Rücktrittsforderungen

Provisionen: Makler auf den Barrikaden

1. September 2010, 16:32
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    montage: derstandard.at

    Die Verordnung von Wirtschaftsminister Mitterlehner, in Kraft seit 1. September, wird von der Makler-Branche weiter vehement bekämpft.

FP-naher RÖM fordert Wiener Fachgruppen-Obmann Brichard zum Rücktritt auf. Der ist seiner­seits erbost über die Verordnung

Die seit heute, 1. September, gültige neue Makler-Verordnung versetzt die Branche weiterhin in Krisenstimmung. Vor allem der Obmann der Wiener Fachgruppe, Oliver Brichard, zieht den Unmut vieler Makler auf sich. Der Vizepräsident des FP-nahen "Rings Österreichischer Makler" (RÖM), Elmar Dirnberger, wirft Brichard vor, sich nicht genug gegen die Verordnung von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gewehrt zu haben. Brichard sei "offensichtlich nicht in der Lage" gewesen, "einen ehemaligen Wirtschaftsbundsekretär, (...) Parteifreund und WB-Kollegen (Wirtschaftsbund, Anm.) derartig in die Schranken zu weisen, dass er (...) kennenlernt, wo es in der Immobilienbranche lang geht", schreibt Dirnberger erbost in einer Aussendung.

Dass sich Brichard auf die Fahnen hefte, die Verordnung mehrere Jahre lang aufgeschoben zu haben, lässt Dirnberger nicht gelten. "Richtig ist vielmehr: Diese wirtschaftliche Vernichtung eines guten Drittels unserer Branchenmitglieder wurde bis nach den kürzlich erfolgten Kammerwahlen bewusst aufgeschoben, um eine völlige Neugestaltung der Wiener Immobilienvertretung durch gestandene RÖM-Mitglieder (...) noch rasch zu unterbinden." Dirnberger hegt sogar die Vermutung, es handle sich bei der Vorgangsweise der Fachgruppe um einen "von langer Hand vorbereiteten Putsch, um den Markt zu bereinigen".

Rücktritts-Aufforderung

Dirnberger stellt Brichard schließlich sogar ein Ultimatum: "Wir erwarten Ihren Rücktritt bis spätestens 15.9.2010." Weiters kündigt er an, dass die RÖM-Mitglieder ihre Kammerbeiträge nicht mehr zahlen werden, "bis die Makler-Verordnung aufgehoben und außer Brichard auch noch der peinliche Sekretär Mitterlehner als Wirtschaftsminister politisch entsorgt ist".

Vom Bundes-Fachverband verlangt Dirnberger eine Zusage, dass er die Kosten für zwei vom RÖM initiierte, "von Topanwälten bereits vorbereitete Klagen auf Europaebene" übernehme, "ansonsten werden wir die Hinterlegung aller Kammerbeiträge in Luxemburg allen österreichischen Zwangsmitgliedern empfehlen".

Brichard: Stellen wurden bereits abgebaut

Der Wiener Fachgruppen-Obmann Oliver Brichard will die Aussendung von Dirnberger im Gespräch mit derStandard.at nicht kommentieren. In der Sache gehe es ihm grundsätzlich darum, "dass die Bedenken gegen die Verordnung nicht von der Hand zu weisen sind". Aus diesem Grund müsse - akkordiert mit dem Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI), der dies ebenfalls ankündigte - eine Klage in verfassungs- und kartellrechtlicher Hinsicht geprüft werden, so Brichard.

Er kritisiert weiters vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Verordnung umgesetzt wurde. "Unsere Mitglieder haben sechs Tage vor Inkrafttreten davon erfahren. Da ist es unmöglich, darauf zu reagieren." Die Novelle sei "so unmittelbar" erfolgt, und "ebenso unmittelbar ist jetzt die Reaktion darauf": Mehrere Mitglieder der Wiener Fachgruppe hätten ihm bereits mitgeteilt, dass sie gezwungen seien, Stellen abzubauen. "Manche Kollegen haben schon zwei, drei Leute rauswerfen müssen, weil sie sonst ihre Jahresziele nicht erreichen."

