Mexikos Drogen-"Barbie" hinter Gittern

31. August 2010, 20:00
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Vom Footballer zum Drogenboss: Edgar Valdez Villarreal

Wer den entscheidenden Hinweis, der zur Festnahme führte, gegeben hat, ist jetzt wohl um zwei Millionen Dollar reicher. So viel Geld hatten die Behörden in Aussicht gestellt, um den Drogenboss Edgar Valdez Villarreal in Mexiko zu schnappen. Ihm wird Drogenschmuggel, Geldwäsche und Mord vorgeworfen. Bis vor kurzem soll er in der Führungsriege eines der mächtigsten Drogenkartelle Mexikos gewesen sein: jenem der Brüder Beltran Leyva.

Der wegen seines blonden Schopfes unter dem Beinamen "La Barbie" bekannte gebürtige Texaner gilt als brutal und gewalttätig. Bei seiner Festnahme in der Nacht zum Dienstag in der Nähe von Mexiko-Stadt soll er aber keine Gegenwehr geleistet haben.

Vom Star zum Dealer

Der am 11. August 1973 in den USA geborene Valdez hätte auch etwas anderes werden können als einer der dicksten Fische im erbitterten Drogenkrieg Mexikos: In der Highschool war der aus einer Mittelklassefamilie stammende Valdez ein Footballstar. Allerdings begann er schon kurz später, noch als Jugendlicher, im texanischen Laredo mit Marihuana zu dealen.

Valdez erlebt nach seiner nunmehrigen Festnahme nicht seine erste Begegnung mit schwedischen Gardinen: Er saß in den USA schon einmal hinter Gittern. In einem ihrer eigenen Gefängnisse würden die USA ihn jetzt gern wieder sehen: Sie fordern die Auslieferung des Drogenbosses.

In Mexiko war "La Barbie" nach Medienberichten zunächst Teil des Sinaloa-Kartells, das mit den Brüdern Beltran Leyva zusammenarbeitete. Valdez soll in dieser Zeit die Aufnahme eines Videos initiiert haben, auf dem zu sehen ist, wie die Mitglieder anderer Banden gefoltert werden.

Faible für teure Autos

2008 gründeten die Brüder Beltran Leyva ihr eigenes Kartell - und Valdez wurde darin eine zentrale Figur. "Valdez hatte auch Kontakte zu Banden in Mittel- und Südamerika, die Drogen in die USA schmuggeln", sagt ein mexikanischer Sicherheitsbeamter. Der Texaner soll neben Englisch auch perfekt Spanisch sprechen und ein Faible für teure Autos und Designerkleider haben.

Ende 2009 wurde Arturo Beltran Leyva, Kopf des Kartells, bei einer Auseinandersetzung mit Sicherheitskräften getötet. Dessen Bruder Hector und Valdez kämpften seither einen erbitterten Machtkampf. Mitte 2010 soll Valdez versucht haben, sein eigenes Kartell aufzubauen. Möglicherweise machte er sich dabei zu viele Feinde. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 1.9.2010)

 

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