Linke plant Neuauflage der Ulivo-Allianz

01. September 2010 13:04

Oppositionschef Bersani startet Konsultationsrunde für Aufbau einer Anti-Berlusconi-Front

Rom - Italiens Opposition rüstet sich für mögliche Neuwahlen im Dezember, sollte die Regierung Berlusconi im Parlament bei der Vertrauensabstimmung über das neue Programm scheitern. ZU diesem Zweck wird eine erneuerte Version der Mitte-Links-Allianz "Ulivo" geplant, die Ex-Premierminister Romano Prodi 1995 gegründet hatte.

Der Chef der Demokratischen Partei (PD) Pierluigi Bersani startete eine Konsultationsrunde mit linken und zentrumsorientierten Gruppierungen, um ihre Bereitschaft zu einer Neubelebung des "Ulivo" zu sondieren, die gegen Regierungschef Silvio Berlusconi im Fall vorgezogener Parlamentswahlen antreten sollte. Mit der Mitte-Links-Allianz hatte Prodi die Parlamentswahlen 1996 und 2006 gewonnen. Die Allianz hatte sich allerdings 2007 aufgelöst.

Zurück zu den Wurzeln

Bersani will zurück zu den Wurzeln. "Der neue Ulivo will nicht eine lose Parteienallianz sein, sondern zu einer soliden Koalition werden, die sich auf einige für das Land lebenswichtige Schwerpunkte konzentriert, wie Beschäftigung, Reform des Steuer- und Justizsystems sowie die Bekämpfung der Interessenskonflikte zwischen Politik und Wirtschaft. Wir wollen den Wählern ein großes Projekt für Italien vorlegen", meinte Bersani.

Der Oppositionschef drängt auf eine Reform des Wahlsystems und will Verhandlungen mit den Parteien starten, die dieses Anliegen teilen. Es sei wichtig, dass das seit 2006 geltende Proporzsystem mit Mehrheitsprämie im Senat und Sperrklausel abgeschafft werde, da es bisher Berlusconis Lager stark begünstigt habe. Wie Ex-Premier Massimo D'Alema ist Bersani mit der Einführung des reinen Proporzsystems nach deutschem Muster einverstanden.

Bersanis Pläne stoßen bei der altkommunistischen Partei Rifondazione Comunista auf Zustimmung. "Wir stehen vor der Herausforderung, nicht nur Berlusconi zu besiegen, sondern auch die Bedingungen abzubauen, die es ihm bisher ermöglicht haben, eine Übermacht in Italien auszuüben", kommentierte der Rifondazione-Vorsitzende Paolo Ferrero. Er appellierte an die zersplitterten Linkskräfte, sich wieder zu vereinigen. Italien müsse das politische System aus zwei großen politischen Lagern überwinden, das Berlusconi ermöglicht habe, 15 Jahre lang fast ununterbrochen Italien zu regieren.

Skepsis im Zentrum

Im Zentrumslager werden Bersanis Pläne mit Skepsis beobachtet. "Wir respektieren Bersanis Versuche, doch es wird nicht einfach sein, eine solide Allianz aufzubauen, die stark links orientiert wäre", kommentierte der Chef der Zentrumspartei "Allianz für Italien", Francesco Rutelli.

Berlusconi, der nach dem Bruch mit seinem bisherigen Vertrauten Gianfranco Fini politisch in Bedrängnis geraten ist, will sich noch im September im Parlament einer Vertrauensabstimmung über ein neues Regierungsprogramm unterziehen. Sollte er das Vertrauen der Fini-Anhänger erhalten, hofft er bis zur Ende der Legislaturperiode 2013 weiter zu regieren. Die Fini-Anhänger haben jedoch starke Bedenken bezüglich einiger Aspekte des neuen Regierungsprogramms. Vor allem die Justizreform, ein Hauptanliegen der Regierung Berlusconi, wird von Finis Verbündeten kritisiert. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
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-Nathan-
 
09.09.2010 00:48
hier zu den Elitokraten des PD:

http://www.la7.it/news/tgLa... t=politica

agarthianer
01.09.2010 21:33
Feierabend
01.09.2010 19:44
altkommunistischen Partei Rifondazione Comunista?

was ist altkommunistisch? gegenstand antisozialistischer hetze der bürgerlichen zu sein? so gesehen ist aus dem blickwinkel burlesconis alles altkommunistisch! warum der standard diese floskel übernimmt is mir ein rätsel!

-Nathan-
 
02.09.2010 01:53
einfach Parteiprogramm lesen:

http://home.rifondazione.it/xisttest/

Herr und Frau Österreicher
 
02.09.2010 09:01

Rifondazione heißt "Neugründung"! Die PCI war schon nicht "altkommunistisch", sondern "eurokommunistisch"...

