Kardiologenkongress

Marathon-Läufe können das Herz schädigen

1. September 2010, 13:52

Teilnahme an Ultra-Langstecken nur mit adäquatem Trainingspensum

Graz, Stockholm - Ultra-Langstrecken-Läufe können den Herzmuskel schädigen und das auch bei Spitzenathleten. Das berichteten Forscher vom Countess of Chester Hospital in Liverpool, UK, auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Stockholm. Im Rahmen einer Studie wiesen nach Ende des Laufes 96 Prozent der Teilnehmer einen signifikanten Anstieg von Troponin I auf, einem möglichen Indikator für Schädigungen des Herzmuskels. Zwölf Prozent der Teilnehmer hatten Anzeichen einer signifikanten Schädigung des Herzmuskels. Die Hälfte der EKGs zeigten Veränderungen: Nach dem Lauf wurde eine sechs-prozentige Abnahme der Herzfunktion beobachtet, "die bedeutsam sein könnte", so die Studienautoren.

Untersucht wurden 45 Teilnehmer des Ultra-Marathon-Rennens "Lakeland Race", bei dem eine Strecke von mindestens 80 Kilometern in zum Teil hügeligem Gelände zurückgelegt wird. Die Studien-Teilnehmer im Alter zwischen 24 und 62 Jahren hatten und bereits mehrfach an Marathons und Ultra-Marathons teilgenommen, bei keinem war vor dem Rennen ein Herzproblem bekannt gewesen. In einer weiteren in Stockholm vorgestellten Studie der Charitè-Universitätsklinik Berlin zeigten 167 Teilnehmer des Berlin-Marathon mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren nach dem Lauf echokardiographische Veränderungen, die sich allerdings nach 14 Tagen zurückgebildet hatten.

Ultramarathons aus sportmedizinischer Sicht zu hinterfragen

"Die Teilnahme an Ultramarathons muss aus sportmedizinischer Sicht ernstlich hinterfragt werden", kommentiert Falko Skrabal vom Institut für Herzkreislauf- und Stoffwechselmedizin in Graz, in einer Aussendung. Um aus sportmedizinischer Sicht einen Marathon laufen zu können, ist im jahrelangen Training ein Laufpensum von etwa 50 Kilometer pro Woche nötig, was bei einem 70 Kilo schweren Mann einem Kalorienverbrauch von etwa 3.500 Kilokalorien pro Woche entspricht. Für einen Ultramarathon sind zumindest 80 Kilometer pro Woche günstig. Ein geringeres Trainingspensum wäre aus medizinischer Sicht abzulehnen, so der Mediziner.

Das optimale Trainingspensum für den Gesundheitssport liegt aber bei dreimal 45 bis maximal dreimal 60 Minuten aerobem Training pro Woche, womit man aber keinen Marathon sinnvoll bestreiten könne. "Die Fehlmenge auf das Optimum von 2500 kcal/Woche sollte durch Körperarbeit bestritten werden, die in den Alltag eingebaut wird, zum Beispiel auf dem Weg ins Büro und im Treppenhaus. Mit zunehmendem Alter sollte zusätzlich ein Krafttraining inkludiert werden", so Skrabal.

Teilnahme nur mit adäquatem Trainingspensum

Gegen die Teilnahme an Marathons in jüngeren Jahren sei aus sportmedizinischer Sicht bei adäquatem Trainingspensum nichts einzuwenden. Wenn bei solchen Ereignissen ab dem 50. Lebensjahr EKG Veränderungen nach dem Wettkampf beobachtet werden, sind strukturelle Veränderungen am Herzen und/oder an den Koronargefäßen wahrscheinlich. Bei Marathonläufern in mittleren Lebensjahren wurde zusätzlich bei Langzeitbeobachtungen eine höhere spätere Inzidenz von Vorhofflimmern beobachtet. "Ausdauer-Athleten, die in jungen Jahren Wettkämpfe üblicher Weise ohne gesundheitliche Schäden bestritten haben, in späteren Jahren aber nur Gesundheitssport und keinen Wettkampfsport betreiben, können damit kardiovaskuläre Risikofaktoren wie hohe Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck reduzieren und haben zwischen dem 50. Und 80. Lebensjahr Überlebensvorteile gegenüber Nicht-Sportlern", so Skrabal. (red)

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12 Postings
ghoefi
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Sie hätten 6 Stunden laufen mit 6 Stunden kampftrinken vergleichen sollen... Beides als Hobby verbreitet, zweiteres eher weiter, mal sehen, wie da dann die Einschätzung ist...

Art Vandalay
01
Die Ueberschrift ist falsch

und ein wenig zu reisserisch.

Korrekt muesste es lauten:

Ultra-Marathon-Läufe können das Herz schädigen

denn die wurden ja in der Studie untersucht. Ist dann halt nicht mehr so sensationell

Dr Don Tango
01

ich renn weils spass macht, nicht weils gesund ist!

König Ímdélák I.
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klar

noch ungesünder sind schweinshaxen

heintje
02

ist ja alles ganz was neues ;-) aber gedacht habe ich es mir immer schon

Karl Krammer
01
wenn sich die Menschen in den Jahrtausenden vor der Erfindung der Zivilisation

nur "dreimal 45 bis maximal dreimal 60 Minuten aerob" bewegt hätten, dann wären sie verhungert.

Dark Funeral
 
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Dafür lag ja auch die Lebenserwartung nur bei 30 Jahren. Das Argument widerspricht der Studie also nicht :)

Ich frage mich viel eher, warum körperlich arbeitende Menschen wie zB Bauarbeiter nach dieser Studie nicht mit 35 Jahren an Herzversagen sterben. 3500 kal verbrennt man dabei nämlich mehrfach in einer Woche.

Karl Krammer
01
das ist ein Irrglaube, der auch bei der Pensionsvorsorge zu falschen Schlüssen führt

Die steigende Lebenserwartung wird oft als Problem für die Rentenversicherung angeführt, aber obwohl die Lebenserwartung in den letzten 60 Jahren von 68 auf 78 gestiegen ist, lebt man heute gerade mal 4 Jahre länger als damals, wenn man es mal bis 65 geschafft hat. "mostly it meant much higher child mortality than we have now" (Krugman). Deshalb gab es in Griechenland schon vor 2500 einen Ältestenrat, wo man mind. 60 Jahre alt sein musste, der immer gefüllt war, obwohl die Lebenserwartung nur 36/45 (Frauen/Männer) war.
Aber natürlich werden heute halbtote Menschen durch die Medizin jahrelang irgendwie am Leben gehalten, die jeweils auch jenseits der 70 weit agiler sein könnten, hätten sie sich in jüngeren Jahren nur ausreichend bewegt.

noexist
 
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Das mit der Lebenserwartung stimmt ja nicht. Das ist der statistische Durchschnitt, der durch die sehr hohe Säuglings-/Kindersterblichkeit verzerrt wird.
Der Ötzi war beispielsweise schon geschätzte fünfzig, als er anscheinend während einer Hochgebirgstour ermordet wurde.

iohui
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naja, die meisten sind gestorben weil sie keine warnhinweise und verbotstafeln hatten, oder beim gebären, oder weil sie von wilden viechern gefressen wurden.

X Y
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Das

sollte wohl pro Wochentag heißen.

FSK
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deren lebenserwartung ist aber tatsächlich geringer.

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