3D-Fernsehen und Verschmelzung von TV und Internet im Fokus
Zur Funkausstellung IFA ist der Kampf um die
Zukunft des Fernsehens voll entbrannt. Das Internet
stürmt die letzte
Bastion der Medienbranche, die es noch nicht umgekrempelt hat: Den
klassischen Fernsehempfang. Die Vision ist, dass der Zuschauer sich
nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Video bewegen kann. Über die Verschmelzung von Fernsehen und Online-Video wurde
seit
Jahren gesprochen, doch jetzt kommt auf einmal richtig Schwung in die
Entwicklung. Die Anbieter überschlagen sich mit Angeboten, jeder will
sich sein Stück Neuland sichern. Für den Zuschauer bedeutet das mehr
Auswahl im TV - und er wird sich wieder einmal neue Geräte besorgen
müssen.
Hybrid-Fernsehen
In Deutschland geht zunächst das ZDF mit dem Hybrid-Fernsehen
HbbTV an den Start. Der Sender will damit die Fernsehübertragungen
mit Inhalten aus der Online-Mediathek verknüpfen. Der Zuschauer soll
dabei mit einem Gerät und einer Fernbedienung auskommen. HbbTV ist
ein neuer europäischer Standard, mit dem Sender und Gerätehersteller
ein Formatchaos vermeiden wollen. Der Schauplatz des Zukunftskampfes liegt jedoch vor allem in
den
USA, dem Land, in dem die meisten international verkauften TV-Serien
produziert werden - und jährlich 70 Mrd. Dollar (55,2 Mrd. Euro) in
Fernsehwerbung fließen. Letztlich wird es um die Neuverteilung dieser
gewaltigen Geldströme gehen.
Internet-TV
Auch der weltgrößte Online-Händler
Amazon
soll an einem eigenen Internet-TV
basteln. Amazon verhandle mit
mehreren Medienkonzernen, um Fernsehsendungen, Filme und Serien
online auf Sendung bringen zu können, berichtete das "Wall Street
Journal" am Mittwoch. Für Mittwoch wird auch ein weiterer Vorstoß von Apple in diese
Richtung erwartet. Gerüchten zufolge will Konzernchef Steve Jobs eine
neue Version der Wohnzimmerbox Apple TV und erweiterte Deals mit
US-Fernsehsendern präsentieren. Auch Google will im Herbst auf einer
eigenen Plattform Fernsehen und Internet
verschmelzen - und zu dem
Konzern gehört schließlich die führende Onlinevideo-Website YouTube.
3D-Fernsehen
Auf der IFA wird auch noch eine weitere Fernsehneuheit im
Mittelpunkt stehen: 3D-TV. Nach dem überragenden Erfolg von
dreidimensionalen Kinofilmen wie "Avatar" will die Industrie die
Technik auch schnell in die Wohnzimmer bringen. 3D-taugliche
Fernseher sind bereits im Handel, nur das Angebot an entsprechenden
Filmen ist noch sehr dünn. Auf der Messe wird man die Technik an
vielen Ständen ausprobieren können. Dann können die Zuschauer auch
entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, für das 3D-Erlebnis mit
einer Spezialbrille im Wohnzimmer zu sitzen. Laut Umfragen jedenfalls
stört das viele nicht.
Ab Freitag für Publikum offen
Für das Publikum öffnet die Messe am Freitag und läuft bis zum
8.
September. Der heutige Mittwoch und der Donnerstag sind der Presse
und Fachbesuchern vorbehalten. Zahlreiche Neuheiten wollen auch
Hersteller von Hausgeräten präsentieren, die inzwischen fest zum
IFA-Programm gehören. Die Schau unter dem Berliner Funkturm gilt als weltgrößter
Treff
der Unterhaltungselektronik-Branche. In diesem Jahr werden zehn
Prozent mehr Aussteller erwartet. 2009 waren es 1164. Vor allem der
TV-Absatz boomt: Im Schnitt wird sich Branchenschätzungen zufolge
jeder vierte deutsche Haushalt in diesem Jahr einen neuen
Flachbild-Fernseher kaufen. (APA)