Staatsanwaltschaft ermittelt gegen "Anti-Minarett"-Spiel

01. September 2010 12:42

Einsatz des Spieles nicht im Wien-Wahlkampf geplant - Islamische Glaubensgemeinschaft bringt Anzeige ein

Die Staatsanwaltschaft Graz hat ein Ermittlungsverfahren wegen des "Anti-Minarett-Spiels" eingleitet, das auf der Homepage der steirischen FPÖ eingerichtet ist. Ein Sprecher der Anklagebehörde bestätigte den Eingang der Anzeige - nun werde eine Sachverhaltserhebung beauftragt. Die Anzeige lautet auf Verdacht der Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren, Delikte, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bzw. sechs Monaten bedroht sind.

Spiel derzeit noch online

Die Anzeige gegen das Spiel ist am Dienstagnachmittag vom Juristen des Grünen Landtagsklubs erstattet worden. Wie Hans-Jörg- Bacher, Sprecher der Anklagebehörde, am Mittwoch sagte, wurde das Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der für Medieninhaltsdelikte zuständige Staatsanwalt werden nun Sachverhaltserhebungen in Auftrag geben. Ob das Spiel per einstweiliger Verfügung vom Netz genommen werden muss, könne noch nicht gesagt werden, so Bacher: "In einem ersten Schritt muss geprüft werden, ob der Tatbestand erfüllt ist, in einem zweiten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind." 

Islamische Glaubensgemeinschaft bringt Anzeige ein

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hat empört auf das Anti-Minarett-Spiel der steirischen FPÖ reagiert und erstattet Anzeige. Es ist menschenverachtend, wie auf Muezzins und Minarette geschossen wird. Eine Weltreligion wird so herabgewürdigt", teilte die IGGiÖ dazu in einer Aussendung mit. IGGiÖ-Präsident Anas Schakfeh bezeichnete das Spiel im ORF-"Morgenjournal" als geschmacklos und religionsfeindlich. Laut eigenen Aussagen reagiert der steirische FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann mit dem Spiel auf den langfristigen Wunsch Schakfehs nach einer erkennbaren Moschee mit Minarett in jeder Landeshauptstadt.

Die FPÖ wolle Missgunst säen, das Spiel sei "geschmacklos und nicht nachvollziehbar in einem Land, in dem die Menschen bis jetzt in Frieden und Harmonie gelebt haben", so Schakfeh. "Das ist Religions- und Fremdenfeindlichkeit sondergleichen." "Man kann in Österreich mit anerkannten Kirchen und Religionen nicht so umgehen."

Bundes-FPÖ verteidigt Spiel

Auch der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, sparte in nicht mit Kritik am Online-Spiel: "Ist die FPÖ mittlerweile von allen guten Geistern verlassen? Die Hetze gegen Religionen hat ein absolut untragbares Ausmaß erreicht." Vom Spielaufbau her handle es sich um einen Shooter, also ein Spiel, wo es darum geht, in kürzester Zeit möglichst viele Ziele abzuschießen und zu zerstören. Für Al-Rawi bläst die FPÖ damit zur virtuellen Jagd auf religiöse Symbole und Einrichtungen. Er fordert die Verantwortlichen nun auf, das Spiel umgehend zu entfernen.

Auch in der FPÖ gibt es negative Reaktionen zum Spiel. Der niederösterreichische FP-Abgeordnete Christian Höbart sieht angesichts der negativen Reaktionen bereits die laufenden Landtagswahlkämpfe gefährdet. "Dieses Spielchen überspannt meiner Meinung nach schlicht den Bogen", heißt es in einer der APA zugeleiteten internen Mitteilung Höbarts an den "lieben Gerhard". Der Abgeordnete fordert darin eine "vernünftige Entscheidung" des steirischen Landesparteichefs in dieser Frage.

Die Bundes-FPÖ hat das Anti-Minarett-Spiel ihrer wahlkämpfenden steirischen Landesgruppe verteidigt. Von Schießen könne dabei keine Rede sein, so Generalsekretär Herbert Kickl am Mittwoch in einer Aussendung. Es handle sich bei dem Spielvorgang vielmehr "um das Drücken einer Stopp-Taste, um eine politische Fehlentwicklung abzustellen".

Die Wiener FPÖ plant für den Wahlkampf kein Anti-Minarett-Spiel. "Das ist die eigenständige Linie der steirischen FPÖ, wir brauchen das nicht", sagte Wahlkampfleiter Herbert Kickl.