Mitterlehner: "Fachverband war eingebunden"

Wirtschaftsminister Mitterlehner zeigte sich am Mittwoch allerdings neuerlich "befremdet" über die anhaltende Kritik aus der Branche. Der Fachverband sei in die Verhandlungen über die Verordnung eingebunden gewesen sei. Dabei sei als Verbesserung für die Branche erreicht worden, die Grenze für die Provisionen bei befristeten Mietverträgen von vier auf drei Jahre zu reduzieren. "Fachverbandsobmann (Thomas) Malloth hat sich für diese Zugeständnisse nicht nur bedankt, sondern auch eine sachbezogene Vermittlung der Ergebnisse an seine Mitglieder zugesichert", bekräftigte Mitterlehner. Auch der Termin des Inkrafttretens sei mit dem Fachverband akkordiert gewesen.

Brichard lässt den Hinweis, dass die Novelle der Verordnung schon seit 2007 im Regierungsübereinkommen steht, aber nicht gelten. "Im Regierungsprogamm steht wörtlich: 'Unter Anhörung der Berufsgruppe.' - Und genau so hat das stattgefunden", übt er sich in Sarkasmus.

RFW vermutet "Wahlkampftaktik"

Nicht ganz so unfreundlich wie RÖM-Vizepräsident Dirnberger, aber nicht weniger bestimmt geht der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) mit dem Wirtschaftsminister um. Landesobmann Detlev Neudeck vermutet ebenfalls, dass die "überfallsartige" Umsetzung der Verordnung "nur Wahlkampftaktik" sei, und richtet einen "Offenen Brief" mit neun Fragen an Mitterlehner. (map, derStandard.at, 1.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 87
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Dein schönster Traum
00
3.11.2010, 07:59
Und der offene Brief...

...diese Maklertränen sind so köstlich, jede Träne macht mein Herz lachen.

Dein schönster Traum
20
13.10.2010, 22:44
Ja, steigts auf die Barrikaden!

Und jedesmal, wenn einer von Euch in Konkurs geht, mach ich eine Flasche Sekt auf!

Weg mit der ungerechtfertigten Mitnascherei!

Johannes M. Pokorny
01
13.10.2010, 19:27
BM Mitterleher hat vor Maklerstand zu versenken!

Der Wirtschaftsminister der ÖVP, einer angeblich den Unternehmer nahestenden Partei, hat sich scheinbar zum Ziel gesetzt einen ganzen Berufsstand zu versenken und umzukrempeln.

Gäbe es nicht weit wichtigere Themen die in der Gesellschaft schon die längste Zeit anstehen? z.B. Steigende Beschäftigungsprobleme aufgrund von z.B. zu hohen Steuerlasten auf Gehältern.

Die ÖVP ist scheinbar aus lauter Angst vor den Blauen dabei sich zu versenken und aufzulösen. Der Herr Schüssel hat wenigstens noch etwas für die Wirtschaft gemacht. Ein Wirtschaftsminister sollte sich um die Förderung der Wirtschaft kümmern, nicht die Wirtschaftstreibenden zu behindern.

Wo sind wir hingekommen? Wie soll es weiter gehen?

Dein schönster Traum
00
3.11.2010, 07:55
Ja, hoffentlich!

Was sind 10.000 Makler im Konkurs?

Richtig! Ein guter Anfang!

Keine Makler = keine Maklerprovisionen! Und endlich leistbare Umzüge, ohne Kreditaufnahme und ohne leistungslose Mitnascher!

ned schimpfen: flashmobben
00
12.10.2010, 00:23
brichard

der allerbeste hausverwalter der welt jajajaaaa!

bin ich froh nimmer in einer brichard verwalteten Anlage zu wohnen!

Oeki oek
01
11.9.2010, 02:22
Streik

Makler tut euch zusammen. Keine Anzeigen mehr im Kurier am Samstatg Sonntags Presse usw Natürlich stornieren wir alle Online Portale wo wir nette Sümmchen zahlen.Dann werden wir mal sehen. Aber Kammerumlage nicht bezahlen, das bringt nix!

francis79
 
00
Rücktritt, Kammerbeiträge?

"Wir erwarten Ihren Rücktritt bis spätestens 15.9.2010."
Sowas hätt ich mir in Österreich auch schon von so manchem erwartet .... viel Spass beim warten!
Weiters kündigt er an, dass die RÖM-Mitglieder ihre Kammerbeiträge nicht mehr zahlen werden, "bis d....

jaja, Kammerbeiträge nicht zahlen :-) Machts nur!

