Einsatz des Spieles nicht im Wien-Wahlkampf geplant - Islamische Glaubensgemeinschaft bringt Anzeige ein
Die Staatsanwaltschaft Graz hat ein
Ermittlungsverfahren wegen des "Anti-Minarett-Spiels" eingleitet, das
auf der Homepage der steirischen FPÖ eingerichtet ist. Ein Sprecher
der Anklagebehörde bestätigte den Eingang der Anzeige - nun werde
eine Sachverhaltserhebung beauftragt. Die Anzeige lautet auf Verdacht
der Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren, Delikte, die mit
einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bzw. sechs Monaten
bedroht sind.
Spiel derzeit noch online
Die Anzeige gegen das Spiel ist am Dienstagnachmittag vom
Juristen
des Grünen Landtagsklubs erstattet worden. Wie Hans-Jörg- Bacher,
Sprecher der Anklagebehörde, am Mittwoch sagte, wurde das
Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der für Medieninhaltsdelikte
zuständige Staatsanwalt werden nun Sachverhaltserhebungen in Auftrag
geben. Ob das Spiel per einstweiliger Verfügung vom Netz genommen
werden muss, könne noch nicht gesagt werden, so Bacher: "In einem
ersten Schritt muss geprüft werden, ob der Tatbestand erfüllt ist, in
einem zweiten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind."
Islamische Glaubensgemeinschaft bringt Anzeige ein
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
(IGGiÖ) hat empört auf das Anti-Minarett-Spiel der steirischen FPÖ
reagiert und erstattet Anzeige. Es ist menschenverachtend, wie auf Muezzins und Minarette geschossen wird. Eine
Weltreligion wird so herabgewürdigt", teilte die IGGiÖ dazu in einer Aussendung
mit. IGGiÖ-Präsident Anas
Schakfeh bezeichnete das Spiel im ORF-"Morgenjournal" als
geschmacklos und religionsfeindlich. Laut eigenen Aussagen reagiert
der steirische FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann mit dem Spiel auf den
langfristigen Wunsch Schakfehs nach einer erkennbaren Moschee mit
Minarett in jeder Landeshauptstadt.
Die FPÖ wolle Missgunst säen, das Spiel sei "geschmacklos und
nicht nachvollziehbar in einem Land, in dem die Menschen bis jetzt in
Frieden und Harmonie gelebt haben", so Schakfeh. "Das ist Religions-
und Fremdenfeindlichkeit sondergleichen." "Man kann in
Österreich mit anerkannten Kirchen und Religionen nicht so umgehen."
Bundes-FPÖ verteidigt Spiel
Auch der Integrationsbeauftragte der Islamischen
Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, sparte in nicht mit Kritik am
Online-Spiel: "Ist die FPÖ mittlerweile von allen guten Geistern
verlassen? Die Hetze gegen Religionen hat ein absolut untragbares
Ausmaß erreicht." Vom Spielaufbau her handle es sich um einen
Shooter, also ein Spiel, wo es darum geht, in kürzester Zeit
möglichst viele Ziele abzuschießen und zu zerstören. Für Al-Rawi
bläst die FPÖ damit zur virtuellen Jagd auf religiöse Symbole und
Einrichtungen. Er fordert die Verantwortlichen nun auf, das Spiel
umgehend zu entfernen.
Auch in der FPÖ gibt es negative Reaktionen zum Spiel. Der niederösterreichische FP-Abgeordnete Christian Höbart
sieht angesichts der negativen Reaktionen bereits die laufenden
Landtagswahlkämpfe gefährdet. "Dieses Spielchen überspannt meiner
Meinung nach schlicht den Bogen", heißt es in einer der APA
zugeleiteten internen Mitteilung Höbarts an den "lieben Gerhard". Der
Abgeordnete fordert darin eine "vernünftige Entscheidung" des
steirischen Landesparteichefs in dieser Frage.
Die Bundes-FPÖ hat das Anti-Minarett-Spiel ihrer
wahlkämpfenden steirischen Landesgruppe verteidigt. Von Schießen
könne dabei keine Rede sein, so Generalsekretär Herbert Kickl am
Mittwoch in einer Aussendung. Es handle sich bei dem Spielvorgang
vielmehr "um das Drücken einer Stopp-Taste, um eine politische
Fehlentwicklung abzustellen".
Die Wiener FPÖ plant für den Wahlkampf kein Anti-Minarett-Spiel.
"Das ist die eigenständige Linie der steirischen FPÖ, wir brauchen
das nicht", sagte Wahlkampfleiter Herbert Kickl.
Reaktion: Kapellari warnt vor Verhetzung
Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hat sich am Mittwoch mit klaren
Worten gegen Verhetzung durch ein Computerspiel der FPÖ gewandt. Wie Kapellari
in einer Erklärung meinte, sehe er durch das Spiel das Zusammenleben religiöser
Glaubensgemeinschaften in der Steiermark gefährdet.
Die Grenzen seien überschritten worden, meinte der Grazer Bürgermeister
Siegfried Nagl (ÖVP), der das Anti-Minarett-Spiel als "geschmacklos" und "dumm"
bezeichnete. Nagl legte den Verantwortlichen von der steirischen FPÖ - inklusive
Parteichef Heinz Christian Strache - nahe, sich aus der Politik zu
verabschieden. Derartige Aktionen disqualifizierten sie für den Beruf des
Politikers.
Gerhard Kurzmann, Spitzenkandidat der FPÖ für die steirischen
Landtagswahlen, betont im Standard-Gespräch, die
christlich-abendländische Kultur zu vertreten und versteht die Reaktion
der Kirche nicht: "Wahrscheinlich kennen die Herren das Spiel nicht." (APA/red)