Reaktion: Kapellari warnt vor Verhetzung

Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hat sich am Mittwoch mit klaren Worten gegen Verhetzung durch ein Computerspiel der FPÖ gewandt. Wie Kapellari in einer Erklärung meinte, sehe er durch das Spiel das Zusammenleben religiöser Glaubensgemeinschaften in der Steiermark gefährdet.

Die Grenzen seien überschritten worden, meinte der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP), der das Anti-Minarett-Spiel als "geschmacklos" und "dumm" bezeichnete. Nagl legte den Verantwortlichen von der steirischen FPÖ - inklusive Parteichef Heinz Christian Strache - nahe, sich aus der Politik zu verabschieden. Derartige Aktionen disqualifizierten sie für den Beruf des Politikers.

Gerhard Kurzmann, Spitzenkandidat der FPÖ für die steirischen Landtagswahlen, betont im Standard-Gespräch, die christlich-abendländische Kultur zu vertreten und versteht die Reaktion der Kirche nicht: "Wahrscheinlich kennen die Herren das Spiel nicht." (APA/red)

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stolmich
02.09.2010 14:12
hab leider nur

34500 Punkte. GEILES Game, leider keine HDD-Installation möglich.

Luky Pozzo
02.09.2010 16:06
Macht nichts

Das Game ist ja nur ein Intelligenztest für FPÖ'ler.

Austrianer was sonst!
02.09.2010 10:19
35000 Punkte! Wer bietet mehr?

Dann versteh ich das eigene Wort nicht mehr!!!! bahabahalabahaaaa!!!!!!

Helmut-S
02.09.2010 10:07
Dieses dumme Spiel ist ein wunderbares Beispiel...

...wie die politische und mediale Welt in Österreich funktioniert.

Rein sachlich kann man festhalten: Im Gegensatz zu Moorhuhn und ähnlichem gibt es dort kein Fadenkreuz, keine Munitionsanzeige, kein Nachladen, kein Schussgeräusch. Die Türme explodieren nicht, die Muezzins gehen einfach wieder wenn man sie "wegklickt".

Objektiv fehlt jeder Hinweis das hier "geschossen wird".

Aber die Medienschlagzeile seit zwei Tagen, und alle Aussagen der Politiker beziehen sich auf "Gewaltverherrlichung", "Aufruf zum Schiessen auf Andersgläubige" etc.

Statt das man einen sachlichen Diskurs sucht und so der polemischen FPÖ den Wind nimmt, steigert sich die Gegenseite selbst in Polemik jenseits aller Fakten.

Und die meisten Poster sind um nix besser.

Nick Not
02.09.2010 13:39

was für einen sachlichen Diskurs? mit der FPÖ im Wahlkampf? wie kann man sich das vorstellen?

Im Wahlkampf ist Sachlichkeit ohnehin sehr rar gesät und bei der FPÖ, die sich seit Jahren im Dauerwahlkampf befindet ist Sachlichkeit ja einer der größten Feinde (ist aber bei anderen Parteien Stichwort "Fekter" nicht viel anders). Für Sachlichkeit bräuchts halt auch ein wenig Theoriearbeit und da ist die FPÖ ohnehin sehr schwach aufgestellt.

Helmut-S
02.09.2010 13:49
Man könnte zb. als politische Linke...

...auf dieses Moschee-Spiel mit einer faktuellen und sachlichen Argumentation pro Religionsfreiheit reagieren, man könnte aber auch die Ängste der "kleinen Leute" aufgreifen und auf Aufklärung zum Thema Moschee, Islam etc. setzen.

Dafür brauch ich keine sachliche FPÖ als Gegenpart.

Aber stattdessen genügt es der Linken mittlerweile, genauso beireflexartig zu agieren wie Strache selbst... inklusive medial perpetuierter Behauptung von Dingen die einfach nicht da sind ("Schiessspiel").

Man projiziert die schlimmsten Befürchtungen der eigenen Ideologie auf den politischen Gegner und wirft ihm diese vor, fern einer für neutrale Beobachter (und potentielle Wähler) wahrnehmbaren Realität.

LeMik
02.09.2010 11:11

jeder weiß, worum es bei dem spiel geht.. egal in welcher aufmachung es daher kommt.
auf dieser ebene ist schon lange kein sachlicher diskurs mehr möglich und genau das wurde damit von den blauen beabsichtigt.

Helmut-S
02.09.2010 11:33
Es ist bezeichnend für die Linken...

...das immer "jeder weiß worum es geht".

Wenn die Rechten bei den Ausländern frei und deppert irgendwas reininterpretieren, zb. in die Aussagen vom Shakfeh, ist es natürlich ganz böse. Aber wenn die Linken bei den Rechten reininterpretieren und nur mehr auf der Basis der eigenen Projektion argumentieren, ist es super fein?

