehrer
04.09.2010 19:50
genauer lesen

vielleicht sollten poster etwas differenzierter dinge und statistiken anschauen.....7500 studienbeginner an päd hochschulen..! also im pflichtschulbereich gibts sicher nur in einzelnen fächer mangel!!
ahs/bhs bereich etwas kritischer, weil naturwissenschaftler fehlen!

GoodieGoodie
05.09.2010 09:53
nächster Versuch...

7500 Studienbeginner an den pädag. Hochschulen bringen gar nichts, wenn morgen VS-Klassen ohne Klassenlehrer dastehen!

GoodieGoodie
05.09.2010 09:54
Unglaublich!

Der sechste Versuch hat endlich geklappt! ;)

Josef Pochlatko
05.09.2010 07:30
Sie sind schlecht informiert.

Der Mangel an Hauptschullehrern und Sonderschullehrern ist in einigen Bundesländern akut, z. B. in Wien.

Hier unterrichten die meisten schon längst Fächer, in denen sie nicht geprüft sind.

Inzwischen kristallisiert sich allerdings auch im AHS/BHS-Bereich ein Lehrermangel heraus. Besonders naturwissenschaftliche Fächer und Sprachen (!) sind schwer abzudecken. Zieht man jene Lehrer/innen ab, die aus guten Gründen nirgends angenommen werden (Doch, doch, die gibt es.) fehlen etwa in NÖ und Wien einige Dutzend qualifizierte Lehrer.

AHS und BHS decken den Mangel mit Überstunden ab, an Pflichtschulen müssen die Schulleiter dran glauben.

annea
09.09.2010 00:04

Das fachfremde unterrichten hat aber oft nichts mit einem Lehrermangel zu tun, sondern damit, dass Stunden aufgefüllt werden müssen, und wenn für mich als Musiklehrer keine freien Musikstunden mehr da sind, muss ich eben zB Physik unterrichten. Ob ich dafür ausgebildet bin oder nicht interessiert niemanden. Ich frag mich sowieso, wozu wir überhaupt eine Fachausbildung gemacht haben... Aber dann behaupten, dass die Qualität des Hauptschulunterrichts schlecht ist, find ich ein starkes Stück.

Dr. Ma-Cho, chin. Wunderheiler(In)
27.01.2011 22:26
wieso unterrichzten sie musik nicht auch an einer anderen hauptschule

wenn dort der physik-lehrer mit den kindern singen muss....

mehr hirn einsetzen in der einteilung, das wäre notwendig im lsr/ssr

GoodieGoodie
05.09.2010 01:50
5.Versuch

7500 Studienbeginner an pädag. Hochschulen bringen gar nichts, wenn übermorgen VS-Klassen ohne Klassenlehrer dastehen!

GoodieGoodie
05.09.2010 01:47

Leider lässt standard.at meine Antwort nicht durch!
Dreimal habe ich es schob probiert, ich werde es wieder probieren.

GoodieGoodie
05.09.2010 00:02
7500 Studienbeginner an pädag. Hochschulen

bringen gar nichts, wenn übermorgen Volksschulklassen ohne Klassenlehrer dastehen!

GoodieGoodie
04.09.2010 22:55

Die 7500 Studienbeginner an pädag. Hochschulen bringen gar nichts, wenn übermorgen Volksschulklassen ohne Klassenlehrer dastehen!

GoodieGoodie
05.09.2010 12:31

Aha, jetzt geht' auf einmal! ;)

ride my pimp
03.09.2010 09:21

typisch landesschulräte - wenn drei lehrer pro bundesland fehlen, drehen sie auf und jammern,

dann beginnen 1000 mit dem studium, die man nicht braucht und in vier jahren haben wir wieder einen überhang, den man 15 jahre lang abbauen muss...

kann man nicht einfach ein bisschen besser planen und weniger zu den medien rennen, die dann alles gleich aufbauschen, als wäre österreich eine lehrerfreie zone? wo sind denn all die abertausenden auf den wartelisten hin?