Unzeit-gemäß
02.09.2010 11:10
Begriffsverwirrung

90 % jener, die sich in Italien als "Kommunisten" verstehen, sind einfach nur etwas linkere Sozialdemokraten (die nur deshalb als linksradikal erscheinen, weil halt das ganze Land so rechts ist). Die agitieren nicht für Revolution und Systemwechsel (dafür gibt es in Italien den Ausdruck "sinistra antagonista"), sondern suchen seit jeher Reformkoalitionen mit bürgerlichen und katholischen Kräften.

Beobachter zweiter Ordnung
01.09.2010 19:02
Manchmal versteh ich das alles nicht mehr

Italien ist wirtschaftlich am Boden, viele Menschen sind unzufrieden, Demokarten leiden unter dem Abbau der Demokratie. Was hindert eine neue Linke daran, sich rund um die (alten, aber immer noch guten) politischen Werte: Chancengleichheit, Verteilungsgerechtigkeit, Demokratie, Transparenz, und neue Themen: Ökologie, Friedenspolitik, Integrationspolitik zusammen zu finden und eine schlagkäftige Organisation zu bilden? Ich weiß, dass viele Menschen sich das wünschen.

?und
02.09.2010 09:26
das ist der gleiche korrupte büttel wie rechts

teufel mit belzebub austreiben?

-_-
01.09.2010 19:02
ich fürchte das wird wieder nichts,

Italien ist auf "ewig" Berlusconi und Bossi ausgeliefert, vor allem letzterer wird kräftig zulegen bei der nächsten Wahl

Nukularist
01.09.2010 16:32
Das Problem ist:

Koalitionen halten deshalb so schlecht, weil politische Korruption in Italien so unglaublich einfach ist. Da ist Österreich fast eine Insel der Seeligen dagegen. (Ernsthaft jetzt.)
Die italienischen Wahlgesetze fördern außerdem die Entstehung von One-Issue-Parteien, die bei ihrem einen Thema selbstverständlich nicht Kompromisse eingehen können, was einen Zusammenschluss verschiedener Parteien sehr schwierig macht.

Berlusconi schafft das nur deshalb, weil er ein genialer Stratege ist, fast die gesamte Medienwelt kontrolliert und es schafft, die Parteien seiner Koalition zur Zusammenarbeit zu zwingen.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine nicht von Berlusconi geleitete Koalition länger als zwei Jahre hält. Auch bei den Rechten.

Herr und Frau Österreicher
 
02.09.2010 09:04
"weil politische Korruption in Italien so unglaublich einfach ist. Da ist Österreich fast eine Insel der Seeligen"

Da wäre ich mir ncht so sicher. Die frage ist ja nur, wieviel ans tageslicht kommt.
In Ö. hab ich manchmal den Eindruck, die Leute wollen mit den halblegalen und illegalen Machenschaften der politisch verantwortlichen gar nicht konfrontiert werden, weil sie das überfordert oder "weil man eh nix machen kann"...

Beobachter zweiter Ordnung
01.09.2010 18:56
Berlusconi ist kein Stratege, sondern ein von der Mafia gepushter Zwerg.

?und
02.09.2010 08:59
auf grund demokratischer wahlen an der macht, oder?

-Nathan-
 
01.09.2010 16:05
danke Linke/PD/Opposition !

das garantiert dem Mitte-Rechts-Lager mind. weitere 10 Jahre im Amt...l´armata brancaleone wo alles und dessen Gegenteil,(von den radicali extrem-Liberale bis zu extremen Kerzelschluckern und Papstanhängern bis zu den Kommunisten) dabei ist.Veltroni (ex PD-Chef) hat recht-so wird das nichts.die Linke und Co sind total daneben und hätten wohl am liebsten die Sperrklausel ganz abgeschafft und wieder Verhältnisse wie in der prima repubblica.ich bedanke mich nochmals an die Chaos-Partei PD-sie sichert dem Berlusconi auf Jahrzehnte hinaus das polit. Überleben.Und die finiani und das UDC werden bestimmt einem solchen "Bündnis" niemals beitreten..also dann bis zu eurer nächsten Wahlniederlage...

VS.
02.09.2010 02:17
ob berlusconi

wirklich noch jahrzehnte vor sich hat?

e g c
01.09.2010 23:10
20 Jahre, mindestens!!

jovanotti_for_president
01.09.2010 20:21

Nicht zu früh freuen, denn diese Linke hat den guten Berlusca bereits 2x bei Wahlen geschlagen.
Ausserdem wird so ein Szenario erst realitisch, wenn die Mitte-Rechts-Regierung endgültig scheitert, da werden sie wahrscheinlich vom Wähler abgestraft.

Also könnte die nächste Wahl eine Niederlage für die PDL bedeuten, überhaupt wenns gegen den Vendola geht.