Beide Seiten in diesem Streit sind längst jenseitig. Ich als Mann der Mitte halte eben nur fest das es hier lange nicht mehr um Fakten geht.

skip it
02.09.2010 14:05
sie meinen die "rechtsextremen"...

...immer schoen bei den fakten bleiben, ja!?

Tethys
02.09.2010 13:28

"Ich als Mann der Mitte halte eben nur fest das es hier lange nicht mehr um Fakten geht."

Frage: Ging es bei der FPÖ je um "Fakten" oder doch um "Bauchgefühle" und Polemik? Welche "Fakten" zeigt dieses Spiel nochmal auf?

Helmut-S
02.09.2010 13:40
Bei der FPÖ...

...geht es nicht um Fakten. Deswegen wird sie ja kritisiert.

Aber das ist kein Grund das die Gegenseite jetzt auch seit drei Tagen sich an einen Sager vom Kogler hängt, der mit dem tatsächlichen Spielinhalt nur am Rande zu tun hat.

Mittlerweile ist es echt schwer in diesem Land, die Linken und die Rechten zu unterscheiden.

Beide züchten polemische Feindbilder (Ausländer vs. Kapitalisten)
Beide geben einfache Antworten auf komplizierte Fragen (Zuwanderungstopp vs. Reichensteuer)
Beide brauchen einander um die eigenen Anhängerschaft zu mobilisieren.

Wenn jetzt also FPÖ-Gegner auch schon anfangen, verkürzte unwahre Behauptungen durch die Medien und Foren zu treiben ("Da kann man Muezzins abballern...") folgt man fest in blauen Spuren.

Helmut-S
02.09.2010 10:42
Ihr könnt mich gerne rotstricheln...

...nur weil ich nicht in die allgemeine "Oh Gott, da wird geschossen!" Hysterie einstimme.

Tatsache ist das dieses Spiel bereits von der SVP in der Schweizer Kampagne verwendet worden (unter dem Titel "Minarett Attack!" und nirgends in der Schweiz hat irgendjemand das assoziert mit "Schiessen auf Muezzins".

Der einzige der das behauptet hat ist der Werner Kogler, und wie kann es sein das die Meinung eines einzelnen plötzlich medial zum Fakt wird, obwohl jeder selbst sehen kann das es hier nicht um ein "Muezzinhuhn" geht?

Dem bleibt umbenommen das die FPÖ deppert genug ist, aber statt sachlichen Diskurs hysterische Übertreibung zu produzieren lässt die Linken genauso unseriös aussehen. Lasst den Job der Hysterie doch der FPÖ?

Hudri Wudri
02.09.2010 14:35
Na wenn die Schweiz

sich daran nich stoesst, dann wird's wohl fuer uns Oesis auch gut sein...
Ich wuensche mir in Oesterreich weder ein Minarett- noch Kreuzverbot, da Beide das Recht auf freie Meinungsaeusserung beschneiden wuerden.
Klar, dass i.d. Schweiz Niemand auf die Idee gekommen ist, dass in diesem Spiel geschossen werden koennte - dort weht auch ein etwas nationalerer Wind als hier (wer weiss, wie lange noch). Ausserdem ist dieses Spiel vom Kontext der xenophoben Aktionen dieser Partei nicht zu trennen und da schaut die Sache schon ganz anders aus...
Rote Striche sind mE nur fuer unsachliche (--> unnoetige) Postings da, Sie "verdienen" also keinen ;-)

Helmut-S
02.09.2010 14:49
Sehe ich halt anders - aber danke für die sachliche Antwort

Ad1) Kirchtürme und Minarette als "freie Meinungsäußerung" ist für mich etwas weit interpretiert - damit wirt ja auch andere Leuten was "auf's Aug drückt" auch wenn diese gar nicht wollen.

Ad2) Das Sie das Spiel im "Kontext der Aktionen dieser Partei etc..." sehen sei Ihnen unbenommen. Aber das sind persönliche Assoziationen und keine Fakten.

Ich kann nicht jemand eine strafbare Handlung vorwerfen ("Der will auf Muezzine schiessen lassen!") nur auf Basis meiner persönlichen Assoziation mit dieser Person. Ist ja nicht "Minority Report" hier, wo jemand verhaftet wird bevor er eine strafbare Tat tatsächlich begeht.

