Medieninteresse seit dem Film "Die Bucht" stark erhöht
Tokio - Kurz nach dem Beginn der umstrittenen jährlichen Delfinjagd in Japan haben laut der Tierschutzorganisation Sea Shepherd Fischer die ersten Tiere in einer Bucht zusammengetrieben. Die japanische Fischereibehörde teilte mit, einige Delfine seien für Aquarien gefangen worden, die anderen seien am Freitagmorgen freigelassen worden.
Film mit Folgen
Die Fischer aus Taiji treiben jedes Jahr rund 2.000 Delfine in einer
abgelegenen Bucht zusammen. Einige werden gefangen und in Delfinarien
gebracht, die restlichen werden mit Harpunen getötet und zum Verzehr
verarbeitet. Das Team um Regisseur Louie Psihoyos hatte die umstrittene
Tradition für "The Cove" ("Die Bucht") teils mit versteckten Kameras
gefilmt. Die Bilder von dem Delfin-Schlachten wurden in diesem Jahr mit
einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Japanische Nationalisten hatten den Film im Sommer als anti-japanisch
beschimpft und Kinos mehrfach erfolgreich an der Aufführung gehindert.
Die erste kommerzielle Vorstellung in Tokio fand im Juli unter
Polizeischutz statt.
Der Film hat dazu beigetragen, das seit Jahrzehnten langsam gewachsene internationale Medieninteresse an der Jagd noch einmal deutlich zu erhöhen. Ein Sprecher der Behörde in Taiji sagte, die Kritik aus dem Westen sei
unfair. Die Menschen versuchten lediglich, ihren Lebensunterhalt zu
verdienen. Landwirtschaft oder Viehzucht seien wegen der steinigen
Landschaft schwierig.
Aufklärungsprozess
Der aus "Die Bucht" bekannte Aktivist Ric O'Barry von der Organisation "Rettet Japans Delfine" hat in Tokio rund 100 Anhänger versammelt und gegen das Schlachten
protestiert. Er schrieb in seinem Internet-Blog, er habe einen geplanten Besuch in Taiji abgesagt, nachdem er vor einer Konfrontation mit "extremen nationalistischen Gruppen" gewarnt worden sei. (APA/red)