Unzeit-gemäß
01.09.2010 16:51
Das ist ein Kreislauf:

Die Mehreit der Italiener wählt Berlusconi, der als 1-Mann-Phänomen sozusagen außerhalb des normalen Parteienspektrums steht.

Das gesamte normale Parteinspektrum von rechts bis links drängt sich auf den Oppositionsbänken, kann aber - auch wenn Berlusconi mal unter 50 % fällt - logischer Weise keine funktionierende Regierung bilden.

Weil dies so ist, erscheint es der Mehrheit der Italiener naheliegend, dann doch wieder Berlusconi zu wählen ... usw. usf.

Unzeit-gemäß
01.09.2010 14:03
Auf deutscher Verhältnisse übertragen ...

... entsprechen:
- die Strömungen um Rutelli, Casini und Fini der CDU/CSU
- di Pietro's IdV einer Mischung aus FDP und Grünen
- der PD unter Bersani der SPD
- die "Kommunisten" um Ferrero und Diliberto der deutschen Partei "Die Linke".

In der italienischen Opposition ließe sich also der gesamte deutsche Bundestag unterbringen! Wird schwer ...

lapidus
01.09.2010 18:54
Ich glaube nicht, dass Fini mit Bersani eine Allianz bilden würde.

Falls wirklich UDC und die Kommunisten dabei sind, würde die Regierung mit Sicherheit scheitern. Irgendein Grund findet sich immer. Sobald alle Parlamentarier ihre Pensionsansprüche geltend machen können (nach ca. 2 jahren), gibt es Neuwahlen.

Im Moment würde Berlusconi die Wahlen locker gewinnen. Seine einzige Gefahr ist, dass seine Prozesse fortgeführt werden. Deshalb will er auch keine Neuwahlen. Erst muss er noch ein Gesetz auf die Wege bringen, das seine Verurteilung verhindert. Wenn er es nicht schafft, könnten die Prozesse vor Jahresende weitergeführt werden.

byron sully
01.09.2010 16:18

auch wenn die zuordnungen nicht ganz 1:1 übereinstimmen, aber was die grundaussage betrifft, haben sie schon recht. die parteien, die früher mal im "ulivo" waren, entsprechen im großen und ganzen dem spektrum des deutschen bundestags. das zeigt, wie weit rechts berlusconi eigentlich steht (und dennoch wird sein bündnis immer wieder als MITTE-rechts bezeichnet - ich frag mich, wo da die mitte sein soll).

sixela
02.09.2010 09:54

Wo die Mitte ist, ist immer eine Sache des persönlichen Standpunktes. Fast jeder ist gern in der politischen Mitte, und der politische Gegner steht dann immer gaaaaanz weit rechts oder links.

-Nathan-
 
01.09.2010 15:58
falsch.

die IDV ist eine rein populistische Partei um Di Pietro und DE Magistris.Grüne sind keine vorhanden und ein Teil der Kommunisten steht links der deutschen Linke.Und die PD ist eine Mischung aus Sozialdemokraten,linken Katholiken,Reformgrünen,Liberalen und Altsozialisten und die UDC ist eindeutig eine opportunistitische Vatikan-AG mit Schwerpunkt im Süden,der Rutelli steht nur für sich selbst....so wird das nichts,der berlusca wird bis zu seinem Tod im Amt bleiben.

jovanotti_for_president
02.09.2010 12:40
Du liegst falsch, Natan

Die IDV ist zweifelsohne populistisch und verdankt ihre Erfolge in erster Linie Di Pietro,De Magistris und anderen anerkannten Persönlichkeiten.
Sie ist aber inhaltlich liberal eingestellt und gehört auch nicht zufällig zu der liberalen Fraktion im EU-Parlament.

Die UDC opportunistisch?Wäre sie so hätte sie sich 2008 der Sieger-Koalition angeschlossen und wäre nicht alleine angetreten.Sie ist christlich wie die anderen europäischen Volksparteien und nicht im Besitz des Vatikans.

Nun zur PDL:Das ist ein Berlusconi-Jubelverein,extrem populistisch,Inhalt:Berlusca retten.Und niemand darf dem Padrone widersprechen,sonst geht es einem wie Casini & Fini.
Dort sind fast nur noch Opportunisten!

Bald sind Wahlen,da fällt dann die Entscheidung.

-Nathan-
 
02.09.2010 18:06
was das PDL betrifft hast du recht...

...beim IDV nicht,denn die europ. Palamentsfrakton heist Liberale UND Demokraten (und IDV gehört zu zweiteren...)....was das UDC betrifft weist du ebensogut wie ich das das UDC unter Umständen jetzt wieder in die Regierungskoalition eingetreten wäre,die Lega aber das auf keinem Fall wollte,denn das wäre der Tod jeglicher Föderalismusreform---das UDC hat seine Hochburgen südlich von Rom.

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