Ich bin mir bewusst das die Angst "dann ist es vielleicht zu spät" ist, trotzdem ärgert mich die Beugung des Rechtsstaats.

sixela
02.09.2010 09:42
Erinnert ihr euch an das Moorhuhn-Spiel?

Serienweise Vögel abknallen war ja soooooo lustig.

Und gegen die hunderten Kriegsspiele hat offenbar auch niemand etwas. Aber auf ein paar Gebäude schießen, das ist ein Verbrechen.

Und das alles nur weil Religion im Spiel ist, einer der größten Irrtümer der Menschheitsgeschichte.

(womit ich nicht die FPÖ per se verteidige, ich weiß, dass die mit dem Kreuz wacheln)

Hudri Wudri
02.09.2010 10:48
Also wenn eine Nazipartei

ein Spiel publiziert, in dem man Muezzine und Minarette abschiessen soll, dann darf man dies nicht aus dem Kontext herausreissen - womit ich Kriegsspiele jeglicher Art nicht verteidige.
In diesem Sinne ersuche ich auch Sie, die Kirche im Dorf zu lassen und die aktuelle Causa in ihrer Gesamterscheinung zu bewerten.

Aristarch
02.09.2010 10:46
Sie haben nichts verstanden!

1. Wird beim Spiel auch auf Menschen gezielt: Es erscheinen immer wieder Muezzine, die abgeschossen werden sollen.

2. Es geht für mich nicht um Religion. Es geht für mich darum, dass gegen einen Teil der Bevölkerung gehetzt wird. Hier wird die Mehrheitsbevölkerung gegen eine Minderheit aufgestachelt.

Es ist nur durch ihre religionsfeindliche Einstellung erklärbar, dass Sie sich veranlasst sehen, diese üble Propaganda zu relativieren. In einer Demokratie sollte aber keine Bevölkerungsgruppe (egal welcher Nationalität oder religiöser bzw. nichtreligiöser Anschauung) derart aggressiven Angriffen ausgesetzt sein.

Helmut-S
02.09.2010 13:42
Kaufen Sie sich mal DOOM3...

...dann werden Sie vielleicht den Unterschied zwischen "Ballerspiel" und STOPP-TAFEL verstehen.

wildkater
02.09.2010 09:30
Gerhard Kurzmann, Spitzenkandidat der FPÖ für die steirischen Landtagswahlen, betont im Standard-Gespräch, die christlich-abendländische Kultur zu vertreten

Gerhard Kurzmann, Mitglied der rechtsextremen Kameradschaft IV der Waffen-SS, will die christlich-abendländische Kultur (!!!) vertreten?

Dann wären wir dem Untergang geweiht.

Niveauloser als dieser Neonaz! geht's nimmer für die Steirer.

wildkater
02.09.2010 09:27
Bundes-FPÖ verteidigt Spiel

...aber wer verteidigt jetzt noch die Bundes-FPÖ?

Johnny Brainstorm
 
02.09.2010 08:44

Kann mal wer einen Clone programmieren, wo man auf FPÖ Wahlplakate mit Stoptaferln schießt?
Bin gespannt, was man dann von der FPÖ zu hören bekommt...

wildkater
02.09.2010 09:26

Noch besser ist es, dass in echt zu machen. Da würden's schaun, die Kellernaz!s

BastiGross
02.09.2010 08:00
Und wieder laufen die Linken

ins offene Messer der Rechten. Wie dumm muss man sein, ständig auf denselben Trick hereinzufallen. Vor der Wahl wird ein bisserl provoziert, dann kommt programmgemäß der Aufschrei und dann haben die Rechten eine Medienpräsenz, die sie unmöglich sonst erreicht hätten. Ignorieren ist das Zauberwort.

Und nebenbei bemerkt. Schakfeh ist ja wohl der politisch naivste Beteiligte in dieser Farce - sollte von der FPÖ ein Honorar bekommen für diese Steilvorlage.

Andreas Schneider
02.09.2010 13:38
unsinn

das spiel mit dem feuer hat für die fpö in der steiermark weder bei der letzten gemeinderatswahl in graz (fpö 5. platz hinter grünen und kpö) noch bei der letzten landtagswahl (ebenfalls 5. platz hinter kpö und grünen, rausflug aus dem landtag) funktioniert.

der "winter-effekt" ist also nicht gerade positiv für die blauen verlaufen, dem rechten recken kurzmann ist ähnliches zu wünschen ...

Luky Pozzo
02.09.2010 12:29
Solange das geöffnete Messer der Rechten

noch eines im übertragenen Sinn ist, muss man dagegen kämpfen.
Sobald es ein echtes geworden ist, könnte es schon zu spät sein.

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