Tintifax2000
00
es muß darüberhinaus verboten sein, dass

.. zwischen dem abgeber der Wohnung und dem Makler ein wirtschaftliches Naheverhältnis besteht - weil aktuell wird sehr oft einfach ein makler "zwischengeschoben", sprich der mietwerber meldet sich bei der hausverwaltung oder besitzer und bekommt dann aber das angebot von einem zwischengeschobenen makler - und darf 2 monatsmieten abdrücken ...

Finkelstein
02
Streik der Makler

Eine faszinierende Idee!
In der Zwischenzeit müssten die Vermieter die Wohnungen selber herzeigen und vielleicht enstünden so ja auch neue Freundschaften.

Dein schönster Traum
10
3.11.2010, 08:04
Haha...

...und billiger wirds auch. Ich bin mir sicher, daß in dem Fall niemand irgendetwas vermissen würde.

Weder Vermieter noch Mieter bekommen von diesen Leuten eine Leistung, außer die aufgehaltene Hand, bereit zum Abcashen, zum Mitnaschen beim Geschäft zweier anderer Leute.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
02

"von Topanwälten bereits vorbereitete Klagen auf Europaebene"

Den Schriftsatz möchte ich sehen, muss ein echter Brüller sein.

Zweimal denken, einmal sprechen
00
11.10.2010, 17:30

Bitte ich auch!

Shrike
14

Dann können sie ja gleich überprüfen lassen, ob es zulässig ist wenn jemand für eine Leistung bezahlt (Mieter), die ein anderer bestellt und erhält (Vermieter). Denn fürs einmalige Wohnung aufsperren 3 Monatsmieten zu bezahlen steht in keiner Relation zur Leistung. Der Mieter bezahlt also dafür, dass der Vermieter zu faul ist selber die Administration zu machen.

Die völlig durchgeknalle Stimme der Vernunft
01
Und in den Anzeigen (die bereits im septmebr erschienen sind)

steht in der Hälfte immer noch was von 3 BMM (falls überhaupt was steht).
Auch hier am Standard.
Irgendwelche Nicht-Leser und Nicht-Nachrichtenhörer werden sich schon finden die das zahlen...

*Postingname*
00

Hausverwalter durften bisher übrigens maximal zwei Bruttomonatsmieten verlangen, in Zukunft nur mehr eine. Trotzdem wirbt eine große Immobiliengesellschaft in ihren Inseraten weiterhin mit "Provision: Nur 2 Monatsmieten, da Liegenschaft auch von ... verwaltet wird."

Strg-Alt-Entf
20

Wie auch im Artikel beklagt wird, sind die Makler quasi über Nacht und völlig unvorbereitet von der Änderung überrascht worden, so dass sie gar keine Chance hatten, zu reagieren. Damit konnte schließlich niemand rechnen, dass eine seit Monaten vorbereitete und seit Jahren diskutierte Verordnung irgendwann tatsächlich inkraft treten würde. ;-)

Tintifax2000
11
also können ...

... die Makler nicht streiken ?

Das hätte wenigstens ein gewisses Unterhaltungspotential ...

Hubert Muellner
00
marklerstreik und keiner merkts

gute idee

misanthropie
00
Oliver Brichard ist ein held

im gegensatz zu den abzocker-maklern hier in wien..

Markus D. Hartbauer
 
25
Internet killed the Makler-Star

Das ist ein obsoletes Gewerbe.
Punkt.

Dein schönster Traum
00
3.11.2010, 08:07
Ja!

Es gibt soviele schöne Berufe, die ungefähr die gleiche Kompetenz wie das Handaufhalten beim Wohnungsaufsperren erfordern.

Regale einschlichten, Boden aufkehren, vielleicht ist ja sogar mal ein Staplerschein drin?

Katze Konstantine
00
Jaaa

klagsts auf Europaebene (nicht dass das rechtlich geht, aber ist wurscht), da besteht dann die Chance, dass der EuGH das ganze üble Preiskartell durch Sonne und Mond schießt und Österreich überhaupt die Anwendung eines Höchstpreises verbietet. Und dann kommt sowieso das Verbot der Doppelmaklerei, weil die Konsumenten gar nicht zu schützen, kann sich auch die ÖVP nicht leisten. Was besseres kann gar nicht passieren.

dabu dabu
12
soso...

...der boss von dirnberger immobilien ist als der vize-chef eines fp-nahen vereins. na das sagt eh schon alles. von dem will ich kein objekt mieten, da brauche ich am ende noch einen arier-ausweis...

Stefan_H_
00
Solche dummen Kommentare,

könnte man sich wirklich sparen

dabu dabu
00
warum dumm?

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