Murmelchen1
03.09.2010 12:13
Also bei uns alleine - kleine Schule - 300 Schüler -

fehlen noch 4 Lehrer (INFO, PH, Sprachenkombination, Wirtschaft). Letzte Zuteilungskonferenz vor Schulbeginn ist vorbei und wir haben die Mitteilung des LSR bekommen, dass uns leider niemand zugeteilt werden kann. Wir telefonieren derzeit die Wartelisten von 3 LSRs durch. Häufigste Antworten: Schon längst anderer Job, gar kein Interesse mehr an einem Posten; Bin gerade schwanger, geht erst wieder in 1-2 Jahren; Vor xxx Stunden hat mich gerade eine andere Schule angerufen, habe der zugesagt; Habe nach der schriftlichen Absage am Anfang der Ferien geglaubt ich bekomme heuer nichts und einen anderen Job als Überbrückung angenommen, die Kündigungsfrist ist jetzt leider zu lange.
---- bei uns ist der Lehrermangel jedenfalls Realität.

Murmelchen1
06.09.2010 20:24
Super - haben die Telefoniererei jetzt aufgegeben -

keiner der Informatiker und Wirtschaftler unserer Schule hat weniger als 28 Werteinheiten. Physik übernimmt die Biologin. Für die Sprachen haben wir unserem Unterrichtspraktikanten halt einen volle Lehrverpflichtung gegeben. Alles in allem wird das wohl ein unheimlich qualitätsvolles Schuljahr..... ...und alle werden wohl UNHEIMLICH viel Zeit und Lust auf Tätigkeiten haben, die nicht direkt den Unterricht betreffen.

Alfred Moosbrugger
03.09.2010 09:15
"tolle Informationspolitik"

wie man der grafik entnehmen kann, schlägt die "tolle" informationspolitik der landesschulräte und des ministeriums wieder voll durch - jetzt haben wir quasi dreimal so viele studienanfänger wie sonst,

die werden sich aber wundern, wenn sie fertig werden und null komma null chance auf eine anstellung haben!!!

mountaineer
03.09.2010 09:09

viele werden momentan nicht gerade fertig mit dem lehramtsstudium und die, die fertig werden, wollen (verständlicherweise) nicht unterrichten.

überhaupt kann auch ein höheres einstiegsgehalt bei ("flacherer" kurve) nichts bewirken.

wer arbeitet schon gerne in einem beruf, für den man sechs jahre an der uni gas geben muss, damit man dann 1500 nto. verdient und weiß, dass es dann, wenn man gnädigst einen job bekommt, 30 jahre lang annähernd gleich bleibt?

karriere mit lehre hat mehr anreize!

lehrer
04.09.2010 19:51
wer studiert lehramt

und will dann nicht unterrichten..da muss wohl am iq der studierenden gezweifelt werden!!!!!!!!

Josef Pochlatko
05.09.2010 07:37
Ich wäre vorsichtig mit der Bewertung der Intelligenz Anderer.

Da könnten manche Steinderln das Glashaus treffen, in dem man sitzt.

Tatsächlich haben manche Ausbildungszweige ziemlich geringe Anstellungsraten. Wirtschaftpädagogen, die ein Praxisjahr machen müssen, kommen z. B. sehr häufig nicht in die Schule oder übernehmen nur geringe Teilzeitverpflichtungen.

Aussteiger gibt es auch und gar nicht so selten. M. W. gibt es keine Aufzeichnungen darüber, doch über die Jahrzehnte beobachte ich, dass unter 200 BHS-Lehrern jährlich einer den Beruf wieder aufgibt.

Von Hauptschullehrern aus dem großstädtischen Bereich hört man Ähnliches.

Meistens sind es übrigens hoch qualifizierte, manchmal sogar sehr gute Lehrer.

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